St. Petersburg: Russische Impressionen, Teil 1

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Peterhof, St. Petersburg, Foto Anastasiya Romanova bei Unsplash

Russland als Reiseland

Russland ist ein phantastisches Reiseland. Auf einer riesigen Fläche bietet es alles, was sich ein/e Reisende/r wünscht. Bis vor wenigen Jahren waren Russlandreisen lediglich etwas für Gruppenreisende.

Als Reisender war man dann stets unter Kontrolle und durfte unter diesen Bedingungen das beeindruckende kulturelle und landschaftliche wie auch das spartanische gastronomische Angebot genießen.

Vieles hat sich seitdem erfreulicherweise geändert. Die Kontrolle ist zwar unauffälliger  geworden, nicht aber ganz verschwunden.

Wenn eines Tages die Folgen des Coronavirus überwunden und Reisen nach Russland uneingeschränkt möglich sind, kann auch der St.-Petersburgreisende wieder auf seine Kosten kommen, Städte wie St. Petersburg sind zu allen Zeiten eine Reise wert. Inzwischen hat die Stadt ein nahezu westliches Flair. Durch den Massentourismus beeinflusst haben sich in den Weltstädten wie Moskau und St. Petersburg inzwischen Fremdsprachenkenntnisse durchgesetzt; das Warenangebot hat westliches Niveau, mit der Wandlung weg vom Sozialismus hin zum hemdsärmeligen Kapitalismus zeigen sich inzwischen auch in den russischen Großstädten Erscheinungen, wie wir sie von westlichen Großstädten kennen.

D.h. u.a. die Brieftasche bitte stets unter Kontrolle halten!

Als Individualtourist unterwegs

Wer heute nach St. Petersburg reist, kommt als Individualreisender verhältnismäßig gut zurecht. Er kann bereits von zuhause aus das Hotelzimmer buchen und am Ort das umfangreiche Angebot an Busrundfahrten oder Schiffsausflügen genießen. Wenn der Reisende über ausreichende Russischkenntnisse verfügt, ist er auch für die Bewältigung von am Ort möglicherweise entstehenden Problemen gerüstet (s. Anmerkungen dazu später).
Wer dagegen nicht über ausreichende Russischkenntnisse verfügt, dem ist von einer Individualreise – sogar nach St. Petersburg – abzuraten.

St. Petersburg

Die Stadt trägt den Namen des Gründers, nämlich Peters des Großen, der als Zar anfangs des 18. Jahrhunderts die Stadt gründete und sie zur Hauptstadt des russischen Reiches ausbaute.

Kasaner Kathedrale, Foto Ludwig Neudorfer

Bis zum Ende des 1. Weltkriegs blieb sie Hauptstadt und kulturelles Zentrum Russlands. Komponisten wie Piotr. I. Tschaikowski oder Dichter wie Alexander S. Puschkin oder Fiodor M. Dostojewski prägten im 19. Jahrhundert das kulturelle Leben St. Petersburgs.

Während der Blockade im 2. Weltkrieg, die fast zweieinhalb Jahre dauerte und das Leben von mehr als 1 Million Zivilisten forderte, wurde die Stadt weitgehend zerstört.

Der Newski-Prospekt, der Winterpalast mit der Eremitage wie auch der frühere Sommersitz der Zarenfamilie erblühen heute wieder in altem Glanz.

Ich hatte Gelegenheit, bereits im Jahr 1983 erstmals die Stadt zu besuchen, die damals noch Leningrad hieß. 2016 und 2017 habe ich sie erneut besucht und war bei jedem Aufenthalt von der Pracht der Bauten und Plätze begeistert.

Während der letzten beiden Aufenthalte übernachteten wir jeweils in einem kleinen, schnuckeligen Hotel, nämlich dem Art House Hotel,  in der ulitsa Marata gelegen, einer Seitenstraße des Newski-Prospekts. Sobald Du den ersten Schock über die im Eingangsbereich verteilten offenen Stromleitungen überwunden hast, wirst Du den Aufenthalt in den zwar nicht opulent, aber geschmackvoll eingerichteten Zimmern genießen.

