Ägypten 1983: mit dem Floß durch die Wüste

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Im März 1983 reisen wir als Rucksacktouristen durch Ägypten – ganz ohne Internet, Smartphone oder digitale Reiseplanung. Unser handgeschriebenes Tagebuch ist der einzige Kontakt zur Heimat. Zwischen dem Nil, der Wüste und den überfüllten Städten erleben wir ein Land, das sich oft chaotisch, manchmal anstrengend, aber immer überraschend zeigt.

Auf dem Nil zum Tempel von Abu Simbel

In Assuan beginnt das Abenteuer mit einer ungewöhnlichen Bootsfahrt. Unser Transportmittel auf dem Nasser-Stausee ist ein zweistöckiges Versorgungsfloß ohne eigenen Motor, das von einem kleinen Schlepper gezogen wird. Rund 80 Passagiere, Säcke, Kisten, zwei Schafe und später sogar zehn Rinder teilen sich das Schiff.

  • Die Fahrt startet mit fünfeinhalb Stunden Verspätung.
  • Nachts bleibt das Floß stehen, weil es weder Beleuchtung noch Navigation gibt.
  • Geschlafen wird auf dem offenen Oberdeck – unter einem löchrigen Pappdach.
  • Fladenbrot, Ölsardinen und süßer Tee bilden die Bordverpflegung.

Tagsüber gleitet das Floß mit höchstens zehn Stundenkilometern durch eine endlose Landschaft aus Wasser, Wüste und Bergen. Nachts wird es empfindlich kalt. Der Wunsch nach einem wärmeren Schlafsack wächst mit jeder Stunde.

Als Abu Simbel endlich am Horizont auftaucht, sind die vier 20 Meter hohen Ramses-Statuen schon von Weitem zu erkennen. Die Tempel beeindrucken trotz der kurzen Aufenthaltszeit gewaltig. Besonders kurios ist jedoch die Ankunft: Es gibt keinen Anleger, die Leinen werden um Steine gewickelt. Auf der Rückfahrt sorgen ein kleiner Schiffsbrand, eine improvisierte Tanzparty zwischen den Rindern und eine nächtliche Fahrt ohne Licht für zusätzliche Spannung.

Mit der Eisenbahn nach Edfu und Luxor

Zurück am Nil geht es in der dritten Klasse weiter nach Edfu. Auf Holzbänken und bei offenen Fenstern beobachten wir das ägyptische Alltagsleben: Passagiere schlafen im Gepäcknetz, Hühner reisen im Korb und Kinder teilen sich den knappen Platz.

Besonders eindrucksvoll ist ein Zwischenhalt neben einem Zug voller Zuckerrohr. Innerhalb weniger Minuten verwandelt sich der Waggon in eine klebrige Zuckerrohrküche: Die Passagiere schälen die Stangen mit den Zähnen, saugen den süßen Saft heraus und werfen die Schalen einfach auf den Boden.

In Edfu zeigt uns der Kopte Wadia den gut erhaltenen Horus-Tempel, seine Kirche und die alte Technik im Stellwerk, die trotz ihres museumsreifen Aussehens noch funktioniert. Seine Gastfreundschaft macht den Aufenthalt zu einem der herzlichsten Erlebnisse der Reise.

Luxor empfängt uns anschließend mit Staub, Kaleschen, Eselskarren, Händlern und lautem Verkehrschaos. Im kleinen Hotel „Happy Home“ gibt es dafür eine angenehme Überraschung: saubere Betten, ein tatsächlich weißes Waschbecken und eine Dusche, die man ohne Badeschuhe betreten kann.

Mit dem Fahrrad ins Tal der Könige

Auf geliehenen Fahrrädern fahren wir zum Karnak-Tempel. Die riesige Säulenhalle mit ihren 134 gewaltigen Säulen wirkt überwältigend. Danach geht es mit der Nilfähre auf die Westseite. Zwischen grünen Feldern, staubigen Dörfern und karger Wüste radeln wir zu den Memnonskolossen und weiter in Richtung Tal der Könige.

