Wandern: Abenteuer Olavsweg – ein Pilgerweg durch Norwegen?

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Olavsweg - Bild Stefanie Jarantowski

Ein Reisebericht von Gast- und Buchautorin Stefanie Jarantowski.

Zweimal musste ich die Überschrift des Guardian Artikels lesen, um mich zu vergewissern, dass Norwegen einen Pilgerweg hat; und dazu noch den nördlichsten der Welt. Noch nie zuvor habe ich vom „Olavsweg“ gehört, der auf König Olav Haraldsson zurückzuführen ist.

Dennoch war ich in meiner Situation im Sommer 2019 – Firma verkauft und keinen Plan wie es weitergeht – sofort angetan von dem einsam beschriebenen Pilger- und Weitwanderweg von Oslo nach Trondheim zum Nidarosdom.

Erst 1997 ist der Olavsweg als Pilgerweg wiedereröffnet worden. Durch die Reformation und dem Verbot von Wallfahrten ist das einst bekannte Pilgerziel im Norden in Vergessenheit geraten. Deshalb ist die Anzahl Pilger im Vergleich zu Santiago de Compostela verschwindend gering.

Auf dem Olasvweg ging es auch durch ein Distelfeld. Foto Stefanie Jarantowski

Auf dem Olasvweg ging es auch durch ein Distelfeld. Foto Stefanie Jarantowski

 

643 km von Oslo nach Trondheim

Zwei Wochen nachdem ich den Artikel über den Olavsweg gelesen hatte, fand ich mich zusammen mit meinem Mann auf der Fähre von Kiel nach Oslo. Von dort ging es zu Fuß den offiziell 643 Kilometer langen Olavsweg bis zum Nidarosdom nach Trondheim. 30 Tage lang sind wir zwischen 15 und 30 Kilometer täglich gelaufen; ohne Pausentag, mit einer Schifffahrt von Eidsvoll nach Hamar. Dabei durften wir die Vielfalt der norwegischen Landschaft kennenlernen: Von weiten, hügeligen Feldern und mystischen Wäldern, über beeindruckende Täler wie das Gudbrandsdalen, das größte Tal Norwegens mit seinem türkisfarbenen Fluss, dem Lågen; bis zu Hochgebirge und -moor.

Das Gudbrandsdalen mit dem türkisfarbenen Lågen. Foto Stefanie Jarantowski

Das Gudbrandsdalen mit dem türkisfarbenen Lågen. Foto Stefanie Jarantowski

 

Da der Olavsweg durch historische und kulturell bekannte Städte wie Eidsvoll und Lillehammer führt, bekommt der Wanderer Einblicke in die Gründungs- und jüngere Geschichte des Landes.
Mit insgesamt über 22.000 Höhenmetern hält der Weg anspruchsvolle Auf- und Abstiege für den Pilger bereit, die immer wieder zu sagenhaften Ausblicken und Postkartenidylle führen.

Übernachtet haben wir in sehr unterschiedlichen Pilgerunterkünften; von einem ehemaligen Stall über Campingplatz Hütte bis zum einsamen Refugium in Rhyphusan auf dem Dovrefjell. Hier gibt es teilweise Verpflegung für die Gäste, teilweise mussten wir für mehrere Tage Essen im Rucksack mitnehmen.

Der Höhepunkt: Das Dovrefjell

Nach zweidrittel des Olavsweges war es endlich soweit, dass wir das norwegische Hochgebirge, das Dovrefjell, erreicht haben. Viel gefürchtet war der Tag des Aufstiegs, und wurde zu einem der schönsten Tage der gesamten Weitwanderung. Statt Bergspitze erwartete uns ein riesiges Bergplateau, dessen einsame Weite einem die Sprache verschlagen hat. Mit dem niedrigen Gewächs, den farben- und formenfrohen Flechten hatten wir den Eindruck, einen anderen Planeten zu betreten.

