Semana Santa in Granada (2): Unglaubliche Lebensfreude zum Anfassen

EnglishFrenchGermanSpanishItalianAfrikaansArabicDutchGreekPortugueseSerbianSlovenian
Andalusien, Semana Santa in Granada, Prozession - Bild copyright Alwin Pelzer - 2

Erlebe mit mir die Semana Santa – ein ergreifendes Ritual der Buße aber auch der ausgelassenen Lebensfreude. Lass Dich inspirieren von einer Vielzahl an Gedanken zu einem humanen Menschenbild, auf eine Allegorie an den Wertewandel unserer Zeit und eine Symbiose aus christlichen und islamischen Glaubenselementen.

Fortsetzung von Teil 1: Andalusien: Semana Santa in Granada – ein mentaler Ausnahmezustand

Prozessionsweg 2, die Strukturen lösen sich auf:

Die Cuesta de Gomérez gehört zu den emblematischen Straßen Granadas, hier beginnt der Anstieg zur Alhambra: steil und eng. Die Prozession stockt, verliert ihre Ordnung. Die Costaleros stöhnen unter der Last der Steigung (6% bis 23%) und müssen immer wieder ausgetauscht werden. Spektakulär und emotionsgeladen, die enge Straße wird zum Schauplatz religiöser Inbrunst und Hingabe. Schmerz und andächtige Zurückgezogenheit beim Gedenken der Kreuzigung Christi mischen sich mit dem farbenprächtigen Zauber der Prozession.

Cuesta de Gomérez, Anstieg zur Alhambra – Bild: Alwin Pelzer

Sänger/innen auf den Balkonen am Umzugsweg: Saetas (zu Deutsch: Pfeile) heißen die gesungenen Stoßgebete. Und wie beim Flamenco durchbrechen die Zuhörer ihr andächtiges Zuhören schon mal durch ein anstachelndes Ay! Wenn der akustische Pfeil von der Sehne ist, kann durchaus noch ein Olé! folgen. Die Prozession zieht weiter. Der Paso schwankt und wackelt.

Von den Balkonen ertönen Saetas – Bild: Alwin Pelzer

So stelle ich mir die Gassen Jerusalems zu Lebzeiten Jesu vor. Dieser Weg ist atmosphärisch ganz nah dran am Schauplatz der Passionsgeschichte. Er scheint direkt nach Golgatha zu führen.

Die strenge Ordnung löst sich auf, jetzt bist Du wirklich hautnah an den Akteuren, am Paso. Auf „Tuchfühlung“ mit den Nazarenos, hier holen sich die Kinder ihre Bola Cera.

Kinder sammeln Wachs der Kerzen auf Kugeln: Bola de Cera – Bild: Alwin Pelzer

Weihrauchschwaden hüllen Dich in einen Nebel aus Wohlgerüchen. Der Granada „Oster-Wohlgeruch“ aus Weihrauch und blühende Orangenbäumen überwältigt Dich.

In Gedanken versunken frage ich mich, was es wohl damals mit den Augenzeugen am eigentlichen Karfreitag auf der Via Dolorosa gemacht hat, beim Anblick des Gemarterten mit der Dornenkrone, der sein schweres Holzkreuz zur Stätte seines Todes schleppt.

Oster – Wohl – Geruch – Bild: Alwin Pelzer

Das Fundament Deiner Emotionen bebt unter Deinen Füssen.

 

Mitten im Prozessionszug – Bild: Alwin Pelzer

Am Ende der Cuesta de Gomérez bildet die Puerta de las Granadas (Granatapfeltor) den Übergang zu den Alleen der Alhambra und schließt an deren Mauern an. Dieses Stadttor (anstelle des früheren islamischen Tores “Bib al-Buxar” bzw. “Tor der freundlichen Kunden”) ist zugleich ein Nadelöhr des Prozessionsweges und es dauert geraume Zeit bis der Paso millimetergenau hindurch manövriert ist.

