Von Montpellier nach Bilbao – spannende Highlights eines abenteuerlichen Roadtrips
Translation with Google
Autor: | Olaf Remmers |
Reisezeit: | März 2024 |
Art der Reise: | Roadtrip |
Lesezeit: | 15 Minuten |
Im ersten Teil (La France) hatte ich über unsere Fahrt von Bilbao über Pau nach Perpignan und weiter nach Montpellier berichtet. Jetzt geht es weiter mit der Abfahrt in Montpellier in Richtung Süden entlang des Mittelmeers.
Unsere Reiseroute
Über die Pyrenées Oriental zurück nach Spanien
Heute ist Ostersonntag. Wir stehen recht früh auf, räumen unsere Ferienwohnung in Montpellier auf und starten dann auf die lange Autofahrt über Perpignan und die Pyrenäen nach Zaragoza. In Montpellier ist natürlich nichts los am frühen Ostersonntagmorgen und wir sind trotz der auto-unfreundlichen Bedingungen (s. Teil 1) schnell auf der Autobahn. Das anfänglich etwas regnerische Wetter klart sich bald auf und im Sonnenschein fahren wir an unseren vorherigen Aufenthaltsorten Béziers und Narbonne vorbei und erreichen dann wieder Perpignan. Aber wir halten nicht groß an, sondern fahren gleich weiter. Kurz vor Perpignan haben wir immer wieder einen herrlichen Blick auf die schneebedeckten Gipfel der Pyrenäen und verlassen dann bald die Autobahn, die nach Barcelona weiterführt und fahren ab Le Boulou quer in die Pyrenäen nach Arles-sur-Tech, wo wir in einer kleinen, alten Boulangerie drei Pains-au-Chocolat kaufen, die uns später gut munden werden. Die Landschaft wird immer verwegener und einsamer:
Durch eine Art Canyon, den der Fluss Tech geformt hat, gelangen wir schließlich in den ersten größeren Ort Prats-de-Mollo-la-Preste, der bereits recht hoch liegt. Über weitere serpentinenhaften Straßen gelangen wir dann zum Col d’Arès auf 1513 müM an der Grenze zwischen Frankreich und Spanien in Katalonien. Vieles erinnert mich auf diesem Teil der Strecke an das Buch „Toulouse 1940„, in dem Uwe Wittstock beschreibt wie die „Fluchthilfeorganisation“ des Amerikaners Varian Fry, die insbesondere deutschen, kulturschaffenden Juden – die ab 1933 nach Frankreich geflohen waren und nach dessen Eroberung durch Hitlers Wehrmacht in Lagern interniert wurden – in den Jahren 1940/41 half, über die Pyrenäen nach Spanien und Portugal und von dort in die USA weiterzufliehen. Dazu gehörten neben anderen Heinrich und Golo Mann, Hannah Arendt, Franz Werfel, Lion Feuchtwanger, Max Ernst und hunderte Weiterer.

Blick vom Pass Col d’Arès auf 1513 müM an der Grenze zwischen Frankreich und Spanien in Katalonien auf die noch im April schneebedeckten Pyrenäen [Bild REM]
Zaragoza – Hauptstadt der autonomen Gemeinschaft Aragón
Schließlich kommen wir gegen 18 Uhr nach über 500 km Fahrt an unserem Ziel in Zaragoza in Aragón an, das ich aus der Vergangenheit von Besuchen im hiesigen Opel-Werk bereits kenne. Aber das ist eine ganze Weile her. Wir sind im zentralen Boutique-Hotel „Avenida“ untergebracht, wo wir zwei schöne Zimmer im renovierten Teil des Hotels reserviert haben. Es sind nur gut 10 Grad und es ist bewölkt, aber ab und zu kommt doch die Sonne durch. Wir machen uns gleich per pedes in die nahe Innenstadt auf, die recht gut besucht ist, da die Spanier nach einem ausgedehnten, sonntäglichen Mittagessen zahlreich in der 700.000-Einwohner-Stadt unterwegs sind. Übrigens wird die Stadt auf deutsch häufig Saragossa geschrieben.

