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Tansania: Sehnsucht nach der Gewürzinsel Sansibar

Stefan Schütter berichtet in seinem Gastbeitrag von seinem Besuch auf der Insel Sansibar / Tansania.

Sehnsucht nach Sansibar – dort, wo der Pfeffer wächst

Den Abschluss unserer Tansania-Reise sollten drei Tage auf der legendären Gewürzinsel mit dem UNESCO-Weltkulturerbe Stonetown sein. Im Vorfeld waren jedoch noch ein paar kleinere Probleme zu lösen.

Eine standesgemäße Überfahrt auf das nur 46 km Luftlinie entfernte Sansibar-Archipel konnte unserer Meinung nach eigentlich nur vom geschichtsträchtigen Ort Bagamoyo, der kurzzeitigen kolonialen Hauptstadt von Deutsch-Ostafrika, auf einer Dhau, einem traditionellen Lastensegler, erfolgen. Bei der Vorplanung schien das auch nicht weiter schwierig zu sein. Daher waren wir guter Dinge, als wir schließlich an der Swahili-Coast entlang auf dem Weg nach Bagamoyo waren.

 

Die Swahili-Coast ist von zahlreichen Sandkrabben bevölkert. Mit etwas Geduld kann man sie gut beobachten.

Übernachtung mit Hindernissen

Die Fahrt in der einsetzenden Dämmerung führte an vielen Dörfern vorbei, wo die Leute vor ihren Hütten saßen und wir die zahlreichen Holzkohlefeuer riechen konnten. 10 km vor Bagamoyo war die Straße sogar wieder geteert. In völliger Dunkelheit fanden wir mit Hilfe von Dirks Smartphone-App „Osmand“, die kostenlos und internetunabhängig ist, problemlos den kürzesten Weg durch die Stadt und weiter ins 15 km entfernte Fischerdorf Mlingotini. Dort standen wir schließlich vor dem verschlossenen Tor der Bomani Beach Bungalows. Erst rührte sich nichts, als wir hupten, öffnete sich aber eine kleine Tür im Tor und ein Mann im Blaumann kam heraus. Er sprach kaum Englisch und erklärte zunächst man sei total ausgebucht und wollte uns wegschicken. Als wir einfach stehen blieben, gestand er schließlich, dass kein einziger Gast dort sei und er als Torwächter mit zwei Hunden allein auf dem Gelände wäre.

Er ließ uns dann doch ein und bat uns zu warten. Nach einer Viertelstunde kam dann Lucrenzia aus dem Dorf, die gut Englisch sprach. Sie gab uns ein Zimmer, bedauerte, dass das Restaurant des Resorts geschlossen habe, öffnete aber immerhin die Bar. Da wir keine Lust hatten zurück ins Dorf zu fahren, wo die meisten Geschäfte sowieso schon geschlossen hatten, gab es zum Abendessen kaltes Bier und Fanta sowie eine Rolle Pringles aus der Bar und einen Beutel geröstete Erdnüsse mit pikanter Ummantelung, die wir schon in Arusha als Notration gekauft hatten. Während wir sie mit Lucrenzia zusammen knabberten, erzählte sie vom schlechten Geschäftsjahr 2016 aufgrund der staatlichen Preiserhöhungen. Die Besitzerin des Resorts, die Norwegerin Solfrid Gjengset, genannt „Mama Bomani“, habe in der vergangenen Woche erst vier Mitarbeiter entlassen müssen. Auch die hauseigene Dhau sei leider noch nicht aus der Werft zurück. Aufgrund eines Wassereinbruchs war sie zur Reparatur nach Nungwi im Norden von Sansibar bzw. „Unguja“, wie die Hauptinsel des Archipels vor der Küste korrekterweise heißt, gebracht worden. Die Arbeiten hatten Ende September abgeschlossen sein sollen, zögen sich aber noch immer hin. Als Alternative schlug sie ein kleines Fischerboot vor, die Überfahrt mit Segel könne aber bis zu zehn Stunden dauern. Wir vertagten die Frage und gingen erst mal zu Bett.

