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Urlaub in Italien: Neapel, Pompeji, Amalfiküste in 4 Tagen

Neapel, Pompeji, Amalfiküste in 4 Tagen

Wenn Du so ein Angebot in der Werbung eines Tourismusveranstalters zu Gesicht bekommst, wirst Du Dich wohl fragen, ob das denn zeitlich überhaupt möglich oder sinnvoll ist. Du weißt zwar, dass Du im Bus gezielt von einem Platz zum anderen geführt wirst und nur noch hinterher zu watscheln brauchst. Alles ist durchorganisiert, mach Dir keine Sorgen! Vier Tage – plus Anreise und Rückreisetag – sind aber doch ein bisschen wenig für eine an Sehenswürdigkeiten so hochkonzentrierte Topregion. Ob sich das ohne Megastress ausgeht?

Ein Gastbeitrag von Johannes Weber

Es geht, es geht – und das sogar auf eigene Faust, ganz ohne Tourismusangebot. Ich habe es jedenfalls durchexerziert, gemeinsam mit meiner Frau und meinem Söhnemann. Du würdest neidisch werden, wenn ich Dir den niedrigen Preis verraten würde, weshalb ich das bleiben lasse. Du buchst den Flug direkt nach Neapel und reservierst ein Airbnb ein Apartment mitten in der historischen Altstadt. Sodann suchst Du Dir aus dem Internet oder einem gängigen Reiseführer ein paar Höhepunkte heraus. Mehr braucht es nicht an Vorbereitung, und dann ab in den Süden!

 

Foto: Bucht von Neapel, vom Vesuv beherrscht

 

Ich füge hinzu, dass die Reisezeit günstig war – gerade noch. Damit meine ich, dass wir am Samstag vor dem Palmsonntag abgeflogen und am Gründonnerstag wieder zurück waren, gerade rechtzeitig vor dem Osterreiseverkehr. Das Wetter war in dieser letzten Märzwoche noch etwas unterkühlt für italienische Verhältnisse, aber immerhin ca. 8 Grad wärmer als nördlich der Alpen, nämlich um die 15 Grad. Es könnte auch schon wärmer sein um diese Zeit.

Leben zwischen den Häuserschluchten

Neapel ist ein herausragender Flecken Italiens. Selbst im Land der weltweit größten Ansammlung von Kulturdenkmälern liegt die Stadt an der Spitze. Diese Position hält sie aber auch inne bei der „modernen“ italienischen Städte-Subkultur – ich würde mich aber vom Ausdruck „Slums“ deutlich distanzieren. Du kennst solche Bilder: In dicht gedrängten historischen Stadtvierteln, die ziemlich heruntergekommen sind, wohnen und überleben Menschen. Autos haben kaum Platz wenigstens in einer Richtung zu fahren, auf dem Gehsteig wird Müll gehortet und fallweise abgeholt oder auch nicht, kleine Läden fristen ihr Dasein in einer grauen Häuserschlucht, in der sich die Bewohner aus den Fenstern heraus fast die Hand reichen könnten. Hier regiert die Camorra, also die neapolitanische Mafia, wirst Du Dir spontan denken.

Foto: Neapel Häuserschluchten

 

Zur Mafia kann ich Dir nichts sagen. Sie existiert in Neapel mit Sicherheit, als Reisender bekommst Du davon aber nichts mit und wirst auch nicht behelligt. Sie mischt sich nicht in die Kleinkriminalität ein, sondern fischt in größeren Gewässern.  Wie es mit der besagten Kleinkriminalität in anderen Stadtvierteln aussieht, weiß ich nicht, aber die historische Altstadt ist keine Taschendieb-Hochburg. Zumindest als männlicher Tourist würde ich mich zu jeder Nachtzeit getrauen, von einer Pizzeria den Heimweg in die Unterkunft anzutreten. Die Menschen hier erscheinen mir ebenso friedlich wie zufrieden.

Kirchen und Paläste

Wo immer dein Hotel oder Zimmer in der Altstadt liegt, die nächste Kirche steht nebenan oder zwei Ecken weiter. Das kannst Du sie dem Taxifahrer als Orientierungshilfe für deine Unterkunft angeben, aber es ist nicht sicher, dass er sie kennt. Aber irgendwie findet er dein Plätzchen. Damit wäre ich bei Thema Auto. Einem Bekannten haben die Einheimischen auf Palermo anvertraut, dass die wilde, fast schon kriminelle Autofahrerei in Sizilien nur noch von Neapel übertrumpft wird. Das haben wir auf den ersten paar Kilometern, nämlich der Taxifahrt vom Flughafen in die Altstadt (Kosten: 20 – 25 Euro) erfahren. Dass Autofahren in diesem Stil überhaupt möglich ist, haben wir vorher nicht gewusst. Man lernt eben nie aus.