Das Zentrum von Zaragoza ist – wie auch in vielen anderen spanischen Städten – am Sonntagnachmittag besonders busy [Bild REM]

Die eindrucksvolle, riesige Basilika del Pilar beherrscht das Zentrum von Zaragoza [Bild REM]

Arkaden an der Avenida Independência mit zahlreichen guten Restaurants, die alle nicht vor 21 Uhr öffnen [Bild REM]

Die Markthalle von Zaragoza am Plaza César Augusto [Bild REM]

Aus der Markthalle ist die Kirche San Juan de los Panetes mit einem schiefen Turm wie in Pisa gut erkennbar [Bild REM]

Auf Fliesen verewigt: Die Basilika del Pilar oberhalb des Rio Ebro im Zentrum von Zaragoza [Bild REM]
La Rioja – das renommierteste Weinbaugebiet Spaniens
Unser nächstes Ziel ist Logroño, die Hauptstadt des berühmten Weinbaugebietes Rioja, wo die besten Rotweine Spaniens gekeltert werden! Das interessiert uns natürlich persönlich! Wir fahren die ganze Strecke von rund 200 km auf einer mautfreien, meistens vierspurigen Straße, die häufig durch recht einsame Gebiete führt. Logroño erscheint zunächst als hässliche Stadt, die vom Sozialwohnungsbau geprägt zu sein scheint. Aber sie entpuppt sich im Zentrum doch als rechts attraktiv. Nachdem wir wieder in einer Tiefgarage geparkt haben, gelangen wir bald an einen großen Platz mit zahlreichen Bäumen und vielen Restaurants rundherum. Im Gegensatz zu Zaragoza ist in der autonomen Region Rioja heute (Ostermontag) ein Feiertag und alle Geschäfte sind geschlossen! Damit hatten wir nicht gerechnet. Dafür sind die Bars und Restaurants gut besucht und alle Einheimischen genießen ihr Glas Bier oder Wein an Tischen im Freien, obwohl es zwar sonnig, aber doch kühl ist. Wir finden dann ein gutes Restaurant und im Untergeschoss bekommen wir einen attraktiven Tisch und ein sehr gutes Menü.

Im Zentrum von Logroño, der Hauptstadt des Rioja [Bild REM]
Leider kennen wir uns in Rioja nicht so sehr gut aus und fahren zunächst zur Bodega „Marqués de Riscal“, die zwar sehr bekannt ist, aber unseres Erachtens leider keine sehr guten Weine produziert. Insbesondere ist neben den Weinen deren Fünfsterne-Hotel und das vom Architekten Frank Gehry ebenso wie das Guggenheim-Museum in Bilbao erstellte Gebäude bekannt. Trotz des Feiertags ist der Shop geöffnet, aber wir können keine Tour mehr wahrnehmen, sondern müssen uns auf ein Bild aus einiger Entfernung beschränken. Irgendwie macht uns der aus deutschen Supermärkten bekannte Wein auch nicht an und wir kaufen lediglich eine Flasche Rosé. Wir fahren durch die vom Weinbau geprägte, hügelige Landschaft und sind begeistert vom Weinbau im Vordergrund und den schneebedeckten Gipfel der Picos de Europa im Hintergrund. Wir fahren dann bis in den Ort Haro, wo die uns sehr bekannte Bodega Muga ist, von der wir schon häufig Wein genossen haben. Aber genau wie die zahlreichen Bodegas auf unserem Weg, ist auch die große Kellerei Muga am heutigen Feiertag geschlossen – das ist wirklich schade!

Weinbau im Rioja [Bild REM]
Zurück im Baskenland – Bilbao
Die gebirgige Landschaft führt immer weiter bergab und plötzlich werden wir von einem sehr heftigen Regen- und Hagelschauer überrascht. Das ist wahrscheinlich typisch und daher rührt auch die so grüne Landschaft! Der Regen bleibt und wir nähern uns Bilbao. Über zahlreiche Schnellstraßen und Autobahnen kommen wir ins Zentrum und erreichen das Appartement unseres Sohnes, das direkt gegenüber dem Guggenheim-Museum liegt. Parkplätze sind hier absolute Rarität und wir laden unser Auto schnell vor einer Tiefgarageneinfahrt aus, die am heutigen Feiertag glücklicherweise nicht sehr frequentiert ist. Während wir alles in die kleine Wohnung tragen, fährt er sein Auto in die reservierte Tiefgarage in der Nähe. Bei einem guten Vesper mit unseren Einkäufen aus Zaragoza klingt der Abend aus.
Am Dienstmorgen muss unser Sohn arbeiten, während meine Frau und ich uns in Bilbao umschauen. Das Wetter ist zunächst herrlich und ein strahlendblauer Himmel begleitet unseren Weg. Zunächst besuchen wir das vielgepriesene „Museo de Bellas Artes“. Leider gefällt uns das Museum gar nicht, da wir die Exponate kaum verstehen, denn alles ist nur auf Baskisch mit spanischer Übersetzung erklärt – kein Englisch, kein Französisch, geschweige denn Deutsch. Schade. Schon bald verlassen wir das Museum und machen uns auf den Weg durch die nahe Innenstadt Bilbaos mit vielen schönen Geschäften. Meine Frau kauft ein paar Kleinigkeiten für unseren temporären lokalen Haushalt, in dem vieles fehlt. Wir besuchen dann wieder das riesige ehemalige Weinlager, in dem ich schon im Februar gewesen war (siehe „Spanien: Per Express ins Baskenland„) und das für Kultur und Kunst des Baskenlandes steht. Zum Mittagessen treffen wir uns um 13:30 Uhr in dem japanischen Restaurant „Nikko“, wo wir sehr gut und relativ preiswert essen.

