Usbekistan: Orientalischer Zauber entlang der Seidenstraße

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Usebekistan: Buchara - Foto Ludwig Neudorfer für ReiseFreak.de

Kulturreise nach Usbekistan

Im Jahr 2016 war es noch etwas schwieriger als heute, eine Reise durch Usbekistan durchzuführen. Usbekistan ist zwar ein ausgesprochen reizvolles und faszinierendes Reiseland, der bis zum Jahr 2019 geltende Visumzwang hat aber sicher manche davon abgehalten, das Land zu besuchen.

Aufgrund der suboptimalen Verkehrsinfrastruktur, der kaum zu überwindenden Sprachbarriere (ohne Kenntnisse in Usbekisch (einer Turksprache), Russisch (einer ostslawischen Sprache) oder Tadschikisch (einer iranischen Sprache) wird es für Dich kaum möglich sein, Dich im Land verständlich zu machen), aber auch aus anderen Gründen, wenn z.B. unvorhersehbare Schwierigkeiten auftreten, gab und gibt es für Dich als Usbekistan-Reisendem keine praktische Alternative zu einer Gruppenreise.

Vieles in Usbekistan wird für Dich so ungewohnt sein, dass Du es als unschätzbaren Vorteil sehen wirst, wenn Du Dich an einen Reiseführer wenden kannst, der sich auskennt. Dass Du hier und da „Potjomkinsche Dörfer“ präsentiert bekommst, ist eben in Kauf zu nehmen. Wir entschieden uns für eine zweiwöchige Studienreise mit Gebeco im April des Jahres.

 

Projekt der Seidenstraße, in Chiwa entdeckt. Foto: Ludwig Neudorfer

Versorgung mit Geldmitteln

Bevor Du das erste Mal nach Usbekistan reist, solltest Du das Reisehandbuch, das Du hoffentlich mit Dir führst, wie auch die Information, die Du von dem Reisebüro erhältst, genau lesen, sonst wirst Du sehr schnell auf Probleme stoßen.

Da es im ganzen Land kaum irgendwo Bankautomaten gibt, solltest Du Dich in ausreichender Menge mit US-$ oder ersatzweise mit € eindecken. In zwei Wochen haben wir lediglich in unserem Hotel in Taschkent wie in der Stadtmitte von Buchara Bankautomaten entdeckt. Wie nirgendwo im außereuropäischen Raum war auch hier mit EC-Karten nichts anzufangen, und an Kreditkarten war lediglich American Express einsetzbar. Wenn Du Dich tatsächlich mit ausreichend US-$ versorgt hast, stellt sich die Frage, wie Du anschließend an die örtliche Währung (Som) kommst. Wechselstuben gibt es an sich in ausreichender Zahl, nur wurden diese nach meiner Beobachtung aus dem Jahr 2016 kaum genutzt, weil der Umtauschkurs, den Privatpersonen boten, weit günstiger war (das Geldwechseln in dieser Form ist eigentlich illegal).

Bereits der Taxifahrer, der uns vom Flughafen zum Hotel brachte, hatte in dem Handschuhfach seines Wagens größere Mengen an Som, die er gerne in US-$ umgetauscht hätte. Im Jahre 2016 war der größte Schein 5.000 Som wert, was ca. 3 € entsprach. Inzwischen gibt es auch 10.000-, 50.000- und 100.000 Som-Scheine. Die Händler auf den Märkten nehmen im übrigen gerne auch US-$ und € als Zahlungsmittel an.

Allgemeines über Usbekistan

Ein paar Worte zu der politischen Struktur Usbekistans. Usbekistan entstand als selbständiger Staat nach dem Zerfall der Sowjetunion. Bis zu seinem Tod im Jahre 2016 war Islom Karimow durchgehend Staatspräsident und wurde immer wieder gewählt. Es gibt zwar ein Parlament, Einfluss, Wirkung und Bedeutung sind allerdings begrenzt. Letztendlich entscheidet der Staatspräsident in allen wichtigen Fragen.

Da die Völker und Gebiete Usbekistans keine gemeinsame Geschichte haben, ist das Gefühl, Usbeke zu sein, bei vielen Menschen nicht ausgeprägt. Manche Minderheiten haben es in dem Land schwer. Die Zahl der Russen, der Juden, aber auch der Deutschen ist in den letzten Jahren dramatisch zurückgegangen.

