Essen, Wein und Gesang: warum Georgien gerade Foodies begeistert
Translation with GoogleJahrtausende Weingeschichte im Tonkrug
Wer Georgien besucht, taucht ein in die älteste Weinkultur der Welt. Archäologische Funde aus Gadachrili Gora im Marneuli-Gebiet belegen, dass hier bereits um 6000 v. Chr. Wein hergestellt wurde – wissenschaftlich bestätigt durch ein internationales Forscherteam unter dem Biochemiker Patrick McGovern von der University of Pennsylvania. Mehr als 50 Fundstellen im ganzen Land lieferten Traubenkerne und Keramikreste als Beweis.
Das Herzstück dieser Tradition ist der Qvevri, ein eiförmiges Tongefäß, das in den Boden eingegraben wird. Dort fermentiert der Traubenmost zusammen mit Schalen, Stielen und Kernen fünf bis sechs Monate lang. Das Ergebnis ist ein Wein von einzigartiger Tiefe und Komplexität. Dieses Handwerk ist bis heute lebendig – ob bei Bauern auf dem Land oder bei Stadtbewohnern, die ihren eigenen Wein keltern. Die UNESCO hat die Qvevri-Tradition als immaterielles Kulturerbe anerkannt.
Weinrouten durch alle Regionen
Wer durch Georgien reist, begegnet überall Schildern, die zu einer Weinroute einladen. Sie führen zu großen Weingütern ebenso wie zu kleinen Familierkellern, wo handverlesene Tropfen in kleinen Mengen entstehen. Praktisch jede Region hat dabei ihre eigenen Rebsorten und Stile:
- Kakheti: aromatischer Kisi und körperreicher Saperavi
- Imereti: lebhafter Tsitska-Tsolikouri und Krakhuna
- Racha-Lechkhumi: süßer, fruchtiger Khvanchkara
- Samegrelo: beerenstarker Rotwein Ojaleshi
- Ajara und Guria: zarter Chkhaveri, ein helles Rosé
Nur in den hochalpinen Lagen Georgiens wachsen keine Reben. Überall sonst lohnt sich eine Verkostung – direkt beim Winzer, begleitet von regionalen Spezialitäten.
Eine Küche voller Charakter
Georgische Küche ist weit mehr als nur Beilage zum Wein. Jede Region hat ihre eigenen Gerichte entwickelt, viele davon mit Wurzeln, die Jahrhunderte zurückreichen. Walnüsse, Gewürze, Kräuter und Ajika – eine würzige Paste aus geräucherten Paprikaschoten – ziehen sich als roter Faden durch die georgische Küche.
Besonders bekannt ist das Khachapuri, ein mit Käse gefülltes Brot, dessen Rezept als immaterielles Kulturerbe anerkannt ist. Die bekannteste Variante aus Imereti ist flach und rund, während das Ajarian Khachapuri bootsförmig daherkommt und mit einem rohen Ei getoppt wird. In Meskhetien gibt es eine Version mit geschichtetem Teig – jede Region interpretiert das Gericht auf ihre Weise.
Regionale Highlights auf dem Teller
Wer tiefer in die georgische Küche eintaucht, sollte diese Gerichte nicht verpassen:
- Khinkali: Saftige Teigtaschen aus dem Bergland, gefüllt mit gewürztem Hackfleisch und Bergbohnenkraut – beim Essen unbedingt die Brühe im Inneren schlürfen
- Chakapuli: Ein Frühlingsgericht aus Lamm oder Kalbfleisch mit Estragon und weißem Qvevri-Wein, serviert mit „Dedas Puri“, dem traditionellen Mutterbrot
- Shkmeruli: Gebratenes Hähnchen, mariniert in Knoblauch und Milch – ein Rezept aus dem Dorf Shkmeri in Racha, das inzwischen sogar in Japan auf der Speisekarte steht
- Satsivi: Truthahn oder Hähnchen in einer cremigen Walnuss-Gewürz-Sauce, ein klassisches Festtagsgericht aus Guria
- Gebzhalia: Zarter Käse aus dem Megrelischen, mit Minze und Milchsud – ein uraltes Ritualgericht, das mit heißem Ghomi serviert wird
- Abkhazura: Mit Netz-Fett umhüllte Fleischbällchen mit Granatapfelkernen, Knoblauch und geräucherter Ajika
Wein und Gesang gehören zusammen
In Georgien ist Wein nicht nur Getränk – er ist Kulturgut. Ein großer Teil des traditionellen georgischen Polyphongesangs dreht sich um Weinberge und Ernte. Bis heute singen Bauern beim Kellern und Öffnen des Qvevri alte Volkslieder. Georgier empfangen die Geburt eines Kindes und die erste Verkostung des neuen Weins mit demselben Lied – ein Zeichen dafür, wie tief diese Tradition im Alltag verwurzelt ist.
Für Foodies ist Georgien deshalb so faszinierend: Hier verschmelzen uralte Handwerkskunst, regionale Vielfalt und eine Lebensfreude am Tisch, die man so nirgendwo sonst findet.
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