Irland: Wassern in Foynes war damals eine reine Luxusangelegenheit

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Ein Gastbeitrag von Wolfgang Schumacher

17-stündiger Non-Stop-Atlantikflug und dann einen Irish Coffee

In dem kleinen westirischen Örtchen landete 1939 ein Flugboot des Typs „Boeing 314 Clipper“ nach einem 17-stündigem Non-Stop-Atlantikflug.

Es war im April 1939, also vor etwas mehr als 80 Jahren, da landete das erstaunlich komfortable und in seinen Ausmaßen ebenso riesige wie technisch anspruchsvolle Flugboot des US-amerikanischen Flugzeugkonstrukteurs Boeing unter dem Kommando von Flugkapitän Harold Gray erstmals auf dem Wasser des Flusses Shannon, ganz im Westen der irischen Republik.

Fliegerisches Drehkreuz

Dort in der Deltamündung des breiten Stromes der immergrünen Insel wasserte die erste Maschine nach einem geglückten, 17-stündigen Non-Stop-Atlantikflug nahe dem westirischen Örtchen Foynes nicht weit von der Provinzhauptstadt Limerick entfernt und entließ die ersten Transatlantikpassagiere auf den Holzsteg der Anlegestelle, es war der erste Linienflug über den Großen Teich.

Vom Steg am Wasser mussten sie nach dem Abwickeln der Zoll- und Einreiseformalitäten nur zu dem kleinen Bahnhof des verschlafenen Örtchens wandern, ab da waren sie an das Eisenbahnnetz des Kontinents angeschlossen. Ab diesem Tag und dann etwa ein Jahrzehnt lang wurde Foynes zum fliegerischen Drehkreuz der zivilen Transatlantikluftfahrt, die Clipper starteten umgehend zum Rückflug nach Neufundland und weiter nach New York.

Mit dem eigens entwickelten Flugboot des Typs „Boeing 314 Clipper“ eröffnete die amerikanische Fluggesellschaft PanAm damals die ersten transatlantischen Linienflüge, dabei war es gerade erst zwölf Jahre her, seit Flugpionier Charles Lindbergh in genau 33 Stunden und 30 Minuten seinen spektakulären Alleinflug nonstop von New York bis nach Paris überstanden hatte.

Ganz anders als in dem spartanischen Cockpit von Lindberghs „Spirit of St. Louis” aus dem Jahr 1927 ging es in dem Groß-Clipper der Boeing-Werke in Seattle direkt um Lebensart und Luxus, einen Luxus, der selbstredend nach heutigen Maßstäben eher spartanisch war, damals aber war die Innenausstattung des Clippers der ultimative „Dernier Cri“, der letzte Schrei. Das Ergebnis der Designer kann man ganz in Ruhe noch heute im Flugmuseum der Flying Boats in Foynes bewundern.

Denn dort hinter einem eher unscheinbaren Haus angedockt an das liebevoll gestaltete Flugzeug-Museum ist eine eigens von Boeing autorisierte Replik des Clippers 314 stationiert. Nur flugtauglich ist die Maschine leider nicht mehr.

„Für die Flügel war kein Platz“,

berichtete die ebenso freundliche wie historisch versierte Museumsleiterin Jenny Carpendale, die gesamte Spannweite des viermotorigen Flugzeuges würde den Abriss des Hauses erfordern. Sobald man das Eintrittsbillet erstanden hat, geht es in drei Ausstellungsräume, die allerlei Errungenschaften der technischen Pionierzeit der Fliegerei aus den 1930er Jahren zeigen.

Zwölf Maschinen

So sieht man dort im „Foynes Radio Room“ riesige Funkgeräte, die damals noch nötig waren, um die Verbindung mit den Empfangsgeräten in den Maschinen herzustellen.

Foynes Flying Boat & Maritime Museum

Foynes Flying Boat & Maritime Museum

Das geräumige Cockpit lag quasi im Obergeschoss des Fliegers, wie im später konstruierten Jumbo durch eine Treppe erreichbar.