Auch viele Usbeken ohne Minderheitenbezug suchen, um der Armut im eigenen Land zu entkommen, den Weg ins Ausland. Baustellen in Russland sind ohne usbekische Hilfskräfte kaum vorstellbar.

Nun aber zu unserer Reise durch Usbekistan

Usbekische Keramikfiguren, entdeckt auf dem Basar von Taschkent. Foto Ludwig Neudorfer

Taschkent

Nach der Ankunft am Flughafen begann hier unsere Reise. Wer in Taschkent alte Gebäude sucht, wird enttäuscht. Im Jahre 1966 verwüstete ein verheerendes Erdbeben die Stadt. Der Wiederaufbau der Stadt erfolgte dann nach sowjetischem Muster . Wir besuchen die Barak-Chan-Medresse (=islamwissenschaftliche Lehranstalt), die das Erdbeben überstanden hat, ferner das Museum für dekorative und angewandte Kunst, in dem wir einen guten Überblick über usbekische Ausstattungsgegenstände und Instrumente erhalten, und schließlich den Taschkenter Basar.

Barak-Chan-Medresse. Foto Elke Neudorfer

Chiwa (oder Xiva bzw. Khiva)

Am nächsten Tag fliegen wir in den Westen des Landes, und zwar nach Chiwa. Die Stadt hat eine sehr alte Geschichte, kann sich z.B. rühmen, den Universalgelehrten, Mathematiker, Astronomen und Geografen Muhammad ibn Musa al-Chwarizmi  hervorgebracht zu haben. Von seinem Namen leitet sich das Wort Algorithmus ab.

Denkmal für Muhammad ibn Musa al-Chwārizmī , den Universalgelehrten. Foto Ludwig Neudorfer

 

Die Geschichte der Stadt Chiwa reicht zwar bis ins 6. Jahrhundert zurück, da sie im Laufe der Jahrhunderte aber immer wieder zerstört wurde ist aus älterer Zeit kaum etwas übrig. Das Gebäude-Ensemble, das heute das Stadtbild von Chiwa ausmacht, stammt überwiegend aus dem 19. Jahrhundert.

Beim Gang durch die Haltstadt mit Händlern auf Schritt und Tritt, wirst Du auf zahlreiche Sehenswürdigkeiten stoßen. Herausragend sind u.a. das höchste Minarett von Chiwa, nämich das Minarett Islam Khodja, die Dschuma-Moscheee (Freitags-Moschee) mit ihrem Minarett sowie verschiedenen Medressen. Besonders auffällig ist das unvollendete Minarett Kalta Minor (=kleines Minarett).

Altstadt mit dem unvollendeten Minarett Kalta Minor. Foto Ludwig Neudorfer

Nachdem der Herrscher des Khanats Chiwa, der Khan Muhammad Amin, der den Auftrag für den Bau erteilte hatte, 1855 in einer Schlacht getötet wurde, wurde der Weiterbau des 1850 begonnenen Turms abgebrochen.

Ein freundlicher Bewohner der Stadt Chiwa. Foto Ludwig Neudorfer

 

Buchara (oder Buxoro bzw. Buchoro)

Am nächsten Tag geht es in den Süden des Landes, für die meisten Usbekistan-Reisenden das Hauptziel der Reise. Wir sind dort in einem Hotel mitten in der Stadt, in unmittelbarer Nähe zum Basar untergebracht. Einfach traumhaft!

Wir besuchen zunächst die Moschee Bolo-hauz, die Zitadella Ark (ehemals Sitz der Khane und Emire von Buchara) und machen schließlich einen ausgiebigen Spaziergang durch den Poi-Kalon-Komplex mit dem eigentlichen Wahrzeichen von Buchara, dem dazugehörenden Minarett.

Kalon-Minarett. Foto Ludwig Neudorfer

Zum Abschluss des Tages haben wir Gelegenheit, eine Mode- und Folklore-Show zu besuchen. Ausgesprochen farbenfroh, aber natürlich ausschließlich für Touristen konzipiert.

Folklore- und Modeshow im Labi-Hauz-Komplex. Foto Ludwig Neudorfer

Am nächsten Tag besuchen wir das Bakhautdin-Naqsband-Mausoleum und kommen das erste Mal mit der Sufi-Lehre in Berührung, einer Glaubensrichtung, die v.a. unter Moslems verbreitet ist und Askese sowie die Aufgabe des Ego mit dem Ziel, Gott so nahe wie möglich zu kommen, vorsieht.

