Sardinien mit Muße (2): Winzerleben, Ruinenstädte und Großstadtflair
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| Autor: | Ludwig Neudorfer |
| Reisezeit: | Mitte bis Ende Mai 2026 |
| Art der Reise: | Rundreise |
| Lesezeit: | 8 Minuten |
6. Tag – Nekropole, Strand und Winzerleben
Die Ziele unserer heutigen Etappe sind aus folgender Karte zu entnehmen:
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Nekropole Anghelu Ruiu
Bereits nach 10 km sind wir an der Nekropole angekommen. Der Komplex ist eine der größten Nekropolen im Mittelmeerraum, da die 1903 entdeckten Anlagen nicht beraubt waren.
Die mehrheitlich von Antonio Taramelli bis 1907 ausgegrabenen, vertikal in den Kalkstein geschnittenen 37 Domus de Janas (Felsengräber) und ein Einzelgrab stammen aus dem Zeitraum zwischen 3400 und 2700 v. Chr. und der nachfolgenden Bonnanaro-Kultur. In den 1990er Jahren wurde die Anlage hergerichtet und eingezäunt.
In erster Linie handelt es sich nicht wie andernorts um horizontal angelegte Kammern, sondern um Kammern, die über Schächte oer Treppen im Untergrund erreicht werden.
Die dekorativen Elemente bestehen aus Architraven, Pfeilern, Pilastern, Säulen und Sockeln.
Die teilweise stark verwitterten Reste der Reliefs bestehen vornehmlich aus Stiergehörnen. In den Zellen fanden sich die Überreste bis zu 30 Toten.

Nekropolanlage; Foto: Elke Neudorfer

Zugang zu einer der Kammern; Foto: Elke Neudorfer
Strand von Marina di Sorso
Ein paar Kilometer nach Norden, und wir sind an dem Punkt angekommen, den viele Touristen aus dem Norden mit Sardinien verbinden. Kristallklares Wasser, weißer, feiner Sand und die besondere Vegetation machen den ganz besonderen Reiz dieses gut besuchten Küstenabschnittes aus.
Marina di Sorso gilt als einer der eindrucksvollsten Strände dieser Gegend. Einige von unserer Gruppe sind von der Atmosphäre magisch angezogen und stürzen sich in das kristallklare Wasser.

Marina die Sorso: Foto: Ludwig Neudorfer
Weingut Dettori
Tenute Dettori ist ein Weingut in Sennori, in der Nähe des natürlichen Amphitheaters Badde Nigolosu auf Sardinien. In dieser Gegend wird seit mehr als 3000 Jahren Wein hergestellt.
Der Boden ist kalkhaltig. Das Weingut pflanzt etwa 5000 Weinreben pro Hektar Land mit Cannonau-, Pascale-, Moscato- und Monica-Trauben. Sie bauen auch Gemüse, Obst und Rosinen an. Die Winzer verwenden biologische Methoden, um ihre hochwertigen Weine herzustellen und ihre Umwelt und Region zu schützen.
Die Arbeiter von Tenute Dettori pflücken die besten Trauben von Hand. Sie werden in Holzkisten zur Verarbeitung in die Kellerei gebracht.

In vino veritas; Foto: Elke Neudorfer
Die Enkelin des Seniors begrüßt uns und führt uns in die Details der Weinherstellung ein.

Landschaft unterhalb des Weinguts; Foto: Elke Neudorfer

Weinfass; Foto: Elke Neudorfer
Schließlich werden wir in einen Besuchsraum geführt, wo wir einige Weine und erlesene Speisen probieren können. Ein kulinarisches Erlebnis.

Winzermahl; Foto: Elke Neudorfer
Nach diesem exquisiten Mahl sind wir für den Tag gesättigt. Ein Abendessen wäre nicht mehr erforderlich gewesen.
7. Tag – Brunnenheiligtum, Nuraghen und Besuch bei Imkerin
Der heutige Aufbruch von unserem Hotel Punta Negra ist gleichzeitig der Abschied von unserer liebgewordenen Unterkunft.
Der Weg dorthin wird in nachfolgender Karte beschrieben:
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Brunnenheiligtum St. Cristina

Versammlungsplatz; Foto: Ludwig Neudorfer

Brunnen; Elke Neudorfer
Das Brunnenheiligtum liegt etwa 5 km südlich von Paulilatino in der Provinz Oristanon. Es befindet sich nahe der kleinen gleichnamigen Kirche in einem nuraghischen Dorf, das in einem lichten Olivenhain liegt.