So habe ich genügend Zeit mich mit dem weiteren Verlauf der Strecke vertraut zu machen. Die Pappelalleen der Alhambra, dicht bewachsener Wald zu Zeiten der christlichen Eroberung, wurden im Laufe der Zeit mehrmals umgestaltet, zuletzt im 19. Jahrhundert.

Am Puerta de las Granadas – Bild: Alwin Pelzer

Weiter oben auf der linken Seite am Brunnenbecken Karls V. (Pilar de Carlos V), gleich an der Esplanade des Tores der Gerechtigkeit finde ich einen neuen Beobachtungspunkt. Hier findet die Prozession ihren finalen Höhepunkt. Tausende Menschen, mit ebenso vielen leuchtenden Handys,  schauen gebannt auf das herrliche Schauspiel, das uns hier am Gerechtigkeitstor geboten wird.

Tor der Gerechtigkeit – Bild: Alwin Pelzer

Der Turm der Gerechtigkeit (Torre de la Justicia) steht an der südlichen Ummauerung der Festungsanlage und ist der heutige Haupteingang zur Alhambra. Laut einer Inschrift oberhalb des inneren Torbogens ließ ihn Jusuf I. (1333-1353) als „Bib Axarea“ oder „Esplanaden-Tor“ (Puerta de la Explanada) erbauen. Er wurde im Juni 1348 fertig gestellt.

Flächen aus unterschiedlichen Ziegeln bilden die Fassade. Darin befindet sich ein großer Hufeisenbogen mit gewölbtem Sturz und einer im marmornen Schlussstein eingemeißelten Hand.

Schutz vor dem bösen Blick? – Bild Alwin Pelzer

Manche interpretieren sie als Schutz vor dem bösen Blick, andere sehen darin das Symbol des Korans, da die fünf Finger den fünf Säulen entsprechen: das Glaubensbekenntnis, das Gebet, das Fasten, die Abgabe sowie die Pilgerfahrt nach Mekka mindestens einmal im Leben.

Und da ist sie wieder: diese Symbiose aus islamischer Architektur und christlichen Traditionen.

Vor dem Tor der Gerechtigkeit – Bild: Alwin Pelzer

Eine Allegorie auf unsere Zeit?

Unwillkürlich drängen sich in mir Gedanken auf nach dem übertragenen Sinn: Sind die beiden Pole des geordneten, verlässlichen Prozessionsweges und der sich auflösenden Strukturen im 2. Teil Allegorien auf unsere Zeit? Eine gefestigte, sittenstrenge Glaubensmacht Kirche über Jahrhunderte Leitbild für viele Generationen mit nun sich auflösenden Tendenzen. Brauchen wir noch eine Kirche? Wer erhebt heute seine Stimme im rasch voranschreitenden Wertewandel, veränderten Familienstrukturen und künstlicher Intelligenz?

Das große Finale am Tor der Gerechtigkeit, der Paso kehrt zurück – Bild: Alwin Pelzer

Eine Allegorie der Weltanschauungen?

Granada und die Alhambra, ihre Gebäude, Straßen, Plätze und Ecken sind der beste Ort, um die Leidenschaft, Tod und Auferstehung Jesu jedes Jahr wieder zu beleben. Granada war immer eine Stadt der Künstler, Wiege sehr wichtiger Schulen der Malerei und Bildhauerei. Seit Generationen wird mit voller Hingabe, aus tiefem Herzen auch der Königin Isabell I. gedacht, die die „Madonna des Kummers“ sehr verehrte (Am 2. Januar 1942 endet nach ca. 800 Jahren die muslimische Herrschaft auf der iberischen Halbinsel mit der Übergabe von Granada an Isabella I. und Ferdinand V. von Kastilien).

Die Alhambra auf dem Sabikah Hügel ist eines der bedeutendsten Beispiele für maurische Architektur und islamische Kunst – Weltkulturerbe seit 1984. Die Alhambra ist mehr als nur eine Festung, sie ist ein Symbol der Stadt, verbunden mit der Verpflichtung, kulturelles Erbe zu bewahren und das friedliche Miteinander der Religionen und Verständnis untereinander zu fördern. Die Semana Santa kann hierzu ihren Teil beitragen. Wie nun unzählige Male beschrieben, mischen sich in Granada christliche und maurisch/islamische Spuren.

