Von Mücken, Moor und Moltebeeren: am Kungsleden durch Nordschweden

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Titelbild Hollnbuchner Kungsleden Schweden
  

 

Infobox
Autor:Gastautorin Doris Hollnbuchner
Reisezeit:Juli/August 2024
Art der Reise:Selbst organisierte Wanderreise
Lesezeit: 4 Minuten
  

„So etwas macht man ja eh nur einmal im Leben“

habe ich behauptet, als ich mir im Frühsommer 2023 eine Auszeit von Job und Alltag genommen habe, um den South West Coast Path in Südengland zu erwandern. Und zwar mit einer Überzeugung, die ich mir beinahe selbst abgekauft hätte. Aber damals konnte ich ja auch noch nicht wissen, was diese Wanderung mit mir machen würde, wie sehr ich es lieben würde, jeden Tag draußen zu sein und einfach nur einen Schritt nach dem anderen zu machen und dass ich auch nach über tausend zurückgelegten Kilometern noch lange nicht genug davon haben würde.

Dass ich nur ein Jahr später wieder den Rucksack packen und den nächsten Weitwanderweg in Angriff nehmen würde, hat wohl niemanden wirklich überrascht. Am allerwenigsten mich selbst.

Ab in den hohen Norden – der Kungsleden ist das Ziel

Diesmal möchte ich den Kungsleden in Nordschweden in Angriff nehmen. Spätestens, als meine Wahl auf diesen Trail fällt, wird mir klar: Ich brauche ein Zelt. Und alles, was dazu gehört. Rund 440 Kilometer ist der Kungsleden lang, und er verläuft zwischen den Ortschaften Abisko im Norden und Hemavan im Süden. Gewandert werden kann er in beide Richtungen, ich habe mich entschieden, in Abisko zu starten.

Start in Abisko

Start in Abisko

 

Und anders als ursprünglich geplant, wandere ich diesmal auch nicht allein. Bereits auf der Hinfahrt lerne ich die Kanadierin Alex und den Franzosen Valentin kennen und wir marschieren gemeinsam los. Was wir an diesem Tag noch nicht ahnen: Wir würden auch das Ziel gemeinsam erreichen und aus einer flüchtigen Zugbekanntschaft würde innerhalb von vier Wochen eine richtige Trail-Freundschaft entstehen.

Wandern fernab der Zivilisation ist auch eine Reise zu sich selbst

Eine Wanderung am Kungsleden will gut geplant sein. Aus- und Einstiegsmöglichkeiten bieten sich nur alle paar Tage an den Fjällstationen, die auch ans Straßennetz angeschlossen sind. Dazwischen befinden sich zwar vom Schwedischen Tourismusverband betriebene Hütten, in denen auch übernachtet werden kann – aber das Bettenangebot ist begrenzt und außerdem ziemlich teuer. Manche der Hütten verfügen auch über kleine Shops, in denen man sich mit dem Notwendigsten an Proviant und Hygieneartikeln eindecken kann. Restaurants, Duschen, eine Steckdose oder einen Wasserhahn sucht man hier vergebens.

Wir verbringen den Großteil unserer Nächte im Zelt, oft auch fernab von den bei den Hütten befindlichen Zeltplätzen. Wir kochen draußen, wir essen draußen, wir waschen uns und unsere Kleidung notdürftig im nächstbesten Fluss oder See und unsere Handys dienen uns ausschließlich als Kamera, da wir die meiste Zeit über ohnehin keinen Empfang haben.
Schnell stelle ich fest: Wenn man so viel Zeit draußen in der freien Natur verbringt, dann macht das etwas mit einem. Und der Kungsleden geht mir direkt unter die Haut und verändert mich.

