Die Eisheiligen ufm Rhy – Ruder-Wanderfahrt auf dem Hochrhein

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Titelbild Wanderfahrt Hochrhein - copyright Olaf Remmers, reisefreak.de
  

 

Infobox
Autor:Olaf Remmers und Harald Flößer
Reisezeit:Mitte Mai 2026
Art der Reise:Ruderwanderfahrt, privat organisiert
Lesezeit: 10 Minuten
  

Nach der wunderbaren Kultur-Wanderfahrt auf der Saar im vergangenen Jahr wurde für das diesjährige Himmelfahrts-Wochenende ein weiteres herausforderndes Ziel angeboten: Zu dieser Wanderfahrt auf dem Hochrhein meldeten sich insgesamt 27 Teilnehmer, unter ihnen zur Abwechselung auch reine Fahrrad- und Wohnmobilfahrer und sogar ein „Nur-Landdienstler“! Es ist eben alles möglich.

 

Start in Radolfzell am Untersee

Der Bootswagen ist geladen – es kann losgehen [Bild REM]

Der gut 140 km lange Hochrhein führt von Stein am Rhein bis nach Basel und bildet größtenteils die Grenze zwischen Baden-Württemberg und der Schweiz. Da uns das aber nicht reichte, wollten wir ursprünglich bereits in Überlingen am Bodensee starten und über den See an der Insel Mainau vorbei durch Konstanz in den Untersee rudern.

Unerwarteterweise  taten aber dann die Eisheiligen ihrem Namen alle Ehre und das kühle und windige Wetter ließ uns den Plan revidieren und sicherheitshalber erst in Konstanz starten. Aber auch das wusste der Heilige Pankratius („Ich schick dir Wind und Wolken“) zu verhindern und schickte tatsächlich so viel Wolken und Wind, dass wir mit unseren vier Ruderbooten und drei Bussen (mit Bootsanhänger, Küchenanhänger und Fahrradträger) gleich nach Radolfzell zum dortigen Ruderclub fuhren, um auf dem Zeller See zu starten, der uns bereits mit reichlich Wellen und Wind empfing.

So empfängt uns der Zeller See (Bodensee) [Bild REM]

Wir setzen die Boote beim „Ruderclub Undine“ in Radolfzell ein [Bild REM]

Boote aufriggern, d.h. Ausleger anschrauben (sollte auf dieser Wanderfahrt noch zu unserer Meisterleistung avancieren) und ein erstes Vesper im Stehen waren schnell erledigt. Dann ging es auf den See, den wir nicht überquerten, sondern dem Ufer des Zeller Sees folgend uns langsam in Richtung Gaienhofen vorwärtsbewegten. Der Berichterstatter hatte in einem schweren Boot leichtes Spiel, aber die anderen Boote – insbesondere ein besonders schmales Exemplar – übernahmen einiges an Wasser und die Wellen wurden im beginnenden Rhein eher höher als weniger.

In Gaienhofen legten wir dann am Schloss an, wo uns eine Sport- und Ruderlehrerin des dort angesiedelten evangelischen Gymnasiums sehr freundlich und unerwartet empfing und uns in unserer Meinung bestärkte, die Fahrt bis Stein a. Rhein nicht auf dem Wasser fortzusetzen, sondern die Boote zu verladen. Ausschlaggebend für unsere finale Entscheidung war dann das gelbe Warnlicht auf der gegenüberliegenden Seite, das weiteren Wind ankündigte – der dritte Eisheilige St. Servatius tat eben, was er konnte. Bis der Landdienst mit Bootswagen dann den Weg zu uns fand, genossen wir Kaffee und Bier auf der windgeschützten Terrasse eines nahen Biergartens. Dann folgte das Abriggern und Verladen der Boote sowie die Fahrt über die Grenze zum schweizerischen Stein am Rhein, wo wir Plätze in der Jugendherberge (!!) reserviert hatten.

Stürmische Überfahrt auf dem Zeller See [Bild REM]

In Gaienhofen müssen wir erstmals zwangsweise die Boote herausnehmen … [Bild REM]

… und nutzen die Gelegenheit zum Bier- resp. Kaffeetrinkern [Bild REM]

Was offensichtlich mehr Spaß macht als in den Wellen zu rudern! [Bild FLÖ]

Eine etwas andere Herausforderung

Vor das Abendessen hatten die Götter aber noch eine weitere Herausforderung gestellt: Das Beziehen der Etagenbetten! Mein „Mitkämpfer“ bemerkte trocken: „Jetzt bin ich ewig verheiratet und muss diesen Sch… trotzdem noch machen!“ Zum Abendessen servierte uns der sehr freundliche „Herbergsvater“ (mindestens 30 Jahre jünger als unser Durchschnittsalter) Spaghetti Bolognese und es gab überraschenderweise keinen Früchtetee aus Blechkannen dazu, wie man es von früher kannte, sondern man konnte Wasser, Wein oder Bier zu schweizerischen Preisen ordern.

