Neuseeland (1): Reise ans Ende der Welt

EnglishFrenchGermanSpanishItalianAfrikaansArabicDutchGreekPortugueseSerbianSlovenian
Neuseeland -Cathedral cove - Foto copyright Johannes Weber Lesedauer: 13 Minuten

Johannes Weber nimmt uns mit in seinem Gastbeitrag ans Ende der Welt. Neuseeland ist weit entfernt von den Zentren der Welt – so weit weg, dass die Hersteller von Weltkarten häufig vergessen, das Land einzuzeichnen. Die „Kiwis“, wie sich die Neuseeländer selbst nennen, sind darüber „not amused“. Die neuseeländische Tourismusbehörde hat nun eine Kampagne gestartet, die dieses Problem lösen soll und veröffentlichte dieses Video, in dem auch die neuseeländische Premierministerin mitspielt.

Ich habe das Land trotz aller Schwierigkeiten gefunden und kann Dir sagen: Es hat sich gelohnt. Beeindruckende Landschaft, köstliches Essen, lustige Tiere – was will man mehr. Außerdem sind in Neuseeland alle Menschen freundlich, sogar die Kellner, Parksheriffs, Grenzpolizisten und Schalterbeamten. Der beste Werbefilm für Neuseeland ist übrigens der „Herr der Ringe“, der in Neuseeland gedreht wurde (siehe z.B. ein paar Ausschnitte hierhier oder hier, die beiden Steinfiguren gibt es in Wirklichkeit aber nicht. Auch die Gebäude in Edoras wurden für den Film hinzugefügt).

Für unsere Rundreise durch die Nord- und Südinsel haben wir uns zwei Wochen lang Zeit genommen, dazu kamen noch je zwei Tage für die An- und Abreise. Das ist knapp, aber machbar. Du solltest allerdings auf einige mögliche Sehenswürdigkeiten verzichten und die anderen dafür umso mehr genießen.

Reiseplanung und -vorbereitung

So solltest Du dich auf die Reise vorbereiten:

  • Reisezeit bestimmen: In Neuseeland sind die Jahreszeiten in etwa umgekehrt wie bei uns. Ich war in den letzten beiden Aprilwochen dort, also im neuseeländischen Herbst. Es gibt dann nur wenige Touristen und das Wetter ist noch in Ordnung, obwohl es auf der Südinsel schon häufig regnen kann. Zu berücksichtigen ist auch, dass die neuseeländischen Häuser bei uns bestenfalls als Gartenhäuschen durchgehen würden: Einfach verglaste Fensterscheiben und Wände aus Spanplatten. Anstatt einer Zentralheizung hängen bestenfalls Heizstrahler in den Hotelzimmern, die man hierzulande nur im Schanigarten aufstellen würde.

Der wärmste Ort, den Du in Neuseeland je finden wirst, ist daher im Inneren deiner Jacke. Du solltest das beim Kofferpacken berücksichtigen.

