Bad Reichenhall: Sole, Kunst und Wellness in der Alpenstadt

EnglishFrenchGermanSpanishItalianAfrikaansArabicDutchGreekPortugueseSerbianSlovenian
Lesedauer: 7 Minuten

Die Alpenstadt Bad Reichenhall lädt ein

AlpenSole als heilkräftiger Naturschatz, gesunde Luft, eine intakte Bergwelt, einzigartige Natur, exclusive Salzerlebnisse und Verwöhnprogramme, kulinarische Überraschungen aus der regionalen Küche und natürlich Kunst und Kultur vom Feinsten.

Mir fällt als erstes die Packung Salz ein, die ich im Supermarkt mitnehme und dann noch irgendwas mit „Kur“. Da muss mehr sein! Höchste Zeit, diese „Wohlfühloase“ genauer kennenzulernen.

Dabei ist es genau das Salz, das „weiße Gold“, das den Ruf der Alpenstadt begründet hat. Schon zur Römerzeit war die Saline ein wichtiger Salzproduzent. Durch das Salzmonopol für weite Teile Mitteleuropas wurde der Ort im 12. Jahrhundert zu einer reichen Stadt.

 

Wo kommt das Salz her?

Die Geschichte beginnt vor rund 250 Millionen Jahren. Das Urmeer bedeckt ganz Mitteleueropa. Als die Ränder sich langsam anheben, sammelt sich das Wasser wie in einer Schüssel. Sonne und Wind lassen das Meerwasser verdunsten. Immer mehr Salz lagert sich ab, bis zu 800 m dicke Schichten. In Millionen von Jahren wird es von Sand und Staub zugedeckt. Durch Erdbewegungen bei der Verschiebung der Kontinentalplatten wird es im Inneren des Gebirges eingeschlossen.

Durch Risse und Spalten dringt Regenwasser in den Fels. Es löst das Salz und sammelt sich in Hohlräumen unter der Erde. Diese Sole wird mit Pumpen aus dem Untergrund nach oben befördert und in die Saline geleitet, wo es unter anderem zu Speisesalz verarbeitet wird.

Die Alte Saline

Das strenge Backsteingebäude mit drei Innenhöfen, ein bedeutendes europäisches Industriedenkmal, wird gern als schönste Saline der Welt bezeichnet. König Ludwig I. ließ sie 1837 erbauen, nachdem die mittelalterliche Saline nach einem fürchterlichen Stadtbrand vollständig vernichtet wurde.

Im Hauptbrunnhaus bewegen sich seitdem ununterbrochen zwei 13 t schwere überdimensionale Wasserräder. Technisch völlig unbegabt, bestaune ich diese Ungetüme, versuche herauszufinden, wie sie funktionieren und kann kaum glauben, dass die historische Technik immer noch läuft wie geschmiert. Bei jeder Umdrehung erklingt ein Glöckchen und sagt so dem Aufsichtspersonal, dass alles in Ordnung ist. Wer es genau wissen will, dem sei eine Führung empfohlen. Dabei geht es auch in den Untergrund mit seinen verzweigten Stollensystemen und Grotten.

Kurpark und Gradierhaus

Die hier geförderte Sole wird nicht mehr zur Salzherstellung verwendet, sondern nur noch zu Kur-Zwecken. Ein Teil wird direkt ins Gradierhaus geleitet.

Der  40.000 qm große Königliche Kurgarten mit seinen besonderen Bäumen (Lebkuchenbaum, Taschentuchbaum, Geweihbaum) hat zu jeder Jahreszeit etwas zu bieten.

Hier lässt sich das gigantische Gradierhaus bestaunen, in dem die AlpenSole über eine 13 Meter hohe Wand aus Schwarzdornbüscheln rieselt. Die feinen Äste der Schlehen zerstäuben die Tropfen sehr fein. Ein 160 m langes Freiluft – Inhalatorium, in dem jeden Tag  400 000 l  Sole durchlaufen!  Dabei wird die Luft mit feinen Salzkristallen angereichert und wirkt wie eine Meeresbrise. Die kann man ganz gemütlich auf Liegestühlen einatmen oder indem man an der Seite der Schwarzdornfelder entlang geht. Am besten da, wo die Sole vom Wind durch die Dornen gedrückt wird, also auf der windabgewandten Seite. Eine halbe Stunde täglich ist empfehlenswert. Man konnte nachweisen,  dass das Reichenhaller Gradierhaus ein besonders feines Aerosol produziert, das bis in die tiefsten Atemwege vordringt.