Mentaler Ausnahmezustand – Bild: Alwin Pelzer

Der „Synodale Weg“ bei uns in Deutschland stellt Dialog und Ausgleich in den Vordergrund und sucht nach Wegen, die Rolle der Frauen und der konfessionsübergreifenden Zusammenarbeit neu zu definieren. Wir brauchen eine Kirche, die in bewegten Zeiten glaubwürdig Position beziehen kann und in Debatten über Rassismus, den Umgang mit Flüchtlingen und die Bewahrung der Schöpfung eine Stimme gibt, die sich an einem verständlichen, humanen Menschenbild orientiert.

Erlösung und Gänsehaut

Ihre alljährliche Wiederkehr nach immer gleichem Ritual verleiht auch dem, der nicht an Erlösung und Auferstehung glaubt, den Hauch einer Ahnung davon, was Ewigkeit bedeutet.

Und Granada wird warten, warten auf einen neuen Frühling, eine neue Karwoche. Auf die intensive und die besondere Vision dieser Jahreszeit. Erneuerung? Wiederbelebung? Erwachen?

Und man muss weder Andalusier noch religiös sein, um sich bei der Semana Santa eine Gänsehaut einzuhandeln…

Schwer gezeichnet – Bild: Alwin Pelzer

 

Religiosität und Lebensfreude

An schlafen ist nicht zu denken: Voller Eindrücke und einem nicht enden wollenden Gedankenstrom, entschließe ich mich, nicht sofort ins Hotel zurück zu gehen. Da kommt es gerade gelegen, dass ich „zufällig“ an einer der bekanntesten Bodega Granadas vorbeikomme und mit einem guten Glas Sherry alles nochmals aufarbeiten will. Die Lokalität ist zum Bersten gefüllt. Viele andere Besucher hatten wohl denselben Gedanken.

Stätten der Lebensfreude, Bodegas – Bild: Alwin Pelzer

Zunächst mit Kind und Kegel auf der Straße, andächtig die Prozession mitfeiern und hinterher geht es lebensfreudig auf einen Sherry oder ein Glas Wein. Die Stimmung ist ausgesprochen angeregt, lustig und geprägt von ausgelassener Lebensfreude. Führt mich dies langsam zu einem besseren Verstehen der andalusischen Mentalität? Existiert diese von uns oft in das spanische Wesen interpretierte Religiosität überhaupt? Mir scheint als schimmere hier ein gerüttelt Maß an quijotesker Ironie durch. Die Freude an der Ästhetik von Farben, an den Bewegungen menschlicher Körper und an den arabesken Tönen, beherrscht die andalusische Seele und will von uns ergründet werden. Dieses Land ist so anders und dabei so faszinierend.

Bild: Alwin Pelzer

Reisetipps

1: Die Karwoche in Granada

Prozessionen sind populär-religiöse Ausdrucksformen wie der Via Crucis (Kreuzweg), das Rosenkranzbeten, Pilgerreisen oder Wallfahrten.

Die Prozessionsfiguren verkörpern zusammen den Passionszyklus: Er beginnt mit dem Einzug Christi in Jerusalem und wird gefolgt von dem Letzten Abendmahl (La Santa Cena), der Gefangennahme (El Prendimiento), Christi Geißelung und Verurteilung und gipfelt in die Kreuzigung (Crucifixión). Die Kreuzabnahme (ElDescendimiento), das Begräbnis (Cristo Yacente) und die Auferstehung als Höhepunkte des österlichen Mysteriums (Nuestro Padre Jesús del Amor) werden ebenfalls durch die pasos dargestellt. Ein kurzer Überblick der wichtigsten Ereignisse:

Palmsonntag: Einzug nach Jerusalem
Prozession am Fluss Darro, um 17:00 Uhr einläuten der Karwoche,

Kar-Montag – der Tag der Rettung
Vom Zaidín kommt die junge Bruderschaft des Christus der  Arbeit und die Dame des Lichts nach Granada, abends: Heiliges Kruzifix von St. Augustin (Beschützer und Heiliger Granadas)und der Jungfrau des Trostes.

