Ägypten – Sataya-Riff: mit freilebenden Delfinen schwimmen

Delphin - Foto copyright Roxana R.F.V, Marsa Alam, ÄgyptenLesedauer: 10 Minuten

Höre nicht auf, an Deine Träume zu glauben.

Das Shaàb Sataya ist ein Offshore Riff. Es liegt an der südöstlichen Spitze der Tauchgegend Fury Shoals (Riffgruppe), südlich von Marsa Alam und ist nur mit dem Boot erreichbar. Unser Ausgangspunkt ist der Hafen von Hamata und je nach Seegang und Bootstyp ist das Riff in ca. 2,5 Stunden zu erreichen. Das Shaàb Sataya ist das größte Riff im Bereich des Fury Shoals und erstreckt sich von Ost nach West mit einer Länge von etwa 4,5 Kilometern (widersprüchliche Angaben).

Die Wahrscheinlichkeit, hier auf eine Herde/Schule (40-50Tiere) von Spinnerdelfinen zu treffen, hängt nicht zuletzt auch von Deinem Verhalten ab. Hier können Deine „Delfinträume“ in Erfüllung gehen.

„Als Menschen wurden wir mit genügend Intelligenz ausgestattet, um zu begreifen, wie vollkommen unzureichend diese Intelligenz ist angesichts dessen, was existiert“.
Albert Einstein

 

Tauchboot im westlichen Teil des Shaab Sataya mit zurückkehrendem Zodiak (Schlauchboot)

 

Die Delfine

Der Ostpazifische Delfin (Stenella longirostris) gehört zu den Fleckendelfinen (Stenella), weltweit in tropischen Meeren verbreitet, gehäuft im Ostpazifik, „longirostris“ aufgrund der langen Schnauze. Er trägt auch den Namen Spinnerdelfin (englisch to spin), weil sie Sprünge über Wasser und Schwimmbewegungen unter Wasser ausführen, bei denen sie sich wie ein Bohrer rasch um ihre eigene Körperachse drehen.  In der warmen Lagune des Riffs ruhen sich die Spinnerdelfine von ihren nächtlichen Jagdausflügen aus. So bekam Shaàb Sataya  auch den Namen Dolphin Reef. Die Meeressäugetiere schlafen hier – wenn man sie schlafen lässt.

Schwimmen mit Delfinen 1)

Bei Delfinen ist das Atmen ein bewusster Vorgang, sie müssen regelmäßig auftauchen. Wir Menschen atmen automatisch, auch wenn wir bewusstlos sind. Dafür sorgt unser Atemreflex, den es bei Delfinen (und Walen) nicht gibt. Die Lösung des Problems „Atmen im Schlaf“ wird im sogenannten semihemisphärischen oder auch „Halbseitenschlaf“ gelöst. Jeweils eine Gehirnhälfte ist wach. Man erkennt dies daran, dass ein Auge des Delfins geschlossen ist (auf der Seite gegenüber der schlafenden Hirnhälfte).

Reisevorbereitungen

Natürlich haben wir uns umfassend und ausführlich informiert, bevor wir zu unserer Reise zu den in freier Natur lebenden, „wilden“ Delfinen aufgebrochen sind. Für dieses Reiseziel gibt es eine Vielzahl von Anbietern mit Bewertungen und Weiterempfehlungsquoten um die 60%. Es sind gute, kritische und besorgte Stimmen darunter. Ganz offensichtlich ist aber auch (wie in vielen Kommentaren und Rezensionen): müssen wir wirklich zu Allem was wir nicht verstehen auch noch unseren dilettantischen Senf dazu geben?

Das Rote Meer ist kein Aquarium mit Begegnungs-Garantie. Wir sind zu Gast in einem Entwicklungsland, das afrikanisch/arabisch/islamisch geprägt ist, mit einer demographischen Zeitbombe aufgrund eines rasanten Bevölkerungswachstums. Der Tourismus ist eine der wichtigsten Einnahmequellen Ägyptens.