 

Die „Old Boma“, das alte Fort, ist eines der zahlreichen Kolonialgebäude von Bagamoyo, das von 1888 bis 1891 die Hauptstadt von Deutsch-Ostafrika war.

Erkundungen vor Ort

Nach dem Frühstück, das wir auf der großen Terrasse mit Meerblick einnahmen, sprachen wir mit dem Manager. Er erklärte es gebe in Bagamoyo eine Dhau, die uns für 240 US$ nach Stonetown bringen würde. Am Vortag hatte uns Alexander aber erzählt, dass er bei Bedarf für Ausflüge oder einen Transfer nach Nungwi in Pangani eine Dhau für 140 US$ pro Tag mieten könne. Der Schiffseigner in Bagamoyo ließ sich auf Nachfrage aber weder auf 150 US$ noch auf 180 US$ ein, mit dem Argument er brauche allein 80 Liter Benzin (kostet ca. 75 Cent pro Liter) und die Dhau gehöre seinem Vater, der wie er selbst Profit machen wolle.

Nach dem Frühstück erkundeten wir den Strand vor der Bungalow-Anlage. Dort werkelten einige Fischer an ihren Dhaus, die teilweise so aussahen als würden sie nie wieder seetüchtig. Die einsetzten Werkzeuge waren sehr einfach, so bestand die „Bohrmaschine“ zum Beispiel aus einem langen Metallbohrer mit einer Spindel, die mit Hilfe eines Bogens über dessen Sehne manuell in Rotation versetzt wurde. Ergänzend dazu gab es Hammer, Stecheisen und eine Axt. Die farbigen Lacke für den Rumpfanstrich tropften einfach in den Sand, der ohnehin schon ziemlich vermüllt war und einen faulig-moderigen Geruch verströmte. Wir sahen auch einen Hirten, der seine Kuh- und Ziegenherde über den Strand trieb und im flachen Wasser steckten zwei Männer angespitzte Holzpflöcke in den Grund und spannten Leinen dazwischen, an die sie kleine Algenbündel banden. Außerdem entdeckten wir in kleinen Gezeitentümpeln viele, flache Krabben, die vorsichtig aus ihren Sandverstecken kamen und sich bei Gefahr in 1-2 Sekunden mit dem Hinterteil voran wieder eingruben.

Gegen Mittag fuhren wir nach Bagamoyo und parkten dort auf einer Wiese an der „Old Boma“, dem ehemaligen Amtssitz der deutschen kolonialen Bezirksverwaltung. Das Gebäude war ziemlich baufällig, trotzdem standen dort Schilder mit roter Aufschrift, die besagten, dass man es ohne (kostenpflichtige) Genehmigung nicht fotografieren dürfe. Wir querten dann die 2006 mit schwedischem Geld neu gepflasterte India Street, die historische Kaiserstraße, und gingen hinunter zum Strand und weiter zum alten Dhau-Hafen. Dort fand gerade die Fischversteigerung statt. Dazu hatten etwa 200 Leute mit Plastikeimern einen Kreis um die drei Auktionatoren gebildet, die die fangfrische Ware tütenweise verkauften. Auf dem Wasser davor ankerten die Auslegerboote der Fischer. Eines wurde gerade von sechs Männern auf den Strand gezogen, während ein anderer Mann drei große Rochen, die er gefangen hatte, an ihren Schwänzen im flachen Wasser hinter sich herzog.