Kar-MittwochDer Christus der Zigeuner in Granada
Cristo de los Gitanos eine der bedeutendsten Bruderschaften der Stadt. Der Stadtteil Sacromonte ist heute der außergewöhnliche Schauplatz. Bei ihrem Durchzug entzünden die Zigeuner Lagerfeuer und singen, tanzen in inständiger Hingabe Flamencolieder.

Grün-Donnerstadt – die magische Nacht des Albaycín,
Verehrung der drei Jungfrauen des Stadtteils: die „Virgen de la Concha“, die „Estrella“ und die „Aurora“. Die Prozession des „Cristo del Silencio“ schlägt die Zuschauer in den Bann der vollkommenen Stille, in der nur die Schläge der Trommeln zu hören sind.

Kar-FreitagKloster der Hieronymiten
am Abend findet in diesem Kloster ein außergewöhnlicher und anrührender Festakt statt. „Las Chías“ waren Würdenträger der Inquisition. Noch heute führen sie mit Federn und Stickereien geschmückt und zu Pauken- und Trompetenklang die älteste Bruderschaft der Stadt, die „Cofradía de la Soledad de San Jerónimo” an.

Kar-Samstag: Santa María de la Alhambra
siehe Bericht, im Mittelpunkt steht die Jungfrau Maria.

Ostersonntag: Jungfrau des Triumphes
und Jungfrau der Freude. Es ist auch der Tag der Kinder. Unentwegt läuten sie mit Tonglocken, den Facundillos, die freudige Botschaft ein:  Christus ist auferstanden.

Mehr Infos: http://en.granadatur.com/semana-santa-de-granada-dia-a-dia/

Die Kunst des Flamenco, das Markenzeichen andalusischer Kultur, hat seine Ursprünge in der Volksgruppe der Gitanos – der Zigeuner. Mein nächster Besuch in Granada wird mit Sicherheit den (Kar-) Mittwoch enthalten mit der Prozession des Cristo de los Gitanos (Christus der Zigeuner), einer der härtesten Anstiege für die Träger der Prozessionsfiguren bis zum Sacromonte. Die Nacht füllt sich mit Menschen und Freude, den Tänzen und dem rhythmischen Flamenco-Klatschen, in den Höhlen und Häusern des Sacromonte brennen die Osterfeuer.

2: Carmen ein Begriff für: Hotel – Zigeunerin – Gärten:

War es ein Zufall oder nicht? Unser Hotel in Granada trägt den Namen der betörend schönen Zigeunerin, die ihre Wirkung auf Männer kennt, ihre Freiheit genießt und sich durch die Liebe nicht einengen lassen will: Habanera, oder Die Liebe ist ein wilder Vogel. Und Deiner Fantasie keine Grenzen setzt.

Bild: Alwin Pelzer

Auf alle Fälle können wir das Hotel Carmen* aufgrund seiner zentralen Lage in der Innenstadt, Calle Acera del Darro 60, nur 10 Gehminuten zur Kathedrale und 20 zur Alhambra wirklich empfehlen. Entspanne nach flirrender Tageshitze auf der Terrasse B-Heaven mit Panoramablick und beheiztem Außenpool.

In der Altstadt von Granada findest Du die berühmten Carmen-Gärten. Es sind Beispiele für kleinere Gärten, die nicht von den islamischen Mauren sondern von den Bürgern der Stadt angelegt wurden. Der Begriff ‚Carm‘ stellt dabei die Verbindung zum arabischen Wort für Weinstock/Weinrebe her und somit sind diese Gräten geprägt von Weinreben, die von Obstbäumen, Blumen und natürlich Wasserbecken begleitet werden. Suche selbst nach diesem herrlichen Dreiklang aus Pflanzen wie immergrünen Myrte und schlanken dunklen Zypressen, klassischer Architektur mit Skulpturen in kontrastreichen Weiß und glitzernden Wasserspielen.