Tauchboot – etwas in die Jahre gekommen, jedoch sehr praktisch

Unsere „Momentaufnahme“, und so möchten wir es auch bewertet wissen, entstand bei einer 2-tägigen Tour, mit Übernachtung auf einem Tauchschiff mit dem verheißungsvollen Namen „Gloria“. Sonnenuntergang, lichtverschmutzungsfreier Sternenhimmel und Sonnenaufgang inklusive. Im Zeitraum Ende März 2019, Lufttemperatuten 28° – 30°, Wasser 20°-21°, zum Teil starker Wind (4-5). Preis inkl. Verpflegung: Schnorchler 135,00 Euro, Taucher, mit 4 Tauchgängen 175,00 Euro. Das Preis-Leistungsverhältnis ist sehr gut. Unglaublich was die kleine Kombüse für gutes Essen auf den Tisch zauberte.

Außer unserem Boot, mit 20 Personen, ist nur noch ein weiteres Boot derselben Größe in der Nähe. Beide Boote sind an vorgesehenen Fixpunkten festgezurrt – keine Anker.

Auf der Suche nach dem Befestigungspunkt

 

Unser 1. Tipp: Gehe zu diesem großen Erlebnis nur, wenn Du wirklich schwimmen kannst. Geübt mit Maske, Schnorchel und Flossen (also kein Brustschwimmen), bei Wellengang, in einem Meer (Salzwasser), täglich größere Strecken (zum Riff, zum Wrack, zurück zum Zodiak/Schiff…).

Es ist einfach nur lächerlich, sich von den spindeldürren Guides am Rettungsring durchs Wasser schleppen zu lassen.

Unser 2. Tipp: Ein Neopren (mindestens 3mm) schützt in dieser Jahreszeit vor starker Auskühlung. Schütze Dich gut vor der Sonne. Auch an Stellen die leicht vergessen werden: Übergang von Neopren zu den freien Hautstellen, Stelle zwischen Neopren und den Flossen…

Unser 3. Tipp und große Bitte: Diese Meeressäugetiere verdienen unseren ganzen Respekt. Es beginnt bei der Auswahl des Veranstalters, der sich an Regeln der Dolphin Watch Alliance (DWA) hält: Code of Conduct“, und die Mitte 2017 eingerichteten Schutz- und Ruhezonen für die Delfine respektiert.

Es endet mit Deinem Verhalten im Wasser. Halte Dich an die Anweisungen der Guides. Ganz entspannt auf dem Wasser liegen, schlage nicht wild mit den Flossen, keine hektischen Bewegungen, die Tiere werden zu dir kommen wenn diese es selbst wollen. Du wirst ihnen in ihrem Element nicht folgen können. Lass den Delfinen die Wahl, verfolge sie nicht.

Zum Respekt gegenüber Ägypten und seinen Menschen

Wir sind Gäste in einem wunderschönen Land mit außergewöhnlichen natürlichen und kulturellen Schätzen. Es steht uns nicht zu, über den sorglosen Umgang mit diesen wertvollen Ressourcen die Nase zu rümpfen, die allgegenwärtige Plastikverschmutzung anzuprangern. Wir können verständnisvoll Anregungen  geben, den „Besserwisser“ können wir getrost in Deutschland bei seinem Dieselfahrzeug zurück lassen.

Wer mit offenen Augen durch die Hotels geht, auf Ausflügen und Rundreisen das Land besucht, wird unschwer allein den großen Altersunterschied zwischen den Reisenden und den Angestellten der ägyptischen Tourismusbranche erkennen, ganz abgesehen vom Unterschied im materiellen Wohlstand. Es sind junge, hoffnungsvolle Menschen, freundlich, mit all ihren Zielen und Wünschen für eine gute Zukunft. Der Tourismus ist für sie oft die einzige Möglichkeit Geld zu verdienen. Sie sind auch angewiesen auf das Trinkgeld das wir ihnen geben und zugegebenermaßen zu gewissem „Übereifer“ führt. Stellvertretend für alle, möchte ich hier unseren Guide Osama für die Begleitung am Hausriff Utopia Bay und den unermüdlichen „2. Kapitän“, Zodiac-Fahrer, „Mädchen für Alles“ auf unserem Tauchboot erwähnen und loben. Ohne ihre Fähigkeiten und Beobachtungsgabe hätten wir viele Tierbegegnungen gar nicht gehabt und die Delfine in diesem großen Meer gar nicht gefunden.

