Ägypten (2) – auf dem Floß durch die Wüste, Fahrradtour im Tal der Könige und Bauchtanz in Kairo [Vintage]

Translation with Google
Der Heilige See von Karnak - copyright Olaf Remmers
  

 

Infobox
Autor:Olaf Remmers
Reisezeit:März 1983
Art der Reise:Rucksackreise
Lesezeit: 30 Minuten
  

Vorbemerkung: Der Text meines Tagebuchs unserer Ägypten-Reise von 1983 wurde fast unverändert übernommen. Lediglich die Rechtschreibung wurde angepasst und auf die Umrechnung in DM (Deutsche Mark, die Älteren werden sich erinnern) wurde weitestgehend verzichtet. Die damals gültige Landeswährung „ägyptisches Pfund“ (E£) wurde beibehalten.

Informationen aus dem Internet über Land und Leute, günstige Hotels oder empfehlenswerte Restaurants gab es damals natürlich noch gar nicht, geschweige denn Verbindungen zu Freunden oder Familie über What’s App, Polarsteps oder ähnliches, d.h. es handelte sich um eine 100% analoge Reise! Mein handgeschriebenes Tagebuch war der einzige Kontakt nach Hause und meine Mutter hat es immer mit der Schreibmaschine abgetippt, um die Herausforderungen meiner Handschrift zu kompensieren. Nach Jahrzehnten in einem Leitzordner im Keller konnte ich das wiederentdeckte Tagebuch unlängst problemlos in WORD einscannen und als TXT-Datei ReiseFreak’s ReiseMagazin und ReiseBlog zur Verfügung stellen, inklusive über 40 Jahre alter Dias, die trotz teilweise zweifelhafter Qualität in digitalisierter Form Eingang fanden.

Da heutzutage jeder alles im Internet nachlesen kann, erspare ich den Lesern die Beschreibung der zahlreichen Sehenswürdigkeiten und beschränke mich in erster Linie auf unsere typisch ägyptischen Erlebnisse und Erfahrungen, die mir das Land trotz aller Herausforderungen ans Herz wachsen ließen.

Was bisher geschah

Nachdem meine beiden Reisebegleiter Wolfgang, Ralph und ich die turbulente Stadt Kairo, den eiskalten Sinai mit dem Katharinenkloster sowie der heruntergekommenen „Sommerfrische“ Sharm el-Sheikh und eine spektakuläre Wüstenfahrt zur Oase el-Charga unternommen haben (s. meinen Bericht Ägypten 1) landen wir jetzt mit dem Zug in ASSUAN und machen uns hier – es ist bereits fast Mitternacht – auf die Suche nach einem Hotel. Wir haben unterwegs insgesamt fünf Adressen von Hotels gesammelt, die sich nach langem Suchen aber allesamt als voll entpuppen.

Glücklicherweise ist es trotz der späten Stunde recht warm, so dass wir wenigstens nicht zu frieren brauchen. Dann frage ich einen Mann, der gerade mit Aktenköfferchen – auch in Ägypten ein beliebtes Utensil – über die Straße kommt, nach einem günstigen Hotel und er führt uns über eine halbe Stunde von Hotel zu Hotel bis wir schließlich ein Zimmer mit Bad für 5 E£ bekommen und froh sind, endlich schlafen zu können.

In Assuan unterhalb des ersten Nil-Katarakts

Freitag, 11.3.  Ralph, dem auch halb zwei Uhr nachts noch zu früh ist, um ins Bett zu gehen, war noch mit Engländern weg, so dass er mal wieder lange schlafen will; also gut. Wolfgang und ich gehen nach billigem Frühstück ‚runter zum Nil und haben in der Sonne einen tollen Ausblick auf den Fluss, die auf der anderen Seite gelegenen Felsengräber, die zahlreichen vornehmen und auch  einfachsten Hotels an der Nilpromenade, die zahlreichen Schiffe, Bötchen und Feluken (Segelboot mit Lateinsegel), die Kitchener-Insel und die Insel Elephantine. Wir wollen zunächst den unvollendeten Obelisken suchen; hierbei handelt es sich um den Rosengranit-Steinbruch bei Assuan, aus dem alle antiken ägyptischen Obelisken stammen.

Dieser spezielle sollte besonders groß werden (42 m lang, 1160 to schwer), konnte jedoch nicht fertiggestellt werden, da er einen Riss bekam, der jedoch erst bei halber Fertigstellung festgestellt wurde. Wir kommen am Katarakt-Hotel vorbei (sehr luxuriös, englischer Stil), gehen dann durch einen Stadtteil der Ägypter, was mal wieder einen besonders extremen Gegensatz zu den Luxushotels der Europäer darstellt, klettern dann über einen Berg und kommen nach einigem Fragen tatschlich zu dem unvollendeten Obelisken: Wirklich ein riesiger Brocken! Zwischen zwei Touristenbussen haben wir Zeit, ihn in Ruhe zu betrachten. Er ist an drei Seiten bereits ziemlich eben vom Felsen getrennt, unten aber noch vollständig eins mit dem Gestein. Wirklich beeindruckend, wie dieses alles mit den recht einfachen Werkzeugen der antiken Ägypter bearbeitet werden konnte.

„Unvollendeter Obelisk“ im Rosengranit-Steinbruch bei Assuan [Bild REM]

Eine Abkürzung wegen der starken Hitze suchend, geraten wir in die „Kläranlage“ Assuans, aus der wir gerade noch herauskommen. Wie immer echten Orangensaft trinkend (1 Glas für 20 Piaster), kommen wir in den Bazar, wo trotz des heutigen Feiertages allerhand los ist. Zurück im Hotel, wo Ralph inzwischen langsam aufsteht, ruhen wir uns etwas aus, da die Hitze uns doch ziemlich fertig macht.

Ohne Diesel geht auch auf dem Nil nichts

Am Nachmittag gehen wir zum Nil und kriegen nach endlosen Verhandlungen (es gibt keine Brücke über den Nil) ein kleines Motorboot, das uns für 4 E£ zum Aga-Khan-Mausoleum und zu den Felsengräbern auf der anderen Seite des Nils bringt.

Nil bei Assuan, Blick vom Aga Khan Mausoleum [Bild REM]

Das Mausoleum, 1959 in fatimidischen Stil erbaut, liegt oberhalb des Hauses der Begum und erlaubt – kaum behindert durch die zahlreichen Touristen, die mit Kamelen, Eseln und z.T. sogar zu Fuß heraufkommen – einen herrlichen Blick auf die Nilinseln, Assuan, den 1. Katarakt und ganz im Hintergrund den neuen Assuan-Hochdamm. Auf einem Weg kommen wir in 10minütigem Fußmarsch zur Ruine des koptischen Simeonklosters, dessen diverse erhaltene Räumlich­keiten und Kirchen, in denen noch Gemälde erkennbar sind, wir besichtigen. Wieder zurück unten am Boot, geht’s noch einmal – fast erwartungsgemäß – um den Peis, der angeblich nicht mehr hoch genug ist, da wir zu lange gebraucht hätten, und der jetzt 9 statt 4 E£ betragen müsse. Ewig geht es hin und her bis mir schließlich die Geduld reißt, und ich unseren „Schiffer“ anschnauze und siehe da, er fährt tatsächlich los. Wir kommen vorbei an der Kitchener-Insel, die ehemalige Privatinsel des englischen Gouverneurs Kitchener, die heute ein öffentlicher, botanischer Garten ist, und der Insel Elephantine mit einem sehr unschönen Luxushotel darauf.

Der Nil vor Kitchener Island [Bild REM]

Wächter im Simeon-Kloster mit einem unserer Reisekameraden (links) [Bild REM]

Viel weiter kommen wir dann aber nicht mehr, da uns mitten auf dem Nil der Diesel ausgeht. Der „Matrose“ versucht per Mund (ekelhaft) noch etwas anzusaugen, aber das geht natürlich. nicht. Wind und Strömung treiben uns (glücklicherweise) ans richtige Ufer, so dass wir zur Besichtigung der nahen Felsengräber und der „Kapitän“ mit leerem Ersatzkanister aussteigen; so brauchen wir nicht durch den weiter entfernt liegenden Eingang. Die Felsengräber, Gräber Reicher und Adliger aus dem Alten und Mittleren Reich, sind recht schön, aber nicht beeindruckend, zumal die meisten abgeschlossen sind und man nur durch die Gitter die Säulen und Zeichnungen der in den Fels bis zu 20 m tief hineingemeißelten Gräber betrachten kann.

Felsengräber am Nil oberhalb von Assuan [Bild REM]

Auf der offiziellen Fähre, die wieder ans Assuan-Ufer hinüber­fährt, sitzt unser Kapitän auf dem Rückweg mit seinem Kanister Diesel. Wir geben ihm die ursprünglich vereinbarten 4 E£, mit denen er jetzt sehr zufrieden ist und fahren mit dieser Fähre zurück. Abends genehmigen wir uns seit ein paar Tagen erstmalig wieder ein relativ teures Fleischgericht (1 Spieß 1,40 E£) und gehen früh schlafen.