3: Wasser, Maurische Gartenkunst – Pflanzen für Deinen Garten

Die Wasser-Weisheiten der Mauren

In Spanien wechseln sich extreme Trockenheit und regenreiche Zeiten ab. Das wussten schon die Mauren. Sie brachten das Wissen um Speicher- und Versorgungsanlagen mit – und ein Verständnis von Wasser als Gemeingut, das sich mancher heute zurückwünscht.

Es sind die aufwändigen Konstruktionen, die das Wasser von der Gebirgsquelle bis in die zwölf Kilometer entfernte Stadt transportierten. Die arabischen Begriffe dafür – Acequia für Wasserkanal oder Aljibe für Trinkwasserspeicher – sind in Andalusien immer noch im Sprachgebrauch fest verankert.

Patio de la Acequia, Architektur Pflanzen und Wasser – Bild: Alwin Pelzer

„Wasser war ein Geschenk Gottes, das man mit allen teilen musste. Wer Wasser verschmutzte, mit Wasser handelte oder es vergiftete, wurde hart bestraft.“ Eine Frage der Erziehung? Eine solche Kultur im Umgang mit kostbarem Wasser ist in Zeiten langer Dürreperioden auch heute notwendiger denn je.

Der maurische Garten – mehr als nur ein grünes Paradies

Maurische Gärten sind der Ursprung mediterraner Gartenkunst und faszinieren noch heute.

Höhster und vornehmster Garten: Generalife – Bild: Alwin Pelzer

Die Mauren kamen im Mittelalter aus Nordafrika, insbesondere Syrien und eroberten das Land. Dabei erwiesen sie sich als visionäre Bauherren und eben auch als Gartenarchitekten. Als ganz besonderes Beispiel möchte ich Dir den Sommersitz der Alhambra, den Generalife (hat nichts mit Militär zu tun) vorstellen. „Höchster und vornehmster Garten“ hört sich doch gleich viel besser an.

Als freistehender oberhalb der Alhambra liegender Palast, umgeben von grünen Terrassen und Obstgärten, ist es zunächst ein wunderschöner Anblick, als ‚grüne Zimmer‘ gestaltet mit viel Einblick und Durchblick und einen herrlichen Ausblick auf die tiefer gelegene Alhambra und die Stadt Granada. Die Achsen, die Blickrichtungen, die Harmonie der Gebäude sind schon mal eine hervorragende Ausgangsbasis.

Anblicke, Einblicke, Durchblicke, Ausblicke – Bild: Alwin Pelzer

Im Mittelpunkt stehen aber auch beim Generalife die Wasseranlagen, deren Springbrunnen ein beruhigendes und bei spanischer Hitze sehr erfrischendes Plätschern erzeugen.

Auch die Gliederung und Komposition der Einzelgärten zueinander ist bewundernswert. Im Patio de la Acequia, im Garten des Kanals, ist zwar das Wasser ein zentrales Element, die Bepflanzung umfasst eine Vielzahl von Zier-, Nutz- und Duftpflanzen – alleine den seltenen Rosen entsteigt ein himmlischer Duft. Im Patio del Ciprés de la Sultana, dem Zypressenhof, sind die mächtigen und bedeutungsvollen Zypressen neben den Wasseranlagen die Hauptdarsteller. Weltberühmt ist auch Escalera de Agua, eine Wassertreppe, die im Schatten liegt und durch das vergleichsweise langsam herab plätschernde Wasser eine wunderbare Ruhe ausstrahlt. Orangenbäume gehören mit ihrem Duft, ihrer Schönheit und den leckeren Früchten in jeden maurischen Garten.