Wir gingen noch ein Stück den Strand entlang und bogen dann wieder zur India Street ab. Die alten Gebäude, die die Straße säumten, waren oft nur noch stark beschädigte Ruinen, aber es gab auch ein paar restaurierte Häuser. In einem davon war das Firefly Bagamoyo eingezogen, eine Backpacker-Unterkunft mit einem kleinen Pool, leiser Chillout-Musik, Hängematten unter schattigen Bäumen und einer sehr entspannten Atmosphäre. Die jungen, überwiegend weiblichen Gäste, die wahrscheinlich zu dem im Hof parkenden Overland-Truck gehörten, saßen auf gemütlichen Matratzen und waren ausnahmslos mit Smartphones oder Macbooks ausgestattet und alle online. Die etwa 40-jährige Besitzerin mit langen zum Zopf geflochtenen Rasterlocken, einem blauen Batik-Kleid und einem Stern-Tattoo am Knöchel, saß an einem kleinen Tisch, das Smartphone ebenfalls immer griffbereit. Wir fragten sie nach der Möglichkeit einer Überfahrt nach Stonetown auf einer Dhau. Sie sagte ihre eigene Dhau lege erst in fünf Tagen am Montag ab, aber sie kenne einen Kapitän, den sie kurz anrief. Eine Viertelstunde später kam dieser persönlich vorbei und bot an uns um Mitternacht mitzunehmen, am nächsten Morgen seien wir dann da. Die Schiffspassage zusammen mit einer Ladung Tomaten sollte 70.000 TSh pro Person kosten. Alternativ bot er an erst am nächsten Morgen um 6 Uhr, spätestens aber um 7 Uhr loszufahren, danach sei die Ebbe zu weit fortgeschritten. Für den Transport von uns und unserem Gepäck von Mlingotini zum Hafen schlug er die örtlichen Bodaboda mit ihren Motorrädern vor. Da also die Logistik recht aufwändig gewesen wäre und zudem die „Einreise“ in das halbautonome Sansibar bei einem solchen Transfer via Lastendhau kompliziert werden kann, lehnten wir letztlich, trotz aller Überzeugungsversuche des Kapitäns, dankend ab.

Zurück in Bomani redeten wir dann noch einmal mit dem Manager. Er sagte zu, dass uns der Fahrer der Bungalows am nächsten Tag zum Fährhafen von Dar-es-Salam bringen würde. Aufgrund der zu erwartenden Staus in der größten Stadt des Landes mit 4,3 Millionen Einwohnern wurde die Abfahrt auf 10 Uhr festgelegt. Zwei Stunden vor dem vereinbarten Termin um 19 Uhr traf dann auch Didas von der Autovermietung ein, er hat mit Gladiola Adventures Ltd. ein eigenes kleines Reiseunternehmen und kooperiert mit Andrew von Roadtrip Tansania. Die Übergabe des RAV4 war problemlos, wir erhielten die Kaution zurück sowie die Miete für zwei Tage und die Reparaturkosten in US$. Als Didas losgefahren war, nahmen wir noch ein kurzes Bad im Meer und gingen anschließend zum Abendessen. Es gab Meeresfrüchtesalat und fangfrischen Kingfish (Makrele).

 

Stonetown, die historische Altstadt von Sansibar-Stadt, zählt seit dem Jahr 2000 zum UNESCO-Weltkulturerbe.

Auf zur Fähre

Wir frühstückten gemütlich und packten dann unsere Sachen. Um 10 Uhr starteten wir nach Dar-es-Salam und machten unterwegs noch einen Stopp an einem neuen Einkaufszentrum im Vorort Tegeta, mit englischem Rasen auf dem Parkplatz und einem ATM. Der Fahrer erzählte außer sonntags herrsche in der Hafenmetropole eigentlich immer Stau und auch wir standen mehrfach minutenlang. Die insgesamt 70 km bis zum Fährhafen waren aber schließlich bis 12.30 Uhr bewältigt. Dort angekommen dauerte es nur Sekunden, bis wir von allen Seiten bedrängt wurden. Die Männer, die uns vollständig umringten, wollten zum Beispiel unser Gepäck tragen oder uns den Weg zum richtigen Schiff zeigen. Wir lehnten aber dankend ab und flüchteten schnell ins Gebäude der Kilimanjaro Fast Ferries Ltd., wo in zehn Minuten die nächste Schnellfähre ablegte. Da die Economy Class für 35 US$ angeblich ausgebucht war, gönnten wir uns die Business Class für 40 US$ mit breiteren Sitzabständen. Die Dame am Ticketschalter warf unsere Geldscheine einfach achtlos in eine schon sehr gut damit gefüllte Schublade und als wir gerade an Bord waren legte der Katamaran auch schon ab. Neben uns saß eine junge Kanadierin, die gerade ihre Eltern vom Fährhafen abgeholt hatte und in Stonetown wohnte. Sie erzählte von einer Freundin die per Sonar die Pottwale (sperm whales) des Archipels erforsche und dabei regelmäßig „höre“, dass dort noch immer illegal mit Dynamit gefischt wurde.