Schwimmen mit Delfinen 1)

Zum Respekt gegenüber den Delfinen

Was wurde nicht alles schon über Delfine geschrieben. Vermeiden wir bitte jede Vermenschlichung, hören wir auf, menschliche Verhaltensformen zu interpretieren. „Boten der Götter“, welch verstiegene Formulierung. Im Folgenden setzte ich – wo es nicht anders möglich ist – menschliche Interpretationen in kursiver Schrift.

„Ewig lächelnd?“

Woher kommt es, dass wir uns mit den eleganten Meeressäugern verbunden fühlen?

2 Filme, 3 Staffeln mit 88 Folgen in den Jahren 1964 bis 1967 und später nochmals als Remake in 4 Staffeln von 1995 bis 2000 wurde der Delfin Flipper zum Serienheld und trug zu einem weltweiten Delfin-Hype bei:

„…Man ruft nur Flipper, Flipper, gleich wird er kommen, jeder kennt ihn, den klugen Delphin“…

Die Tier-Klassiker der ersten Fernsehgeneration in den 50er/60er Jahren: Fury, Lassie und Flipper – Natürlich wollte ich so ein schwarzes Pferd und so einen mutigen Hund haben.  Und selbstverständlich auch von Delfinen an der Fluke durchs Wasser gezogen werden.

Schwimmen mit Delfinen 1)

In vielen spektakulären Tierdokumentationen der letzten Jahre (Der Blaue Planet) spielen Delfine die „Hauptrollen“ und offenbaren außerordentliche Fähigkeiten.

Delfine lächeln, weil sie fröhlich sind? Leider ist dies eine große Täuschung. Es ist nur ein körperliches Merkmal, Delfine haben keine Gesichtsmuskulatur, sie können es nicht steuern und es hat nichts mit ihren Gefühlen zu tun. Das «Lächeln» der Delfine ist auch dann zu sehen, wenn sie traurig sind, wenn sie Schmerzen empfinden, ja selbst, wenn sie schon tot sind. Es ist dieses schöne, trügerische Lächeln, das sie zu Opfern der Menschen macht. „Das Lächeln der Delfine ist ihr Fluch“ Richard O`Brian war der Trainer mehrerer Delfine, die dann „unseren“ Flipper verkörperten. Seine Erfahrungen mit den Tieren führten zu einem Umdenken, er wurde zum Tierschützer, berühmt und zu tiefst erschütternd ist sein Film: „Die Bucht“.

Schwimmen mit Delfinen 1)

Delfine haben sich in allen Weltmeeren verbreitet. Jedoch nicht mit den Attributen, die ihnen der Mensch verliehen hat.

Ihr Erfolg beruht auf Schnelligkeit, Intelligenz, der Vitalität eines Spitzenprädators, ausgestattet mit außergewöhnlichen Sinnen und mit ausgeprägtem und nicht immer zum süßen Klischee passenden Sozialverhalten. Sie haben ihre Fähigkeiten im Laufe einer 60 Millionen Jahre währenden Evolution erworben.

Zur Schnelligkeit

Delfine besitzen viele anatomische Voraussetzungen um schnell schwimmen zu können. Sie haben eine stromlinienförmige Körperform, mit geringem Strömungswiderstandskoeffizienten.

Die Schwanzflosse (Fluke) ist horizontal ausgerichtet (Anatomie der Wirbelsäule von Säugetieren) für besseren und kraftvolleren Vortrieb bei vertikalen Bewegungen, aber auch zur Stabilisierung des Körpers im Wasser.

Schwimmen mit Delfinen 1)

Zur Schnelligkeit trägt auch die Haut der Delfine bei. Die Haut des Menschen erneuert sich (Neubildung Basalzellen) durchschnittlich alle 28 Tage, bei Delfinen alle 2 Stunden. Diese permanente Regeneration reduziert den Strömungswiderstand und findet auch in der Regenerationsforschung für den Menschen und im Schiffbau Beachtung. Unter der elastischen glatten Oberhaut befindet sich eine flexible Speckschicht, die beginnende Turbulenzen durch Gegenbewegungen schwächt. Das sichert eine kontinuierliche laminare Strömung entlang der Haut, die den geringstmöglichen Widerstand garantiert.