Du kannst dich in der Altstadt entweder zu Fuß oder auch mit der Metro bewegen. Nur die U-Bahn allein würde ich allerdings nicht nehmen, weil Du so die Stadt nicht kennenlernst. Dabei stellt die Metro in dieser oft schmutzigen Stadt einen völlig unerwarteten Lichtblick an penibler Sauberkeit dar. Es wäre ein interessanter Forschungsgegenstand zu eruieren, welche lokalpolitischen Hintergründe dafür verantwortlich zeichnen, dass sich diese Metro mit ihrer Sauberkeit so sehr von der restlichen Stadt mit ihren Müllproblemen und desolaten Straßen abhebt.

 

Foto: Piazza Municipio,im Hintergrund noch das Castel Nuove erkennbar

Neapel ist aber auch die Stadt er attraktiven und repräsentativen großen Plätze. Der größte und bekannteste ist die Piazza Plebiscito vor dem Königspalast (Palazzo Reale). Das Königreich Neapel-Sizilien ist dir vielleicht vom Geschichtsunterricht her noch ein Begriff, hier haben die Spanier und die französischen Bourbonen regiert. Daneben gibt es kleinere aber ebenso bekannte Plätze wie die Piazza Municipio, Bellini oder Dante.

Zurück zu den vielen Kirchen. Das von der Kirche nie anerkannte Blutwunder von San Gennaro findet dreimal im Jahr statt, aber wahrscheinlich nicht genau dann, wenn Du in der Stadt bist. Macht nichts, die Kirchen und der Dom sind Wunder genug, nämlich architektonische. Auf einem Blitzbesuch in der Stadt kannst du dir vielleicht den Dom oder die Kirche Gesù Nuovo und das gegenüberliegende Kloster Santa Chiara mit seinem märchenhaften Kreuzgang (Foto: Pergolagänge und Bänke mit bunten Majolikakacheln verkleidet).

 

Foto: Kirche Gesù Nuovo

 

Foto: Santa Chiara

Eine Besonderheit Neapels wäre seine Unterwelt. Weshalb WÄRE? Weil Du keine Zeit haben wirst, an einem Tag alles zu besichtigen. Die Stadt steht auf einem System aus Grotten und unterirdischen Gängen. Auch die Stätten des makaber anmutenden Totenkultes wären zu erwähnen bzw. zu besuchen, so man Zeit hätte und auch einigen Grusel vertragen würde.

Verlange von mir nun keine komplette Aufzählung oder gar Beschreibung der Sehenswürdigkeiten. Dafür ist die handelsübliche Reiseliteratur zuständig. Einen Ort solltest du aber nach Möglichkeit nicht auslassen: das Archäologische Nationalmuseum. Wer nur ein bisschen Interesse an den wichtigsten Kunstwerken der griechischen und römischen Antike hat, der soll sich einen Rundgang gönnen. So viele weltberühmte Werke findest du kaum irgendwo unter einem Dach. Vielleicht geht sich abends auch noch ein Spaziergang am Meer aus, vom Castel Nuovo zum Castel dell’Ovo.

Pompeji

Die gesamte Region Kampanien, vor allem aber Neapel und die antiken Sehenswürdigkeiten, sind verkehrsmäßig bestens verbunden. In allen touristischen Informationsquellen stolperst du über die eigens zum Besuch dieser Stätten verkehrende Bahnlinie der Circumvesuviana („Rund um den Vesuv“), die dich über Herkulaneum und Pompeji bis nach Sorrent bringt und im Halbstundentakt verkehrt. Ihr Ausgangspunkt ist der Hauptbahnhof Napoli Garibaldi, der gleichzeitig auch Ausgangspunkt der Metro ist. Du kannst also direkt dort umsteigen. Eine Bemerkung zu dieser nicht ausschließlich Touristen befördernden Bahn: Sie ist meistens gerammelt voll, und Du musst Dich vor Taschendieben etwas in Acht nehmen. Wenn du eine Tour auf den Vesuv einplanst – was sich an einem einzigen Tag aber nur schwer mit Pompeji verbinden lässt – dann steigst du an der Haltestelle Ercolano (Herculaneum) um auf einen Bus, der Dich bis fast ganz hinauf bringt.

 

Foto: Pompeji

Die Circumvesuviana bringt Dich wirklich bis direkt an die Grabungsstätten heran. Du kannst Dir übrigens im Internet die Eintrittskarten buchen und Dir damit eine lange Warteschlange verkürzen. In Pompeji brauchst du vor allem eines: Zeit. Die Stadt ist weitläufiger, als man sie sich vorstellt, und die einzelnen Villen mit Wandmalereien sind verstreut. Vielleicht wirst Du etwas enttäuscht sein, dass es nicht überwältigend viele Villen sind, weil manche wegen Restaurierung gerade gesperrt sind. Man bekommt einen Audio-Guide in deutscher Sprache oder kann sich natürlich auch schon in Neapel eine Führungsperson buchen, was allerdings nicht ganz billig ist. Weil man sich das Leben in der vom Vesuvausbruch begrabenen Stadt nicht mehr so genau vorstellen kann, muss die Fantasie mit Hilfe der zur Verfügung stehenden Informationen nachhelfen. Wie immer gilt: Wer sich allein durchschlängelt, bekommt die Infos nicht so bequem ohne Anstrengungen serviert wie ein Gruppenreisender mit professioneller Führung.