In Stonetown angekommen wurden die Container mit dem Gepäck dann über eine steile Rampe entladen. Ein Mann vorne und einer hinten lenkten dabei jeden Container, als Bremse lag unten ein dickes Tau, das die Räder abrupt stoppte. Der Arbeiter hinter bzw. unter dem Container wurde von dessen Gewicht sozusagen die Rampe hinunter geschoben und musste immer rechtzeitig über das Tau springen. Nachdem wir, obwohl im selben Land geblieben, einen Einreisestempel für Sansibar im Pass erhalten hatten, nahmen wir ein Taxi, obwohl das Hotel nur etwa einen Kilometer entfernt war. Aufgrund des Staus auf der Straße am Hafen wären wir aber zu Fuß mindestens genauso schnell gewesen.

Im Hotel machten wir erst Pause am Pool. Am Abend gingen wir dann in die nahen Forodhani Gardens, die direkt am Meer liegen und 2009 umfassend renoviert wurden. Wenn die Sonne untergeht, wird dort ein Nachtmarkt mit zahlreichen Garküchen aufgebaut. Fast alle bieten die beliebten Sansibar-Pizzas an. Bei der Zubereitung wird zuerst eine kleine Teigkugel zu einem hauchdünnen Rechteck ausgerollt und gezogen, dann mit Gemüse, Fisch oder auch Früchten, Nutella sowie diversen Kombinationen von allem gefüllt, zugeklappt und für einige Minuten mit etwas Öl in einer Pfanne auf einem Kohleofen gebraten. Diese Spezialität ähnelt einem Crêpe, ist allerdings reichlicher gefüllt und nicht so kunstvoll zusammengeklappt. Um satt zu werden, muss man zwei davon essen. Die Preise reichten von 4.000 TSh für eine Gemüsepizza bis hin zu 10.000 TSh für eine Füllung aus Octopus oder Barrakuda. Ein beliebtes Getränk dazu ist Zuckerrohrsaft, der an den Ständen frisch gepresst wurde. Da der Saft zur Kühlung aber über einen großen Eisblock läuft, ist der Genuss für den eigenen Magen nicht ohne Risiko. Wir verzichteten daher auf eine Verkostung und bummelten stattdessen noch durch die Gassen von Stonetown. Durch das schummrige Licht der Laternen kam der morbide Charme der Altstadt, die seit dem Jahr 2000 zum UNESCO-Weltkulturerbe zählt, besonders gut zur Geltung. Die Geschäfte waren zwar zu, aber die Bewohner versammelten sich vor den Häusern und saßen oder lagen dort auf den Simsen. Die Leute waren sehr nett und wiesen uns auch die Richtung zurück zu den Forodhani Gardens, als wir ein wenig die Orientierung verloren hatten, obwohl das Gebiet mit den verwinkelten Gassen insgesamt nicht wirklich groß ist.

 

Ein beliebter Ausflug ist eine „Spice Tour“ auf eine Obst- und Gemüseplantage, wo unter anderem Muskatnüsse wachsen.

