Urlaubsziel Madagaskar: Auf seine Weise schön

Marina vom Blog MS WellTravel berichtet vom „ganz anderen“ Urlaubsziel: Madagaskar.

So es ist soweit und meine letzte Auszeit-Etappe: Madagaskar! Ich bin am 22.03.2016 mittags auf Madagaskar gelandet und wurde nach 4-maligen Pass zeigen und 25 Dollar fürs Visum (siehe Auswärtiges Amt), vom Hotel eigenem Transfer abgeholt.

Während der Fahrt zum Rovahotel (ca. 25€/DZ mit Frühstück) hatte ich meinen ersten Kulturschock. Ich hatte das Gefühl je weiter ich gereist bin – von Südafrika über Namibia bis nach Zimbabwe und nun Madagaskar – desto untouristischer, voller und ärmer wurde es in den Straßen. Dies hatte sich auch am nächsten Tag bestätigt. Mein erster Weg führte zur Bank, da viele Hotels keine Kreditkarten oder nur VISA statt MasterCard akzeptieren. Ich sah kaum Europäer, sondern nur Madagassen, die teilweise auf ihren Verkaufswaren lagen, schliefen oder aßen, Kinder die bettelten oder irgendwas verkaufen wollten. Vereinzelt sah ich noch mal Franzosen, die teilweise ausgewandert waren, um dort ein Restaurant zu führen oder mit dem Direktflug von Paris nach Antananarivo als Urlauber anreisten.

Ich fühlte mich allein, hatte aber Glück einen einheimischen Guide namens Andry vorher über Facebook kennengelernt zu haben, der mit mir gemeinsam Antananarivo besichtigte – vom Bahnhof über Kirchen bis hin zu tollen Restaurants z.B. das Lokanga mit wunderbarer Aussicht auf die Hauptstadt Tana, wie sie auf Madagaskar genannt wird. Momentan ist Andry allerdings in Deutschland, um ein freiwilliges Jahr zu absolvieren und kann Dir leider vor Ort nicht behilflich sein. Ich machte Tagesausflüge zum Beispiel  zum Straßenmarkt (kommend vom Flughafen) oder zum 25km entfernten Lemurs-Park(8,50 € p.P) in Ambatomirahavavy, welchen ich sehr empfehlen kann. Hier half mir Andry Nr.2, der mich dorthin chauffierte – irgendwie heißen sie alle Andry ??

Am 24.03.2016 kam meine Freundin auf Madagaskar an und am nächsten Morgen machten wir uns auf den Weg nach Andasibe, ca. 170km entfernt. Es dauerte 3,5 Stunden und kostete, mit einem Fahrer vom Hotel, ca. 57 € für 2 Personen. In Andasibe, mitten im Nationalpark, wohnten wir im VAKONA FOREST LODGE (42€/DZ mit Frühstück) und besuchten die „Lemurs Island“ (3-4 €) gleich ums Eck. Hier kamen die unterschiedlichsten Lemurenarten auf die Schultern oder auf das Boot gesprungen – einfach toll!

Am 27.3 ging es dann weiter nach Tamatave ins Hotel Joffre (41 €/DZ mit Frühstück), die Landschaft wurde immer schöner und das Gewusel aus der Hauptstadt kleiner. Ich fühlte mich wieder wohl und beherzigte, was jeder uns mitteilte,  die späten dunklen Nachtspaziergänge zu vermeiden. Viel zu sehen gab es leider nicht, außer dem großen Menschenandrang am Strand, wobei dieser nicht zum Baden einlud.

Hier kamen alle Madagassen aus Tamatave zusammen, aßen in aufgestellten Zelten und spielten am Strand Fußball oder Fangen. Der Nachteil einer solchen Massenveranstaltung war das Fehlen von Toiletten und ausreichend Mülleimern. In Tamatave hatten wir leider auch ein wenig Pech, da wir an einem Sonntag ankamen, Montag ein Feiertag war und wir dienstags schon wieder abreisten – somit hatte auch das Wenige geschlossen.

Und zu guter Letzt kam unser Taxifahrer auch noch 1 Stunde zu spät am Abreisetag, mit einem Auto, was bei uns in Deutschland auf dem Schrottplatz zu finden wäre. Da Taxen aber nicht an jeder Ecke zu finden sind – Rikschas schon eher – , sollte man sich vorher Gedanken machen wie man von A nach B kommt – jedoch wird in den meisten Fällen auch noch nach einer Vereinbarung gehandelt! 3 Urlauber erzählten uns, sie wurden nach einer Rikscha-Fahrt mit Steinen bedroht, wenn sie den Betrag nicht verdoppeln würden  – so was habe ich jedoch nie erlebt, wir hatten die Preise vorher abgeklärt und sie wurden zu 98% eingehalten!  Alle waren immer sehr freundlich, auch als wir weiter nach Foulpointe fuhren.