Siehe: https://www.ingenieur.de/technik/fachbereiche/schiffbau/kuenstliche-delfinhaeute-senken-spritverbrauch-schiffen/

Wie schnell Delfine nun schwimmen können setzt eine sehr differenzierte Vorgehensweise und Unterscheidung voraus. Es gibt sowohl zur möglichen kurzfristigen Höchstgeschwindigkeit als auch zur täglichen Langstreckenleistung sehr viele unterschiedliche Angaben. Maximale Werte bei der kurzfristigen Höchstgeschwindigkeit liegen bei 50-55 km/h, tägliche Streckenleistung bei 150 km. Nach Meinung von Experten sind diese Werte deutlich zu hoch.

Intelligenz

Das Delfine intelligent sind ist weitgehend anerkannt- nur wie? Auch darüber streiten die Wissenschaftler. Relativ zu ihrem Körpergewicht haben Delfine ein sehr großes Gehirn und eine komplexe Hirnrinde (Cortex). Lange wurde diese Gehirngröße mit Intelligenz gleichgesetzt. Das Gehirn ist stärker im Neocortex gefaltet, eine Hirnstruktur, die komplizierte Denkvorgänge und das Selbstbewusstsein steuert. Die Verteilung von Nervenzellen (Neuronen) und Glia-Zellen (Wärmeisolation?) gibt in neuerer Zeit Raum für Spekulationen.

Bessere Aussagen als die Gehirnanatomie liefern wohl eine Vielzahl von Verhaltenstests. Nur für Intelligenz gibt es keine einheitliche Definition. Intelligentes Verhalten bei Tieren meint meist eine kognitive Leistung, welche über instinktives, nur von Schlüsselreizen ausgelöstes Verhalten hinausgeht, und eine gewisse Beurteilung einer Situation sowie das Abwägen von Handlungsalternativen erkennen lässt. Delfine gehen analytisch und planmäßig vor und lösen komplexe Aufgaben.

Besonders die Vielfalt an Tönen, die Delfine unter Wasser produzieren, beschäftigt die Wissenschaft. Neue Hochfrequenz-Aufnahmegeräte können das ganze Spektrum der Laute unter Wasser mittlerweile einfangen, neue Auswertungsprogramme ermöglichen eine genauere Analyse der Aufzeichnungen.

Schwimmen mit Delfinen 1)

Siehe: „Die Sprache der Delfine: Wir müssen reden“ von Joshua Foer, National Geografic.

Nicht nur Menschen, auch Delfine nutzen individuelle Namen, um sich miteinander zu „unterhalten“. Belege, die diese Annahme stützen, lieferte eine Studie schottischer Meeresbiologen der Universität St. Andrews.

Anfang Mai 2013 haben Forscher mithilfe der Delfine im Nürnberger Tiergarten nachgewiesen, dass die Meeressäuger Rhythmusgefühl besitzen.

Delfine können ganz erstaunliche Kunststücke lernen. Die Tiere scheinen die Kunststücke zumindest nicht völlig unwillig vorzuführen. Einige wild lebende Delfine in Australien laufen nämlich mittlerweile freiwillig auf der Schwanzflosse über das Wasser. Den Trick haben sie von ihrem Artgenossen „Billie“ gelernt, der drei Wochen lang zusammen mit dressierten Delfinen in Gefangenschaft verbracht hat.

Auch für militärische Zwecke werden sie nicht nur von den US-Marines für spezielle Aufgaben trainiert (Minensuche…).

Delfine benutzen Werkzeuge: In Australien durchwühlen viele Delfine den Meeresboden nach Fischen und anderen Leckerbissen. Damit ihre empfindlichen Schnauzen vor Muschel- und Korallenbruchstücken geschützt sind, pflücken die Delfine Meeresschwämme und stülpen sich diese über Schnauze.

Delfine nehmen sich im Spiegel wahr (umstrittene Aussage).

Schwimmen mit Delfinen 1)

Spitzenprädator (vermeiden wir den Begriff „Raubtier“):

Ausgeklügelte Jagdmethoden: Delfine passen ihre Strategien dem Lebensraum an. Je nach Region können sie völlig unterschiedlich Jagdmethoden anwenden. Am Roten Meer im Flachwasser drehen die Tiere die Köpfe über dem Sand hin und her. Sogar tief im Sand versteckte Beutetiere können aufgespürt werden.