 

Die Weite des Dovrefjells - Foto Stefanie Jarantowski

Die Weite des Dovrefjells – Foto Stefanie Jarantowski

 

Doch die Bedingungen oben auf dem Fjell können sehr schnell umschlagen. Unser vierter Tag auf dem Dovrefjell war mit Schneesturm und eisiger Kälte die härteste Etappe, denn es gab entlang der 20 Kilometer keinen Unterschlupf oder Unterstand. Haben wir uns hier mit Handschuhen und Wollmütze durchgekämpft, sind wir bereits am nächsten Tag des „Abstiegs“ im T-Shirt gewandert.

Mit etwas Glück trifft der Wanderer und Pilger hier oben auf Elche, Lemminge, Rentiere, Vielfraße oder Moschusochsen. In jedem Fall werden einem Schafe begegnen, die den oft widrigen Wetterbedingungen Stand halten.

Nachdem wir das Dovrefjell hinter uns gelassen hatten, ging es über Bretter und Brücken durch das Hochmoor bis wir schließlich den Trondheim Fjord und das Ziel unserer Pilgerreise erreicht hatten; den Nidarosdom. Diese Kathedrale wurde als Grabstätte für den Heiligen Olav errichtet. Noch heute werden hier die norwegischen Könige gekrönt.

Sightseeing: mit den Hurtigruten bis Bergen und Zug zurück nach Oslo

Nach über 650 Kilometern zu Fuß haben wir uns ein bequemes Sightseeing Programm gegönnt. Wir haben uns zwei Tage von den Hurtigruten südlich entlang der Fjorde bis nach Bergen schippern lassen. Hier hieß es zwei weitere Tage unter die Touristen mischen und die typischen Sehenswürdigkeiten besichtigen wie das Bryggen Viertel sowie den Berg Fløyen mit der Standseilbahn Fløibanen. Von dort ging es mit der „Bergensbanen“ zurück nach Oslo. Die Eisenbahnstrecke Oslo – Bergen gilt als eine der landschaftlich schönsten Bahnstrecken in Nordeuropa. Und hier konnten wir einige Gletscher bestaunen.

Fazit: Das Buch „Abenteuer Olavsweg“

Der Olavsweg war für mich das größte Abenteuer meines bisherigen Lebens, weswegen ich darüber ein Buch schreiben musste: Im „Abenteuer Olavsweg“*, 2020 im IKIGAI Verlag erschienen, nehme ich alle Reisehungrigen mit auf den Weg und lasse sie lesend den abenteuerlichen Weg mit Schluchten, Schneesturm und verrückten Kühen miterleben.

Typisch Norwegisch

Ich durfte Norwegen als ein wunderbares, gastfreundliches Land erleben. Zu den Besonderheiten gehören für mich die sehr oft grün bewachsenen Dächer, die teilweise Bäume tragen. Häuser einer älteren Generation stehen auf „Stelzen“, auf Steinpfosten. Die sogenannten „Stabbur“ sorgten für die Belüftung der gelagerten Lebensmittel und boten Schutz vor Mäusen.

Eine Pilgerunterkunft auf Steinstelzen (Stabbur).  Foto Stefanie Jarantowski

Eine Pilgerunterkunft auf Steinstelzen (Stabbur).  Foto Stefanie Jarantowski

 

Für Wanderer und Pilger besonders spannend ist das „Jedermannsrecht“, das jedem erlaubt, wild zu zelten. Es gibt ein paar Regeln zu beachten, wie z.B. das Abstandhalten zu Häusern und Höfen sowie zum Feuermachen. Mit einem Zelt wird zwar das Gepäck schwerer, allerdings ist der Wanderer flexibel, was seine Route anbelangt, da er unabhängig von teilweise raren Unterkünften ist.