Wenn in den letzten Jahrzehnten auch viele Angehörige von Minderheiten, auch religiöser Minderheiten, ausgewandert sind, weil ihnen das Leben in Usbekistan unerträglich geworden ist, ist die religiöse Vielfalt In Usbekistan dennoch  weiterhin erstaunlich. So besuchen wir am gleichen Tag die kleine jüdische Gemeinde in Buchara, die in den 70-er Jahren noch 35.000 Mitgliedern zählte und heute auf 400 Angehörige geschrumpft ist.

Anschließend haben wir Gelegenheit, das im Jahre 1807 erbaute viertürmige Torgebäude „Chor Minor“ zu besuchen, das als zweites Wahrzeichen von Buchara gilt (siehe Titelbild).

Schließlich haben wir auch noch Gelegenheit, einem Konzert mit einem Quartett beizuwohnen, das auf klassischen Instrumenten traditionelle usbekische Musik darbietet. Sehr interessant, für mitteleuropäische Ohren allerdings etwas gewöhnungsbedürftig

Traditionelle usbekische Musik. Foto Ludwig Neudorfer

Wüste

Am nächsten Tag verlassen wir Buchara und machen uns auf den Weg Richtung Osten – und zwar zunächst nach Shahrisabz und dann zu einem weiteren Hauptziel für jeden Usbekistan-Reisenden, nämlich Samarkand.

Die Strecken sind lang und die Straßen schlecht, und so machen wir eine Pause in einer der Oasen mitten in der Wüste. Bei unserer Rast kommen wir hier wie auch bei anderen Gelegenheiten mit zwei Erscheinungen in diesem Land in Berührung,  die für einen Reisenden aus einem westlichen Land durchaus bemerkenswert sind. Die eine ist die überbordende Gastfreundschaft der Usbeken. Wir geraten bei unserer Rast in eine Feier, bei der ein Jubiläum begangen wird. Elke, meine Frau und Reisebegleiterin, wurde sofort in das Treiben hineingezogen und machte einen Schnellkurs in traditionellem usbekischem Tanz.

Fete in der Wüste. Foto Ludwig Neudorfer

Der andere Aspekt bezieht sich auf die hygienischen Verhältnisse in dem Land – nicht in den Hotels, in denen wir untergebracht waren, die sehr sauber waren und niemand aus unserer Gruppe befürchten musste, sich dort Krankheiten zuzuziehen. Ganz anders sieht es in den Oasen aus.

Rast in einer Oase. Foto Ludwig Neudorfer

Dort sammeln sich auf den Bergen mit Schaschlik und Plow (typisches usbekisches Gericht mit Reis und Fleisch) die Fliegen; wenn Du dann mitten in der Wüste irgendwann eine Oasen-Toilette aufsuchen solltest, wirst Du ein Aha-Erlebnis der besonderen Art haben und usbekische Hygiene-Wirklichkeit hautnah kennenlernen. Es war daher auch nicht überraschend, dass einige von unseren Mitreisenden an manchen Ausflügen nicht teilnehmen konnten. Es ist sicher ein empfehlenswerter Gedanke, sich vor einer Usbekistan-Reise mit Kohletabletten einzudecken.

Sharisabz

Bevor wir nach Samarkand weiterfahren, machen wir einen Abstecher nach Sharisabz.
Die Stadt, die früher Kesch hieß, ist aus dem einzigen Grund bemerkenswert und bekannt, dass hier der Militärführer und Eroberer Timur (auch unter dem Namen Timur Lenk oder Tamerlan bekannt) geboren ist.

Denkmal für Tamerlan. Foto Ludwig Neudorfer

Timur wird in Usbekistan wie ein Nationalheiliger verehrt. Nicht nur in Sharisabz gibt es ein Denkmal, in vielen Städten wie z.B. auch in Taschkent werden wir durch Denkmale an ihn erinnert. Timur hat im 14. Jahrhundert gewirkt. Ab 1380 begann er seine Eroberungszüge und stieß bis nach Indien und Damaskus vor. Dabei ging er mit beispielloser Graumsamkeit vor, was ihm außerhalb Usbekistans einen ausgesprochen negativ behafteten Ruf eingebracht hat.

Indianergebiet in Usbekistan

Bei unserer Weiterreise durchqueren wir erneut Steppengebiet, das allerdings mit zahlreichen Felsformationen aufgelockert ist und recht malerisch wirkt. Wie uns der Reiseführer erzählte, wurden in dieser Region die DDR-Indianerfilme mit Gojko Mitic in der Hauptrolle gedreht.

