Mountainbike-Abenteuer Philippinen: 550 km über fünf Tropeninseln
Translation with Google
| Autor: | Gastautor Thomas Bauer |
| Reisezeit: | Januar/Februar 2026 |
| Art der Reise: | Radtour |
| Lesezeit: | 5 Minuten |
Inselhopping mit dem Mountainbike: 550 Kilometer durch die Philippinen
Abenteurer Thomas Bauer fährt 550 Kilometer mit dem Mountainbike über fünf philippinische Inseln. »Im Namen des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes«, knackt es aus den Lautsprechern der Fähre. Auf den Philippinen schickt man ein Gebet zum Himmel, ehe man sich an eine Überfahrt macht – Überbleibsel der 300-jährigen Herrschaft der Spanier. Die Philippinen sind das größte katholische Land in Asien.
Auftakt auf den Camotes-Inseln
Auf den Camotes, den »Süßkartoffel-Inseln«, schwingen wir uns auf die Mountainbikes. Radfahren auf den Philippinen: Das ist noch immer eine ungewöhnliche Kombination. Dabei spricht viel dafür: Im deutschen Winter ist hier Trockenzeit mit angenehmen 28 Grad. Die Straßen sind ausgezeichnet, die Aufstiege moderat, beim Essen kombiniert man Einflüsse aus Thailand und Indonesien mit den Trümpfen vor Ort – allen voran süß-saftige Ananas, Mango und Papaya. Und fast immer rauscht der Pazifik ganz in der Nähe.
»Hello!«, »¿Cómo estás?« und »What’s up, bro«
Wir werden mehrsprachig begrüßt, wenn wir durch ein Dorf brausen. Kinder stürzen uns entgegen, Jugendliche winken uns zu. Mit unseren Radklamotten und den Helmen sehen wir aus wie Aliens. Das Leben auf den Camotes spielt sich auf und am Rand der Straßen ab: Hier knattern Mopeds, hier befördern die knallbunten »Jeepneys« Leute für wenig Geld ins Nachbardorf. Wer kann, dreht einen Laden oder auch nur einen Stand zur Straße hin und versucht, irgendetwas zu verkaufen. Die an den Verkehrslärm gewöhnten Hunde erschrecken sich, wenn wir an ihnen vorbeifahren, bleiben jedoch erstaunlich gelassen. Keine Spur von Aggressivität wie in manch anderen Ländern.
Schokohügel und Koboldmakis auf Bohol
Erst auf der deutlich größeren Insel Bohol wird es auf den Straßen mitunter etwas eng. Dafür sorgen die über 1.000 kegelförmigen »Chocolate Hills«: mit Gras überzogene Karsthügel, die sich im Sommer schokoladenbraun färben und ganzjährig Touristen anziehen. Hier gibt es auch die nur faustgroßen Koboldmakis, deren Gesicht aus den Augen zu bestehen scheint.
Trotzdem machen wir auf Bohol Strecke! Unser agiler Guide verteilt Bananen und Wasser, dann treibt er uns mit »Ghee!«-Rufen an – das heißt »Auf geht’s!«. Die Umgebung rauscht an mir vorbei, durch mich hindurch: mühsam bewirtschaftete Reisfelder ebenso wie meterhohe Kokospalmen, Mangroven und Mangobäume. Ich kann mich kaum sattsehen an dem, was mir da so reichlich aufgetischt wird. Und merke kaum, dass wir 80 Kilometer und mehr am Tag vorankommen.
Gesellschaft im Wandel
Von den 7.641 philippinischen Inseln sind nur knapp 900 bewohnt. Die meisten Bewohner sind jung, das Bevölkerungswachstum insbesondere auf dem Land ist enorm. Die Philippinen sind der einzige Staat der Welt, in dem es gesetzlich verboten ist, sich scheiden zu lassen; die Ehe dient in erster Linie dem Kinderkriegen. Allein im Großraum Manila ballen sich 25 Millionen Menschen.
Mystik und Geister auf Siquijor
Von der Hektik der Städte ist auf der »mystischen Insel« Siquijor kaum etwas zu spüren. Die Stimmung auf dem vergleichsweise kleinen Eiland ist entspannt. Vielleicht sorgen die hier vermuteten Hexen und Zauberer dafür. Wobei mich die Zeremonie eines »Heilers« in seiner schäbigen Hütte nicht recht überzeugt: Er bläst in ein Wasserglas, das er um mich herum schwenkt. Dann schüttet er die Flüssigkeit aus – und mit ihr angeblich meine »negative Energie«. Nun ja.