Dahin, wo der Pfeffer wächst

Um 9.15 Uhr brach ich zu einer „Spice Tour“ auf. Den beliebten halbtägigen Ausflug für 20 US$ kann man machen, man verpasst aber auch nicht wirklich etwas, wenn man darauf verzichtet. Wir fuhren mit den Minibus etwa 15 km aus Stonetown heraus zu einer Obst- und Gemüseplantage, wo es einen kleinen Rundweg mit vielen verschiedenen Nutzpflanzen gab. Man erfuhr zum Beispiel, dass eine Ananaspflanze erst sechs Monate wachsen muss, danach aber nach jeweils sechs Monaten eine Frucht trägt, die geerntet werden kann. Außerdem erklärte der Führer an einer Pfefferpflanze, die sich wie eine Liane um einen Baum schlang, dass grüne, rote, weiße und schwarze Pfefferkörner alle von ein- und derselben Pflanze stammen. Die Farbe hängt allein vom Erntezeitpunkt und der Weiterverarbeitung ab. Früh gepflückt sind die Körner grün und reif gepflückt rot, trocknet man sie anschließend in der Sonne werden sie schwarz und wenn man sie dann noch schält, sind sie weiß. Auch ein Nelkenbaum war zu sehen, dessen ungeöffnete Blütenknospen zu dem bekannten Gewürz werden. Die nur in den Tropen wachsenden Bäume wurden 1820 aus Mauritius nach Sansibar eingeführt. Für die daraufhin angelegten Plantagen musste der Urwald großflächig weichen. Zunächst machten der Sultan und die Araber der Insel damit gute Gewinne, heute ist der Anbau durch den niedrigen Weltmarktpreis aber unattraktiv geworden. Zum Abschluss des Rundgangs konnte man dann diverse Gewürzmischungen sowie Seife oder Massageöl kaufen.

Nach einem einfachen Mittagessen, bei dem die Gewürzmischungen nur spärlich eingesetzt wurden, fuhren wir weiter zum Strand von Mangapwani, 26 km nördlich von Stonetown. Er war zum Baden nur mäßig attraktiv und die ersten, die ins trübe Wasser gingen, traten gleich auf einen Stachelrochen, der sich dort versteckt hatte. Der kleine Unfall hatte aber keine schlimmen Folgen. Auf den anschließend möglichen Besuch der Sklavenhöhlen (2.000 TSh Entrance Fee) verzichtete die Gruppe dann.

Zurück im Hotel konnten wir bei einer ausgedehnten Mittagspause der Stadtjugend zusehen, die sich am Strand versammelt hatte und im Sand und im Wasser akrobatische Kunststückchen perfektionierte. Vom Handstand übers Rad schlagen bis hin zu diversen Salti war alles dabei. Am Nachmittag besuchten wir dann noch einmal Stonetown und bemerkten, dass es auch von zahlreichen Katzen bewohnt wird. Für das Abendessen hatten wir morgens beim Sambusa Two Tables angerufen und einen Tisch reserviert. Dort serviert eine Familie in ihrem Haus an zwei Tischen traditionelle sansibarische Küche. Gegen Mittag hatte unser Hotel aber einen Rückruf erhalten und unsere Reservierung war ohne Angaben von Gründen storniert worden. Also gingen wir zum Pizza essen ins Amore Mio mit einer fast verwaisten Terrasse direkt über dem Strand. Glücklicherweise hatten wir uns gegen die allgegen-wärtigen Mücken gut eingesprüht. Zum Ausklang des Abends lauschten wir noch einem Konzert von DJ Smadj aus Paris, der im Rahmen eines Musikfestivals live am Strand spielte.

 

Dieses unspektakuläre Gebäude am Rande von Stonetown ist das Geburtshaus von Freddie Mercury, dem weltberühmten Sänger von Queen.

Geschichtsträchtiges Stonetown

Nach dem guten Frühstück deponierten wir unsere Koffer im Gepäckraum des Hotels und setzen uns zunächst eine Weile an den Hotelstrand. Dann machten wir noch einen letzten Rundgang durch Stonetown. Nach nur wenigen Meter kamen wir am Geburtshaus von Freddy Mercury vorbei, der dort 1946 als Farrokh Bulsara geboren wurde und mit seinen aus Indien stammenden, parsischen Eltern Bomi und Jer sowie seiner Schwester in Stonetown wohnte, bis er acht Jahre alt war und auf die St. Peter’s english boarding school in Indien geschickt wurde. In dieser Zeit begannen seine Freunde ihn Freddie zu nennen und in den Ferien besuchte er oft seine Eltern. 1962 kehrte er nach Sansibar zurück. 1964 verließen aber die Bulsaras wie viele andere britische und indische Familien die Insel und Freddie gelangte auf eine andere Insel: Großbritannien. Dort begann sein Leben als Rockstar, nachdem er an der Uni mit seinen Kommilitonen die Band „Queen“ gegründet hatte, die bald zu Weltruhm gelangte. Auch als Star besuchte Mercury Verwandte und einen alten Freund in Stonetown und wohnte dabei in seinem Elternhaus, wie dort eine Tafel an der Hauswand berichtet.