Ein abendlicher Rundgang durch den wunderschönen Ort Stein am Rhein mit zahlreichen historischen Bauten, die das Bild prägen, beendet den Tag. Die bemalten Häuserfassaden, Fachwerkhäuser, Erker und kleinen Gassen sind das touristische Potential dieser Stadt und gehen bis aufs 15. Jahrhundert zurück. Die historische Bedeutung Steins fußt auf einer der wenigen Rheinbrücken der damaligen Zeit und noch heute beginnt hier an der Brücke die offizielle Kilometrierung des Hochrheins, die allerdings theoretischer Natur zu sein scheint, denn abgesehen von Schwörstadt fanden wir nirgendwo Kilometertafeln, wie man sie von anderen Flüssen kennt.

Abendliche Besichtigung der wunderschönen Stadt Stein am Rhein am Schweizer Ufer [Bild REM]

Der Stadtbrunnen vor dem Rathaus [Bild REM]

Bei Stein endet der Bodensee und der eigentliche Hochrhein beginnt [Bild REM]

Abends genossen wir in der JH unsere eigenen Getränke und nach dem Frühstück, das durch eine gute Schweizer Kaffeemaschine, die nicht nur Cappuccino „ausspuckte“, aufgewertet wurde, ging’s daran, die Boote aufzuriggern und nach Überwindung der riesigen Ufersteine unterhalb der Burg Hohenklingen zu Wasser zu lassen. Die nächste Etappe war zwar noch kühl, aber wenigstens zunächst trocken – der Heilige Bonifatius („Ich bring‘ Kälte und Schneegraupel“) bereitete sich wohl noch vor, wie wir später am Tag lernen sollten.

Zunächst lernten wir jedoch Schwyzerdütsch mit Ufm Rhy | Sicher auf dem Rhein, ein Ausdruck, der uns die ganze weitere Fahrt begleitete. Vorbei an wunderschönen, alten Ortschaften auf der nördlichen, zumeist deutschen wie auf der südlichen, immer schweizerischen Seite bewegten wir uns in der recht starken Strömung in Richtung Schaffhausen, wo wir beim dortigen Ruderclub freundlich empfangen wurden und wieder einmal unsere Boote abriggerten und verluden – dieses Mal zur obligatorischen Umfahrung des beeindruckenden Rheinfalls.

Morgendlicher Start in Stein am Rhein [Bild FLÖ]

Wir passieren Diessenhofen am Schweizer Ufer … [Bild REM]

… und kommen dann am Ruderclub in Schaffhausen an, um dort die Boote herauszunehmen [Bild REM]

Mit den verladenen Booten umfahren wir den Rheinfall und setzen unmittelbar darunter wieder ein [Bild REM]

Graupelschauer in urwaldähnlicher Umgebung

Unterhalb des in Sichtweite befindlichen Wasserfalls riggerten wir dann unsere vier Boote mit allen 32 Auslegern, also je 96 10er Muttern und 96 Unterlegscheiben, wieder einmal auf. Und weiter ging’s, nachdem wir mittels der glücklicherweise mitgeführten Wasserschuhe im recht kalten Wasser eingestiegen waren. Durch teilweise fast urwaldähnliche Vegetation an beiden Ufern ging es dann nach Rheinau, wo uns drei nah beieinanderliegende Wehre erwarteten, die alle mit fahrbaren Bühnen ausgestattet waren und uns dadurch das Umtragen deutlich erleichterten, um nicht zu sagen, Spaß machten.

Kurz vor dem imposanten Kloster Rheinau genossen wir dann unser obligatorisches Stehvesper, das eine Mitruderin mit den Worten „So viel Brot und Wurst wie hier, esse ich ansonsten im ganzen Jahr nicht.“ kommentierte. In der Zwischenzeit hatte St. Bonifatius wohl Zeit gehabt, seine Waffen zu schärfen, denn wenig später wurden wir von einem eisigen Regen- und Graupelschauer überrascht, der uns mehr als eine halbe Stunde lang völlig durchnässte und trotz Ruderns eiskalt werden ließ. Die Steuerleute konnten bei dem horizontal entgegenkommenden Graupel kaum noch die Richtung erkennen.