Leider war auch hier nicht wirklich viel zu entdecken außer natürlich die tolle Landschaft, ein erneutes Fest am Strand, sowie eine Fahrt zu einem Naturpark mit Lemuren & Co. Am letzten Abend erhielten wir eine Absage unseres gebuchten Busses (Melissa Express!) der uns zur Fähre nach Soanierana Ivongo bringen sollte. Die Mutter des familiengeführten Hotel Le Lagon (60 € / DZ mit Frühstück und „leckeren Fisch oder Wunsch“ Abendessen) rief kurzerhand ihren Sohn an, der auch an unserem Abreisetag weiter nach St.Marie wollte.

Nach 1-2 Telefonaten, hatten wir zwei Sitzplätze im selben GASIKARA Bus nach Soanierana Ivongo, wo wir nach 4-stündiger Fahrt nach St.Marie (2 Stunden) übersetzen. Jeder der schon mal in Asien war und dort mit einer Fähre gefahren ist, weiß wie es sich auch auf Madagaskar anfühlt – sogar die Madagassen mussten sich bei dem Wellengang übergeben und das noch nicht mal in den ausgeteilten Eimern, sondern einfach auf den Boden. Tipp: eher nach hinten, Richtung Ausgang/Eingang setzen, da bekommt man noch ein wenig Fahrtwind ab und die Augen bei aufsteigender Übelkeit schließen! Eine One Way Fahrt kostet mit Bus und Fähre ca. 23 € p.P.. Eine richtige Website haben sie nicht, jedoch im Lonely Planet sind sie beschrieben oder in Tana haben sie ein Office, sowie kann die Rückfahrt auch am Pier von St.Marie besorgt werden.

In St. Marie hatten wir uns eine tolle Anlage Lakana Hotel (40 € mit Frühstück und Abendessen) ausgesucht, wo unser Bungalow auf einem Steg im Wasser stand. Herrlich und Spucki zu gleich, da die Bungalows keine Toiletten oder Duschen integriert hatten und man somit im Dunkeln – teilweise auch nachts, wenn es windig und die Wellen gegen den Steg peitschen – an Land zu seinem eigenen, abschließbaren Badezimmer musste. Die Besitzer fragten uns eines Abends, ob wir mit zu einem Konzert im benachbartem 5 Sterne SPA Hotel wollten.

Na klar! Dort gab es  ein (kostenpflichtiges) Abendessen, sowie Getränke und ein einstündiges Konzert. Netter Abend, jedoch ohne Tanz, aber mit viel madagassischen Cocktails, die es ins sich hatten. Tagsüber machten wir auf St.Marie Ausflüge mit dem TukTuk um die Insel, mit dem Boot zur Nachbarinsel „Ile de Nattes“ oder zum Piratenfriedhof.

Da wir den Sohn vom Hotel LeLagon aus Foulpointe im Bus kennengelernt  hatten, lud er uns zu seiner Algenfarm via Quad fahren und anschließendem Mittagessen ein. Super Tag sage ich Dir – mitten im Hinterland in Hunderten von Algen, die für Nahrungsmittel & Kosmetik verwendet werden, zu stehen und die verschiedenen Entwicklungsphasen der Algen erklärt zu bekommen (und somit auch die Zeit und Muse der Madagassen mit zu erleben!).

Ich war von so viel Freundlichkeit fasziniert und begeistert! Nette Leute, die an sich nicht viel haben und dennoch teilen! Er erzählte uns, dass er mal in England studiert hatte, dennoch nach Madagaskar zurück gekehrt ist, weil seine Familie hier lebt und es immer wieder schön ist, sich mit Europäern auszutauschen.

Am 4.4. verließen wir St.Marie und fuhren zurück nach Tamatave zum River Port, wo uns Philippe mit seinem Boot 5 Std. über den Canal des Pangalanes (ca. 50 € p.P. – nach Verhandlung) zum Bushhouse (Vorkasse 33 € inkl. Frühstück und Abendessen) brachte. Mitten im Nichts! Auch hier versuchten wir zu Fuß die Insel zu umrunden, es sollten Farbrouten erkennbar sein, jedoch waren wir irgendwann im Nirgendwo und trafen zum Glück unterwegs auf Inselbewohner, die uns halfen zurück zum Hotel zu finden. Ich hatte mich schon im Busch verdursten sehen und das erste Mal Angst nicht zurück zu kommen – aber meine Freundin blieb ganz cool und machte den Eindruck als wenn alles unter Kontrolle wäre.