  • Die Memnonskolosse stehen einsam in der Landschaft.
  • Der Hatschepsut-Tempel beeindruckt vor allem durch seine Lage.
  • Im Tal der Könige wechseln sich grelles Licht und kühle Grabkammern ab.
  • Das Grab des Tut-anch-Amun gehört zu den Höhepunkten.
  • Von einem Bergrücken reicht der Blick über Nil, Wüste und Theben-West.

Unterwegs lädt uns der junge Mohamed zum Tee in sein einfaches, aber blitzsauberes Zuhause ein. In einer nahe gelegenen Werkstatt sehen wir, wie vermeintlich jahrtausendealte Figuren und Vasen für Touristen hergestellt werden. Mohamed rät uns sogar, nichts zu kaufen – fast alles sei frisch produziert und nur auf alt getrimmt.

Später führt die Fahrradtour durch eine Werkstatt, in der eine ganze Familie Alabastergegenstände von Hand bearbeitet. Aus groben Blöcken entstehen mit Feilen und Handbohrern glatte Vasen. Der Rückweg nach Luxor erfolgt im Dunkeln – mit Fahrrädern, die ebenso wenig Licht besitzen wie viele der vorbeifahrenden Autos.

Hurghada enttäuscht, Kairo überrascht

Nach einem Abstecher ans Rote Meer erfüllt Hurghada die Erwartungen nicht. Der Wind treibt hohe Wellen an den Strand, beim Schnorcheln bleiben die Fische zwischen den Korallen verborgen. Dazu verfolgen uns Kinder mit einem endlosen „Hello“ und „Bakschisch“.

Zurück in Kairo locken dagegen frische Säfte, Basare und Moscheen. An den Ständen werden Karotten-, Bananen-, Zuckerrohr-, Orangen- und Erdbeersäfte direkt vor den Augen der Kunden gepresst. Besonders der kalte Erdbeersaft ist bei den hohen Temperaturen eine köstliche Erfrischung.

Die Pyramiden von Gizeh sind trotz des Gedränges überwältigend. Verkäufer, Kamelhalter und Touristen sorgen für einen gewaltigen Rummel, doch beim Blick auf die gewaltigen Bauwerke verstummt selbst das lauteste Marktgeschrei für einen Moment. Im Inneren der Cheopspyramide geht es durch enge, schlecht beleuchtete Gänge zur Grabkammer.

Bauchtanz und Abschied im analogen Ägypten

In Kairos Totenstadt entdecken wir Mausoleen aus der Mameluckenzeit, Moscheen und Häuser, die inzwischen als Wohnungen dienen. Das Gayer-Anderson-Museum begeistert mit Innenhöfen, Brunnen, kunstvollen Räumen und einer außergewöhnlichen Sammlung islamischer Kultur.

Zum Abschluss führt der Weg in den Nachtclub „Granada“ am Opernplatz. Arabische Musik, Sänger, Akrobaten und mehrere Bauchtänzerinnen wechseln sich bis tief in die Nacht ab. Danach begegnen wir auf dem Heimweg Kairos nächtlicher Müllabfuhr: Männer sammeln mit Eselskarren den Abfall der Stadt ein, sortieren ihn und führen fast alles Verwertbare wieder in den Kreislauf zurück.

Am nächsten Morgen endet die Reise so analog, wie sie begonnen hat: mit einem letzten Frühstück, überfüllten Bussen, staubigen Straßen und einem schnellen Abflug. Keine App hat die Route geplant, kein Smartphone die Erlebnisse festgehalten. Geblieben sind handgeschriebene Notizen, alte Dias und die Erinnerung an ein Ägypten, das sich zwischen Improvisation, Geschichte und großer Gastfreundschaft zeigt.

Jetzt willst du sicherlich den ausführlichen Reisebericht unseres Teammitglieds Olaf Remmers lesen:

Ägypten: auf dem Floß durch die Wüste, Fahrradtour im Tal der Könige und Bauchtanz in Kairo

 

Ägypten (2) – auf dem Floß durch die Wüste, Fahrradtour im Tal der Könige und Bauchtanz in Kairo [Vintage]

 

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