Als der Spuk dann endlich vorbei war, kamen wir in Eglisau durch eine schöne alte Brücke und gelangten wenig später unterhalb eines beeindruckenden Eisenbahn-Viadukts, das von zahleichen – sicherlich pünktlichen – Schweizer Zügen passiert wurde, an den „Seeclub Zürich“, wo wir nach 45 Ruder-Kilometern die Boote ablegten und zur allgemeinen Überraschung (und Freude) nicht abriggern mussten!

Bei Rheinau treffen wir auf drei Wehre, die wir mit Hilfe selbstfahrender Bootswagen überwinden [Bild REM]

Das wunderschön gelegene Kloster Rheinau dient heute als Altersheim [Bild REM]

Die Kollegen, die im Zelt bzw. auf dem Campingplatz nächtigen wollten, wurden einigermaßen überrascht, da der Campingplatz und die dort reservierten Fässer zunächst nicht zugänglich waren und dadurch auch das Kochen verunmöglicht wurde. Glücklicherweise konnten sie noch eine Pizzeria überzeugen, sie zu versorgen. Die anderen waren im Hotel „Wasserstelz“ im nahen Hohentengen untergebracht, wo sie die herrlichen, heißen Duschen und das anschließende Abendessen SEHR genossen, wenngleich auch einige durch die begrenzten Küchenzeiten enttäuscht wurden. Der angebotene südafrikanische Cabernet Sauvignon bewirkte jedoch die Beruhigung der Gemüter.

Das Eisenbahnviadukt in Eglisau beim „Seeclub Zürich“ am Morgen nach dem eiskalten Graupelschauer [Bild REM]

Gemeinsam durchs „Mauseloch“

Am nächsten Morgen empfingen uns der „Seeclub Zürich“ und das Viadukt mit einem herrlichen Blick auf den grünblauen Rhein und das riesige Bauwerk, das in zahlreichen Aufnahmen festgehalten wurde. Bald nach dem Start gelangten wir an die einzige Schleuse dieser Wanderfahrt (Eglisau), wo es sogar einen „Biberausstieg“ gab. Wir mussten viel Geduld haben, bis die Bootsschleuse gefüllt war, und dann konnten alle vier Boote gleichzeitig geschleust werden. Unten öffnete sich dann nicht das übliche, breite Schleusentor, sondern eine kleine halbrunde Öffnung, durch die wir uns zwängen mussten und die wir „Mauseloch“ tauften. Vorbei am üppigen Uferbewuchs gelangten wir schließlich gegen Mittag an den Campingplatz in Lienheim, den unsere campingwilligen Kollegen am Vorabend bereits kennengelernt hatten.

Unterwegs zwischen Eglisau und Lienheim [Bild FLÖ]

Da die vor uns liegenden „Koblenzer Lauffen“, einer Art „Rhein-Katarakt“, aufgrund des niedrigen Wasserstandes nicht befahrbar waren, mussten wir wieder einmal die Boote abriggern und verladen – trotz des einsetzenden Regens klappte das aufgrund unserer bisherigen Übungen aber doch recht flott. Mittagsvesper gab es dann (im Sitzen!) am Rande des einladenden, aber viel zu kalten Pools eines Campingplatzes, der auf den urigen Namen „Staustallfäger“ getauft war und uns sogar den Service eines Trockners bot, den wir ausgiebig nutzten.

Ausblick vom Campingplatz „Staustallfäger“ auf den idyllisch fließenden Hochrhein [Bild REM]

Nach dieser ausgiebigen Brotzeit – richtig bemerkt, ab jetzt ist ein bayerisch-stämmiger Autor am Werk – hieß es danach „Ab in die Kleintransporter“ statt „Mannschaft ans Boot“; aus besagten Gründen ging es diesmal auf vier Rädern und damit kräfteschonend zum nächsten Etappenziel Waldshut. Auch hier erforderte die enge Zufahrt zum Wassersportverein einiges Geschick, aber unsere routinierten Fahrer meisterten auch diese Hürde. Boote vom Hänger abladen, aufriggern und so auf dem Vereinsgelände platzieren, dass sie den Sportbetrieb nicht behindern – man merkt: Wir werden jeden Tag besser. Danach wieder aufsitzen und ab nach Schwörstadt, wo auf dem Gelände des dortigen Wassersportvereins „Rheinstrom“ erstmals die mitgeführten Zelte aufgestellt wurden. Gastfreundschaft wird auch hier großgeschrieben. Dankenswerterweise durften wir zum Kochen und zum Essen für den ersten Abend ein Partyzelt nutzen, auf dem tags darauf eine Geburtstagsfeier stattfinden sollte.