Kirche St. Cristina; Foto: Ludwig Neudorfer
Von diesem spätbronzezeitlichen Dorf sind eine kleine Nuraghe, einige Hütten, ein Rundtempel vor allem aber die Mauerreste zahlreicher Bauten erhalten.
Picknick
Zurück an dem Versammlungsplatz packt unsere Reiseleiterin alle Requisitgen aus, die für ein zünftiges Picknick benötigt werden. Leckere belegte Ciabattas mit nicht minder leckerem Wein.

Lecker belegte Brötchen; Foto: Elke Neudorfer

Einfach nur lecker; Foto: Elke Neudorfer
Nuraghensiedlung bei Barumini
Die Großnuraghe thront auf einer Anhöhe, rund einen Kilometer außerhalb des kleinen Ortes Barumini.

Karte der Nuraghensiedlung; Foto: Elke Neudorfer
Die frühgeschichtlichen Turmbauten entstammen der der Bonnanaro-Kultur (2200–1600 v. Chr.) und der mit ihr untrennbar verbundenen, nachfolgenden Nuraghenkultur (etwa 1600–400 v. Chr.) auf Sardinien.

Nuraghentürme; Foto: Elke Neudorfer
Die archäologische Stätte Su Nuraxi (sardische Bezeichnung für italienisch Il Nuraghe) zählt seit 1997 zum Weltkulturerbe der UNESCO.

Nuraghen-Bauten; Foto: Elke Neudorfer
Die Anlage war bis in die Mitte des 20. Jahrhunderts komplett mit Erdablagerungen bedeckt. In den 1940er Jahren folgerte der in Barumini geborene Archäologe Giovanni Lilliu aus großen Gesteinsbrocken und Keramikfunden, dass sich hier eine größere archäologische Fundstätte befinden könnte.
Die Ausgrabungen des Komplexes erfolgten von 1951 bis 1956. Danach wurde Su Nuraxi der Öffentlichkeit zugänglich gemacht.
Besuch bei einer Imkerin
Zum Abschluss des Tages besuchen wir einen Imkerladen. Wir probieren den typischen, bitteren Honig des Erdbeebaums.

Das Bienenvolk; Foto: Elke Neudorfer

Bei der Imkerin; Foto: Elke Neudorfer
Anschließend legen wir die Reststrecke in Richtung Cagliari zurück und nehmen Kurs auf unsere neue Unterkunft, das Hotel Costa dei Fiori,wo wir uns schon einmal an den Pool

Der Pool des Hotels Costa dei Fiori; Foto: Elke Neudorfer

Der zusätzliche an das Meer angrenzende Pool; Foto: Elke Neudorfer
und an die Betten gewöhnen können.

Unser Zimmer im Hotel Costa dei Fiori; Foto: Elke Neudorfer
Die Umstellung auf die Speisen des Hotels fällt leicht, das Abendessen ist schon einmal ein guter Einstand.

Abendessen aus sardischen Wurstwaren und Käse, Tortelli mit Ragout von erlesenem sardischem Fleisch, sardischem Kaninchen mit Kartoffeln und Joghurt- und Erdbeermousse; Foto: Elke Neudorfer
8. Tag – Nora und Pula
Nachfolgend die Karte, die den Weg zu den beiden Orten aufzeigt:
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Nora
Die antike Stadt Nora liegt südlich der Stadt Pula in der Metropolitanstadt Cagliari und gilt nach der Überlieferung als die älteste Stadt auf Sardinien.
Die ältesten bekannten phönizischen Funde aus der Stadt gehen auf die zweite Hälfte des 8. Jahrhunderts v. Chr. zurück. Nora ist demnach eine Gründung der Phönizier und wurde später auch von den Puniern und Römern bewohnt.
Ihre Ruinen liegen auf einer schmalen stiefelförmigen Halbinsel, deren südlichsten Vorsprung die Einheimischen „Sa punta ‚e su Coloru“ (Schlangenkap) nennen.
Die meisten Relikte stammen aus der Zeit der Römer, die Sardinien im Jahre 238 v. Chr. eroberten.
Deutliche Überbleibsel aus phönizisch-punischer Zeit sind der Tempelbezirk auf dem Kap Punta und das Wohnviertel im Rücken des römischen Theaters, dessen Hausgrundrisse, Badewannenzisternen und Mauerwerkstechniken punische Züge aufweisen.
Die noch nicht erforschte Akropolis mit langen Mauerzügen und Türmen liegen um den Sarazenenturm Torre del Coltellazzo aus dem 17. Jahrhundert liegen.
Im Jahre 1889 wurden ihre Überreste bei einer Springflut freigelegt.