Rustikale Bootsfahrt über den Nasser-Stausee nach Abu Simbel

Sonnabend, 12.3.  Ralph hat abends noch zwei Leute aus Berlin kennengelernt, Andy und Willy, die – ebenso wie Ralph und ich – vorhaben, per Schiff nach ABU SIMBEL zu fahren. Mit diesen gehen wir morgens früh zusammen zu dem Büro, wo man die Fahrt buchen kann, aber die Tickets gibt es dann erst am Schiff, das beim Hochdamm abfährt.

Nach Abu Simbel sind es knapp 300 km Wasserweg auf dem Nasser-Stausee, der links und rechts von der Wüste begrenzt wird. Wir können auf einem Versorgungsfloß mitfahren, das für die Hin- und Rückfahrt insgesamt fünf Tage benötigt, was Wolfgang jedoch zu lange ist, so dass er in Assuan bleiben will. In Abu Simbel stehen zwei welt­bekannte Tempel, die die Firma Hochtief aus Essen Anfang der sechziger Jahre vor den steigenden Fluten des Nasser-Stausees rettete, indem sie sie 60 m höher und 18 m weit entfernt von der ursprünglichen Stelle wieder originalgetreu aufbaute, nachdem sie sie in tausende von Einzelteilen zerlegt hatte. Dieses wollen wir uns unbedingt ansehen und nehmen dafür eine fünftägige Schifffahrt (für 6 E£) in Kauf. Einzige Alternative – da keine Straße vorhanden – wäre ein halbstündiger Flug, der jedoch 50,– E£ kostet, was uns viel zu viel ist. So machen wir uns auf den langen Weg mit dem Floß durch die Wüste.

Unser „Schiff“ … [Bild REM]

… wird beladen [Bild REM]

Die fast 48stündige Hinfahrt

Wir kaufen zunächst groß ein (Wasser, Fladenbrot, Drei­eckskäse und Ölsardinen = unsere Verpflegung für die nächsten fünf Tage), da es auf dem Schiff angeblich nichts zu kaufen gibt. Dann geht’s per Zug zum 10 km entfernten Hochdamm, hinter dem das Schiff abfährt. Wir kriegen tat­sächlich unsere Tickets und werden dann – es ist 11 Uhr – unserer Herberge für die nächsten Tage gewahr: Ein zwei­stöckiges Floß ohne Motor, das von einem kleinen Schlepper gezogen wird. Die untere Etage wird z.Zt. mit Tonnen, Säcken, Kisten etc. vollgeladen, während die obere Etage – ganz ohne Außenwände, jedoch mit durchlöchertem Papp-Sonnendach – uns Rucksack-Touristen vorbehalten ist. Im Laufe der Zeit – das Schiff soll um 12 Uhr abgehen – kommen insgesamt ca. 80 von uns an Bord, so dass es recht eng wird. Die Beladung unter Deck ist auch beendet und es befinden sich dort außer 30 Ägyptern auch noch 2 Schafe. So wird es ½ eins, aber das Schiff fährt nicht los, ½ zwei nichts, ½ drei nichts. Schließlich um 16 Uhr geht’s los: spontaner Szenenapplaus. Das Dumme ist nur, dass wir – nach fünfeinhalb Stunden Warten – wohl nicht viel mehr als 2 Stunden werden fahren können, da das Schiff, das keinerlei Beleuchtung und Navigation hat, im Dunkeln nicht fährt, sondern anlegt und die Helligkeit des nächsten Tages abwartet.

Der 111m hohe von 1960 bis 1970 erstellte Assuan-Staudamm mit dem Denkmal der ägyptisch-sowjetischen Freundschaft in Form einer Lotusblüte [Bild REM]

Auf dem oberen Deck lagern wir fünf Tage in dieser Enge [Bild REM]

Wir kommen dann zum Hochdamm, einer von der oberen Seite aus nicht sehr hohen, aber sehr langen und hässlichen Böschung, die nur durch das Nasser-Denkmal – einer stili­sierten, geöffneten Lotus-Blüte – aufgelockert wird. Wider Erwarten gibt es bald Tee zu kaufen und später sogar trockenen, warmer Reis. Wir sind begeistert! Die Fahrt geht dann tatsächlich noch bis 20 Uhr (total dunkel) weiter, zu diesem Zeitpunkt legen wir dann an. Angesichts dieses Manövers würde sich jeder europäische Seemann im Grabe umdrehen, ziehend, schiebend, drückend, stoßend, zerrend etc. wird unser Floß aber doch irgendwie in die Bucht manövriert, und wir gehen dann auch bald auf unserem Deck schlafen. Nach dem heißen Tag wird die Nacht eisig kalt, so dass man es auch mit Kopf im Schlafsack kaum noch aushalten kann, und damit werden wir auch die nächsten Nächte zu kämpfen haben. Aber ein Entschluss reift in dieser Nacht und wird in den folgenden noch entschieden vertieft: Ein neuer, viel wärmerer Schlaf­sack muss her, denn so geht es nicht mehr weiter!

Auf dem Dach kann man auch sitzen [Bild REM]

Das untere Deck dient in erster Linie dem Transport der Versorgungsgüter für das Personal in Abu Simbel [Bild REM]

Sonntag, 13.3.  Morgens um 5 Uhr geht es weiter, und wir stehen auch gleich mit auf, da es sowieso zu kalt ist, um weiterzuschlafen. Wir genießen einen herrlichen Sonnenaufgang und dann einen immer heller und heißer werdenden Tag auf dem See.

Die Abwechselung besteht darin, dass der See mal breiter und mal schmaler wird, man mal Wüste mal Berge  sieht, man mal nicht, mal doch beim Skat gewinnt… So geht ganz langsam Stunde um Stunde dahin und das Boot tuckert mit max. 10 km/h über den See. Tollste Unterbrechung ist gegen Mittag ein Fladenbrot mit Ölsardinen und ein Schluck Wasser. Die Passagiere sind international: Engländer, Dänen, Deutsche, Franzosen, Holländer, Spanier, Italiener, Schweizer, Österreicher, Libanesen etc. und sogar Ägypter. So gibt es einige interessante Gespräche und Unterhaltungen und viel Wasser. Dann kommt der Sonnenuntergang, der uns noch tolle Fotomotive beschert und dann wird’s wieder kalt…

Sonnenuntergang am Nasser-Stausee: Sehr bald wird es eisig! [Bild REM]

Montag, 14.3.  Immer noch auf dem See!! Tollste Abwechslung ist ein kleiner Schiffsbrand, der aber schnell gelöscht ist. Zwischendurch mal süßer Tee von unserem kleinen, schmutzigen, lustigen Koch, ansonsten viel Lesen, Schreiben, Dösen, Sonnen.

Direkt oberhalb der Wasseroberfläche bietet sich dieser Platz an [Bild REM]

Die berühmten Tempel von Abu-Simbel beeindrucken uns sehr

Gegen 13 Uhr bemerken die mit den schärfsten Augen am Horizont den sich abzeichnenden Ramses-Tempel von Abu-Simbel, insbesondere durch die vier 20 m hohen Ramses-Statuen zu erkennen. Eine Stunde später kommen wir unterhalb des Tempels auf dem Stausee vorbei und sehen so wenig­stens noch zwei der Statuen in der Sonne, denn am späten Nachmittag liegt er ganz im Schatten. Nach x Versuchen gelingt es dann endlich, am Strand anzulegen, denn einen Anleger gibt es nicht, ebenso werden die Tampen – in Ermangelung von Pollern – einfach um Steine gewickelt! Vor dem Landgang werden unsere Pässe nochmals kontrolliert, dann geht es bei ziemlicher Hitze los, wir haben voraussichtlich nur 2 Stunden Zeit bis zum Ablegen!