Als am 6.4 unser Boot nach 30 Minuten Verspätung ankam und wir nach 1,5 Stunden in Manambato ankamen, erwartete uns dort schon Andry (Nr.2) für die 7-stündige Rückfahrt (Achtung ca. 200 km, wovon die ersten 10km 30 Minuten Off Road gingen) nach Tana. Auf dem Weg zurück, merkte ich wie mein Gefühl für Madagaskar sich verändert hatte. Madagaskar ist auf seine ganz eigene Art und Weise schön, die Madagassen lieben es so wie es ist und ich auch, mit ein wenig Verbesserungsbedarf.

In Tana nächtigten wir noch eine Nacht im Rovahotel (25 €/ DZ mit Frühstück), um am nächsten Tag noch mal auf den buntem Markt einkaufen zu gehen  und am Abend – wir buchten im Hotel einen Late Check Out ab 22h – mit dem Hoteltransfer für ca. 15 € zum Flughafen zu fahren.

Am Flughafen erhielten wir einen unschönen Abschied aus Madagaskar, da wir hinter der Zollkontrolle nicht mehr mit den restlichen Ariary, madagassische Währung, bezahlen konnten, nur noch mit Dollar oder Euro, die beim Umtauschen mehr Wert waren; uns unsere handbemalten Glaslaternen, die wir als Handgepäck transportieren wollten, einfach weggenommen wurden ohne Diskussion, eher noch mit Beschimpfungen wir sollten endlich gehen. Damit noch nicht genug folgten 5 weitere Kontrollen u.a. auch mitten auf der Landebahn bis kurz vor dem Flugzeug der Air France Maschine. Hier weiß ich allerdings nicht, ob es  immer so ist oder aufgrund der Anschläge in Paris. Und bei Letzterem  natürlich volles Verständnis und Dank, dass das gemacht wird!

Meine Tipps für Madagaskar

  • Tana reicht für 1-2 Tage als Akklimatisierungstag / Ankunftstag / Abflugstag
  • Viele Urlaubstage um viel zu sehen, da die Wege nicht gut ausgebaut sind
  • Unbedingt einen Fahrer nehmen und nicht auf die Idee kommen sich selber einen Mietwagen zu leihen. Die Straßen sind uneben, mit Schlaglöchern versehen oder gar nicht vorhanden. Straßennamen sind auch eher Mangelware und nach dem Weg fragen, geht nur auf Madagassisch oder eventuell noch auf Französisch – Englisch ist eher nicht verbreitet.
  • Nach Einbruch der Dunkelheit sollte man nicht mehr auf den Straßen spazieren gehen, eher sich ein Taxi vom Restaurant bestellen
  • Möglichkeiten der Kreditkartenzahlungen vorher im Hotel anfragen
  • Nicht überall ATMs, somit vorausplanen für den nächsten Ort – wir hatten teilweise 3 Hotels hintereinander die nur Bargeld akzeptierten, sodass wir in Tana genügend Geld abgehoben hatten.
  • noch kein Reiseziel für jemanden alleine oder mit Kleinkindern (Hygiene)
  • ist keine touristische Urlaubsregion, daher gibt es auch kaum Souvenirs oder Geschäfte wie in Deutschland – falls man meint günstige Markenartikel zu kaufen, muss ich Dich enttäuschen
  • ist kein „ich liege am Strand“ oder Badeland

Hier noch mal meine Route am Stück:

22.3 Ankunft Antananarivo
24.3. Antananarivo – Andasibe – Andasibe N.P + Lemurs Island
27.3 Andasibe nach Tamatave
29.3 Tamatave nach Foulpointe
31.3 Foulpointe nach St.Marie – Fähre von Soanierana Ivongo  nach St. Marie ca. 2 Std. – Piratenfriedhof, Restaurant, Ile de Nattes
04.4. St. Marie nach Tamatave River Port von dort zum Bushhouse (5 Std. Bootstour)
06.4 Bushhouse nach Antananarivo ca. 1, 5 Stunden Bootstour, 7 Std. Fahrt
08.4 Abflug 1:40 Uhr nach Paris
09.4 Ankunft 14: 00 Uhr in Hamburg

Mein Reiseführer-Tipp: DuMont Reise-Taschenbuch Reiseführer Madagaskar

Bei Fragen – immer gerne!

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Bildquellen

  • ©_MSWellTravel: Marina Schütt
  • Tana auf Madagaskar: Marina Schütt

 


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