Foynes Flying Boat & Maritime Museum

Foynes Flying Boat & Maritime Museum

Für den Flug mit dem Pan-Am-Clipper über den Atlantik liquidierte die Gesellschaft eine damals durchaus horrende Summe von 10 000 US-Dollar pro Passagier – und bekam sie auch, die Maschinen waren mit 36 Passagiere, fünf Besatzungsmitgliedern und weiteren fünf Servicekräften zumeist ausgebucht. Für jenes 10 000-Dollar-Ticket wurde denn auch richtig was geboten in der B-314, die als „Yankee Clipper“ von der US-First-Lady Eleanor Roosevelt im März 1939 getauft und in Dienst gestellt wurde.

Erstaunlich: Nur zwölf Maschinen dieses Typs wurden für die Pan Am gebaut, am Ende in den 1950-er Jahren flog keine der Vorläufer-Jumbos mehr. Im Speisesaal des Clippers gab es 14 Plätze, teure weiße Leinentücher bedeckten die Tische, auf den in Kristallgläsern von den schwarz gekleideten Kellnern auf den Flügen nachgeschenkt wurde, in der Lounge konnte man den Abed-Whiskey auf dem ab Neufundland 17-stündigen Non-Stop-Flug nehmen. Stolz ist man heute noch im Museum auf eine romantische Besonderheit im Bug des Flugbootes.

Hier haben die Ausstatter eine kleine, aber durchaus charmante Hochzeitssuite im Angebot, das Paar konnte ausgiebig speisen und sich sodann zur Hochzeitsnacht zurückziehen.

Schnellkurs für die Irish-Coffee-Zubereitung

Das Foynes Flying Boat Museum ist natürlich der Stolz des Ortes westlich von Limerick im gleichnamigen County am Südufer des Shannon, über den nicht weit entfernt davon von Tarbert aus eine Fähre die Reisenden gen Norden nach Killimer im County Clare – die Verbindung ist ein Teil des legendären Wild Atlantic Way vom lieblichen Süden bis in den wilden Norden der Republik – bringt, man spart eine Menge Kilometer mit dieser Schiffsverbindung.

Doch bevor man das Flying Boat Museum endgültig verlässt, ein letzter Tipp: Im angrenzenden Restaurant des Museums bietet die freundliche Museumsleiterin einen Schnellkurs für die Irish-Coffee-Zubereitung, natürlich mit irischem Whiskey, was sonst. Denn auch hier heißt es, die richtige Drehung des Löffels und das gekonnte Einfließen der„Creme“, der Sahne, ist entscheidend für den Geschmack.

Irish Coffee im Foynes Flying Boat & Maritime Museum

Irish Coffee im Foynes Flying Boat & Maritime Museum

Wer das am Ende beherrscht, bekommt eine schöne Urkunde als Fachmann am Irish-Coffee-Glas,denn in einem solchen wird das alkoholische Heißgetränk traditionell zubereitet.

Dort an der Shannon-Mündung ist die irische Westküste nicht weit, wie beinahe überall locken kleine malerische Orte wie Kilkee mit seinen Klippen oder zum Verschnaufen, bei Austern, Lobster, Guinness und Whiskey im Old Ground Hotel in Ennis (County Clare), was könnte es noch Besseres geben.
Wie es sich gehört, zum Ausklang ein Geheimtipp, weg von der Fliegerei hin zur schönen irischen Musik. Denn im Music Makers Visitor Center in West Clare im Örtchen Miltown Malbay kann man sich an der legendären Tin Whistle unterweisen lassen und sogar einen Tanzkurs im traditionellen Stepp Dance belegen, dann ist man ganz und gar Ire.

Irland-Informationen

www.ireland.com
www.flyingboatmuseum.com
www.scatteryislandtours.com
www.shannonferries.com
www.scatteryislandtours.com


Herzlichen Dank für diesen Gastbeitrag an Wolfgang Schumacher!

Alle Bilder copyright Wolfgang Brugger, Reisefreak.de

Alle Irland-Reiseberichte hier noch einmal in ReiseFreak’s ReiseMagazin und ReiseBlog nachlesen

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