Obwohl es ein heißer Tag war, war es im Schatten der engen Gassen angenehm kühl. Da dort kein Auto hindurchpasste, sahen wir an einem Zugang zur Altstadt, wie ein Träger eine Europalette Wasserflaschen auf seinen einachsigen Handkarren umlud, um sie damit die letzten Meter zum Laden zu transportieren.

Wir gingen dann weiter zur Anglikanischen Kathedrale, die 1887 auf dem ehemaligen Sklavenmarkt im Zentrum von Stonetown erbaut wurde. Auf dem Gelände gibt es auch eine kleine Ausstellung zur Geschichte der Sklaven auf Sansibar. Dort erfuhr man zum Beispiel, dass der berühmte und gefürchtete Sklavenhändler Tippu Tip, dessen imposantes, inzwischen aber ziemlich baufälliges Haus man heute noch von außen anschauen kann, von 1837 bis 1905 lebte. Geboren als Hamad bin Muhammad bin Jumah bin Rajab bin Mohammad bin Said al-Murghabi bekam er seinen Spitznamen nach dem Geräusch, das seine Pistolen machten. Sein Vater war ein erfolgreicher Händler auf den Karawanenrouten und seine Mutter gehörte der herrschenden Klasse der Omani an. Tippu Tip selbst wurde in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts der mächtigste Händler in Zentralafrika und der führende Elfenbeinlieferant. Michel W. Shepard, ein Händler, der Sansibar 1844 besuchte, vermerkte dazu in seinem Tagebuch: … Es ist üblich zu einem Stoßzahn einen Sklaven dazu zu kaufen, der ihn zum Hafen trägt. Dann wird beides nach Sansibar gebracht und dort verkauft.

Tippu Tip hatte auf dem Höhepunkt seiner Macht mehr Männer und Waffen unter seinem Kommando als alle anderen Händler und Stammeschefs der Umgebung zusammen. Aufgrund seiner geschäftlichen und politischen Fähigkeiten traf er auch viele europäische Entdecker und unterstützte sie bei ihren Expeditionen, so dass er in ihren Kreisen einen guten Ruf genoß. Ganze Gegenden unter seiner Kontrolle wurden aber komplett entvölkert, um den Nachschub an Sklaven und Elfenbein zu sichern. Seine Macht sicherte auch eine Gruppe von loyalen arabischen und Swahili-Führern. Zu letzteren zählte zum Beispiel Rumaliza, der Sultan von Ujiji in Nyasaland an den großen Seen.

Die Abschaffung der Sklaverei im und am Indischen Ozean trieben letztlich ironischerweise ausgerechnet die Briten voran, die den atlantischen Sklavenhandel 250 Jahre zuvor eingeführt und seit Mitte des 16. Jahrhunderts für 200 Jahre dominiert hatten. Am 5. Juni 1873 wurde der Sklavenhandel auf Sansibar verboten und alle Märkte geschlossen. Auch der Schiffstransport war verboten und bald darauf untersagte ein Abkommen zwischen Großbritannien und dem Sultan Barghash auch alle Sklavenkarawanen an Land. In einem Keller neben der Kathedrale kann man noch heute eine kleine, niedrige Zelle für 75 Sklaven besichtigen.