  • Spätestens 3-4 Monate vor Reisebeginn: Flug nach Auckland und zurück buchen. Ich habe meine Flüge mit den üblichen Internet-Flugsuchmaschinen gefunden. Mein Flug ging über Hongkong, was angenehm war, weil der Flughafen dort ganz in Ordnung ist.
  • Spätestens 2 Monate vor Reisebeginn: Reiseroute festlegen. Wenn Du mit dem Mietauto unterwegs bist, ist es klug, die Route in Google Maps oder in einen anderen Routenplaner einzugeben, damit Du sehen kannst, wie lang die Fahrzeit zwischen den Zielen beträgt. Touristen neigen dazu, die Fahrzeit in Neuseeland zu unterschätzen. Inlandsflüge buchen (in meinem Fall: Wellington – Queenstown und Queenstown – Auckland). Hotels buchen – Lass Dich von den schäbig aussehenden Häusern nicht abschrecken. In Neuseeland sehen die meisten Häuser schlecht aus. Wenn Dir daran gelegen ist, ein eigenes Badezimmer zu haben, solltest du bei der Buchung darauf achten, dass Deine Zimmerkategorie über diese Ausstattung verfügt, weil das in Neuseeland keine Selbstverständlichkeit ist. Es sind viele Backpacker unterwegs, die auf einen derartigen Luxus keinen Wert legen. Ungefähr zwei Monate vorher solltest Du auch die Touren und Shuttles buchen. In unserem Fall war das die Tour zur Waitomo Glühwürmchenhöhle (siehe Tag 6), der Transport zum Tongariro Crossing (siehe Tag 7) und die Schifffahrt zum Milford Sound (siehe Tag 11).
  • Spätestens 1 Monat vor Reisebeginn: Mietauto reservieren (entweder bei einem der üblichen internationalen Autovermieter, wie z.B. Hertz, oder bei einem neuseeländischen Anbieter, wie z.B. Juicy Car. Die Fahrzeuge der internationalen Autoanbieter sind teurer, aber besser in Schuss. Da man in Neuseeland auf der linken Straßenseite fährt, solltest Du darauf achten, ein Auto mit Automatik zu buchen – Schalten mit Links ist nicht jedermanns Sache. Außerdem: Führerschein auf Englisch übersetzen lassen. Das ist eine gesetzliche Vorgabe und muss unbedingt gemacht werden, sonst weigern sich die Autovermieter, Dir den Autoschlüssel zu übergeben (selbst wenn sie bei der Reservierung nicht ausdrücklich darauf hingewiesen haben). Du solltest auch kontrollieren, ob Dein Reisepass noch aktuell ist.
  • Außerdem: Mit dem Rauchen aufhören (eine Schachtel Zigaretten kostet in Neuseeland 20-35 NZD – zur Umrechnung siehe hier) und alle drei Teile von „Herr der Ringe“ anschauen.

Packliste

Koffer: Adapter für die neuseeländischen Steckdosen, Kleidung für warmes und kaltes Wetter, Regenjacke, Schijacke, warme Mütze, Handschuhe, 1x normale Badesachen, 1x Badesachen, die man danach wegwerfen kann (siehe Reisebericht zu Tag 4), Sonnencreme Faktor 50 (Ozonloch!), falls Du bei einigen Unterkünften ein Gemeinschaftsbad mit anderen teilst: Badeschlapfen, keine Zigaretten oder Alkohol (Einfuhr verboten), saubere Wanderschuhe, kein organisches Material (wie z.B. Dreck, Müsliriegel oder Studentenfutter).

Warum sind die letzten beiden Punkte wichtig?

Foto 3: Der Lake Tarawera in der Nähe von Rotorua

Neuseeland hat eine einzigartige Fauna und Flora, die sich unbeeinflusst vom Rest der Welt entwickeln konnte. Erst bei der Landung der Menschen im 13.-14. Jahrhundert gelangten die ersten Säugetiere auf die Insel (Ratten), davor gab es nur Vögel und Reptilien. Schlangen an Land gibt es noch immer keine, bloß Wasserschlangen. Die „Kiwis“ achten daher darauf, dass kein fremdes organisches Material eingeschleppt wird. Am Flughafen in Auckland erwartet Dich deshalb die freundliche (kein Witz) Grenzpolizei mit einer Hundestaffel, die organisches Material in deinem Gepäck erschnüffeln kann. Du solltest daher Deine Wanderschuhe gut putzen. Der berühmte Beagle, der früher als Schnüffelhund im Einsatz war, ist mittlerweile in Pension. Ich wurde bei meiner Ankunft von einem Labrador kontrolliert, von dem es leider noch keine Videos im Internet gibt.

Handgepäck: Zahnbürste und kleine Zahnpasta, 1 frisches T-Shirt, keine verbotenen Gegenstände (Zigaretten, Alkohol, Sprengstoff, Müsliriegel, Waffen etc.). Pass nicht vergessen.

Und los geht’s!