Garten für alle Sinne, Obst. Kräuter, Gemüse – Bild: Alwin Pelzer

Neben dem Verzehr von Früchten und Gemüse aus den Gärten gehörte aber auch die Nutzung der heilenden und kosmetischen Wirkung von Pflanzen und ihrer Früchte zum maurischen Garten. Hier wurden Grundsteine für die ersten Heilpflanzengärten, aus denen viele botanische Gärten hervorgingen, gelegt. Und schließlich spielte auch der sinnliche Genuss pflanzlicher Düfte in maurischen Gärten eine wichtige Rolle. Somit umfasst die Bepflanzung in maurischen Gärten Zierpflanzen und Nutzpflanzen, also Obst und Gemüse sowie Heilpflanzen. Die Mauren pflanzten also stets auch Obstbäume wie etwa Orangen- und Zitronenbäume, Pfirsich- und Mandelbäume. Weiter zählten Gemüsepflanzen wie Artischocken und Auberginen zu den besonderen Pflanzen der Mauren.

Stellvertretend möchte ich 2 Pflanzen heraus heben.

Die Myrte

Die Myrte (Myrtus communis), auch Gemeine Myrte oder Brautmyrte, wurde bereits im Altertum kultiviert und zählt zu den ältesten Kübelpflanzen. Die immergrüne Pflanze gedeiht gut im Mittelmeerraum, ist nicht winterhart und erfordert intensive Pflege. Das mediterrane Formgehölz ist äußerst anspruchsvoll und reagiert empfindlich auf Veränderungen.
Rund um die Myrte ranken sich viele Mythen und Sagen. Im antiken Griechenland wurde das Gewächs der Göttin Aphrodite als Symbol der Jugend und Schönheit geweiht. Der Name Brautmyrte kommt ebenfalls nicht von ungefähr: Bereits die Griechen und Römer wählten einen Kranz aus Myrtenzweigen als Brautschmuck. Im Laufe des 16. Jahrhunderts verbreitete sich dieser Brauch auch bei uns in Deutschland: Ganz klassisch schmückt ein Myrtenkranz das Haar der Braut und ein kleiner Strauß das Revers des Bräutigams. Noch heute gibt es in einigen Familien die Tradition, nach der Hochzeit einen Myrtenzweig in Erde bewurzeln zu lassen.

Die Zypresse

Obwohl die Zypresse ursprünglich aus Asien kommt, sind die würzig duftenden Zypressen für uns  ein Inbegriff der Mittelmeerländer, insbesondere der Toskana. Sie wachsen an offenen Lagen, säumen Straßen und sind aus der Ferne kaum zu übersehen. Schon den Griechen der Antike war die Zypresse wohlbekannt und sie galt ihnen als wichtige Heilpflanze. Nahezu alle Teile der Zypresse sind heilkräftig und mit ihrem Duft lassen sich Atemwegserkrankungen heilen. Ihre Heilwirkungen: antibakteriell, antiseptisch, schleimlösend.

Passt der Standort, sind Zypressen außerordentlich pflegeleicht. Trockenheit überstehen sie gut, jedoch schaden Wassergaben bei längeren Trockenperioden keineswegs.

Besonderes gastronomisches Angebot – mit arabischen Einflüssen

Der religiöse Teil der Semana Santa wir von einem ganz besonderen gastronomischen Angebot begleitet und ist mit diesem höchsten Kirchenfest untrennbar verbunden. Die lokale Küche in Granada ist dank der arabischen Einflüsse bekannt für ihre hochwertigen Zutaten und der Verwendung von zahlreichen Gewürzen. Die Nährstoffe von Fleisch werden durch die von Fisch ersetzt, wie zum Beispiel Kabeljau, der eine der Hauptzutaten in der Osterwoche ist. Serviert werden köstliche Schmorgerichte mit Stockfisch und natürlich die traditionellen Süßspeisen.