Es ist eine andere, bisher nie erlebte Form von Freiheit. Von der Außenwelt komplett entkoppelt zu sein und nirgendwo sein zu müssen, außer im Moment. Abends einfach nur schweigend vorm Zelt zu sitzen und die vorbeiziehenden Rentiere zu beobachten, weil es sonst nichts gibt, was noch zu erledigen wäre. Die Gedanken genauso schweifen zu lassen wie den Blick über die weitläufige Fjäll-Landschaft. Die geschundenen Füße ins kalte Wasser zu halten und die seltenen Duschmöglichkeiten entlang des Trails als den größten Luxus der Erde zu empfinden.

Recht windig!

Recht windig!

Die besten Erlebnisse lassen sich oft nicht planen

27 Tage sind wir insgesamt unterwegs. In diesen 27 Tagen stapfen wir durch strömenden Regen, stemmen uns gegen den Wind, schwitzen in der brütenden Hitze, trinken Wasser direkt aus dem Fluss, überqueren weitläufige Schlammfelder und klagen über ständig nasse Socken, springen mehr als einmal über den eigenen Schatten und gehen auch dann weiter, wenn es längst keinen Spaß mehr macht.

Wir kochen Pancakes am Gaskocher, pflücken Beeren am Wegesrand und kommen oft genug angesichts der fast schon unwirklich anmutenden Landschaft, die uns umgibt, aus dem Staunen nicht mehr heraus. Und schlussendlich erreichen wir unser Ziel und kommen an, in Hemavan, am Ende des Kungsleden und ein bisschen auch bei uns selbst. Stolz, glücklich und traurig zugleich.

Ankunft in Hemavan

Ankunft in Hemavan

 

Denn auch das gehört beim Weitwandern wahrscheinlich einfach dazu. Dass man sich jedes Mal wieder sehenden Auges auf den Weg macht und sich am Ende freiwillig das Herz herausreißen lässt. Weil ein Stück davon beschlossen hat zu bleiben. Aber natürlich nehme ich im Gegenzug dazu auch wieder einiges von dieser Reise mit. Zwei neue Freunde, zahlreiche Erinnerungen, das Wissen, dass ich alles im Leben schaffen kann, und die Erkenntnis, dass sich die besten Erlebnisse und Begegnungen oft nicht planen lassen.

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Von Mücken, Moor und Moltebeeren – am Kungsleden durch Nordschweden
Format: 12,5 x 19 cm
216 Seiten
inkl. 10 Farbseiten mit Fotos

Erhältlich unter www.immerlinksvommeer.at, im stationären Buchhandel oder hier:

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Von Mücken, Moor und Moltebeeren: Am Kungsleden durch Nordschweden

28 Tage zu Fuß durch Nordschweden

Ein Jahr ist es her, dass Doris von ihrer Wanderung am South West Coast Path zurückkam. Diesmal geht sie noch einen Schritt weiter.

Mit Zelt, Isomatte und Gaskocher macht sie sich auf, um die rund 440 Kilometer des Kungsleden in Schweden zu erwandern – und nimmt uns in diesem Buch mit in die unberührte Natur des hohen Nordens.

Ihre Geschichte erzählt von Angst und Zweifeln, von Mut und Durchhaltevermögen und von all den kleinen und großen Momenten, die so eine Weitwanderung mit sich bringt.

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Reisebericht England: immer links vom Meer unterwegs auf dem South West Coast Path

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Über die Autorin

Doris Hollnbuchner lebt in Graz, arbeitet als selbstständige Texterin und Übersetzerin und schreibt Geschichten, seit sie einen Stift halten kann. 2023 hat sie ihre Wanderschuhe geschnürt, den Alltag hinter sich gelassen und zu Fuß über 1000 Kilometer am South West Coast Path in Südengland zurückgelegt. Ein Jahr drauf war sie drei Monate mit Zelt und Campingkocher in Schweden unterwegs, unter anderem am Kungsleden in Lappland. Mit ihren Büchern möchte sie den Zauber des Weitwanderns teilen und auch andere dazu inspirieren, ihren eigenen Weg zu gehen und den Mut zu haben, die eigenen Grenzen immer wieder neu zu definieren und zu verschieben.

Alle Foto-Rechte bei Doris Hollnbuchner

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