Plan von Nora; Foto: Elke Neudorfer

Chiesa di Sant’Elisio; Foto: Elke Neudorfer

Ausgrabungsstätten; Foto: Elke Neudorfer
Pula
Viele Orte, die wir bisher besucht haben, bieten viel an Gastronomie und Bekleidungsgeschäften. An Lebensmitteln und Geschäften für den täglichen Bedarf ist das Angebot eher dürftig. Wir sind daher froh, dass wir in Pula nach Herzenslust shoppen können.

Pula; Foto: Elke Neudorfer
9. Tag – Carbonia und Bergbau
Der Weg nach Carbonia ist wie folgt:
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Carbonia wurde am 5. November 1937 von König Viktor Emanuel III. gegründet und am 18. Dezember 1938 im Beisein von Benito Mussolini eingeweiht. Die Stadt wurde für die Arbeiter der nahen Kohlebergwerke gebaut, daher auch der Name. Zwischen 1936 und 1947 arbeiteten dort bis zu 18.000 Menschen. Die Stadt hatte schon zwei Jahre nach ihrer Gründung 29.000 Einwohner (Platz 3 auf Sardinien nach Cagliari und Sassari).
Mit der Zeit verlor die sardische Kohle an Bedeutung. Bis 1971 schlossen fast alle Bergwerke. Viele Bergarbeiter gingen als Gastarbeiter nach Deutschland. Um den Niedergang Carbonias aufzuhalten, wurden in den 1970er Jahren und darauf andere Industriekomplexe errichtet (mit mäßigem Erfolg).

Bergbauanlage in Carbonia; Foto: Elke Neudorfer

Nachbildung eines Bergarbeiters; Foto: Elke Neudorfer

Damalige Arbeitswirklichkeit; Foto: Elke Neudorfer

Bergarbeiter bei der Arbeit; Foto: Elke Neudorfer
Einige Teilnehmer der Studiosus-Gruppe brachten offensichtlich Bergbauerfahrung mit. Diese schmetterten daher in den Gruben mit kräftiger Stimme deutsche Bergbaulieder.

Rückfahrt zu unserem Hotel; Foto: Elke Neudorfer
Nach Rückkehr, Muße und genüsslichem Planschen im Pool widmen wir uns dem Abendessen, das dieses Mal wie folgt aussieht:

Croissant mit Leberpastete und sardischem Süßwein, Oktopus-Carpaccio mit Salatkartoffeln, Tagliolini mit rotem Paprika und knusprigem Lauch, Spanferkelbraten mit Ofenkartoffen, Erdbeer-Käsekuchen
Cagliari
Die Rundreise in Sardinien geht langsam zu Ende. Letztes Ziel ist die Hauptstadt der Insel Cagliar und unbestrittenes wirtschaftliches und kulturelles Zentrum der Insel. Die Stadt selbst hat 146.627 Einwohner , die Agglomeration zählt etwa 470.000. Die Hafenstadt Sardiniens, verfügt über eine Universität sowie die Pontificia facoltà teologica della Sardegna und ist Sitz des Erzbistums Cagliari.
Nachfolgend der Weg zu unserem letzten Ziel:
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Elefantentor; Foto: Elke Neudorfer

Der Elefant zum Elefantentor; Foto: Elke Neudorfer
Das ehemalige Regio Arsenale (Königliches Arsenal) im historischen Viertel Castello von Cagliari wurde aufwendig renoviert und beherbergt heute die Cittadella dei Musei, Sardiniens größten Museumskomplex.