Bild: Pixabay

Lass Dir auf der Zunge zergehen:

  1. Potaje de Vigilia: Eintopf/Fasten-Suppe: aus Kabeljau, Kichererbsen, Spinat (und evtl. hartgekochten Eiern) Der Eintopf wird normalerweise als Hauptmahlzeit gegessen, üblicherweise in einer Suppenterrine in der Mitte vom Tisch serviert, sodass sich jeder Tischgast selbst nehmen kann.
  2. Buñuelos de Bacalao: “Kabeljaukrapfen” sie sind recht einfach und günstig zuzubereiten. Sie bestehen aus zerkrümeltem Kabeljau und Petersilie, umhüllt von einem Teigmantel, der dann in einer Pfanne mit Olivenöl frittiert wird.
  3. Torrijas: hartes Brot, das man in Milch (oder Wein) mit Zucker, Zimt, Zitronenschale und Eigelb tränkt und dann frittiert.
  4. Arroz con leche Reis den man in Milch mit Zimt und Zucker
  5. Pestiños bestehen aus Mehl, Eigelb, Sesam, Orangensaft und gemahlenem Zimt. Der Teig wird frittiert und dann mit Honig (oder alternativ mit Zucker) umhüllt. Das islamische Gebäck shebbakiyya gilt als Vorfahre dieser andalusischen Leckerei.
  6. Buñuelos de viento Diese Süßigkeit wird ähnlich wir die buñuelos de bacalao hergestellt, der Teig besteht hier aber aus Mehl, Eigelb und Zucker.
  7. Limón cascarúo Süße Zitronenart die man einfach so oder mit Zuckerrohr essen kann.

https://www.ruralidays.de/reisen/kueche/traditionelle-gerichte-karwoche-andalusien/

Pass des letzten Seufzers

Die Nacht war kurz, die Vorfreude auf den Ostersonntag groß, heute stand die erste große Wanderung in der Sierra Nevada an. Wer kennt nicht die schneebedeckten Höhen im Hintergrund auf den Bildern der Alhambra?

Nur in der Nähe des Passes des letzten Seufzers – Bild: Alwin Pelzer

„Pass des Seufzers des Mauren“ heißt die Anhöhe, von der man zum ersten oder auch zum letzten Mal (je nach Fahrt-/Wanderrichtung) die Stadt Granada mit der Roten Burg erblickt. Es war der Maure Muhammad XII., der letzte Emir von Granada (1492). Er soll bitterlich geweint haben, als er auf dem Weg in sein luxuriöses Exil zum letzten Mal auf sein verlorenes Reich zurückblickte. Mit ihm ging die beinahe 800 Jahre währende Herrschaft des Islam über Al-Andalus endgültig zu Ende.

Leider kannte unser Guide auch diese Anhöhe nicht, nur ein Straßenschild blitzte kurz auf und mit diesem die Erinnerungen an diesen bedeutenden geschichtlichen Wendepunkt. So war es an mir einen Seufzer auszustoßen.

Miserables Wetter, der Guide hatte sich verlaufen, die Wanderung stand am Rande einer Katastrophe (keine Rettungsdecke dabei, keine Liste mit den „Gebrechen“ der Reiseteilnehmer…). Eine organisierte Studienreise mit einer renommierten und spezialisierten Reisegesellschaft ist so gut oder so schlecht wie der Reiseleiter. Es sollte nicht mein letzter Seufzer sein.

 

Du hast den 1. Teil des Reiseberichtes verpasst? Dann schau hier:

Andalusien: Semana Santa in Granada – ein mentaler Ausnahmezustand – Teil 1

Andalusien: Semana Santa in Granada – ein mentaler Ausnahmezustand – Teil 1

 
  (*) Anzeige/Werbung: Dieser Artikel enthält Affiliate-Links. Dies bedeutet, dass ReiseFreak's ReiseMagazin und ReiseBlog möglicherweise eine kleine Provision erhält, wenn Du eine Anmeldung/Transaktion/Kauf tätigst. Dir entstehen dadurch keine Mehrkosten. Mehr zum Thema Angebote auf ReiseFreak's ReiseMagazin und ReiseBlog.