Jagd mit Luftblasen bei der Jagd auf Fische im offenen Meer. Den Nachteil der Meeressäuger, immer wieder Luft holen zu müssen, nutzen Delfine zum unschlagbaren Vorteil. Luftblasen werden zu einem Netz. Über akustische Kommandos organisieren sich die Delfine. Eine Gruppe stößt in der Tiefe „Blasenvorhänge“ aus. Eingesperrt in diesem „Netz“ drängen sich die Opfer enger zusammen – Beuteball-  und werden so  zur Beute der 2. Delfingruppe.

Zu außergewöhnlichen Sinnen

Im Kopf sitzt ein besonderes Organ, die so genannte Melone. Es sendet Ultraschallwellen aus. Das Echolot funktioniert wie ein sechster Sinn. Forscher aus Hawaii haben diese Fähigkeit nun eingehender untersucht – und kamen zu einem wenig überraschenden Resultat: Mit ihrer Echo-Ortung können Delfine die Umwelt räumlich, also 3dimensional, erkennen und ihre Beute, meist wendige Fische und Kraken, aufspüren.

Die Melone, ist ein wachsartiges, linsenförmiges Gebilde in der Stirn des Delfins, fokussiert Laute, die meist im Ultraschallbereich zwischen 20 bis 220 kHz liegen und von den Delfinen selbst in den Nasengängen erzeugt werden. Die von der Beute zurückgeworfenen Schallwellen werden in den ölgefüllten Aushöhlungen des unteren Kieferknochens empfangen und durch den Knochen sowie darüber liegendem Fettgewebe zum Ohr und Gehirn weitergeleitet, wo die Informationen ausgewertet werden. Durch diese Echos ist der Delfin in der Lage, die Entfernung eines Objekts, seine Größe, Form und Oberflächenstruktur zu bestimmen und somit ein ‚Klangbild‘ seiner Umgebung zu erstellen. (Schaue hierzu bei den wissenschaftlichen Versuchen der Universität Hawaii unter dem Tierforscher Brian Branstetter nach). Die Delfine scannen ständig ihre Umgebung. Die Experten bezeichnen die hochfrequenten Schallimpulse als Clicks. Ihren perfekten Augen, mit denen die Tiere Unterwasser wie auch über der Wasseroberfläche sehen, entgeht auch im aufgewühlten Wasser fast nichts.

Ich bin überzeugt, dass die Delfine in Shaab Sataya uns wesentlich früher „erkennen“ als wir sie überhaupt sehen und sie jederzeit die Möglichkeit haben, sich unseren Blicken zu entziehen.

Schwimmen mit Delfinen 1)

Emotionale Intelligenz und Sozialverhalten

Noch schwieriger als die kognitive Intelligenz ist es, die emotionale Intelligenz und ihr Sozialverhalten zu beurteilen.

Sie hätten positive und negative Empfindungen, Emotionen, Selbstbewusstsein und die Kapazität, körperlich und gefühlsmäßig intensiv und langanhaltend zu leiden. Diese Kombination von geistiger Kapazität und Verletzlichkeit ist nach traditionellem Verständnis allein dem Menschen zu Eigen.

Delfine erkennen einander und begegnen sich mit Respekt, meist sogar mit offener Zuneigung.

Jedoch schon bei der Paarung wird auch deutlich, dass Kraft und Aggression eine Rolle spielen. Es kann vorkommen, dass sich fast 50 Männchen um ein paarungsbereites Weibchen drängen. Paarungen können zu jeder Jahreszeit stattfinden und das Vorspiel kann Stunden dauern.
Mayaan Buchris (Israelin, Delfinzentrum Eilat) konnte mehrmals Delfinpaarungen beobachten. Und sie hat viel beobachtet, das nicht zum Klischee vom süßen, ewig lächelnden Delfin passt. „Gruppensex ist gar nicht so selten. Ich habe schon beobachtet, wie sich zwei Brüder mit der Schwester paaren oder die Mutter mit dem Sohn. Es hängt sehr stark von dem Charakter der Tiere und der Situation ab. Ich kann mich erinnern: Zindy, ein dominantes Männchen, behandelt die Weibchen ganz unterschiedlich. Zu einer ist er sehr sanft. Zu einer anderen ist er brutal, fast unvorstellbar aggressiv“.