Tag 1: Ankunft in Auckland

Nach unserer langen Anreise kamen wir ziemlich gerädert um 11 Uhr vormittags neuseeländische Zeit in Auckland an. Ich kann Dir zum ersten Tag nicht besonders viel erzählen, weil ich einfach zu fertig war, um viel zu unternehmen.

F4: Auckland

Ich kann Dir empfehlen, am Flughafen eine neuseeländische Simkarte für’s Handy zu kaufen. Ich habe diese nicht so sehr für’s Telefonieren, als vielmehr für die Orientierung genutzt. Da es Gegenden von Neuseeland gibt, die recht menschenverlassen sind, kann es manchmal ein Weilchen dauern, bis man einen freundlichen „Kiwi“ nach dem Weg fragen kann. Wenn wir uns verlaufen hatten, haben wir das Ziel einfach in die „Karten“-App des Handys eingegeben. Damit Du das auch tun kannst, habe ich bei den wichtigen Punkten in meinem Reisebericht die genaue Adresse dazugeschrieben.

Wir haben dann den „Sky Bus“ vom Flughafen ins Stadtzentrum genommen, der ein ganzes Stück günstiger war als die Taxis. Wir quartierten uns im Hotel ein und gingen anschließend auf Erkundungstour.

Es gibt zahlreiche gute Lokale, sodass man bei der Restaurantwahl eigentlich nicht viel falsch machen kann. An jeder dreckigen Ecke bekommt man ein wirklich gutes Essen, mit dem Schönheitsfehler, dass man auch überall den Preis eines guten Essens zahlt. Wir waren zu Mittag bei den Shucker Brothers (Ferry Building, West Side, 99 Quay St, Auckland, 1010, Neuseeland) neben dem Hafengebäude und haben uns von der netten Kellnerin, die österreichische Wurzeln hat, ein Ausflugsprogramm für den nächsten Tag zusammenstellen lassen.

F5: Bier: Die Neuseeländer haben Bier ohne Schaum. Und so stellen sie sich das Bierbrauen vor: Ein Kiwi brütet den Hopfen aus.

Anschließend gingen wir nach einem Spaziergang durch das hippe Wynyard Quarter in ein Pub und schauten uns dort im Fernsehen ein Rugbyspiel an. Meine Frau war vom Flug so erschöpft, dass sie dagegen nicht mehr protestierte. Das war unheimlich. Um 17:00 gaben wir dann schließlich auf und trotteten in unser Hotel zurück.

Tag 2: Waiheke Island

Viele „Kiwis“, die in Auckland arbeiten, wohnen auf einer der umliegenden Inseln, die mit der Fähre gut erreichbar sind. Dem Rat von Frau Schwarz folgend fuhren wir am zweiten Tag auf eine dieser Inseln, nämlich Waiheke Island. Die Fähre legt halbstündlich beim Hafengebäude neben den Shucker Brothers ab und kostet ca 30 NZD pro Person hin und retour.

Foto 6: Blick auf Auckland

Vom Boot aus hat man einen schönen Blick auf die Skyline von Auckland und den Hafen. Die Fahrt geht zuerst vorbei an Devonport und Rangitoto Island. Anschließend landeten wir auf Waiheke Island. Dieses kleine Inselchen ist berühmt für sein angenehmes Mikroklima und seine Weingüter.

Es gibt einen Bus, der vom Hafen aus rund um die Insel fährt. Wir beschlossen aber, das gute Wetter zu nutzen und ein bisschen zu Fuß zu gehen. Der Weg führt entlang der Oceanview Road in das Städtchen Oneroa, wo Du am Oneroa Beach die Füße ins kristallklare, aber kalte Wasser halten kannst.

Anschließend folgten wir einem beim Oneroa Beach ausgeschilderten Fußweg (wenn man mit dem Gesicht zum Meer steht: auf der linken Seite der Bucht) zur Owhanake Bay, die von den Inselbewohnern „Island Bay“ genannt wird. Der Fußweg führte durch die Weinberge der Insel vorbei an wilden Enten und Olivenbäumen.