Von April bis Oktober läuft das Gradierhaus. Dann beginnen die Wartungsarbeiten, die jedes Jahr fällig sind.

In kleinen Schlückchen trinken kann man die Sole in der prunkvollen Wandelhalle. Aus sechs messingfarbenen Rohren fließt sie warm oder kalt in das Becken. Es heißt, wenn man das Minischlückchen aus dem Becher ohne weiteres trinken kann, dann braucht man das salzhaltige Wasser. Ich brauch es anscheinend nicht, ich kriege es kaum runter.

Ein paar Schritte weiter, kommt man in die Konzertrotunde. Hier spielen ganzjährig auf höchstem Niveau die Bad Reichenhaller Philharmoniker (täglich außer Montags). Das einzige philharmonische Kurorchester Deutschlands!

Stadt ohne Hektik

Bad Reichenhall ist eine Stadt, die scheinbar keine Hektik kennt. Das Besondere: viel Grün, schöne Parkanlagen, unzählige Brunnen und dazwischen immer wieder der Blick auf die Berggipfel. Wer will, holt sich die Brunnenfibel (Tourist-Info) und lässt sich zu einigen der 70 kunstvollen Wasserspendern führen.

Wer anschließend durch die Fußgängerzonen (es gibt zwei parallel zueinander) spaziert, schlendert vorbei an gut erhaltenen Gründerzeit- und Jugendstil-Villen,  und historischen Plätzen, die mit gemütlichen Cafés und modernen Restaurants zum Verweilen laden. Im Florianiviertel, wo einst Kupferschmiede und Färber ihrem Handwerk nachgingen, bieten heute viele Kunsthandwerker, Trachtenschneider und Blumenbinder einen Blick hinter die Werkstatt-Kulissen. Unsere Stadtführerin liebt die persönliche, fachkundige Beratung in den feinen, kleineren Modehäusern.

„Keiner zu Hause?“    Fensterln in Bad Reichenhall

 

„Ja, ist denn schon wieder Weihnachten?“

Die reinste Verführung: Mozart-Kugeln von Reber in der Fußgängerzone. Also ich habe es nicht geschafft, daran vorbei zu gehen.

Da hängt auch bei Mozart der Himmel voller Geigen, sorry Kugeln.

Kunstakademie Bad Reichenhall

Sie ist die größte ihrer Art in Europa und befindet sich in den ehemaligen Sudhäusern der Alten Saline: die Kunstakademie Bad Reichenhall. Seit der Gründung vor 20 Jahren haben hier ca. 28.000 Kunstliebhaber unter Anleitung bekannter Maler und Bildhauer ihre kreative Ader entdeckt oder bereits erworbene Fähigkeiten ausgebaut. Das ganzjährige Kurs-Angebot richtet sich an Einheimische und Gäste. Vom Hinterglasbild über Collagen bis zu echten LandArt-Experimenten oder Naturfotografien: Die Akademie bietet handwerkliches und theoretisches Wissen gepaart mit Freiraum für individuelle Kreativität. Die Kurse führen außerdem hinaus in die Stadt und die umliegende Bergwelt. Teilnehmer lassen sich auf Wanderungen inspirieren oder versuchen sich inmitten der Alpen am Fotografieren.

Seit 2017 leitet der Kunsthistoriker Stefan Wimmer die Bildungseinrichtung. Er hat viele neue Ideen zu Kursangeboten,  Kooperationspartnern und interdisziplinären Projekten.

Motiviert und ermutigt von seinem Motto  „Jeder Mensch ist ein Künstler“ (Joseph Beuys)  starten wir gleich einen Selbstversuch in den historischen Räumen.

Aluminiumguss Crashkurs

Wenn es brodelt, zischt und raucht … dann ist es Kunst!

Jedenfalls wenn die Brüder Manuel und Tobias Gruber am Werk sind. Mit ihnen dürfen wir eine eigene Aluminiumplastik herstellen und das ist wirklich eine Kunst.

Aus einem Styroporblock wird die Figur herausgeschnitzt. Leichter gesagt als getan! Ich bin blutiger Anfänger auf dreidimensionalem Gebiet.

Aber: With a little help from our friends…

Die Styropormodelle werden sorgfältig in Natursand gebettet. Der wurde mit Stärke und Wasser vermischt.