Im Anschluss besichtige ich noch das Beit el Ajaib bzw. das House of Wonders an den Forodhani Gardens. Der ehemalige Palast des sansibarischen Sultans beherbergt heute das Museum of History and Culture mit einer sehr überschaubaren Ausstellung im 1970-er Jahre Stil mit vergilbten Fotos und verstaubten Exponaten. Im riesigen Foyer des herunter gekommenen Hauses, das aber gerade renoviert wird, steht eine alte Dhau. An der Wand befindet sich der erste Aufzug Ostafrikas, eines der Wunder des Hauses, der aber nicht mehr funktionstüchtig ist. Auch das offizielle, recht unscheinbare Auto des ersten Präsidenten der Sansibarischen Revolutionsregierung, Sheikh Abeid Amani Karume, der 1964-1972 amtierte, ist zu sehen. Der Palast selbst war in den kürzesten Krieg der Geschichte involviert, der am 27. August 1896 von 9 Uhr bis 9.38 Uhr dauerte. Sansibar war 1890 Britisches Protektorat geworden, aber sechs Jahre später versuchte sich Sheikh Khalid bin Barghash Al-Busaid, der älteste Sohn des zweiten Sultans von Sansibar, selbst zum Sultan auszurufen. Daraufhin beschossen die Briten das House of Wonders für eine gute halbe Stunde. Dabei wurde der Palast schwer beschädigt und viele Menschen getötet. Der „Sultan“ flüchtete daraufhin ins Deutsche Konsulat und der „Blitzkrieg“ war zu Ende.

Zum Abschluss der Reise ging ich für einen Sundowner noch ins noble Hotel „Emerson on Hurumzi“. Da nur wenige Gäste zum Dinner angemeldet waren, durfte ich nach Rücksprache mit dem Manager auf die luxuriöse Dachterrasse und trank dort eine Cola zum sehr fairen Preis von 1 US$. Zum Abendessen gingen wir dann in ein sansibarisches Restaurant mit einem 3 Gang-Menü mit Meeresfrüchten, wahlweise auch mit einem halben Hummer. Die Zeit bis Mitternacht verbrachten wir anschließend auf der Terrasse unseres Hotels.

 

Der nächtliche Rückflug beinhaltete auch eine Zwischenlandung auf dem Kilimanjaro Airport in Aruhsa, dem Startpunkt unserer Reise.

Nachtflug nach Deutschland

Als wir ein Taxi für die Fahrt zum 7 km entfernten Flughafen nehmen wollten, verlangte der Fahrer erst 40 US$ und dann 30 U$. Auf unseren Einwand, dass es für diese Strecke einen festgelegten Einheitspreis von 20.000 TSh bzw. 20 US$ gibt, entgegnete er, dass jetzt aber der Nachttarif gelte. Schließlich fuhr er aber doch für unser Restgeld in Höhe von 21.800 TSh. Unterwegs ging dann aber zwei Mal der Motor aus, weil der Tank fast völlig leer war, wie sich herausstellte. Der Fahrer tankte dann ganze vier Liter und bat am Flughafen um 5.000 TSh mehr, also gaben wir ihm noch 2 US$. Am Check-in war nichts los und der Scanner war so fein eingestellt, dass die metallenen Schnürsenkel-Ösen meiner Schuhe ausreichten, um Alarm auszulösen.

Da die Maschine nur zu knapp einem Drittel besetzt war, bekam ich von der Stewardess kurzfristig einen Platz am Notausgang. Wir starteten um 3.00 Uhr (MEZ +2) morgens und nach einem 45-minütigen Stopp am Kilimanjaro Airport flogen wir weiter nach Nairobi, wo wir bei 16 °C und leichtem Nebel planmäßig um 5.40 Uhr landeten. Als wir dort das Gate für den Weiterflug erreichten, war der Sitzbereich noch verschlossen. Die Langstrecken-maschine von Kenya Airways, eine moderne Boeing 787-8 Dreamliner, war dann fast ausgebucht und landete nach 8 Stunden und 35 Minuten ganze zehn Minuten zu früh um 14.40 Uhr (MEZ) bei 4 °C in Amsterdam. Um 17.10 Uhr ging es dann weiter ins -2 °C kalte Düsseldorf. Dort hatte wie an jedem ersten Sonntag im Monat bis 18 Uhr ein Erlebnisevent in der Abflughalle stattgefunden, dieses Mal unter dem Motto „Airport on Ice“. Am Gepäckband stellte sich noch heraus, dass Wolfgangs Koffer in Nairobi liegen geblieben war, aber nachgeliefert werden würde. Um 19.45 Uhr war ich dann endlich wieder zu Hause in Bochum.

 

Danke für diesen Gastbeitrag an Stefan Schütter. Besuch ihn auf seinem Reiseblog https://www.foto-reise-welt.de

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