Fotos 7 und 8: Entenwarnung, türkisblaues Wasser in der „Island Bay“. Wem es hier nicht gefällt, dem ist eigentlich nicht zu helfen.

Anschließend ging es zurück nach Oneroa, wo wir den Bus nach Ostend nahmen. Man muss dem Busfahrer beim Einsteigen sagen, wohin man möchte. Dann erinnert er einen bei der Haltestelle daran, dass man hier aussteigen sollte. Wie er sich das bei den vielen Fahrgästen merkt, ist mir ein Rätsel, aber es funktioniert.

Von Ostend aus gingen wir zu Fuß zum Onetangi Beach im Norden der Insel, der auch sehr schön, aber doch eher touristisch ist. Dort sind wir im Boathouse (1 Fourth Ave, Onetangi, Waiheke Island 1081, Neuseeland) eingekehrt, das eine Terrasse mit Meerblick hat – das Essen ist sehr zu empfehlen und Du solltest einen der lokalen Weine probieren, wenn Du es aus Faulheit schon nicht zu einem der umliegenden Weingüter geschafft hast. Direkt um die Ecke des Boathouses befindet sich die Bushaltestelle, von der aus wir wieder zum Hafen gefahren sind. Anschließend ging es für uns mit vollem Bauch und einem ordentlichen Sonnenbrand mit dem Boot zurück nach Auckland. Dort ließen wir den Tag gemütlich ausklingen.

Tag 3: Fahrt auf die Coromandel-Halbinsel

Am Vormittag holten wir unser Mietauto ab und fuhren zu unserem nächsten Reiseziel auf die Coromandel-Halbinsel. Als Ziel gaben wir im Navi das ehemalige Goldgräberstädtchen Coromandel Town ein. Die Fahrt führt vorbei an Kuh- und Schafweiden zum türkisblauen Meer.

Foto 9 u 10: Auf den ersten Blick sieht die Vegetation so aus wie am Mittelmeer, Du siehst dann aber schnell, dass es sich nicht um „normale“ Bäume handelt, sondern um Riesenfarne und seltsame Palmen. Ein bisschen wie in „Jurassic Park“.

Autofahren macht hungrig. Wir blieben daher bei der Coromandel Oyster Company (1611 Manaia Rd, Manaia 3581, Neuseeland) stehen, die aussieht wie ein ordinärer Würstelstand, aber frische Austern serviert, die direkt hinter dem Haus aus dem Meer gezogen werden. Die Austern werden stilecht im Plastikgeschirr serviert, da sich die Betreiber dieser Bude als Piraten verstehen und keinen Wert auf Schnickschnack wie Teller oder Besteck legen, wie uns eine Mitarbeiterin erklärte.

Foto 11: An der Einfahrt zur Coromandel Oyster Company weht die Piratenflagge. An der Bar im Biergarten kann man den Piraten bei der Austernernte zusehen.

Anschließend ging es weiter nach Hahei zu unserer nächsten Unterkunft bei den „Tatahi Backpackers“. Es gibt in Hahei nicht viele Hotels und die meisten sind sehr einfach. Unseres auch, aber es war trotzdem nett, mit einem kleinen Garten hinter dem Haus und freundlichem Personal.

Tag 4: Cathedral Cove und Hot Water Beach, Fahrt nach Rotorua

Der vierte Tag war einer der besten: Zuerst frühstückten wir Muffins und Kaffee im Coffeeshop auf dem Areal der Tatahi Backpackers.

Dann machten wir uns auf den Fußweg zum Meer, genauer gesagt zur Cathedral Cove. Wenn Du jetzt denkst: „Ha! Ich fahre mit dem Auto!“ – keine gute Idee. Es gibt dort nämlich keine Parkplätze. Am besten lässt Du Dir von den Hotelmitarbeitern den Weg von Deinem Hotel erklären und fragst, wann die beste Zeit für einen Besuch der Cathedral Cove ist. Bei Flut füllt sich der Felstunnel nämlich mit Wasser, ca. schulterhoch. Bei Ebbe kann man trockenen Fußes zu dem dahintergelegenen Strand durchgehen.