Im Zentrum von Bilbao [Bild REM]

Die sechs Meter hohe Riesenspinne „Maman“ von Louise Bourgeois vor der Brücke über den Rio Nervión [Bild REM]

Die 12 m hohen Hundeskulptur „El Puppy“ von Jeff Koons, die vor dem Museumseingang ein attraktives Fotomotiv für zahlreiche Touristen aus aller Herren Länder darstellt. [Bild REM]
San Sebastián (baskisch Donostia) – Traumstadt an der Concha
Am Mittwochmorgen frühstücken wir früh und gehen mit unserem Sohn zusammen zu seinem 40stöckigen Büroturm „Iberdrola„, wo er uns sein dort geparktes Auto übergibt und wir im herrlichen Sonnenschein über die Autobahn 80 km bis nach San Sebastián fahren. Wir gelangen gut ins Zentrum und parken in einer der zahlreichen Tiefgaragen nicht weit entfernt von der Altstadt und dem Strand. Ich war ja schon sehr häufig in San Sebastián, aber in erster Linie zum Arbeiten, allerdings auch immer verbunden mit Altstadt-Besuchen und gutem Essen. Meine Frau ist endlich zum allerersten Mal in San Sebastián, nachdem sie schon soviel davon gehört hat! Zunächst gehen wir an der sonnigen Promenade oberhalb des Strandes entlang, die an diesem ersten schönen und warmen Tag seit langem schon recht busy ist. Wir sehen sogar einige Badende! Vorbei am „Hotel de Londres y Inglaterra“ genießen wir die Aussicht auf die Concha (nunmehr in Baskisch „Kontxa“ geschrieben) und begeben uns dann in das nahe Zentrum.

Der aufgrund der Temperaturen noch sehr leere Strand an der Concha von San Sebastián [Bild REM]

In der Altstadt von San Sebastián (Donostia) [Bild REM]

In San Sebastián gibt es viele elegante Straßen und Häuser [Bild REM]

Puente de María Cristina über den Rio Urumea [Bild REM]

Brücke in Ondarroa an der Biskaya [Bild REM]
Richtung Westen nach Kantabrien mit Santander
Am Donnerstagmorgen ist es wieder sehr sonnig und es ist glücklicherweise für den ganzen Tag gutes Wetter angekündigt. Das nutzen wir, um in die nahe Autonome Provinz Kantabrien, westlich des Baskenlandes, zu fahren. Über die Autovia del Cantábrico und die auch hier wunderschöne, grüne und bergige Landschaft erreichen wir schon bald unser erstes Ziel Castro-Urdiales. Die mittelgroße Stadt ist durch große Strände (Playa Oostende) geprägt, die sich quasi bis in die Stadt hineinziehen. Wir parken in einer Tiefgarage direkt am Hafen und sehen schon von hier die das Bild prägende Burg Santa Ana, die maurischen Ursprungs ist und aus dem 11. Jahrhundert stammt. Sie liegt sehr malerisch auf einem Felsen direkt oberhalb des Hafens und trägt darüber hinaus einen Leuchtturm jüngeren Datums. Direkt neben der Burg befindet sich die Kirche Santa Maria de la Asunción, die wir im Gegensatz zur Burg auch betreten und besichtigen können. Der Ort selbst ist sehr ursprünglich und durch viele Cafés und Restaurants mit Blick auf den Hafen und das Meer geprägt. Wir machen einen interessanten Rundgang und fahren dann weiter in Richtung Westen nach Santander.

Links die Kirche Santa Maria de la Asunción und rechts das Castello Santa Ana maurischen Ursprungs aus dem 11. Jh. am Hafen von Castro-Urdiales [Bild REM]

Die uralten Arkaden von Castro-Urdiales laden zum Verweilen ein [Bild REM]

Palmenbestandene Plaza von Castro-Urdiales [Bild REM]
In Santander wütete im Jahr 1941 ein Großbrand, der während zweier Tage einen Großteil der Stadt vernichtete. Es gab ein Todesopfer und Tausende von Familien wurden obdachlos. Der Brand zerstörte den gesamten historischen Teil Santanders fast vollständig. Auch die gotische Kathedrale wurde zerstört, aber später wieder aufgebaut. Der gesamte Wiederaufbau der Stadt veränderte die historische, urbane Konfiguration der Stadt zum Teil sehr stark.