Die Tempel von Abu Simbel kommen tatsächlich in Sicht! [Bild REM]

Hier anzulegen und das Schiff festzumachen ist eine weitere Herausforderung! [Bild REM]

Nach 10 Minuten Marsch sind wir beim Eingang. Schon vorher sah man die künstliche Rückseite des nunmehr künstlichen Felsentempels, die wie eine Rodelbahn aussieht. Wir zahlen 1,50 E£ Eintritt (für Studenten, ansonsten 3 E£ für Schifffahrer und 6 E£ für Flugzeugpassagiere) und kommen dann zu den großartigen Tempeln. Zunächst besuchen wir den etwas kleineren Nordtempel, der 35 m in den Fels hineingeschlagen ist und dessen Front abwechselnd von Kolossalstatuen von Ramses II. und seiner Frau Nefertari geprägt wird. Der zweite, bekanntere und größere Tempel ist der Südtempel, der insgesamt 63 m tief in den Felsen hineingeschlagen wurde und ein sehr imposantes Bauwerk darstellt, das wir in aller Ruhe besichtigen und bewundern, nur gestört durch diverse Touristengruppen, u.a. eine amerikanische, bei der die Frauen Mundschutz tragen! Die Beschreibung des Tempels ist jedem Reiseführer zu ent­nehmen, sehr interessant ist aber auch die zu besichtigende Stahlkonstruktion, eine Kuppel, die den Felsen, in den der Tempel hineingeschlagen wurde, stützt, da ja nicht das gesamte Felsmassiv für den Umbau abgetragen wurde. Der großen Hitze und der immensen Kosten einer Cola wegen, gehen wir zurück in den einzigen Ort, der überhaupt am Stausee existiert, da alle anderen Bewohner (Nubier) ausgesiedelt wurden. Hier erfahren wir, dass das Schiff nunmehr erst um 19 Uhr abfahren soll.

Der berühmte Südtempel von Abu Simbel zu Ehren Pharao Ramses II. [Bild REM]

Der kleinere Nordtempel, dessen Front abwechselnd von Kolossalstatuen von Ramses II. und seiner Frau Nefertari geprägt ist [Bild REM]

Fast alle Leute von unserem „Schiff“ sitzen in einer Kneipe, wir suchen uns aber eine „alternative“ Gaststätte und essen Foul (Bohnen) und trinken Tee. So geht die Zeit ‚rum, ver­bunden mit einem Spaziergang ist es eine schöne Abwechslung zur Schifffahrt. Um 19 Uhr sind wir wieder am Schiff, das inzwischen mit einer Herde von 10 Bullen beladen worden ist, Aber nun stellt sich langsam heraus, dass wir doch erst am nächsten Morgen fahren werden, so dass wir wider Erwarten noch eine Menge Zeit haben. U.a. laufen wir im Dunklen nochmals zum Tempel, der trotz installierter Lampen zwar nicht beleuchtet ist, aber im Schein der Sterne (leider kein Mond) einen noch tolleren und geheimnisvolleren Eindruck macht als tagsüber. Auf dem Schiff ist es erstmals sehr warm und man braucht zum Schlafen keinen Pullover etc. anzuziehen. Aber kurz nach Mitternacht setzt ganz plötzlich ein Riesensturm ein, so dass es doch wieder lausig kalt wird und sich zudem auch noch unser Floß losreißt und abtreibt! Aber irgendwie – ich kriege es nur im Halbschlaf mit – gelingt es unseren „Seeleuten“, das Schiff wieder einzufangen.

Die Rückfahrt nach Assuan strapaziert unsere Nerven erneut

Dienstag, 15.3.  Um fünf Uhr stehen wir schon wieder auf und fahren kurz nach Sonnenaufgang tatsächlich wieder los, so dass wir den Tempel nochmals bei den ersten Sonnenstrahlen des Tages beobachten können. Es folgt dann ein weiterer Tag auf See, dessen größte Abwechslung darin besteht, dass wir uns ein Mittagessen (Makkaroni, Kartoffeln und Salat) für 1 E£ leisten.

So werden wir wieder von Abu Simbel zurückgeschleppt [Bild REM]

Unter Deck müssen die Rindviecher beruhigt und gefüttert werden [Bild REM]

Leider ist es den ganzen Tag über sehr windig, so dass man es nur mit Pullover aushalten kann. Nach dem Abendessen – es gibt Fladenbrot und Ölsardinen – ist großer Budenzauber im Kuhstall! Die Hälfte des Unterdecks, die nicht von den Bullen beansprucht wird, dient als Tanzfläche und Sitz­möglichkeit für ein europäisch-arabisches Tanzfest. Eine Trommel und eine Rassel genügen den Ägyptern, um damit Musik zu machen, dazu Händeklatschen, singen und etwas Haschisch, schon läuft das Fest. Die Ägypter tanzen wie wild, als Oberanimator der kleine Koch und die Spanier wissen zu verhindern, dass die Europäer für stur gehalten werden. Dann erzählen die Ägypter Witze und der Captain versucht, ins Englische zu übersetzen, keiner versteht ein Wort, aber alle lachen sich kaputt. Tolle Stimmung, das gibt’s bei Neckermann wohl nicht!

Und hier unten in Wassernähe ist es Dank des Windes relativ kühl [Bild REM]

Das geht so weiter, bis wir gegen 22 Uhr – wir fahren schon wie­der 3½ Stunden völlig ohne Beleuchtung über den See – anlegen wollen und hierfür wieder alle unsere verfügbaren Taschenlampen gebraucht werden, damit das Getrickse wenigstens minimal beleuchtet wird. Heute Nacht schlafe ich neben den Bullen im Unterdeck, weil es mir oben einfach zu kalt ist (ein neuer Schlafsack muss her!).

Mittwoch, 16.3.  Zwar ist noch lange Krach und Radau, aber erstmals wache ich nicht vor Kälte auf, sondern schlafe ganz gut. Trotzdem stehen wir um 6 Uhr auf, weil es uns einfach reicht. Der große Vorteil gegenüber deutschen Schiffen besteht darin, dass es keinerlei verbotene Zonen gibt: Die Ein- und Ausgänge des Schiffes sind nicht verschlossen oder
gesichert, das Dach steht zum Sonnen frei, in der Küche herrscht ehrliche Selbstbedienung und die Bullen müssen beiseitegeschoben werden, um zum Klo zu kommen. So verbringen wir den Tag auf der Kante knapp oberhalb der Wasseroberfläche, außerhalb des eigentlichen Schiffes, da es nur hier einigermaßen windstill ist.

Wird der junge Ägypter die Schwäbin ersteigern?

Zunächst heißt es von Seiten des Kapitäns, wir kämen gegen 16 Uhr in Assuan an, dann 15 Uhr. Aber erst um 17 Uhr kommt das von sehr weit entfernt bereits erkennbare Denkmal (Lotus-Blüte) in Sicht. Da kommt ein Ami auf die Idee zu wetten, wann wir wohl endgültig ankommen werden. Einsatz: 10 Piaster, 43 Leute nehmen teil und jeder tippt einen Zeit­punkt. Zur Durchführung dient als Wettbüro eine umgekehrte Öltonne, auf der das Geld dann liegt. Der für die Bullen zuständige Kuhhirte, ein Junge von vielleicht 15 Jahren ist sowieso an allem interessiert und guckt insbesondere immer zu, wenn wir spielen, egal ob Skat, Schach oder Papierschiffchen falten; eine vollbusige Schwäbin scheint ihm besonders zu gefallen, so dass er immer seine beiden einzigen nicht arabischen Wörter äußert: „Ti amore„. Als wir jetzt das Geld einzahlen, meint er, es ginge um die Frau und bietet seine gesamten Ersparnisse auf: fast 5 Pfund; wir können ihn kaum von der Sinnlosigkeit überzeugen und er ist sehr enttäuscht. Wir wetten jedenfalls, mein Tipp ist 19:30 Uhr und kommt ziemlich gut hin, aber ein Däne hat auf die Minute genau, d.h. 19:27 Uhr getippt und gewinnt die gesamten 4,30 E£.

An Deck kurz vor der Ankunft am Assuan-Hochdamm [Bild REM]

Nach ewiger Doktorei im Dunklen, inzwischen gibt es keine funktionsfähige Taschenlampe mehr an Bord und auch der „Hafen“ – ein Felsvorsprung ohne jeglichen Anleger oder Befestigungsmöglichkeit – ist unbeleuchtet, legen wir an und kommen nach einer erneuten Passkontrolle, der Grund sind zwei Engländer, die wohl nicht bezahlt haben, an Land. Das ist also der Abschluss unserer „Floßfahrt durch die Wüste“, die uns durch ihre Gemächlichkeit genügend Zeit ließ, uns auf die beeindruckenden Tempel von Abu Simbel vorzubereiten.

Glücklicherweise recht schnell kriegen wir einen Zug, der uns nach Assuan hineinbringt, wo wir dann im billigen „Continental-Hotel“ direkt an der Nilpromenade für 0,70 E£ je Person unterkommen. Hier treffen wir, d.h. Andy, Willy und ich – Ralph ist mit den zwei Dänen in der Jugendherberge, weil er mit ihnen am nächsten Tag gleich bis nach Luxor weiter will – Wolfgang wieder. Endlich können wir wieder ein richtiges Mahl, sogar mit zwei Stückchen Fleisch [vegane Ernährung war 1983 noch nicht so modern], zu uns nehmen und auch wieder auf Stühlen sitzen. Sehr angenehm!

