Auf das Reisen ganz verzichten? – How Dare You?

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Schneeleopard - Bild Alwin Pelzer

How Dare You  – wie könnt ihr es wagen?

Greta Thunberg ist die „Person of the Year 2019“ der Zeitschrift TIME. Sie ist keine Wanderpredigerin der Apokalypse, keine Ikone mit Kontakt zum Unsichtbaren. Es ist ihre innere Überzeugung, Vision und Mission zugleich – und damit mit Werten behaftet die in einer Zeit von „America first“, Lug und Trug, Eigennutz und Respektlosigkeit einen starken Gegenpol bilden.

Es tut mir leid, dass diese junge Frau nicht die Schönheit und Unbekümmertheit, das Glück und den Optimismus der Jugend erfahren kann und in Niedergeschlagenheit, Traurigkeit und Zukunftslosigkeit zu versinken droht. Wenigstens die  Attribute der Jugend wie Kompromisslosigkeit und Radikalität erfahren bei ihr eine verstärkte Ausprägung.

Der Publizist Johannes Gross sagte: „Früher glaubte jede neue Generation, mit ihr fange die Welt an. Heute glaubt die neue Generation, mit ihr gehe sie zu Ende.“

Bedrohte Art – Bild: Alwin Pelzer

Nicht-Flieger

Verfolgt man die aktuelle Diskussion bekommt man immer häufiger den Eindruck, dass es am besten wäre, auf das Reisen und speziell das Fliegen, ganz zu verzichten. Der Zeitgeist spiegelt uns vor, dass der gute Mensch ein Nicht-Flieger, Nicht-Kreuzfahrtschifffahrer… zu sein hat.

Ist es nicht immer wieder erstaunlich, wie die öffentliche Meinung von einem Extrem ins andere fällt, wie manipulierbar Menschen sind? Jeder Zweite (jeder Politiker) will nun zu den Vorreitern der Klimabewegung gehören und zeigen, wie sehr die anderen noch hinter dem Mond zuhause sind. Dürfen wir geschehen lassen, was soeben passiert?

Wie in den meisten Fällen allzu aufgeregter Diskussionen fehlt es auch hier an den Zwischentönen, an differenzierten Argumenten, die nicht schwarz-weiß malen, nicht unterscheiden in Klimafreunde und Klimafeinde.

Bedrohte Art -Bild: Alwin Pelzer

Nachdenken

Es lohnt sich, über die Auswirkungen unserer Alterspyramide nachzudenken, deren Hinweis auf eine „Vergreisung“ ihren Ausdruck in den steigenden Zulassungszahlen für SUV findet. Mobilität im Alter ist kein Ausdruck von Klimafeindlichkeit!  (Methusalem im Autohaus: „Neuwagenkäufer werden immer älter“, Handelsblatt).

Es lohnt sich, über eine Arbeitswelt nachzudenken, mit verdichteten Arbeitsprozessen, Komplexität, Termin- und Erfolgsdruck und dem damit verbundenen Sehnen nach Erholung und Ausgleich. Wenn es nicht gar einer „Flucht“ aus den Mühlen des Alltags gleich kommt. Das Recht auf Erholung ist kein Ausdruck von Klimafeindlichkeit!

Es lohnt sich, über den Tourismus als Wirtschaftsfaktor nachzudenken, als oft einzige Einnahmequelle für eine Vielzahl von (meist jungen) Menschen in Entwicklungsländern. Siehe hierzu: Reisebericht Sataya, mit freilebenden Delfinen schwimmen.

Es lohnt sich, über das Recht zur Selbstbestimmung nachzudenken. Wo überall schreiben Gesetze und Regelungen Verhaltensweisen vor, auf die ein vernünftig handelnder und denkender Mensch von alleine kommen würde (Anschnallpflicht, Helmtragepflicht, Rauchverbot, Alkoholverbot…)?

Was für ein Wahnsinn: CO2 Abgabe. Im Mittelalter konnte man sich von seinen Sünden freikaufen. Wir können mit finanziellen Mitteln unser Umweltgewissen bereinigen.

Bedrohte Art – Bild: Alwin Pelzer

Es lohnt sich, über den Sinn des Reisens nachzudenken, ohne deshalb gleich alles zu verteufeln.

Die Reisefreiheit ist ein Bestandteil der allgemeinen Menschenrechte, ein Grundrecht. Festgeschrieben im Grundgesetz und innerhalb der Gesetzgebung der Europäischen Union. Die Reisefreiheit gilt als Teil des Rechtes auf Freizügigkeit, das jedem Bürger eines Landes das Recht gibt, sein eigenes Land nach Belieben zu verlassen und wieder zurückkehren zu dürfen. Für die Bürger der ehemaligen DDR war die Reisefreiheit eine der größten Errungenschaften der Wende. Und mit Auslöser, dass die Mauer überhaupt zu Fall kam, einem Symbol der Teilung und Abschottung von Menschen.

Bedrohte Art – Bild: Alwin Pelzer

Es tut den Menschen gut,

wenn sie andere Länder, andere Kulturen, Tiere in ihren natürlichen Lebensräumen kennen lernen. Auf eigene Faust oder organisiert. Internationale Begegnungsaktionen und Austauschprogramme fördern das gegenseitige Verstehen und beseitigen alte Vorurteile gegenüber Russen, Franzosen…
„Wer miteinander redet, schießt nicht aufeinander“ Hans Dietrich Genscher.

Ein hohes Gut und Wertediskussion

Natur und Umwelt sind ein hohes Gut, das Reisen aber auch.
Wir müssen umdenken, es bedarf einer Vielzahl konkreter Schritte und Lösungsansätze (geistigen und technischen Ursprungs). Es erspart uns nicht eine angemessene Wertediskussion zu führen. Mit sich selbst und innerhalb der Gesellschaft. Und es erspart uns nicht, uns einzuschränken, Verzicht zu üben. Jeder kann seinen Beitrag leisten.

Beispiel: Reisebericht Geduld haben mit dem Luchs

Wehren wir uns  „Verkrümmungsdruck“ zu akzeptieren und in „Haltungsketten“ gezwungen zu werden.

Albert Camus:

„Das Absurde hat nur insofern einen Sinn, als man sich nicht mit ihm abfindet.“

Selbst denken und den Mut haben, jenseits der Meinungskonformität mit einer eigenen kritischen Haltung wahrgenommen zu werden!

Kurt Tucholskys Ansicht ist auch meine:

„Toleranz ist der Verdacht, dass der andere recht haben könnte.“

Auf Reisen ganz verzichten? Damit schütten wir das Kind mit dem Bade aus! Jedoch der Glaube an eine bessere Welt hat Feuer gefangen.

 

Titelbild: Schneeleopard. Fotograf: Alwin Pelzer.

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