Draußen vor der Tür: Manuel und Tobias Gruber haben ihren mobilen Brennofen mitgebracht. Das 700 Grad heiße Aluminium lässt das Styropor verdampfen und füllt die Form aus.

Ich muss zugeben, es ist ein erhabenes Gefühl, sein Kunstwerk aus dem Sand zu buddeln und zu betrachten: Das habe ich mir ausgedacht und gemacht. Das gab es vorher nicht. Ich habe etwas geschafft. Ein Glücksgefühl stellt sich ein.

Und wenn es nicht so gut gelungen ist? Und wenn Alugießen nicht mein Hobby wird?

„Jeder hat unzählige Möglichkeiten, kreativ mit der Welt umzugehen“,

sagt Stefan Wimmer.

Dann halt ein Blumenbeet im Garten gestalten oder ein tolles Muster beim Sockenstricken erfinden. Da fällt mir schon was ein.

Die Brüder Gruber können es jedenfalls. Die Künstler leiten an der Akademie Kurse für Aluminiumskulptur und Bronzeplastik.

„2 men abroad“ – Aluminiumguss von Manuel Gruber (Ausschnitt, der zweite Mann wollte aus Platzgründen nicht auf mein Foto)

Wir besuchen am Abend eine Vernissage von Rosa Loy mit Arbeiten ihrer Meisterklasse in der Galerie im Alten Feuerwehrhaus. Jedes Bild erzählt eine Geschichte.

Schlaraffenland, 2018, Acryl auf Holz von Ulrike Mack-Pfeiffer (Ausschnitt)

 

Der Visionär, 2017, in Öl, Jasmin Grimm

 

Auf dem Predigtstuhl

Seit 90 Jahren gilt sie als älteste im Original erhaltene, ganzjährig verkehrende Großkabinenseilbahn der Welt: 1928 nahm die „Grande Dame der Alpen“ erstmals ihren Fahrbetrieb auf. Seitdem lässt sie Gäste wie Einheimische in achteinhalb Minuten auf den 1614 Meter hohen Hausberg schweben. Insgesamt 1140 Höhenmeter und eine Streckenlänge von 2380 Metern werden mit Hilfe von 250 PS überwunden, bevor das technische Denkmal die Gipfelstation erreicht.  Die klassische Pendelbahn arbeitet äußerst energieeffizient. Jeweils zwei Kabinen fahren synchron auf- bzw. talwärts, wobei der hinabfahrende Wagen den bergan fahrenden hinaufzieht.

Die andere Art Bergwelt zu fotografieren

An der Bergstation treffen wir einen weiteren Künstler, Olaf Unverzart, der 2019 in der Akademie einen Kurs für Ideenfindung und künstlerische Fotografie leitet. Der Fotograf und Bergsteiger ist fasziniert von den Alpen und dokumentiert sie mit seinen Fotos.  Er nimmt uns mit auf den Rundweg von der Bergstation der Bahn zum Gipfel  und über die Almhütte in der Schlegelmulde wieder zurück. Ein gepflegter Wanderweg, in 30 bis 40 min zu schaffen. Aber wir wollen ja vom Künstler einige Tipps und Tricks guter Naturfotografie lernen und so dauert es etwas länger.

Eine einsame alte Holzhütte!  Ein golden strahlendes Gipfelkreuz! Ein knorriger Baum!
Oh wie schön! Ich habe meine Bergmotive gefunden und zücke den Fotoapparat.

Doch da bleibt Olaf Unverzart nicht stehen. Er stellt sein Stativ dort auf, wo andere schnell vorbeilaufen. Eine Grube mit Schutt und Abfall neben der Almhütte auf der Schlegelmulde.
Ein Fotomotiv?? Ja!

Neben der Schönheit der Landschaft faszinieren ihn vor allem die „Brüche“. Was entsteht, wenn der Mensch in die Natur eingreift? Er dokumentiert die Spuren, die der Mensch in der Bergwelt hinterlässt. Seine Sichtweise nennt er spontan „poetisch brachial“.

Der Akademiekurs könnte spannend werden. Mal ein anderer Blick auf die Bergwelt, raus aus den eingefahrenen Gleisen, immer gut!