Fünf Stunden in der 3. Klasse von Assuan nach Edfu

Donnerstag, 17.3.  Mit Wolfgang zusammen – Ralph will ja, wie gesagt, partout gleich nach Luxor – fahre ich im Zug 3. Klasse, d.h. Holzbänke und offene Fenster, aber sehr interessant, gut fünf Stunden bis nach Edfu, wo wir Wadia – den Kopten, den wir von der Fahrt Assyut – Assuan kennen – wiedertreffen wollen. Glücklicherweise haben wir einen Sitzplatz, den zu bekommen, ist nämlich das Hauptproblem beim Benutzen der 3. Klasse, da es keine Reservierungen gibt. So können wir alles bestens beobachten: Leute, die oben im Gepäcknetz sitzen oder schlafen, Hühner, die in einem Korb transportiert werden, junge, hübsche Araberinnen, alte, verschrumpelte Omas, kleine Babys, Kinder, die sich über Bonbons freuen etc. etc. Immer wieder hält der Zug, da alle anderen Verbindungen der meist eingleisigen Strecke Vorrang vor unserem Bummelzug haben.

Passagiere im Zug von Assuan nach Edfu [Bild REM]

Der macht es sich im Gepäcknetz bequem – da bekommt die „Netzkarte“ eine ganz neue Bedeutung! [Bild REM]

Einmal kommen wir neben einem mit frischem Zuckerrohr beladenen Zug zu stehen: Aus den Fenstern lehnen und Zuckerrohr in den Waggon ziehen ist für die Ägypter eins und dann geht die große Zuckerrohr-Orgie los. Innerhalb weniger Minuten ist der bisher nur normal verdreckte Boden vor lauter ausgespuckten und abgerissenen Zuckerrohrabfällen nicht mehr zu erkennen, denn jeder – egal welchen Alters oder Geschlechts – reißt mit den Zähnen die äußere Schale ab, spuckt sie zu Boden und saugt dann kauend den süßen Saft aus der Stange. Wir krie­gen auch etwas ab und ich muss sagen, es schmeckt wirklich gut. Das ganze Schauspiel ist im Fahrpreis von 17 Piaster für 190 km inbegriffen!

Auch der Autor genießt das kostenlose Zuckerrohr [Bild REM]

In EDFU angekommen, werden wir tatsächlich direkt von Wadia und seinem kleinen Bruder abgeholt, worüber wir uns sehr freuen. Zunächst gibt es Tee und Falafeln mit Foul (dicke Bohnen) im Bahnhofscafé, dazu Wasser aus einem großen Bottich, das man aus einer alten Konservendose trinkt – wird uns trotzdem sehr gut bekommen. Dann stellt Wadia uns seinen Vater vor, der im Stellwerk arbeitet. Hier kommt man sich vor, wie in einem Museum für englische Technik vor der (vorletzten) Jahrhundertwende: Alle Maschinen aus Gusseisen, x-mal gestrichen und trotzdem ver­schlissen, überall sind Namen von Maschinenfabriken aus Liverpool oder Manchester zu lesen aber – o Wunder – alles funktioniert noch, oder sind wir nicht schon weit über 1000 km mit der ägyptischen Eisenbahn gereist?

Der Kopte Wadia bringt uns Edfu näher

Zu dritt fahren wir dann per Taxi auf die andere Nilseite zum Horus-Tempel, den wir mit Wadia zusammen besichtigen. Der Tempel, der aus der griechischen Ptolemäer-Zeit (Bau­zeit ca. 250 bis 50 v. Chr.) stammt, ist noch sehr gut erhalten und auch restauriert. Mit Hilfe unseres Reiseführers besichtigen wir ihn ausgiebig und machen – zu Wadias Freude – diverse Fotos. Übrigens hat er uns vorher einge­knotet, zu sagen, wir kennten ihn von Assyut, da Ägypter in ihrer Heimatstadt ohne Ausweis Ausländern nichts zeigen dürfen.

Der Horustempel in Edfu [Bild REM]

Hinterher führt er uns zu seiner Kirche, was uns auch sehr interessiert. Wir hatten schon die ganze Zeit vorgehabt, mal eine koptische Kirche zu besichtigen, aber sie sind immer abgeschlossen und durch hohe Umfassungsmauern gesichert, da im muslimischen Ägypten ziemlich starke Ressentiments gegen die christlichen Kopten – die u.U. auch zu Handgreiflichkeiten und mehr führen – bestehen. Der erste Eindruck der Kirche: dreckig. Diese Ignoranz des Schmutzes ist wohl eher eine Frage der arabischen, denn der muslimischen Mentalität. Es gibt keinen richtigen Altar, sondern vorne auf einem Podest nur einige Tischchen, darüber hängen sehr naive Bilder der 11 Apostel und von Jesus. Das ist schon fast der gesamte Schmuck der Kirche. Wadia zeigt uns eine Bibel – Altes Testament und Neues Testament – in arabischer Schrift und ein Gesangbuch, halb arabisch, halb koptisch. Der Gottesdienst wird z.T. noch in koptischer Sprache (griechische Buchstaben) gehalten, was aber keiner versteht und spricht! (Vergleiche Latein in katholischen Kirchen.)

Der Horusfalke war im Alten Ägypten zugleich Kriegsgott und Beschützer der Kinder! Auch uns scheint er Schutz zu bieten – man muss aber daran glauben. [Bild REM]

Wir gehen dann durch den Basar der kleinen Stadt Edfu und Wadia bringt uns zu einem kleinen Hotel, wo wir übernachten, da es den Ägyptern verboten ist, Ausländer bei sich übernachten zu lassen (wahrscheinlich, um das Geld für Hotel und die Steuern zu kassieren). Wir kriegen das beste Zimmer (laut Hotelier nur für Deutsche) und gleich einen Tee auf dem Balkon mit Blick auf eine Bazarstraße, serviert. Dann verabschiedet sich Wadia, so dass wir duschen können etc. Nach einer Stunde kommt er mit Falafeln von zu Hause wieder und wir können speisen, Füllung: Foul und Schafskäse, der super scharf ist, da er angeblich schon einige Monate alt ist. Anschließend gehen wir hinunter zum Teetrinken, wobei wir einige Lektionen arabisch lernen und Wadia uns alles schön aufschreibt, so dass wir gut pauken körnen.

Freitag, 18.3.  Morgens pünktlich um 6 Uhr werden wir geweckt. Kaum sitzen wir unten im Café, um Tee zu trinken, schon kommt Wadia verabredungsgemäß. Wie auch am Abend zuvor, gestattet er uns nicht, unsere „Zeche“ selbst zu bezahlen. Er führt uns dann zum Bahnhof und versucht, uns Karten für den Zug zu besorgen, die man eigentlich zwei Tage im Voraus bestellen muss. Es gibt aber keine, sondern nur die Auskunft, wir sollten 10 Minuten bevor der Zug kommt, nochmals fragen. Bis dahin würde vom vorhergehenden Bahnhof telefoniert, wie viele Plätze noch frei seien. Also gut – und siehe da, wir kriegen unsere Tickets tatsächlich. Diese Methode werden wir uns merken. Dann verabschieden wir uns von Wadia, der uns wirklich ein guter Freund war.

In Luxor übernachten wir im „Happy Home“

In knapp dreistündiger Fahrt geht es das Niltal hinauf Richtung Norden bis nach LUXOR. Dieses soll in Bezug auf Schlepper, Bakschisch-Schreier, Kindergebettel etc. die schlimmste Stadt Ägyptens sein. Wir sind auf alles gefasst und haben arabische Sätze wie „Hau ab“ und „Ich brauche nichts“ gut auswendig gelernt. Wir sind noch nicht aus dem Bahnhof, da spricht uns schon einer wegen eines Hotels an, wir wehren zwar zunächst ab, gehen aber dann doch mit und kommen zum Hotel „Happy Home„, dem saubersten Hotel unserer gesamten Ägypten-Fahrt. Waschbecken tatsächlich weiß, Dusche ohne Badeschuhe betretbar, Betten sauber bezogen etc. Für alles dieses ist Ahmed – zugleich Manager, Boy, Portier und Zimmer­mädchen – zuständig, einzige Hilfe des alten anwesenden Inhabers.