F 12: Auf dem Weg zur Cathedral Cove

Der Weg führt zuerst über eine asphaltierte Straße nach oben auf die Spitze des Hügels (von unserem Hotel aus ca. 20 Minuten) und dann 30 Minuten durch einen kleinen Wald zum Meer. Du gelangst zu einem Felstunnel, durch den Du zu einem kleinen – zumindest Mitte April – menschenverlassenen Strand gehen kannst.

Fotos 13 u 14: Ich musste keine Touristen für meine Fotos verscheuchen – trotz des schönen Wetters war fast niemand zu sehen.

Das Wasser war zwar kalt, aber eine kurze Runde schafft man auch als vom Mittelmeer verwöhnter Europäer. Als wir genug geschwommen waren, also nach gefühlten 30 Sekunden, machten wir uns auf den Weg zurück zu den „Tatahi Backpackers“, wo wir unser Auto bis 13:00 stehen lassen konnten, obwohl wir schon ausgecheckt hatten.

Dann fuhren wir zum zehn Minuten entfernten Hot Water Beach (Hot Water Beach Rd, Hot Water Beach 3591, Neuseeland), einem Strand, unter dem sich heiße Quellen befinden. Bei Ebbe kann man sich im Sand ein Loch schaufeln und das heiße Quellwasser vorsichtig mit dem Meerwasser mischen. Die Schaufel kann man gegen eine Gebühr von 10 NZD im Restaurant daneben ausleihen. Es gibt auch Duschen und Wasserhähne, bei denen man sich die sandigen Füße waschen kann.

Foto 15: Laut Reiseführer soll man in der Nähe des Felsens, den ich hier fotografiert habe, sein Loch graben.

Uns wurde empfohlen, den Strand zur Mittagszeit zu besuchen. Leider fing es da gerade zu regnen an und uns verging die Lust auf Grabungsarbeiten. Wir beschlossen daher, das einzig Vernünftige in dieser Situation zu tun, also essen zu gehen. Wir machten es uns in dem Café, in dem man auch die Schaufeln ausleihen kann, gemütlich. Man hat von dort auch einen schönen Blick auf den Strand. Natürlich kam genau in dem Moment, in dem wir bestellt hatten, wieder die Sonne heraus. Aber so ist das eben in Neuseeland. Das Wetter schlägt alle 10 Minuten um. 

Fotos 16 u 17: Burger und Fischtacos

Nach dem Mittagessen regnete es wieder. Wir beschlossen daher, die heißen Quellen den amerikanischen Touristen zu überlassen, die immer noch verbissen im Sand herumschaufelten, und fuhren zu unserem nächsten Hotel nach Rotorua, wo wir am späten Nachmittag eintrafen.

Nach der frischen Meeresluft war Rotorua ein ziemlicher Schock für uns. Aufgrund der Thermalquellen, die sich hier befinden, stinkt es in der ganzen Stadt nach Schwefel, also nach faulen Eiern. Darüber hinaus ist die Stadt auch ziemlich hässlich und scheint nur aus Autowerkstätten und Fastfood-Buden zu bestehen. Zum Essen fährt man in die „Eat Street“, die jedoch auch nicht besonders ist. Zumindest hatten wir bei der Lokalwahl kein besonderes Glück.

Da die Fahrt von der Coromandel-Halbinsel anstrengend gewesen war, beschlossen wir, im Polynesian Spa (Hinemoa St, Rotorua 3010, Neuseeland), der in allen Reiseführern groß angepriesen wird, auszuspannen. Ein Fehler. Wer auch immer diese Reiseführer geschrieben hat, war offensichtlich noch nie an diesem Ort oder hat den Geruchssinn eines Schweinezüchters. Der Gestank, der von den verschiedenen Thermalpools ausgeht, lässt sich ja meinetwegen noch aushalten; das fällt für mich in die Kategorie „Dreck aus der Natur“. Viel schlimmer ist es aber in der Herrenumkleide, wo man aus Sicherheitsgründen einen gewellten, löcherigen Boden eingebaut hat, damit niemand ausrutscht. Ich bin kein Experte, aber es ist aus meiner Sicht unmöglich, dieses Ding jemals zu putzen. In den Löchern des Bodens sammelt sich also der Fußschweiß der Badegäste und bildet dort neue Lebensformen aus. Nach den Angaben meine Frau dürfte es in der Damenumkleide nicht anders sein.