Nach einem zünftigen Mittagessen im denkmalgeschützten Bergrestaurant fahren wir mit unserer „Grand Dame“ wieder zu Tal. Das Restaurant liegt direkt an der Station und bietet rundum herrliche Ausblicke selbst bei etwas wolkenverhangenem Himmel.

Nach soviel Kunst ist jetzt etwas Wellness angesagt. Bad Reichenhall verspricht „herrliche Verwöhnprogramme und kulinarische Überraschungen“. Dafür gibt es viele gute Adressen, auch mitten im Ort.

Wellness im Klosterhof

Wir sind eingeladen im Klosterhof. Er liegt auf einer Sonnenterasse hoch über dem Saalachtal, rundherum Berggipfel, nur ein kurzer Spazierweg hinunter in die Stadt.

Um 1500 bauten die Augustinermönche von St. Zeno in dieser herrlichen Lage über Bad Reichenhall ihren Klosterhof. 1803 wurde er im Rahmen der Säkularisation an einen Berchtesgadener Bauern verkauft. 2011 erfüllen sich die jetzigen Besitzer Henrike und Andreas Färber ihren Traum und eröffnen 2016 das neue Premium Hotel und Health Resort.

Wer sich etwas Besonderes gönnen will, ist hier richtig.

Die Besitzer legen besonderen Wert auf eine wohltuende Atmosphäre, die auch durch die Verwendung von Naturmaterialien und besonderen Hölzern (Lärchenholz, Apfelholz, Zirbel) entsteht.

Was zuerst? Im Biergarten sitzen und den faszinierenden Ausblick auf die Berge genießen? Oder gleich in den Wellnessbereich mit Panoramasauna, Sole-Dom, Hallenbad, Außenwarmbecken, Sole-Dampfbad, Fitnessraum? Am Fenster steht ein Korb mit Badetüchern, Kuscheldecken, Badelatschen. Ich schlüpfe in den Bademantel und nehme den Lift in den Wellnessbereich.

Tiefenentspannt genieße ich ein alkoholfreies Weizen im Biergarten. Dann zieht es mich hinaus in die Natur. Ein ruhiger Spazierweg führt vom Hotel nach Bayrisch Gmain.

Und hier finde ich sie: die schlafende Hexe!

Die liegende Hexe ist auch von meinem Zimmer aus im Abendrot zu sehen. Und wer jetzt Appetit bekommt, der lässt sich im Restaurant auch noch kulinarisch verwöhnen.

Ja, Bad Reichenhall hat mit seiner Einladung nicht zuviel versprochen! Und der Titel der Pressereise auch nicht: „Künstlerische Annäherung an die Alpenstadt Bad Reichenhall“
Mal eine andere Sicht auf die Stadt, zu der mir vorher nur die Salzpackung im Supermarkt eingefallen ist. Gefällt mir!!

 

 

Wissenswertes: Info und Links

Bad Reichenhall

Alte Saline

Predigtstuhlbahn

Kunstakademie

Premium Hotel & Health Resort Der Klosterhof – Info und Buchung z.B. bei Booking.com*

Gasthof Schwabenbräu
Uriges Restaurant mit Biergarten

Restaurant Salin
Regionale Salzgenüsse in historischem Ambiente

 

Buchempfehlungen*

Ebook: Urlaub am Chiemsee – Anregung zum Erlebnisurlaub im Chiemgau

 


 

Danke an die PR-Agentur Kunz aus Herrsching für die Einladung zu dieser Pressereise und an alle Beteiligten, die dafür gesorgt haben, dass die Reise für uns kostenfrei geblieben ist. Die Autorin hat darüber hinaus keine Zuwendungen für die Erstellung dieses Blogbeitrages erhalten.

 

Titelbild:

Bergfahrt mit der Predigtstuhlbahn
Während der 8,5 minütigen Bergfahrt mit der Predigtstuhlbahn hat man einen wunderbaren Ausblick auf die Alpenstadt Bad Reichenhall am Fuße des Hochstaufen Massivs

Lizenz(en): Lizenzfrei

 

 
  (*) Anzeige/Werbung: Dieser Artikel enthält Affiliate-Links. Dies bedeutet, dass ReiseFreak's ReiseMagazin und ReiseBlog möglicherweise eine kleine Provision erhält, wenn Du eine Anmeldung/Transaktion/Kauf tätigst. Dir entstehen dadurch keine Mehrkosten. Mehr zum Thema Angebote auf ReiseFreak's ReiseMagazin und ReiseBlog.