Das „Kaleschendepot“ in Luxor [Bild REM]

Wir sehen uns zunächst ein bisschen in Luxor um: Es ist wirk­lich ein Riesenrummel, der einen schier erschlägt. Straße und Fußweg sind gleichermaßen von Fußgängern übersät, die zahlreichen Kaleschen (einspännige Kutschen) drohen einen ständig zu überrollen, zumal man sie mangels Motors nicht hört, es sei denn, man wird gerade mal wieder gefragt: „Calèche, Calèche?„, dazwischen viele Eselskarren als Transportmittel für Zementsäcke, Bierkästen, Abfälle usw., diverse Autos und Taxis sowie von Zeit zu Zeit ein Riesen-LKW mit Anhänger, der bei­spielsweise mit Kühlschränken beladen ist. Abgesehen davon gibt es sehr viele Touristen, angefangen beim abgerissenen Rucksack-Tramper bis zur vornehmen Lady mit Stöckelschuhen und Schmuck, derer Luxusliner vorne am Nil festgemacht hat, sowie natürlich viele Verkäufer und Händler, die ihre Waren absetzen wollen oder nur rufen „Change“ und damit ihre Bereitschaft zum Schwarztausch artikulieren und Kinder, die nach „Bakschisch“ oder nur nach „Bonbon“ schreien – mit anderen Worten ein Tohuwabohu! Dieses alles lassen wir eine Zeitlang auf uns wirken und gehen durch die dichtbevölkerten Straßen, kommen vorbei am Luxor-Tempel, vielen Schmuckgeschäften, Schuhputzern, Orangenverkäufern, Kaleschen-Besitzern usw. bis wir nach vorn an den Nil kommen, wo viele große Passagierschiffe festgemacht haben, die für ein Heidengeld die Touristen von Kairo bis Assuan durch alle Denkmäler schleifen und wo sich viele große, teure Hotels wie das „Luxor“ oder das „Winter-Palace“ befinden, die jedem Welt-Touristen ein Begriff sein werden. Auf der anderen Nilseite haben wir bereits einen Blick auf Theben-West, die Nekropole der Alten Ägypter, in deren Bergen sich das Tal der Könige und viele andere weltberühmte Gräber und Tempel befinden.

Der Luxor-Tempel

So eingestimmt gehen wir zunächst zurück zum „Happy Home„, um uns etwas auszuruhen, da es um die Mittagszeit doch sehr heiß ist und man Schatten sucht. Anschießend gehen wir zum Luxor-Tempel und „integrieren“ uns einfach in eine deutsche Reisegruppe, um alles Wissenswerte (und noch mehr) über diesen Tempel zu erfahren. Anschließend bleiben wir noch eine ganze Zeit länger, so dass wir uns nunmehr bestens auskennen. Als wir abends zum Essen gehen, treffen wir Ralph und die Dänen wieder, die am nächsten Tag per Fahrrad hinüber ins Tal der Könige wollen. Aber mit den jungen Dänen und außerdem so vielen Leuten zusammen haben wir keine Lust, etwas zu besichtigen und verabreden uns nicht mit ihnen.

Die Sphinx-Allee des Luxor-Tempels [Bild REM]

Ramses-Statue [Bild REM]

Im Allerheiligsten des Luxor-Tempels [Bild REM]

In dem Lokal gibt es für 1,50 E£ Vorsuppe, Makkaroni, Gulasch, Salat und Nachtisch. Zwar ist es fürchterlich staubig – dieses ist ohnehin das Schlimmste an Luxor, es ist so staubig, dass die Autos teilweise tagsüber mit Licht fahren – obwohl der Boden im Lokal mit nassem Sägemehl bestreut ist, aber es geht recht vornehm zu: Servietten, vollständiges Besteck für alle, Servieren von rechts, Fleisch wird von einer Platte vorgelegt etc., aber wie überall üblich: lediglich Plastikgeschirr! Und auch hier werden wir – wie permanent und überall in Ägypten – mit dem Kleingeld-Problem konfrontiert. Wir müssen 3,60 bezahlen, geben 4 E£ hin und der Ober kann nicht wechseln! Es gibt ständig Ärger wegen des Wechselns, egal welcher Betrag, nie ist Kleingeld da und günstigstenfalls rennt der Ober woanders hin, um wechseln zu lassen. Andere – wie beispielsweise Kassierer im Museum – weigern sich, einen hereinzu­lassen, wenn man kein passendes Geld hat, es ist wahrlich ein Drama und Anlass zu ständigem Ärger. Wenn man ausnahmsweise mal Kleingeld bekommt, hortet man es und hat dann die Hosentaschen voller zerfetzter, dreckiger Geldlumpen, da selbst kleinste Einheiten bereits Scheine sind, z.B. 5 Piaster (11 Pfennig), während es fast niemals Münzen gibt.

Der Karnak-Tempel

Samstag, 19.3.  Wir mieten in unserem Hotel Fahrräder für  je 1 E£ pro Tag und fahren damit zum 3 km entfernten KARNAK-Tempel, dem größten Tempel Ägyptens, über Jahrhunderte erbaut und erweitert (ca. 1700 – 1100 v. Chr.), insbesondere durch Amenophis III. und Ramses II. aber auch noch viel später durch die Griechen. Wir besichtigen ihn – ähnlich wie in Luxor – mit einer deutschen Reisegruppe. Das Eindrucksvollste ist die riesige Säulenhalle mit 134 Säulen bis 15 m Höhe und von 3,50 m Durchmesser, das ist ein gigantisches Schauspiel! Wir halten uns insgesamt über vier Stunden in dem Tempelbezirk auf, ohne jedoch alles gesehen zu haben und fahren dann per Fahrrad zurück nach Luxor, dieses auf dem Weg, auf dem früher eine 3,5 km lange Sphinxe-Allee die Tempel von Luxor und Karnak miteinander verband und die heute noch am Anfang und Ende erhalten sind.

Der sogen. Große Säulensaal im Karnak-Tempel in Luxor [Bild REM]

Der Heilige See im Karnak-Tempel [Bild REM]

Die Memnonskolosse stehen alleine herum

Retour in Luxor wollen wir ins Hotel, um uns frisch zu machen. Es ist aber geschlossen, und wir warten fast 1½ Stunden. Da ich davon nicht begeistert bin, meckere ich entsprechend und seitdem klappt alles hervorragend – das schadet also auch nichts. Am Nachmittag fahren wir mit einer Nilfähre – es gibt auch hier keine Brücken – auf die andere Seite, nach THEBEN-WEST und radeln hier zunächst durch die Niloase und dann durch die Wüste Richtung Tal der Königinnen. Zunächst kommen wir durch ein Dorf, das trotz des Tourismus kaum beeinflusst zu sein scheint, denn alles geht per Esel und Kamel und sieht recht urwüchsig aus. Wir kommen an den Memnonskolossen vorbei, die völlig beziehungslos in der Landschaft stehen, da der zugehörige Tempel schon lange durch ein Erdbeben vernichtet wurde. Bei unheimlicher Hitze und trotzdem kaum schwitzend (geringe Luftfeuchtigkeit) quälen wir uns die leicht ansteigende Straße ins Tal der Königinnen hinauf. Wir wollen es aber nicht besichtigen und haben auch keine Tickets dafür. Wir sehen uns etwas um, ruhen uns bei den Wächtern in der Bude (Schatten!) etwas aus und radeln dann weiter zum Hatschepsut-Tempel, wo wir aber wegen des späten Nachmittags auch nicht mehr hineinwollen. So ruhen wir uns im Schatten einer weiteren, bereits geschlossenen Verkaufsbude etwas aus.

Auf Fahrradtour im Tal der Könige stoppen wir an den Memnonskolossen [Bild REM]

Mohamed zeigt uns die Produktion 4000 Jahre alter „Antiquitäten“

Immer wieder haben wir die Tage Leute getroffen, die mit auf dem Schiff nach Abu Simbel waren, so kommt auch jetzt eine per Fahrrad: Susanne aus Hoya. Zu dritt kommen wir dann ins Gespräch mit einem ägyptischen Jungen, der zunächst ziemlich aufdringlich etwas verkaufen will, aber der dann doch ganz nett ist.  Dieser Mohamed lädt uns dann zu sich nach Hause zum Tee ein. So fahren wir ihn per Fahrrad dorthin und trinken Tee. Das Haus ist sehr einfach, aber auch sehr sauber, die gekalkte Decke besteht aus Baumstämmen, dazwischen Mörtel, die Wände sind ebenfalls gestrichen. Entlang der Wände stehen überall gut gepolsterte Sitzgelegenheiten, die nachts wohl auch als Betten dienen. Hier sitzen wir und Mohamed zeigt uns diverse  Bilder von „Freunden“ (Touristen), die meistens mit ihm zusammen fotografiert sind. Er spricht ziemlich gut Englisch und will demnächst nach Kuwait, um dort zu arbeiten. Dieses ist – wie wir schon oft gehört haben – das Ziel der meisten Ägypter, die etwas mehr gelernt haben. Denn die Einkommen in Ägypten sind so gering, dass kaum ein Anreiz besteht, im Lande zu bleiben und viele nach Saudi-Arabien, Kuwait etc. gehen, wo ja auch keine Sprachschwierigkeiten für sie bestehen. Mit Mohamed zusammen besichtigen wir dann noch eine Werkstatt, wo auf alt getrimmte Figuren (Hatschepsut, Ramses II. etc.) aus Ton gefertigt werden, um sie an Touristen zu verkaufen. Er rät uns noch, bloß nichts zu kaufen, da doch fast allen Beschiss sei. Für den nächsten Tag verabreden wir uns mit Mohamed und fahren dann im Dunkeln mit unseren völlig unbeleuchteten Rädern (passt gut zu den Autos, die meist auch unbeleuchtet fahren) ca. 6 – 7 km zurück zur Fähre, was auch gut klappt.