Dafür umrunden wir die Insel per Fahrrad – 75 Kilometer am Pazifik entlang. Die Kombination aus weißen Sandstränden, aufragenden Palmen und dem Wellenspiel des Ozeans dürfte kaum zu toppen sein. Nach einem halben Tag, an dem ich wie wild Fotos schieße, bin ich geneigt, an die »Diwatas« und »Encantos« zu glauben, von denen auf Siquijor so viele sprechen. Während die feenähnlichen »Diwatas« in den Baumkronen leben, sind die »Encantos« Schutzgeister des Meeres. Noch heute werfen philippinische Fischer nach einem guten Fang Früchte ins Wasser, um sich bei ihnen zu bedanken. Der Glaube an eine belebte Natur ist nachvollziehbar in einem Land, das sich direkt auf dem Pazifischen Feuerring befindet – mit Vulkanen, Erdbeben und Taifunen als Begleiterscheinungen.
Kontraste auf Cebu
Auf der langgezogenen Insel Cebu nimmt der Verkehr zu, bis er innerhalb der gleichnamigen Hauptstadt apokalyptische Ausmaße annimmt. Auf den gesamten Philippinen gibt es gerade mal eine Bahnstrecke; ansonsten fährt man Auto oder Moped nach Regeln, die für Europäer schwer nachvollziehbar sind. Wenn sie nicht in einem Fahrzeug sitzen, sind die Filipinos in aller Regel höflich und zurückhaltend, was ihre Region zu einem angenehmen Reiseland macht.
Hinter der freundlichen Fassade findet jedoch nicht selten ein Kampf statt: Viele arbeiten zu Bedingungen, angesichts derer sich ein deutscher Gewerkschafter die Haare raufen würde, üben zwei oder drei Jobs parallel aus. Andere verdienen sich ihre Brötchen als OFW – »Overseas Filipino Worker« –, vor allem in den Maschinenräumen der Kreuzfahrtschiffe. Von den acht Millionen Auslandsfilipinos leben beinahe die Hälfte in den Vereinigten Staaten, zu denen man seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs enge Beziehungen pflegt.
Fazit einer bewegenden Reise
550 Kilometer und 6.000 Höhenmeter liegen hinter uns, als wir in Cebu City zu Abend essen. Die Zeit ist viel zu schnell vorbeigesaust. Jede Insel, die wir befahren haben, hat sich uns anders dargestellt. Es sind weniger die touristischen »Hotspots«, die uns so beeindruckt haben. Die sind nicht selten überlaufen und dennoch nur begrenzt spektakulär.
Was unsere Reise dagegen ausgemacht hat: Die in eine überbordende Vegetation gesetzten Straßen und Wege, über die sich Büsche und Bäume beugen. Das Rauschen und Gurgeln des nie weit entfernten Pazifiks. Und immer wieder die Menschen, die uns grüßen, anlächeln, ansprechen und erkennbar froh sind, dass wir hier sind. Das ganze saftige, wuselige und überschäumende Leben auf diesen tropischen Inseln, das mit jedem Tag etwas mehr auf uns übergesprungen ist. Na, und das ist doch mal was!
Reise-Informationen
- Anreise: z.B. mit Cathay Pacific von Frankfurt über Hong Kong nach Cebu.
- Beste Reisezeit: Januar bis April (Trockenzeit).
- Organisation: In Deutschland z.B. Hauser Exkursionen, in Cebu City seit über 20 Jahren Bugoy Bikers, mit hochwertigen Mountainbikes und englischsprachigem Guide. Zweiwöchige Radtour mit Inselhopping (Inseln Cebu, Camotes, Bohol, Siquijor und Negros) für ca. 4.000 Euro (inkl. Flug).
- Schwierigkeit: moderat.
- Womit man rechnen muss: Insbesondere in den Städten herrscht dichter Verkehr. Man sieht Schmutz und Armut (Wellblechhütten, verwahrloste Hunde).
- Warum das Ganze: Zu den Vorteilen der Philippinen zählt, dass man mit Englisch sehr weit kommt; die Einwohner sind angenehm unaufdringlich. Das Straßennetz ist sehr gut ausgebaut. Die Philippinen sind ein äußerst günstiges Reiseland – oftmals mit Preisen, die im Vergleich zu Deutschland deutlich reduziert sind.
- Weitere Informationen: Abenteurer Thomas Bauer hat 15 Bücher über seine Touren veröffentlicht. Im Februar 2026 erscheint „Abenteuer Asien“ im MANA-Verlag*.
Über den Autor:
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