Das ehemalige Regio Arsenale; Foto: Elke Neudorfer
Stele von Nora. Olaf Tausch, CC BY 3.0, via Wikimedia Commons
Ausstellungsstücke in der 2. Etage des Archäologischen Nationalmuseums; Foto: copyright Anna Maria Marras. Anna Maria Marras, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons

Blick vom Museum auf die Stadt; Foto: Elke Neudorfer

Eingang zum Rathaus; Foto; Elke Neudorfer
Die Kathedrale der Heiligen Maria wurde im 13. Jahrhundert im romanisch-pisanischen Stil mit Blick auf die Stadt erbaut . und erhielt den Status einer Kathedrale im Jahr 1258. Im 17. und 18. Jahrhundert wurde es im Barockstil renoviert und erneut im Jahr 1930 im neuromanischen Stil. Im Jahre 1258 wurde es Sitz der Erzdiözese Cagliari .

Kathedrale Santa Maria; Foto: Elke Neudorfer

Altar der Kathedrale; Foto: Elke Neudorfer

Altar mit Madonna und Kind; Foto: Elke Neudorfer

Mausoleum von Martino I di Sicilia; Foto: Elke Neudorfer

Statue des Heiligen Franziskus von Assisi vor der Kathedrale Sta. Maria; Foto: Elke Neudorfer

Viel los in den engen Gassen von Cagliari; Foto: Elke Neudorfer

Torbogen der Bastion; Foto: Elke Neudorfer

Teddybär im Café; Foto: Elke Neudorfer
Nach der verhältnismäßig frühen Rückfahrt zum Hotel können wir uns noch etwas am Pool aalen bzw. in demselbigen planschen. Später genießen wir das letzte Abendessen in dem Hotel, treffen uns noch zu einem Absacker in der Bar, bevor wir uns recht früh zur Ruhe legen, da für uns beide die Abfahrt vom Hotel für 6 Uhr vorgesehen ist. Um 08.50 Uhr fliegen wir mit der Fluggesellschaft Edelweiss zunächst nach Zürich und von dort weiter nach Stuttgart. Gegen 16 Uhr ist die Reise zu Ende.
Fazit
Die Reise wurde von Studiosus sehr gut organisiert und von der Reiseleiterin Claudia perfekt und einfühlsam begleitet sowie mit zahlreichen und hilfreichen Informationen angereichert.
Zu Land und Leuten
Sardinien ist die zweitgrößte Mittelmeerinsel mit einer Fläche von 24.090 qkm und mehr als 1,5 Mio. Einwohnern.
Über lange Zeiträume war Sardinien wirtschaftlich vom Festland abgehängt. Die Menschen lebten von der Landwirtschaft, in sehr starkem Maß von der Schafzucht. Erst nach dem zweiten Weltkrieg setzte sich eine wirtschaftliche Erholung ein. Wesentlich trug dazu die sich rasant entwickelnde Petrochemie und in den letzten Jahren zunehmend der Tourismus bei.
Sichtbar ist Letzteres nicht zuletzt an dem hohen Anteil an Migranten an den Mitarbeitern im Service-Bereich. So erfreulich die wirtschaftliche Entwicklung auf der einen Seite ist, so nachteilig wirkt sich diese für die kulturelle Identität der Insel aus.
Die sardische Sprache wie auch die in manchen Orten wie Alghero früher dominierende katalanische Sprache verschwinden zunehmend. Für den Touristen wird es immer schwieriger, das ursprüngliche Sardinien zu erleben. Weiterhin gibt es aber genügend Orte, deren Besuch sich lohnt.
Offenlegung
Die Reise wurde von uns selbst bezahlt
Zusätzliche Anmerkungen und Literaturempfehlungen
Belletristik
Wer über die Eindrücke einer Urlaubsreise hinaus mehr über Sardinien und seine Entwicklung im 20. Jahrhundert erfahren möchte, dem sei die Lektüre der Werke von zwei herausragenden SchriftstellerInnen des 20. Jahrhunderts empfohlen:
Grazia Deledda, bisher einzige italienische Literaturnobelpreisträgerin. Ihr Werk spielt sich überwiegend im bürgerlichen Milieu ab. Für den Roman „Schilf im Wind“ erhielt sie den Nobelpreis
Gavino Ledda: beschreibt das karge Leben von isoliert lebenden Schafzüchtern und Analphabeten. Sein Hauptwerk ist: „Padre Padrone„.
Reiseführer
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Know-How Reiseführer Sardinien Taschenbuch – 20. April 2023 von Peter Höh (Autor) – wurde mir übrigens von Studiosus kostenlos zur Verfügung gestellt