Schwimmen mit Delfinen 1)

Oft sind sie mit sich selbst beschäftigt. Manche Tiere leben ihr ganzes Leben in einer Gruppe. Nur über Kommunikation ist gewährleistet, dass sich jedes Gruppenmitglied auf das andere verlassen kann. Auch mit Hilfe komplexer Pfeiftöne treten sie untereinander in Kontakt, um die sozialen Kontakte aufrechtzuerhalten. „Schon wenige Monate nach seiner Geburt lernt ein kleiner Delfin einen einzigartigen Pfeifton. Er ist sehr wichtig für das Individuum in der Gruppe – wie ein akustischer Fingerabdruck, der sich über ein ganzes Delfinleben nicht verändert.

Verspielte Tiere mit Charakter

So hoch entwickelte, erfolgreiche Jäger sind nicht den ganzen Tag auf Nahrungssuche. Delfine haben Zeit zu spielen, mit allen möglichen Gegenständen: Muscheln, ein Kugelfisch als Fußball…sie inszenieren Haikämpfe.
 Delfine „surfen“ in Bugwellen von Schiffen und mit Wellenreitern am Strand. Aber warum ein Tier Kontakt mit dem Menschen aufnimmt, hängt immer von ihm selbst ab – und von den Umständen, unter denen es lebt. Jedes Tier hat eine eigene Vorstellung, wann es was tun will. Wie es dazu kommt, dass sich Delfine überhaupt berühren lassen, ist schwer zu durchschauen und bedarf viel Einfühlungsvermögen. Jeder Delfin hat einen eigenen Charakter – doch warum die Tiere wie reagieren, hat nur selten mit den Kategorien menschlichen Denkens zu tun.

Wer diese Tiere in ihrem unendlichen „Lebensraum“ erleben durfte muss ganz einfach dafür plädieren, keine Delfine, Orcas, Wale… in den „Badewannen“ von Delfinarien zu halten. Denn sie verdienen es, in Freiheit zu leben, so zu leben, wie sie geboren wurden. Wie Jacques Cousteau sagte:

„Wenn wir Tieren ihre Freiheit zurückgeben, geben wir ihnen zurück, was ihnen bereits gehörte. Denn Menschen können Tieren keine Freiheit geben, sie können sie ihnen nur nehmen“.

Die entscheidende Frage ist, können Delfine als Individuen definiert werden? Und stehen Ihnen damit ähnliche Rechte wie den Menschen zu? Ergreifen wir die Chance, eine Ethik zu entwickeln, die zu einer Wende in dem Verhältnis von Homo sapiens und anderen Lebewesen auf unserem Planeten führt.

 

Schwimmen mit Delfinen 1)

Mit Ihnen in dieser unendlichen Weite zu schwimmen gehört zu den schönsten und faszinierendsten Erlebnissen.

Ich habe ihn? gar nicht bemerktDie leichte Berührung an meiner Seite war kein Zufall (siehe Fähigkeiten der Ultraschallortung…). Er? ist von hinten an mich herangeschwommen, hat mit seiner Berührung auf sich aufmerksam gemacht und sich dann leicht zur Seite geneigt vor mich gestellt. Sekundenlang haben wir uns in die Augen geblickt.

Eine Kommunikation unerklärlicher, magischer Art.

Im wahrsten Sinn des Wortes: u n b e s c h r e i b l i c h!

Alles Weitere wären nur abgedroschene Phrasen, mehr Worte bedarf es nicht.

 

Was Du tust ist wichtig,

wichtiger aber ist, wovon Du träumst,

und dass Du nie aufhörst an Deine Träume zu glauben.

Der träumende Delfin, Sergio Bambaren

 

Schwimmen mit Delfinen 1)
Damit wir uns diesem unbeschreibliche Erlebnis uneingeschränkt und intensiv widmen konnten, haben wir auf  Formen der eigenen Dokumentation (Fotos, Videos…) weitgehends verzichtet. Die Bilder der Delfine – Titelbild sowie mit 1) gekennzeichnet – stammen mit freundlicher Erlaubnis zur Veröffentlichung von den uns begleitenden Tauchern/Fotografen von Roxana R.F.V, Marsa Alam, Ägypten.

The pictures of the dolphins were created with the kind support of the Divers/Photograhpers from Roxana R.F.V, Marsa Alam, Egypt.

 

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