Fähranleger in Luxor [Bild REM]

Arbeiter in einer Alabaster-Fabrik stellen „jahrtausendealte“ Vasen und Statuen her [Bild REM]

Haus eines Mekka-Pilgers [Bild REM]

Wir essen direkt am Nil wiederum recht preiswert und es gibt sogar Fleisch. Später treffen wir dann – mehr oder weniger verabredungsgemäß – Andy und Willy wieder, mit denen zusammen wir noch ein paar tolle Gläser Tee (mit viel Zucker) genießen und die auch Unterkunft in unserem Hotel finden.

Ägyptische Händler und deutsche Touristen

Sonntag, 20.3.  Mit sehr viel Geduld warten wir morgens darauf, dass Ahmed uns Frühstück macht, das wir dann endlich auf der Dachterrasse im schönsten Sonnenschein zu uns nehmen. Wir leihen uns dann wiederum Fahrräder und fahren zu viert per Fähre aufs andere Nilufer. (Da wir jetzt die Fährpreise kennen, zahlen wir nur noch 10 statt am Vortage 25 Piaster pro Person und Fahrrad). Wiederum vorbei an den Memnonskolossen kaufen wir dann Tickets für das Tal der Könige und den Hatschepsut-Tempel. Man muss hier vorne bereits entscheiden, welche Anlage von Theben-West (Nekropole) man besichtigen möchte, da es in den einzelnen Anlagen keine Tickets zu kaufen gibt. Wichtig ist auch hier übrigens der internationale Studentenausweis, mit dem man maximal die Hälfte des normalen Eintritts (manchmal auch nur 1/3) bezahlt. Trotzdem kostet die Karte fürs Tal der Könige immer noch 2,50 E£ pro Person!

Der Totentempel der Hatschepsut [Bild REM]

Zuerst fahren wir dann zum Hatschepsut-Tempel, wo unser Freund Mohamed aber nicht anzutreffen ist. Wir besichtigen den Tempel, von dem wir aber nicht so begeistert sind, da ein großer Teil – bereits unter Thutmosis III. – zerstört worden ist, so dass man nur noch mit sehr viel Phantasie und gutem Willen die einstige Pracht erkennen kann. Vor dem Tempel muss ich noch einige Zeit auf die anderen warten und kann in der Zeit prima die diversen Händler, Taxifahrer etc. beobachten, die versuchen, ihre Waren und Dienstleistungen an den Mann, d.h. Touristen zu bringen. Gut zu ziehen, scheint die „heimliche Methode“: in Zeitungs- oder Packpapier eingewickelte „Antiquität“ (wahrscheinlich erst am selben Vormittag fertiggestellt, s. Foto oben), die als garantiert 4000 Jahre alt hinter vorgehaltener Hand gezeigt und u.U. verkauft wird. Aber auch für den Kurzfrist-Genuss wird ein Angebot bereitgehalten: Orangen, Cola, Eis, Postkarten usw. Es ist erstaunlich, wie viele Händler hiervon leben, obwohl doch – nach meiner Beobachtung – recht wenig verkauft wird. Aber die Handelsspannen scheinen doch sehr hoch zu sein. Übrigens passiert mir dort, wovor in jedem Reiseführer gewarnt wird: Ich kriege einen von einem Kind geworfenen Stein ab! Von einem deutschen Kind! Als ich mich aufrege und meckere, heißt es von den Eltern nur: „Er ist ja noch so klein!“ Unverschämt! Es sind übrigens dieselben Leute, die mir schon im Karnak-Tempel negativ auffielen, weil Sie ihre Kinder überall auf tausende Jahre alte Skulpturen stellen mussten, um Fotos zu machen, und die mir auch noch auf dem Rückflug negativ auffallen werden. Aber wie kann man überhaupt vier­jährige Kinder zu Tempelbesichtigungen nach Ägypten mit­schleppen??

Im Tal der Könige mit dem Grab des Tut-anch Amun

Glücklicherweise ist es nicht ganz so heiß wie am Tag zuvor, als wir zum Tal der Könige weiterradeln, denn die ca. 6 km lange Strecke geht permanent leicht bergauf, so dass wir ziemlich fertig oben ankommen. So gilt unser erster Weg gleich dem „kühlen Grab“ Ramses‘ IX. Des Weiteren besichtigen wir die Gräber von Ramses VI., Sethes I., Amenophis II. und selbstverständlich das berühmteste aller Gräber, nämlich das des Tut-anch-Amun. Nach der Begehung – ständiger Wechsel zwischen heiß und hell einerseits sowie kalt und dunkel andererseits – besteigen wir noch einen Berg am Rande des Tales der Könige, wobei wir einen sagenhaften Blick auf die Nekropole Theben-West mit ihren zahlreichen Totentempeln, den Strom des Nils mit beiderseitigen weiten Grünzonen, die direkt angrenzende Wüste und die Tempel von Theben-Ost haben.

Die ägyptischen Tempel waren in der Antike alle sehr farbig gestaltet, was sich im Laufe der Jahrtausende aufgelöst hat. Hier ist eines der wenigen Beispiele, die noch die urspgl. Farbigkeit erkennen lassen. [Bild REM]

In Schussfahrt geht es dann bergab aus dem Tal der Könige hinaus. Im nächsten Ort besuchen wir eine Werkstatt, in der von Hand Alabaster-Vasen und andere Alabaster-Gegenstände geschliffen werden. Auf den Boden sitzend ist die ganze Familie mit dem Schleifen beschäftigt. Zunächst wird aus dem eckigen Alabasterblock die grobe, äußere Form von Hand gefeilt, dann per Handbohrer der Innenteil zylindrisch ausgehöhlt, um ihn anschließend mit anderen Feilen entsprechend auszuformen und schließlich wird mit feinen Feilen der äußere Teil bearbeitet, bis er ganz glatt ist. Hier treffen wir auch die Susanne vom Tage zuvor wieder, während Andy und Willy bereits nach Luxor zurückgefahren sind. Anschließend fahren wir zum Haus von Mohamed weiter, der aber nicht da ist. Bei einem Tee warten wir auf ihn und als er endlich kommt, gehen wir zu­sammen etwas essen und dann bringt uns ein Freund von ihm per Taxi zur Fähre zurück. Wieder in Luxor, genießen wir am Abend noch etwas Tee und sitzen dann noch mit Ahmed und den beiden Berlinern zusammen auf dem Dachgarten, wo Achmed uns stolz seine diversen Kassetten mit europäischer Musik vorführt.

Montag, 21.3.  Heute können wir endlich einmal etwas ausschlafen, da wir erst um 10 Uhr per Zug nach KENA  weiterwollen. Nach „ausgedehntem“ Frühstück – es gibt Tee und Falafeln – und einem Spaziergang durch den Basar fahren wir 70 km per 1.Klasse-Zug (sonst ist angeblich nichts frei) bis nach Kena. Dort geht’s vom Bahnhof aus per Pferdedroschke zum Busbahnhof, wo angeblich gleich der Bus nach Hurghada abgehen soll. Wegen Verständigungsschwierigkeiten klappt das aber alles nicht so richtig, so dass wir zu den Taxis gefahren werden und für 3 E£ die 220 km bis nach Hurghada ans Rote Meer auf diese Art bewältigen.

Das Schnorcheln in Hurghada wird ein Enttäuschung

Zunächst geht es durch recht ebene, d.h. langweilige Wüste, die zweite Hälfte jedoch führt durch sehr gebirgige Landschaft, die an das Bild erinnert, das wir in Sinai hatten. So kommen wir dann bei PORT SAFRAGA ans dunkelblaue Rote Meer. Von dort sind es nur noch 50 km bis  HURGHADA. Dort angekommen, finden wir schnell ein Hotel und besichtigen dann den kleinen Ort, den Wolfgang noch von seiner letzten Fahrt – zwei Jahre zuvor – kennt. Sehr begeistert bin ich allerdings nicht, denn genau das, was in allen Reiseführern für Luxor beschrieben steht, und was meiner Ansicht nach dort nicht sehr auffällig war, findet hier in einem geradezu nervtötenden Maße statt, nämlich das „Bakschisch„-Geschrei der Kinder. Zunächst ein einzelnes Kind ganz schüchtern „Hello Mister„, das hören andere und kommen hinzu und rufen dabei „Hello, hello, hello…“ bis schließlich eine ganze Horde hinter einem her ist und. „Bakschisch“ ruft. Allerdings glaube ich, wissen, sie gar nicht recht, was das bedeutet, denn wirklich erwarten tun sie offensichtlich nichts und verziehen sich mit der Zeit auch wieder, bis die nächsten kommen.