Plaza Porticada in Santander [Bild REM]

Das moderne Kulturzentrum von Santander liegt direkt am Alten Hafen [Bild REM]

Die romanische Kirche „Colegiata de Santa Juliana“ aus dem 12. Jh. in Santillana del Mar [Bild REM]

Kreuzgang der „Colegiata de Santa Juliana“ [Bild REM]
Abschied von Bilbao mit dem Sieg im Copa del Rey
Heute haben wir nicht vor, noch eine weitere Fahrt zu unternehmen, sondern bleiben in Bilbao, das bei recht schönem und trockenem Wetter auch Einiges bietet und das wir mit über 15.000 Schritten erkunden. Zuerst laufen wir quer durch die Altstadt Casco Viejo zum Mercado Rivera, wo ich schon im Februar gewesen war. Aber so toll ist er auch nicht. Dann trinken wir in der Altstadt einen Café con Leche und gelangen später zufällig an einen sehr schönen Laden des Solinger Messerwerkes „Zwilling“, der sehr gute Angebote hat, wo wir aber nur eine Kleinigkeit für die temporäre Wohnung erstehen. Die Häuser und Balkons werden in Erwartung des morgigen Copa del Rey immer mehr und mehr mit rot-weißen Flaggen geschmückt. Eigentlich kann und darf sich kein einziger Laden dem entziehen und viele haben sogar ihre Angebote an Klamotten oder Möbeln weitestgehend in Rot-Weiß gestaltet. Es ist unglaublich – wir geraten auch ins Fieber! Ich erstehe eine rot-weiße Blechdose mit Emblem des Athletic Club Bilbao mitsamt Schokolade als Souvenir.

Dieser Apotheker scheint ebenfalls ein Fan des Athletic Club Bilbao zu sein [Bild REM]

Und diese Konditorei unterstützt die Fußballer ebenfalls aus vollen Kräften [Bild REM]

Das Jugendstil-Kino „Teatro Campos Elíseos“ von 1902 [Bild REM]

Der Bahnhof „Estación de Bilbao Concordia“ [Bild REM]

Abendlicher Blick vom Rooftop des „Gran Hotel Domine“ gegenüber des Guggenheim [Bild REM]
In Frankfurt reicht die Zeit von 70 min gerade, um umzusteigen und auch unsere Koffer kommen überraschenderweise mit, wie wir später feststellen werden. Wir kommen pünktlich um 18 Uhr in Stuttgart an und während meine Frau das Nötigste am Flughafen einkauft, rufe ich unseren Autofritzen an, der uns im Handumdrehen abholt und zu unserem im SI geparkten Auto bringt. Die fehlende Quittung benötigen wir nicht. Über Stuttgart gelangen wir schnell nach Hause und sind doch froh, nach dieser wunderschönen und sehr ereignisreichen Reise wieder in unseren eigenen Betten schlafen zu können.
Währenddessen spielt der Athletic Club Bilbao am Abend im Olympiastadion Sevilla nach einem anfänglichen Rückstand gegen Real Mallorca sehr erfolgreich! Nach dem Ausgleich durch Oihan Sancet in der zweiten Halbzeit erspielte sich Bilbao einige vielversprechende Chancen, verpasste es in der regulären Spielzeit incl. Nachspielzeit aber, weitere Tore zu erzielen, so dass sie dann 1:1 endete. Im anschließenden Elfmeterschießen hatte Bilbao dann die besseren Nerven und das Endspiel endete nach dem Elfmeterschießen mit 5:3 für den Athletic Club Bilbao! Nach 40 Jahren und fünf verlorenen Endspielen gewann Bilbao damit seinen 24. Sieg im Copa del Rey, der in den nächsten Tagen enthusiastisch gefeiert wurde! Interessant ist übrigens, dass der Verein immer noch der ungeschriebenen Regel folgt, nur Spieler zu nominieren, die im Baskenland geboren oder hier wenigstens ihre Fußballausbildung erhalten haben. Das ist zwar umstritten, aber trotzdem erfolgreich, wie wieder bewiesen wurde! Die Basken sind eben doch ein spezielles Völkchen!

Jubelnde Fußballfans an der Puente Zubizuri [Bild REM]

Die traditionelle Siegesparade des Athletic Club Bilbao auf dem Rio Nervión [Bild REM]

Feiernde Menschenmassen rund um das Guggenheim-Museum [Bild REM]