Nachdem wir aber schon einmal dort waren und den Eintrittspreis von 30 NZD pro Person sowie einen Aufpreis für Handtücher und Garderobenkästchen gezahlt hatten, wagten wir einen Versuch. Wir gingen über die am Boden angeklebten Teppiche, die sich mit dem Schwefelwasser, das von den Körpern der Badegäste tropft, vollgesaugt hatten, in einen der Pools und setzten uns in die Mitte einer laut schnatternden Reisegruppe. Über die Wasserqualität kann ich Dir nichts sagen, weil es zum Glück dunkel war.

Zusammenfassend würde ich Dir von einem Besuch dieses Spas abraten. Stattdessen könntest Du die Redwoods, also die aus Kalifornien stammenden Mammutbäume, im Whakarewarewa-Wald besuchen (Long Mile Road, Whakarewarewa, Rotorua 3010, Neuseeland). Vor einigen Jahren hat man hier einen Spazierweg aus Hängebrücken gebaut und irgendein Designer hat spekatuläre Lampen gebastelt, die den Weg in der Nacht beleuchten. Da soll sehr schön sein, ist sich bei uns aber leider nicht mehr ausgegangen. Was wir auch ausgelassen haben, war eine Haka-Vorführung. Das ist der traditionelle Maori-Tanz, den angeblich niemand so schön tanzt wie die neuseeländische Rugbymannschaft, die All Blacks. Sie führen den Haka zu Beginn jedes Spiels vor, um die Gegner einzuschüchtern (siehe zum Beispiel hier).

Tag 5: Rotorua und Wai-O-Tapu

Um die Schrecken des Polynesian Spa zu vergessen, beschlossen wir, etwas Nettes und Niedliches anzuschauen, nämlich den Kiwi. Der Kiwi ist ein faszinierendes Tier: Fett und tapsig, flugunfähig und so gut wie blind lebt er in Neuseelands Wäldern. Früher, als es noch keine Säugetiere auf Neuseeland gab, führte er ein geruhsames Leben und stocherte im Waldboden nach Würmern. Er lebt monogam und kann bis zu 60 Jahre alt werden. Während das Weibchen für das Eierlegen zuständig ist, muss das Männchen diese ausbrüten. Relativ kurz, nachdem das Kiwi-Küken geschlüpft ist, überlassen es die Eltern seinem Schicksal und ziehen weiter. Keine gute Idee, denn die eingeschleppten Säugetiere fressen 95% der Kiwi-Küken, sodass nur 5% das Erwachsenenalter erreichen. Auch die erwachsenen Kiwis können es nicht immer mit den Hauskatzen der Neuseeländer aufnehmen, und schon gar nicht mit ihren Hunden.

Es gibt daher mehrere Stationen, in denen die Kiwi-Küken großgezogen und verletzte Tiere gesundgepflegt werden. Eine davon befindet sich in Rotorua, nämlich Rainbow Springs (192 Fairy Springs Rd, Fairy Springs, Rotorua 3015, Neuseeland. Die Führungen durch das Kiwi-Gehege und die Brutstation finden stündlich statt und sind recht schnell ausgebucht, sodass es sich empfiehlt, auf der Internetseite die Kiwitour im Voraus zu buchen. Bis zum Beginn der Kiwitour kann man aber auch die anderen Tiere im Park anschauen, zum Beispiel die lustigen Keas. Für Kinder gibt es eine Wasserbahn und eine Flugshow. Der Eintritt in den Park kostet für Erwachsene NZD 50 pro Person, was nicht wenig ist, aber man unterstützt damit die Kiwis, die vom Staat nur unzureichend gefördert werden.