Blick vom Wassersport-Verein Waldshut auf den Rhein und das direkt gegenüberliegende AKW Leibstadt, einem Siedewasserreaktor mit 1233 MW elektrischer Leistung [Bild REM]

Viele Schleifen und wunderbare Ausblicke

Während die eine Hälfte unserer Gruppe in Pfadfindermanier campierte, wählte die andere Hälfte die bequemere Art zu nächtigen, im rund eineinhalb Kilometer entfernten Boutiquehotel „Drei Ringe“ – für zwei Nächte eine ganz ordentliche Bleibe mit gutem Frühstück. Das war auch nötig, denn am nächsten Morgen stand wieder eine lange Etappe auf dem Programm, laut Fahrtenbeschreibung 35 Fluss-Kilometer. Mit den Bussen ging’s zurück nach Waldshut, wo wir die bereits aufgerüsteten Boote nur noch zu Wasser lassen mussten. Der Wettergott war uns an diesem Tag hold (die Eisheiligen sind nämlich auch vorbei), so konnten wir die Fahrt in herrlicher Flusslandschaft und oftmals auch bei Sonnenschein in vollen Zügen genießen. Kaum vier Kilometer nach dem Start der erste Halt vor dem Stauwehr des Kraftwerks Albbruck-Dogern. Mit einem bereitstehenden Bootswagen ließ sich die Rampe problemlos passieren. Die Boote im Unterwasser wieder einsetzen, und weiter ging die Tour Schleife um Schleife für rund zehn Kilometer ohne Hindernisse, dafür mit wunderbaren Ausblicken.

Ein Highlight war dabei die malerische Zwillingsstadt Laufenberg, auf der einen Seite die Schweiz (Kanton Aargau), auf der anderen Seite Deutschland (Baden). Wahrlich eine Perle des Hochrheins! Für historisch Interessierte: Die Teilung der ehemals geeinten Stadt erfolgte im Jahr 1801 durch Napoleon. Wenig später der nächste Stopp vor dem Kraftwerk Laufenburg. Dort mussten wir unsere Boote mit den eigenen Wagen mehrere hundert Meter bis zu einem Schrägaufzug transportieren, der uns dann zum Unterwasser brachte. Doch zuvor war eine Stärkung fällig. Kaum angekommen, war auch der Landdienst zur Stelle und versorgte uns mit einer deftigen Brotzeit, die wir bei strahlendem Sonnenschein genießen durften. Kurz vor Bad Säckingen, bekannt durch Victor von Scheffels Versepos „Der Trompeter von Säckingen“, mussten wir die Boote ein weiteres Mal umsetzen, zur Abwechslung mal ganz komfortabel mit einem selbstbedienten Gleiswagen.

Die enge Durchfahrt durch Laufenburg (links Baden, rechts Schweiz), die das gemeinsame Motto „Zwei Länder – eine Stadt“ haben [Bild REM]

Das Wasserkraftwerk Laufenburg wurde 1914 in Betrieb genommen und 1994 erneuert [Bild REM]

Diese mutige Konstruktion hilft uns, unsere Boote wieder ins Unterwasser zu bekommen [Bild REM]

Der „Trompeter von Säckingen“

Wir waren noch kaum wieder richtig in Schwung, hieß es „Ruder halt“ – die längste gedeckte Holzbrücke Europas, die Bad Säckingen mit der Schweiz verbindet, kann man nicht passieren, ohne ein Foto zu machen. Dann wurde aber schon wieder Fahrt aufgenommen Richtung Tagesziel Schwörstadt, das wir so zeitig erreichten, dass wir vor dem Duschen noch leckeren Kuchen genießen konnten, der bei der Geburtstagsfeier auf dem WSV-Gelände übrig geblieben war. So schön das weinselige Zusammensein nach dem Abendessen auch war, irgendwann wurde es temperaturmäßig ganz schön ungemütlich. Und einige, die sich schon am Tag zuvor entschlossen hatten, lieber im Hotel zu nächtigen, sollten ihre Entscheidung nicht bereuen.