Ideale Pausenplätze sind die zahlreichen Kirchen mit ihren Friedhöfen entlang des Weges. Denn hier gibt es Trinkwasser aus dem Friedhofswasserhahn und sehr oft eine Bank im Schatten zum Ausruhen.
Wie es sich für eine Outdoor-Nation gehört, gibt es zahlreiche praktische Lebensmittel im Supermarkt zu kaufen, wie z.B. Käse und Wurst aus der Tube. Was auf keinem norwegischen Frühstücks- oder Abendessentisch fehlen darf, ist der Braunkäse, der karamelartig schmeckt.

Auch die Natur versorgt die Wanderer auf dem Olavsweg im Sommer mit Leckereien: so viele wilde Erdbeeren, Himbeeren und Heidelbeeren sind mir noch auf keiner Wanderung begegnet.
Bei der Blumenpracht entlang des Weges durfte ich das Schmalblättrige Weidenröschen als Besonderheit kennenlernen, das uns von Oslo bis nach Trondheim treu begleitet hat.

Das Schmalblättrige Weidenröschen begleitet den Wanderer von Oslo bis Trondheim - Foto Stefanie Jarantowski

Das Schmalblättrige Weidenröschen begleitet den Wanderer von Oslo bis Trondheim – Foto Stefanie Jarantowski

 

Mehr Tipps

Neben den genannten Tipps habe ich für Interessierte auf https://www.olavsleden.de/ eine Packliste sowie Hinweise zur Proviantmitnahme zusammengestellt.

Literaturempfehlung: „Abenteuer Olavsweg – Eine Frau pilgert den Neuanfang“ *

Nach dem Verkauf ihres IT-Startups, das Stefanie Jarantowski in acht Jahren alleine und ohne Fremdkapital aufgebaut hat, fällt sie in ein tiefes Loch. Sie, die gefragte Frau, erlebt den Absturz in die Unwichtigkeit. Von der Überholspur fühlt sie sich aufs Abstellgleis katapultiert. In dieser Midlife Crisis fällt ihr ein Guardian Artikel zum Pilgerweg in Norwegen in die Hand, dem Olavsweg. Ohne lang zu überlegen packt sie ihre sieben Sachen und fährt von Berlin mit Zug und Fähre nach Oslo. Ziel ist es den 643 Kilometer langen Weg bis nach Trondheim ans Meer zu laufen. Stefanie erhofft sich vom Weg Antworten auf ihre Fragen und einen neuen Plan für ihr Leben.

Statt Lösung ihrer inneren Kämpfe erfährt Stefanie Entbehrungen und Strapazen, die sie am eingeschlagenen Weg zweifeln lassen. Ganz ihrem alten Lebensmuster entsprechend beißt sie die Zähne zusammen und zieht die Etappen des Pilgerweges durch: kraxelt über Felsen, überwindet Schluchten und verrückte Kühe, die sich ihr in den Weg stellen. Bis sie an ihre körperliche Grenze stößt und in die Krise mit ihrem Pilger Kompagnon gerät.

Ein Reiseerlebnisbuch* für alle, die dem Alltag entfliehen und das Abenteuer Olavsweg durch Norwegen miterleben wollen.

 


 

Stefanie Jarantowski
wurde 1982 in Berlin-Pankow geboren, wo sie aktuell noch lebt. Ihr Herz gehört dem Schreiben und dem Wandern. Am liebsten schreibt und liest sie Abenteuerromane und Reiseerlebnisse.
Mit ihren Texten und Büchern lädt sie Menschen ein, sich mit ihr auf den Weg zu machen; sich alter Gewohnheiten zu entledigen und dem Geheimnis des eigenen Lebens auf die Spur zu kommen. Dazu begibt sie sich auf wochenlange Wanderungen und Pilgerreisen zu alten Pfaden, wie z.B. durch Norwegen und Japan.

 

Titelbild: Blick über das Gudbrandsdalen mit dem türkisfarbenen Lågen. Das Copyright aller Bilder liegt bei der Autorin.

 
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