Foto 18: Die Keadame Jenny in ihrem Gehege.

Wenn man Glück hat, kann man bei der Kiwitour einem Kiwiküken beim Schlüpfen zusehen. Als wir dort waren, war jedoch gerade keine Brutsaison. Macht nichts, wir haben dafür die drei erwachsenen Kiwis angeschaut, die in Rainbow Springs leben. Die Kiwis sind in einem abgedunkelten Gehege, in dem mit künstlichem Mondlicht eine Nachtstimmung erzeugt wird – sonst könnten die Besucher die nachtaktiven Tiere überhaupt nie sehen. Bei der Kiwitour darf man keine Fotos von den Tieren machen, weil sie sehr scheu sind und vom Licht der Kamera verunsichert werden. Du musst daher selbst hingehen und Dir die Kiwis ansehen. Das ist ein absolutes Muss jeder Neuseelandreise. Uns haben die Kiwis so gut gefallen, dass wir noch eine zweite Kiwistation besucht haben. Dazu aber später.

Nach den Kiwis fuhren wir mit dem Auto nach Wai-O-Tapu südlich von Rotorua, 30 Minuten Fahrzeit von Rainbow Springs entfernt. Das ist ein Park mit stinkenden, aber spektakulären Schwefelquellen und giftigen Wasserbecken. Der Eintritt kostet pro Person NZD 32,50.

Foto 19 : Schwefelquelle. Der aufsteigende Rauch stinkt höllisch nach faulen Eiern. Nichts für schwache Mägen.

Foto 20: Dieser giftige See heißt zu Recht „Devil’s Pool“.

Foto 21: Der stinkende „Champagne Pool“ – warum er so heißt, weiß niemand. „Devil’s Pool II“ wäre ein besserer Name gewesen.

Im Anschluss an unseren Rundgang durch das stinkende Gelände machten wir uns auf zu einer weiteren Sehenswürdigkeit in der Gegend, dem Buried Village (1180 Tarawera Rd, Rotorua 3076, Neuseeland). Hier, am Ufer des Lake Tarawera, gab es früher weiße und rosa Kalksteinterrassen, ähnlich wie in Pamukkale in der Türkei. Diese wurden jedoch bei einem Ausbruch des Mount Tarawera im 19. Jahrhundert komplett zerstört und dabei auch das Dorf begraben. In dem kleinen Privatmuseum kannst Du die Geschichte des Vulkanausbruchs anschauen und danach einen Rundgang durch das Gelände machen.

Foto 22: Wasserfall auf dem Gelände des Buried Village

Danach fuhren wir vorbei am Green Lake und am Blue Lake zurück nach Rotorua. Das Wasser hat in den beiden Seen, die nebeneinander liegen, eine unterschiedliche Farbe. Da es stark regnete, hatte ich keine große Lust, die Kamera auszupacken. Solche Dinge bereut man immer erst bei der Rückkehr aus dem Urlaub.

Tag 6: Waitomo Glühwürmchenhöhle

Am nächsten Tag hatten wir nur einen einzigen Programmpunkt angesetzt, nämlich einen Besuch in den Waitomo Glowworm Caves. Die Glowworms sind Mückenlarven, die klebrige Fäden von der Decke hängen lassen um Insekten anzulocken, die sie dann verspeisen.

Foto 23: Die Glowworms bei der Arbeit.

Zielstrebigere Touristen hätten davor wahrscheinlich noch einen Besuch am Filmset von „Herr der Ringe“ eingelegt, genannt Hobbiton. Angeblich sieht das Set noch genauso aus wie im Film. Uns war das aber zu stressig. Der Besuch in den Waitomo Glowworm Caves ist anstrengend genug. Man muss körperlich fit sein und darf weder Höhen- noch Platzangst haben.