Die „Holzbrücke über den Rhein“ verbindet die deutsche Stadt Bad Säckingen mit der Gemeinde Stein in der Schweiz; im Hintergrund das Fridolinsmünster [Bild REM]

Die Tische für das gemeinsame Abendessen im Wassersportvereins „Rheinstrom“ sind gedeckt [Bild REM]

Am letzten Tag wie ursprünglich vorgesehen bis Basel rudern? Dieser Plan wurde mit Blick auf die möglicherweise staubehinderte Heimfahrt einvernehmlich verworfen. Aber auch die gemütlichere Variante – von unserem Campingplatz bis kurz vor das Kraftwerk Ryburg-Schwörstadt und dann noch einige Kilometer flussaufwärts Richtung Bad Säckingen, was in etwa unserem üblichen Dienstags-Trainingspensum entspricht – brachte nochmal viel Ruderspaß. Zum Glück hielt sich der Verkehr auf der Heimfahrt in Grenzen, so dass wir kurz vor 17.45 Uhr wohlbehalten wieder zurück waren. Abriggern, alles wieder im Bootshaus verstauen, die Mietwagen säubern – nach so viel Übung lief das so flott, dass wir uns keine zwei Stunden später schon, glücklich über so viel gemeinsam Erlebtes, voneinander verabschieden konnten.

Sonntägliches Rudern bei Schwörstadt ersetzt die letzte Etappe nach Basel [Bild REM]

Auf der A81 kurz vor dem Ende der Rückfahrt [Bild REM]

Resümee nach einer ereignisreichen Wanderfahrt

Und was bleibt bei einem Ruderwanderfahrt-Novizen im Gedächtnis hängen? Auch im frühen Rentenalter kann man noch einiges lernen. Zum Beispiel, dass eine Persenning eine Art Kondom für Bug und Heck eines Bootes ist, unter der sich Gepäck und wichtige Utensilien wie ein Boots-Wagen verstauen lassen. Oder dass mit „abhalten“ nicht die Hilfe für einen pieselnden Jungen gemeint ist, sondern eine Vorsichtsmaßnahme, bei der das Boot händisch oder mit einem Stechpaddel vom Ufer ferngehalten wir, um es vor Schrammen oder Schlimmerem zu schützen. Eine Manöverkritik steht einem Wanderfahrt-Neuling nicht zu, eher ein paar kritische Anmerkungen. Viele Köche verderben den Brei, heißt es so schön. Das gilt selbstredend auch für eine Ruderwandergruppe, in der sich etliche alte Hasen mit in Summe mehreren hundert Jahren Erfahrung befinden. Gut, dass darunter Leithammel sind, die sich mit lauter, zuweilen etwas militärisch anmutender Stimme Gehör verschaffen können. Gut auch, dass der Gruppe natürliche Autoritäten wie der unausgesprochene „Präsident“ angehören, die sich nur wenn’s wirklich brennt, aber dann umso klarer zu Wort melden und von niemandem angezweifelte Entscheidungen treffen, wie an dem Abend auf dem Campingplatz „Staustallfäger“ bei Lienheim, als nach einer Regentour so gut wie nichts klappte.

Ein Blick auf den friedlicher Rhein zum Abschluss [Bild FLÖ]

Zu dünn besaitet sollte man als Teilnehmer einer solchen Tour nicht sein, zumal wenn man das erste Mal dabei ist und zuweilen mangels Erfahrung etwas hilflos herumsteht. Da kann es schon sein, dass man von der Seite leicht angeblökt und zur Mitarbeit aufgefordert wird. Auch wenn der Ton dann etwas schroffer ausfällt, steckt da in keinster Weise eine Bösartigkeit dahinter. Oder man wird in Pflegestufe sieben eingestuft, weil man sich beim Aussteigen aus dem Boot anstellt wie ein gebrechlicher Greis. So etwas entwickelt sich dann gerne zum Running Gag – sehr zur Belustigung der übrigen Teilnehmer. Nicht zuletzt lernt man, jede Gelegenheit zu nutzen, um seine Blase zu entleeren. Denn wer will schon im Boot in eine Flasche pinkeln oder es einfach laufen lassen, wenn es wie so oft keine Anhaltemöglichkeit gibt.

Ob es ein nächstes Mal gibt? Klare Antwort: Ganz bestimmt. Dann aber mit einer Portion mehr Gelassenheit und einer Tageszeitung im Gepäck. Denn wenn, wie es scheint, der frühe Termin in Stein gemeißelt ist, muss man auch im Wonnemonat Mai mit einer Wetter-Kombination von Regen und Kälte rechnen. Da kann Zeitungspapier beim Trocknen tropfnasser Schuhe gute Dienste leisten.

Diese vier Herren und die eine Dame haben uns das Leben schwer gemacht! [mit ChatGPT erzeugt]

Die Fotos sind alle während der beschriebenen Wanderfahrt entstanden und von den beiden Autoren „geschossen“ worden. [Bild FLÖ] hat Harald Flößer aufgenommen und [Bild REM] hat Olaf Remmers gemacht.

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