Eingansbereich des Art House Hotels, Foto Ludwig Neudorfer

Von dem strategisch günstig gelegenen Hotel aus wird es Dir leicht fallen, die interessantesten Stellen der Stadt zu finden. Direkt in der Straße finden sich zahlreiche nette Restaurants und Läden.

Newski-Prospekt

Gehst Du ein paar Meter weiter, bist Du in der St. Petersburger Prachtstraße, dem Newski-Prospekt, angekommen. Links und rechts befinden sich die interessantesten Gebäude und Straßen der Stadt sowie Kanäle und Nebenflüsse der Newa.

Die Mojka, ein Nebenfluss der Newa, Foto Ludwig Neudorfer

Maler stellen ihre Werke aus, oder manche Sänger beleben die Atmosphäre am Newski-Prospekt mit ihrer Musik.

Eine Band, die am Newski-Prospekt ihre Stücke zum Besten gibt, Foto Ludwig Neudorfer

Alle paar Meter entlang des Newski-Prospekts hast Du die Möglichkeit, in Ausflugsbusse einzusteigen und überall da wieder auszusteigen, wo es Dir gefällt. Angefangen vom Moskauer Bahnhof und dem Platz des Aufstands kommst Du entlang des Newski-Prospekts bis zu den Hauptsehenwürdigkeiten der Stadt. Auf der linken Seite erblickst Du die Kasaner Kathedrale mit dem Standbild von General Kutusow davor, dem Sieger gegen die napoleonische Armee bei Borodino.

General Kutuzov, Foto Ludwig Neudorfer

Wenn Du Dich an der rechten Straßenseite aufhältst und den Gribojedow-Kanal entlang siehst, wirst Du eine Kirche entdecken, die Dir bekannt vorkommt, wenn Du schon einmal in Moskau warst. Die im 19. Jahrhundert erbaute Auferstehungskirche oder auch Blutkirche hebt sich von anderen Kirchen in St. Petersburg ab und erinnert auffällig an die Basilius-Kathedrale am Roten Platz in Moskau.

Auferstehungs- oder Blutkirche, Foto Ludwig Neudorfer

Fast schon am Ende des Newski-Prospekts angekommen entdeckst Du linkerseits die Isaakskathedrale, die nach dem Sieg über die napoleonische Armee als Nationaldenkmal gedacht war. Bis zum Jahr 1928 als Kirche genutzt, wurde sie in der Folge zweckentfremdet. Heute werden dort wieder Gottesdienste abgehalten.

Isaakskathedrale, Foto Ludwig Neudorfer

Winterpalast und Eremitage

Rechts vom Newski-Prospekt bist Du schließlich am Ziel Deiner St. Petersburg-Wünsche und -Vorstellungen angekommen, dem Palastplatz mit dem Winterpalast.

Torbogen mit der Alexander-Säule, Foto Ludwig Neudorfer

Der Barockstil des Platzes und der umliegenden Gebäude wird durch manches Schauspiel, das dem Reisenden geboten wird, unterstrichen

Barockatmosphäre auf dem Palastplatz, Foto Ludwig Neudorfer

Wenn Du Dich schon vor dem Winterpalast, der Hauptresidenz der russischen Zaren, befindest, ist ein Besuch der Eremitage, die mit dem Winterpalast eine Einheit bildet, ein absolutes Muss.