Wir haben unsere Tour im Voraus bei der Legendary Black Water Rafting Company gebucht. Dieses Unternehmen bietet zwei verschiedene Touren in unterschiedlichen Schwierigkeitsstufen an. Wir entschieden uns für die einfachere, aber immerhin noch dreistündige Black Labyrinth Tour. Was Dich dort erwartet, siehst Du in diesem Video. Du musst eine halbe Stunde vor Beginn Deiner Tour beim Tourgebäude (585 Waitomo Caves Rd, Waitomo 3977, Neuseeland) einchecken und ein Handtuch sowie eine Badehose mitnehmen. Meine Frau meint, dass man auch einen Haarföhn mitnehmen sollte.

Dein Tourguide teilt Dir dann einen nassen, eiskalten Neoprenanzug, einen Helm mit Stirnlampe und höhlentaugliche Gummistiefel zu. Außerdem bekommst Du einen Schwimmreifen, mit dem Du durch die dunkle Höhe paddeln wirst. Wir sind bei unserer Tour in einer lustigen Gruppe gelandet, hauptsächlich junge Leute. Zuerst haben wir bei einem kleinen Fluss geübt, wie man rückwärts mit dem Schwimmreifen ins Wasser springt. Danach ging es ab in die Höhle.

Foto 24: Glühwürmchen warten auf das Mittagessen

Eine kleine Warnung vorweg: Das Wasser ist eiskalt. Man muss zwischendurch immer ein bisschen mit den Armen und Beinen wackeln, damit man nicht auskühlt.

Nach einem Fußweg über den steinigen Höhlenboden hüpft man rückwärts mit dem Reifen ins Wasser. Die Teilnehmer der Tour hängen sich mit den Füßen an den Reifen des Vordermannes, damit niemand verloren geht. So paddelt man dann durch die Glühwürmchentunnel der Höhle. Da die Glühwürmchen auf Lärm reagieren, wird man vom Tourguide angewiesen, möglichst laut herumzuschreien. Die Glühwürmchen glauben dann, dass sich das Mittagessen nähert, und fangen an, stärker zu leuchten. Du kannst Dir die Glühwürmchen auch auf YouTube ansehen, zum Beispiel auf diesem Video von National Geographic.

Foto 25: Geschafft! Zurück ans Tageslicht.

Anschließend geht es zurück zum Tourgebäude, wo man heiß duschen kann und eine Suppe mit Bagels bekommt (im Ticket inkludiert). Wir fetteten unser Essen noch mit Kuchen, Brownies und Kaffee auf, da wir uns das schließlich verdient hatten.

Ich kann Dir diese Tour wirklich empfehlen. Sie war eine der Highlights auf unserer Reise. Man sollte aber die körperlichen Anforderungen wirklich nicht unterschätzen. Am besten schaust Du das Werbevideo, zu dem ich oben einen Link gepostet habe, an. Wenn die Tour nichts für Dich ist, gibt es auch die Möglichkeit, die Höhlen mit dem Boot und zu Fuß zu besichtigen. Das ist dann aber lange nicht so spektakulär und man gelangt auf diese Weise nur in einen kleinen Teil der Höhlen. Wenn Du hingegen findest, dass meine Tour zu lahm für Dich ist, besteht auch die Möglichkeit, dass Du Dich für die fünfstündige Black Abyss Tour anmeldest, bei der man sich auch abseilt und mit Flying Fox über Abgründe rutscht.

Nach der Tour fuhren wir zu unserer nächsten Unterkunft in Turangi am Lake Taupo. Dort fanden wir kein offenes Restaurant in der Nähe und kauften daher an der Tankstelle die teuerste Tiefkühlpizza unseres Lebens, die wir in der Gemeinschaftsküche unserer Unterkunft zubereiteten.

Weiter geht es mit dem 2. Teil meiner Neuseeland-Reise hier!

Neuseeland Reisebericht: Reise ans Ende der Welt, Teil 2

 

Den 3. Teil mit der Südinsel von Neuseeland kannst Du hier finden:

Neuseeland 3: Ab in den Süden, Besuch beim Herrn der Ringe