In diesem gottverlassenen Kaff gibt es – abgesehen von den Kindern – nur noch am Strand ein Sheraton-Hotel, von dessen Gästen man am Ort aber gar nichts sieht, und außerdem noch recht zahlreiche Rucksack-Touristen, unter denen wir einige bekannte Gesichter wiedertreffen und die sich hier hauptschlich wegen des Schnorchelns aufhalten, da man hier tolle Fische – à la Sham-el-Sheikh – beobachten können soll, was wir am nächsten Tag ausprobieren wollen.

Dienstag, 22.3.  Auch dieser Tag in Hurghada wird zu einer Enttäuschung: Das Schnorcheln – wir haben uns extra für 2 E£ Schnorchel, Maske und Flossen ausgeliehen – entpuppt sich als zwecklos, da wegen des herrschenden Windes und der damit verbundenen Wellen sich alle Fische in die Korallen geflüchtet heben und somit nichts zu sehen ist. So liegen wir den ganzen Tag am z.T. leicht öligen Fels-Strand, was einen Tag lang doch einmal ganz guttut. Am Abend nutzen wir die uns im Hotel zur Verfügung stehende Küche und kochen erst­mals in diesem Urlaub selbst. Es gibt Makkaroni und unter Ausnutzung des wirklich sehr guten Gemüseangebotes einen Salat mit Gurken, Tomaten, Zwiebeln und Paprika.

Zurück in Kairo

Mittwoch, 23.3.  Bereits morgens um 4 Uhr (!!) geht unser Bus von Hurghada in Richtung Kairo ab. Es ist zwar ein Air-Condition-Bus, aber es zieht überall wie Hechtsuppe, weil nirgendwo die Fenster richtig schließen. Die Fahrt geht bis nach SUEZ, direkt am Roten Meer entlang. Das ökonomische Plus für Ägypten, nämlich im Roten Meer Öl zu finden, schlägt sich hier sehr gut beobachtbar als ökologisches Minus nieder: Die Strände bzw. Felsen sind nämlich fast überall öl- und teerverschmutzt. Erstaunlicherweise ist das Wasser jedoch sehr klar und sieht sauber aus. So kommen wir heil nach Suez, obwohl der Fahrer chauffiert wie der Teufel und einige brenzlige Situationen zustande kommen, insbesondere bei Wettfahrten mit anderen Bussen. Wir fahren dann die uns bekannte Strecke von Suez nach KAIRO, wo wir gegen Mittag am Midân Ramses ankommen. Aus Kostengründen ziehen wir in ein anderes Hotel, das sich im 15. Stock eines hohen Hauses direkt am Ramses-Platz befindet und nur 4,10 E£ für’s Doppelzimmer kostet.

Der riesige Midân Ramses in Kairo [Bild REM]

Die uns noch verbleibenden drei Tage in Kairo nutzen wir zu diversen Besichtigungen, wozu wir ja während unseres ersten Aufenthaltes hier keine Zeit hatten, die ich hier aber nicht im Detail beschreiben will, zum Genießen des orientalischen Flairs der diversen Märkte, Suks, Basars etc. sowie zum Trinken der vielen angebotenen Fruchtsäfte, deren Geschmack und Preise uns immer wieder begeistern. Das Angebot reicht vom Karotten- über Bananen-, Zuckerrohr-, Pampelmusen- und Orangen- bis zur Crème de la Crème dem Erdbeersaft. Die Säfte werden direkt ausgepresst, sind also hyper-frisch und kosten zwischen 10 Piaster und 25 Piaster; letzteres für frischen Erdbeersaft, der uns immer wieder erfrischt, da die Temperaturen inzwischen doch recht hoch sind in Kairo.

Heute besichtigen wir noch den Bazar Khan-el-Khalili, andere Bazarstraßen und das Bab Suwela. Besonders begeistert sind wir von der el-Rifai-Moschee, in der auch der Schah von Persien beerdigt ist, die aber laut Reiseführer künstlerisch wenig wertvoll sei. Enttäuscht sind wir hingegen von der hochgelobten Sultan-Hassan-Moschee, in der ich noch einigen Ärger wegen angeblich nicht bezahlten Eintrittsgeldes habe.

Eine typische Straßenszene vor dem Tor Bâb-Suwêla in Kairo [Bild REM]

Die nah beieinanderstehenden Rifai- und Sultan Hassan Moscheen in Kairo [Bild REM]

Die Pyramiden von Gizeh

Donnerstag, 24.3.  Zu viert fahren wir mit zwei Tübingern per Bus nach GIZEH hinaus und von dort auf der Ladefläche eines Sammeltaxis nach SAQQARA, um dort die Stufenpyramide des Königs Djoser (ca. 775 v. Chr.) zu besichtigen. Am Nachmittag fahren wir dann zurück nach Gizeh, um den „touristischen“ Höhepunkt einer jeder Ägyptenreise zu genießen, nämlich die Besichtigung der drei Pyramiden von Gizeh, dem einzigen erhaltenen der sieben Weltwunder der Antike. Der hier herrschende Rummel um die zahlreichen Touristen ist doch von umfangreicher Art und lenkt fast von der Haupt-Sehenswürdigkeit ab: Verkäufer von Postkarten, Alabaster-Pyramiden, Kettchen, Blech-Sphinxe, Säften, Coca-Cola, Parfüm haben sich hier versammelt und werden fast umgelaufen vor den zahlreichen Kamelführern, die die Leute zu einstündigen Ritten auf ihren Tieren überreden wollen.

Die Cheops- (li) und Chephren-Pyramiden in Gizeh bei Kairo [Bild REM]

Dieser Dragomane (Reiseführer) würde uns sicherlich gerne seine Dienste verkaufen [Bild REM]

Nach einem Disput wegen des nicht vorhandenen Wechselgeldes mit dem Kassierer und Schlangestehen vor der Cheopspyramide beginnen wir die Besichtigung. Gebückt durchkriecht man stinkende, ca. 1 m hohe Gänge, die schlecht beleuchtet schräg aufwärtsführen, vor dem Gesicht einen amerikanischen Arsch und hinter dem eigenen vielleicht italienisches Geplapper. So arbeitet man sich langsam zu der im Zentrum der Pyramide liegenden Grabkammer vor. Abgesehen von diesen etwas un­würdigen, aber wohl kaum vermeidbaren Umständen sind aber sowohl der äußere Eindruck der 140 m hohen Pyramide als euch die im Innern zu bewundernde Konstruktion sehr eindrucksvoll. Die Chephren– und die Mykerinos-Pyramide besuche ich dann ganz alleine, da wohl ansonsten allen Leuten die Lust ausgeht, so dass ich auf mich allein gestellt auch viel mehr davon habe.

Kinder und Jugendliche vor der Chephren-Pyramide, die mit Sicherheit etwas verkaufen oder geschenkt bekommen wollen [Bild REM]

Freitag, 25.3.  Vormittags besuchen wir das „Ägyptische Museum“, in dem man Tage zubringen könnte. Bedauerlich ist nur die unsystematische Gliederung und die daraus resultierende Unübersichtlichkeit. Am interessantesten ist natürlich die Abteilung, in der die Grabbeigaben des Tut-anch Amun zu sehen sind, die ja bekanntlich in den letzten Jahren durch die halbe Welt reisten und größten Zuspruch verzeichneten.

Am heutigen Freitag sind viele Straßen gesperrt, um den Gläubigen Platz für das Freitagsgebet vor den Moscheen zu bieten [Bild REM]

Das Mausoleum des Kaït Bay und die Sultan-Barkûk-Moschee

Anschließend trenne ich mich von Wolfgang, der heute an seinem Geburtstag und bei der herrschenden Hitze lieber in den Zoo will, um sich auszuruhen, während ich mich in Richtung der Kalifengräber begebe, um das Mausoleum des Kaït Bay, eines Mamlucken-Sultans, zu be­suchen. Ich treffe ein paar Leute, die ich kenne, und die mich glücklicherweise dorthin mitnehmen, so dass ich es dann besichtigen kann. Es dient heute als Moschee und wird mir von jemandem etwas erklärt (Bakschisch!). Dann gehe ich wieder in Richtung Hauptstraße und blicke dort von einer Fußgängerbrücke aus auf das gesamte Stadtviertel, um festzustellen, dass dort überall viele Minarette und Kuppeln, also Hinweise auf weitere Mausoleen, zu sehen sind. So gehe ich wieder dorthin zurück und besichtige u. a. die Sultan-Barkûk-Moschee. Dieses gesamte Viertel ist die Totenstadt aus der Mamelucken-Zeit (ca. 1200 bis 1500 u.Z.). Hier stehen viele schöne Häuser, in denen damals die Toten beerdigt wurden, die aber heute – mangels anderer Behausungen. – als Wohnungen genutzt werden. Auch komme ich zu einer Art Friedhof mit zig Marmor-Gräbern. wo mir ein Junge alles auf Arabisch erklärt, ohne dass ich recht schlau daraus werde; ich verstehe nur immer etwas von einem Flugzeugabsturz oder -entführung sowie von Sadat und Erschießung, kann mir jedoch keinen Reim darauf machen. Sehr merkwürdig. Nach einigem Gefrage finde ich dann einen Bus, der mich zum Ramses-Square zurückbringt.