Zwar wurden die Bestände durch die Abgabe eines Teils an das Moskauer Puschkin-Museum etwas dezimiert, immer noch aber befinden sich über 3 Millionen Ausstellungsstücke, darunter wichtige Werke der europäischen klassischen Kunst in dem Museum

 

Deckenverzierung in der Eremitage, Foto Ludwig Neudorfer

Der Palastplatz ist einer der von Touristen am häufigsten besuchen Orte in St. Petersburg. Wie in anderen touristischen Zentren auch werden solche Plätze nicht nur von Touristen sondern auch von Kriminellen heimgesucht. So ist es bei der Reise im Jahr 2017 einem Mitglied unserer kleinen Gruppe passiert, dass ihm die Brieftasche mit Kreditkarte gestohlen wurde. Die Benachrichtigung der Bank in Deutschland war nach Entdeckung des Diebstahls noch der am einfachsten zu bewältigende Lösungsansatz, wesentlich schwieriger war es, die St. Petersburger Polizei zur Erstellung eines Protokolls über den Diebstahl für die deutsche Versicherung zu bewegen. Wir benötigten dazu drei Besuche bei Polizeistellen, um schließlich das Protokoll zu erhalten. Wie bereits früher angedeutet, ist es nicht ratsam, als Individualtourist in St. Petersburg unterwegs zu sein, wenn man nicht über ausreichende Russisch-Kenntnisse verfügt. Entsprechende Kenntnisse waren im Kontakt mit der Polizei von unschätzbarem Vorteil.

Peterhof

Unweit des Winterpalastes befindet sich die Anlegestelle für Ausflugsboote zu verschiedenen touristisch interessanten Plätzen.

Ausflugsboot, Foto Ludwig Neudorfer

Wir entschieden uns für einen Ausflug zu der 30 km westlich von St. Petersburg gelegenen Palastanlage Peterhof. Wie der Name schon vermuten lässt, ist die Gründung der Anlage ebenfalls auf Peter den Großen zurückzuführen. Während des 2. Weltkriegs und der Leningrader Blockade wurde das Schloss als Stützpunkt der Wehrmacht verwendet. Als die deutschen Truppen abzogen, war es nur noch eine Ruine.

Als wir 1983 das erste Mal in Peterhof waren, war das Schloss wiederaufgebaut und stellte sich nahezu in der heutigen Pracht dar. Damals waren wir mit russischen Touristen allein in der Anlage. Heute drängen sich Touristen aus aller Herren Länder und genießen die barocke Atmosphäre und den Prunk aus der Zeit Peters des Großen.

Blick auf Schloss Peterhof, Foto Ludwig Neudorfer

Schloss Peterhof mit der großen Kaskade, Foto Ludwig Neudorfer

Die nachfolgende fotografische Spielerei mit der großen Kaskade vervielfacht die Pracht der Anlage noch.

Die großen Kaskaden – fotografisch verfremdet, Foto Ludwig Neudorfer

Mit dem Abstecher nach Peterhof war unsere Reise nach St. Petersburg fast schon zu ihrem Ende gekommen. Es hätte noch viel mehr zu sehen un zu erleben gegeben. Unsere Zeit in St. Petersburg war dafür jedoch nicht ausreichend.

Fazit

Russland ist ein faszinierendes Reiseland und St. Petersburg dabei an herausragender Stelle. Wenn nicht gerade eine weltweite Pandemie herrscht und die Reisemöglichkeiten damit eingeschränkt sind, gibt es unzählige Möglichkeiten, um nach St. Petersburg zu reisen. Viele der Reisenden sind in Gruppen unterwegs, was auch heute noch die empfehlenswerteste Reisemöglichkeit ist. Vieles wirkt zwar bekannt und erfordert keine große Eingewöhnung, für Indivdualreisende sind Kenntnisse der russischen Verhältnisse und Sprache dennoch von großem Vorteil.

 

Reiseliteratur

Sankt Petersburg und seine Vororte von Jewgenij Anissimow, erschienen im Verlagshaus Golden Lion in St. Petersburg

Peterhof von Jelena Kalnizkaja, erschienen im Verlagshaus Golden Lion in St. Petersburg

antiquarisch

Leningrad Art and Architecture (englisch) von V. Schwarz, erschienen bei Progress Publishers Moscow

Die Museen von Leningrad von M. Muschtukow und L. Tichonow, erschienen im Verlag Progress, Moskau

 

Titelbild: Peterhof, St. Petersburg, Foto von Anastasiya Romanova bei Unsplash