Samarkand (oder Samarqand)

Auch in Samarkand wandeln wir auf den Spuren Timurs. Auf einem Feldzug gegen China verstarb er in Kasachstan und wurde im Gur-Emir-Mausoleum bestattet.

Gur-Emir-Mausoleum. Foto: Ludwig Neudorfer

Samarkand ist heute eine Großstadt mit fast 600.000 Einwohner und einer langen Geschichte. Bereits lange vor Christi Geburt war die Region besiedelt, die Stadt selbst wurde durch die Mongolen zerstört und durch den uns inzwischen bestens bekannten Timur wieder aufgebaut und zu einem Zentrum der Seidenweberei und der Waffenherstellung entwickelt. Später wurde es auch noch zu einem Zentrum der Wissenschaften.

Unbestrittenes Zentrum der Stadt ist der Registan Platz, der mit seinen drei Medresen zwischen dem 15. und 17. Jahrhundert in die heutige Form gebracht wurde.

Registan-Platz. Foto Elke Neudorfer

In Samarkand haben wir Gelegenheit eine Mode- und Verkaufsschau der usbekischen Designerin Valentina Romanenko zu erleben. Sowohl Show wie auch die gezeigten Kleider waren sehr ansprechend, so dass wir uns nicht zurückhalten konnten und eine folkloristisch angehauchte Jacke erstanden.

Später wurden wir von einer „typischen“ usbekischen Familie zu einem „typischen“ usbekischen Essen eingeladen. Dieser Teil des Programms entsprach ziemlich genau dem, was ich eingangs unter Potjomkinschem Dorf subsumierte. Dass eine „typische“ usbekische Familie Platz für 25 Personen findet, dann auch noch eine entsprechende Anzahl an Geschirr und Besteck parat hat, gehört in den Bereich des Mysteriums.

Da war es schon um einiges ehrlicher, als wir später in Koni Ghil Meros die traditionalle Papierherstellung nach samarkandischer Technologie miterleben durften.

Sehr schön und – im ursprünglichen Sinne – märchenhaft war die Veranstaltung zum Abschluss unseres Samarkand-Aufenthalts, bei der musikalisch und tänzerisch die Geschichte Usbekistans dargestellt wurde.

Tanzshow in Samarkand. Foto Ludwig Neudorfer

Taschkent

Mit der Rückkehr nach Taschkent nähern wir uns dem Ende der Usbekistan-Reise. Zum Abschluss erleben wir noch einmal, was usbekische Gastfreundschaft ist. In dem Restaurant neben unserem Hotel wurde eine Hochzeit gefeiert, zu der wir spontan hinzugebeten wurden.

Fazit

Organisation

Die Reise war sehr gut organisiert. In der Zeit unseres Aufenthalts hatten wir Gelegenheit einen recht guten Überblick über die Verhältnisse in Usbekistan und die Geschichte der Region zu bekommen. Fragen wurden gern und ausführlich beantwortet. Der Reiseführer war in jeder Lebenslage behilflich. Dass er sein Land über die Maßen positiv und touristengerecht darstellte, darf ihm nachgesehen werden.

Land und Leute

Wie bereits beschrieben ist Usbekistan ein faszinierendes Land mit freundlichen und v.a. gastfreundlichen Menschen. Du solltest Dir bei Deiner Reise durch Usbekistan des Umstands bewusst sein, dass Du Dich in einem alles andere als wohlhabendem Land befindest, das auf den Massentourismus noch nicht vorbereitet ist. Insofern solltest Du Dich im Vorfeld möglichst eingehend über Usbekistan informieren. Auf die unzulänglichen hygienischen Verhältnisse solltest Du vorbereitet sein.

Reiseliteratur

DuMont Reise-Handbuch Reiseführer Usbekistan*. Autorinnen Isa Ducke und Natascha Thoma

Für Freunde und Freundinnen usbekischer Märchen

antiquarisch

Der halbe Kicherling – Usbekische Märchen*; herausgegeben im Reclam-Verlag Leipzig

Usbekische Volksmärchen*; herausgegeben im Verlag Progress Moskau

Anbieter Usbekistan-Reisen

Gebeco: Höhepunkte Usbekistans*

Gebeco: Usbekistan zum Kennenlernen*

Das Titelbild stellt das viertürmige Torgebäude „Chor Minor“ in Buchara dar. Alle Bilder copyright Ludwig Neudorfer.

 

 
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