Paestum: Griechenland lässt grüßen

Nach unserer Rückkehr aus Pompeji (Tag 2) steigen wir am folgenden Morgen in den Schnellzug und fahren etwa eine Stunde Richtung Süden nach Salerno. Schnell abladen im Hotel, dann gleich wieder in den Zug nach Paestum, das sind nochmals 30 Minuten südwärts. Dort hält der Zug wiederum nicht unweit der berühmten griechischen Tempelanlage. Die Griechen gründeten hier eine ihrer Kolonien und nannten die Stadt Poseidonia, nach ihrem Meeresgott. Gleich drei gut erhaltene dorische Tempel überwältigen den Besucher durch ihre Größe und Formvollendung. Die Athener Akropolis verblasst dagegen beinahe. Auch im angeschlossenen Museum hat man das Gefühl, man sei in einem griechischen Nationalmuseum.

 

Foto: Paestum, griechische Tempel

Die Gegend südlich von Paestum ist das Cilento, eine der schönsten Regionen Italiens mit weißen Stränden und sauberem Wasser. Für uns leider keine Station, es fehlt die Zeit noch ist Ende März schon Badewetter. Also zurück ins Hotel nach Salerno. Diese antike Stadt haben wir uns nur als Übernachtungsort ausgesucht, weil wir am Tag 4 an der Amalfiküste entlang fahren möchten. Auf einem Abendspaziergang sehen wir aber noch den Dom und die nicht allzu große Altstadt. Voller Geschichte, gäbe es aber auch hier noch einiges mehr zu sehen.

Amalfiküste – alles Zitrone!

Nach dem Frühstück ab zum Hafen. Ein paar Tage vor Ostern, eigentlich haben wir zufällig genau den ersten Tag erwischt, nimmt der Ausflugs-Schiffverkehr seine Tätigkeit wieder auf und fährt entlang der Küste zu den schönsten Orten dieser einzigartigen Küste. Man fühlt sich ein bisschen an Cinque Terre erinnert, wo ähnlich pittoreske Dörfchen an den Steilwänden kleben. Du kannst den Schiffsfahrplan so ausnützen, dass Du in Amalfi und Positano anlegst und jeweils 2 Stunden verbringst, um dann zur nächsten Station weiter zu gondeln.

 

Foto: Amalfi

 


Foto: Amalfi Dom

 

Amalfi ist und bleibt ein grandioser Höhepunkt. Der Dom ist eine der schönsten Kirchen, die es hier gibt, vergiss aber nicht auf die Krypta. Kaum vorzustellen, dass die Stadt im Mittelalter eine Seerepublik war, die das ganze Mittelmeer mit ihrem Handel überzog. Heute lebt sie hauptsächlich vom Tourismus, dazu kommt noch die Landwirtschaft auf den Terrassen und Bergen im Hinterland. Für Wanderer mit guter Kondition und genug Zeit würden sich auf diesen Höhen grandiose Ausblicke eröffnen.

 

Foto: Positano

Doch weiter nach Positano. Dort sind wird endgültig im Land, in dem die Zitronen blühen. Im Februar und März ist die Ernte, und in Positano taucht diese besonders große Sorte der nach dem Hauptort Amalfi benannten Zitronen nicht nur in der Obststeige auf, sondern findet sich nebst unzähligen Motiven in der Souvenirindustrie auch in allerlei Süßigkeiten und Spezialitäten. Nach dem Verköstigen derselben nehmen wir nun gezwungenermaßen einen Bus, weil unser Schiffchen zu dieser Jahreszeit noch nicht um die ganze Halbinsel herumfährt, um auf die andere Seite nach Sorrent(o) zu kommen. Als wir einsteigen – die Buskarten sind ebenso wie Bahnkarten vorher zu kaufen -, torkelt uns eine Japanerin entgegen, der es speiübel ist. Fünfhundert Meter Höhenunterschied und Kurven der wildesten Krümmungen sind eben gewöhnungsbedürftig für Leute, die ansonsten nur im Flachland unterwegs sind. Die Straßenroute übertrifft noch so manche Hochalpenpiste.

 

Foto: Alles Zitrone

 

Foto: Positano, Zitronen-Süßigkeiten

 

Auch Sorrent ist einen Besuch wert. Die Stadt ist allerdings wesentlich größer als die ehemaligen Fischerörtchen an der Steilküste. Shopping umfasst hier wieder mehr als nur den Souvenirkram und die Stadt ist zwar hoch über einem Felsen, aber auf einem ebenen Plateau. Hier ist Schluss mit Treppensteigen.

Und was erwartet uns in Sorrent als Ausklang unserer Reise? Die gute alte Circumvesuviana. Diesmal haben wir aber einen fixen Sitzplatz, schließlich ist Sorrent der Startbahnhof, wenn man nach Neapel zurückfährt.

 

Neapel in 4 Tagen, das ist also möglich. Auch für Alleinreisende.

 


 

Danke für den Gastbeitrag von Johannes Weber

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Eine Antwort auf Urlaub in Italien: Neapel, Pompeji, Amalfiküste in 4 Tagen

  1. Ein richtig praktischer KurzReiseführer, danke sehr!

    Und flott geschrieben außerdem!

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