Das Kâït-Bay-Mausoleum in Kairos Totenstadt [Bild REM]

Die Sultan-Barlûk-Moschee, ebenfalls in der Totenstadt [Bild REM]

Als ich abends mit Wolfgang zusammen nach dem Essen durch die Stadt gehe, treffen wir zufällig die Gaby wieder, mit der wir dreieinhalb Wochen vorher den ganzen Trouble mit den Sudan-Visen erlebt hatten und verabreden uns mit ihr für den nächsten Tag.

Samstag, 26. 3.  Zunächst fahren wir per Straßenbahn in die Richtung, in der wir die Ibn-Tulun-Moschee vermuten und tatsächlich, wir finden sie! Dieses ist die zweitälteste Moschee Kairos (876-879 erbaut) und stellt als sogenannte Hofmoschee den Typus dar, dem die Moschee von Mekka auch entspricht. Es ist ein völlig anderer Stil als wir ihn bisher kennengelernt haben und besticht durch seine Weite und Offenheit. Wir klettern auf ein Minarett, von dem aus man einen herrlichen Blick auf Kairo hat, sofern nicht im Dunst verschwunden.

Der Innenhof der Ibn-Tulûn-Moschee aus dem 9. Jh. [Bild REM]

Das Gayer-Anderson-Museum beeindruckt durch Architektur und Kultur

Direkt neben der Ibn-Tulun-Moschee befindet sich das Gayer-Anderson-Museum: die Sammlung eines 1942 verstorbenen englischen Majors, der in zwei aus dem 14. Jahrhundert stammenden Häusern eine beeindruckende Sammlung islamischer Kunst- und Kulturgegenstände zusammengestellt hat. Neben diesen Gegenständen ist aber auch die Architektur des Hauses mit Brunnen, Damen- und Herrenräumen, Räumen für Frauen zur Beobachtung der Männer, Küche etc. äußerst interessant. Schließlich klettern wir auf die nicht sehr weit entfernte Zitadelle, auf der wir aus Kostengründen die Muhammed-Moschee nicht besichtigen, aber dafür den lohnenden Ausblick auf Kairo gratis genießen.

Zugang zum wunderschönen Gayer-Anderson-Museum islamischer Wohnkultur [Bild REM]

Anschließend bummeln wir noch durch den Bazar, und ich besichtige als krönenden Abschluss die Sultan-Kalaûn-Moschee, die einer gotischen Kirche stark nachempfunden ist und auch das Grabmal des Sultans Kalaûn enthält.

Zum Abschluss ägyptischer Bauchtanz im Club „Granada“

Abends gehe ich verabredungsgemäß zu Gaby ins Beausite-Hotel und mit einigen anderen Leuten zusammen gehen wir in ein Nachtlokal zum Bauchtanz. Es soll um 22 Uhr beginnen, aber eine halbe Stunde zuvor ist noch kein Mensch in dem Saal. Jedoch kurz nach 22 Uhr wird es langsam voller und wir kaufen auch Tickets für je 2,20 E£ und setzen uns an einen Tisch. Der Club heißt übrigens „Granada“ und befindet sich am Opernplatz (Nähe Ataba-Platz). Gegen 22:30 Uhr geht’s dann tatsächlich los. Zunächst nur mit der uns so sehr begeisternden arabischen Musik incl. Sänger, aber dann kommt die erste Tänzerin!! Dem arabischen Idealbild einer Frau entsprechend gut genährt, bewegt sie zur Musik Busen, Bauch und Popo abwechselnd oder gleichzeitig drehend über die Tanzfläche, wobei durch das Glitzerkostüm und einen Umhang, der später abgelegt wird, der üppige Busen besonders betont wird. Es reißt uns zwar nicht von den Sesseln, aber es ist doch ganz amüsant anzusehen. Wir bleiben bis 1 Uhr nachts und es lösen sich Akrobaten, Zauberer, Sänger und weitere drei Bauchtänzerinnen in loser Folge ab. Aber dann kommt ein weiterer – besonders schlimmer – Sänger, so dass es uns reicht, und wir mit einem süßen Tee unseren letzten Kairoer Abend beschließen.

Typische Bussituation im Zentrum Kairos [Bild REM]

Er verkauft keinen Kaffee, sondern Karottensaft [Bild REM]

Und nachts kommt die Müllabfuhr

Auf dem nächtlichen, ca. halbstündigen Nachhauseweg kann man dann übrigens prima die Reinigungsmaschinerie Kairos beob­achten: überall sind Männer dabei zu fegen und Dreck zusammen­zulesen, so dass bis zum nächsten Morgen alles recht sauber ist. Übrigens handelt es sich dabei nicht um eine städtische Müllabfuhr o. ä., sondern die ärmsten der Armen fahren allen Müll Kairos, also sowohl aus den Häusern als auch von der Straße mit Eselskarren zusammen, um ihn dann zu sortieren und einer Wiederverwertung zuzuführen, so dass fast nichts, was noch irgendwie verwertbar ist, umkommt.

Heute Nacht ist es übrigens erstmalig richtig warm und man kann nachts um 2 Uhr noch im Oberhemd herumlaufen, ohne zu frieren. Dafür ist es im Hotelzimmer recht warm, zumal Ralph auch wieder eingetroffen ist und wir jetzt zu dritt dort schlafen.

Sonntag, 27.3. Frühstück gibt es wieder bei unserer Stammbude, wo man uns bereits kennt, und wo wir hervorragende Sandwichs mit Rührei, Schinken (Esel), Käse. Eier etc. sehr günstig erwerben können. Tee gibt es im nahegelegenen Teehaus. Danach verabschiedet Wolfgang sich von uns, da er schon um 9 Uhr am Flughafen sein muss.

Ralph hat es tatsächlich geschafft, dass sein Flug umgebucht wird und er noch drei Wochen nach Israel fahren kann, so dass ich dann ohne ihn werde fliegen müssen. Wir gehen noch etwas durch Kairo, sozusagen „Abschiedsspaziergang“, dann packe ich meine Sachen und fahre per Bus mit zwei Österreichern aus dem Hotel, die mit derselben Maschine fliegen, zum Flughafen hinaus. Wir können das letzte Mal überfüllte Busse, dreckige Straßen, Superverkehrsstaus etc. genießen und kommen dann bald am Flughafen an. Hier klappt das Einchecken weitaus besser als beim Hinflug in München und bereits 5 Minuten vor der offiziellen Abflugzeit befinden wir uns in der Luft, womit unser abenteuerlicher und erkenntnisreicher Ägyptenurlaub erfolgreich abgeschlossen ist.

Was davor geschah:

Ägypten (1) – Turbulentes Kairo, eiskalter Sinai und spektakuläre Wüstenfahrt [Vintage]

Ägypten (1) – Turbulentes Kairo, eiskalter Sinai und spektakuläre Wüstenfahrt [Vintage]

 

 

 
 

Vintage

Was ist Vintage?
"In der Mode versteht man unter Vintage ein Kleidungsstück aus einer älteren Kollektion eines Designers".
So sagt es Wikipedia in seiner Erklärung  ( https://goo.gl/7Nmyhz ). Ich habe den Begriff Vintage als Kategorienamen gewählt, um alle Reiseberichte zusammenzufassen, die schon etwas älter sind. "Oldies but Goodies" ist ein anderer Ausdruck, den man hier verwenden könnte. Auf jeden Fall stehen hier nicht die allerschönsten Bilder aus modernen Digitalkameras im Hintergrund, sondern eher besondere Erlebnisse. Und die Fotos sind eingescannt vom Dia oder sogar Papierbild. In diesem Zusammenhang könnte man sogar den Begriff "Shabby Chic" verwenden, den Wikipedia auch in seinem Artikel aufführt. Authentische Bilder aus der Vergangenheit haben ihren eigenen Reiz. Ist es doch so, dass die Generation Smartphone ihre qualitativ hochwertigen Handy-Fotos mit einem Filter auf Instagram hochlädt, der diesen Fotos ein oft vergammeltes Image mitgibt. Bei den Fotos der Vintage-Reihe braucht es das nicht. Die Fotos SIND schon alt und "wurmstichig" - wenn auch aus Gründen der Ästhetik die vielen kleinen Punkte und Fussel, die beim Einscannen noch zu sehen sind, mühsam in der Bildbearbeitung entfernt werden.

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