Slowakei: Überraschung beim Citytrip Bratislava

Stippvisite in Bratislava

Ein Gastbeitrag von Sonja, die im Blog “VielFalten – Fortgeschritten leben jenseits der 50” schreibt.

Von meinem zweiten Lebensort Sarród/ Ungarn nach Bratislava ist es nur ein Katzensprung, etwa eine Stunde mit dem Auto. Trotzdem war ich diese Woche das erste Mal in dieser Stadt. Irgendwie habe ich mit Bratislava nicht so viel Positives verbunden. Umso mehr war ich dann von dieser Stadt überrascht.

Bratislava hat rund 420.000 EinwohnerInnen und liegt im Dreiländereck Österreich, Slowakei und Ungarn. Die Stadt ist ein sehr alter Ort mit wechselhafter Geschichte, bereits die Kelten und Römer haben dort gesiedelt, auch die Deutschen und Ungarn haben die Stadt geprägt, sowie – bis heute sichtbar – der Kommunismus. Seit 1993 ist Bratislava die Hauptstadt des Staates Slowakei.

An dieser Stelle sei erwähnt, dass man den Slowaken mit ihrem Staat kein langes Leben voraussagte, als er sich aus dem Verbund mit der Tschechei löste. Heute ist die Slowakei allerdings die Musterschülerin aller ehemaligen Oststaaten und die einzige, die mittlerweile den Euro hat. Da ich ja zur Hälfte meines Lebens in Ungarn lebe und mich in Städten wie Budapest, Györ und Sopron rumtreibe, kann ich auch klar sagen: Im Vergleich zu den ungarischen Städten ist in Bratislava der Bär los!

Viel Tourismus, sehr viel Jugend, hohe Lebensfreude!

 

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Bratislava wirkt auf den ersten Blick wie eine geteilte Stadt. Mitten durch die Stadt führt eine Stadtautobahn und diese teilt die Altstadt von der Neustadt, sie trennt alte Architektur von Plattenbauten und Hochhäusern.  Was von ArchitekturexpertInnen wahrscheinlich als Frevel gesehen wird, habe ich in Bratislava als spannend erlebt. Ich komme ja aus Salzburg, einer Stadt die ihr barockes Erbe pflegt bis zur Selbstverleugnung, wo jeder Neubau tausendfach diskutiert wird und nur ja nicht modern aussehen darf.

Hier in Bratislava hat sich um solche Diskussionen niemand geschert und die Stadt hat sich einfach entwickelt. Von der alten Burg blickt man über die Donau und steht einer riesigen Plattenbausiedlung gegenüber, aus dem verträumten Garten einer alten Villa erhascht man einen Blick auf ein Hochhaus aus Glas, zwischen Hochhäusern und Wänden mit Graffities erblickt man einen Kirchturm, dessen mit Grünspan überzogenes Dach mit Gold verziert ist. Ich mochte diesen Kontrast.

 

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Diese Autobahn teilt aber nicht nur Architektur, sie teilt auch Gesellschaft. Auf der einen Seite das herausgeputze touristische und sich zur Schau stellende „Juwel“ mit den vielen Touristen, adretten Lokalen und „hippen“ Menschen. Auf der anderen Seite das Bratislava der Slowaken, das Bratislava der einfachen Menschen.

Da gab es den älteren Mann mit Bauch in Jeans und verschwitztem Unterhemd, die dicke dunkelhäutige Frau im Jogginganzug aus rosa Plüsch, die junge Frau in HotPants und Bauchfrei-Leiberl, dazu arabische Lokale, russische Restaurants, jede Menge Kebab-Buden und viele Graffities.

 

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Wenn man den Weg auf die Burg nicht direkt macht über den ausgeschilderten Weg die Treppen hoch, sondern den langen Umweg macht und durch die Siedlung oberhalb der Autobahn streift, dann kann man diesen Kontrast ganz wunderbar erleben.

Entzückt war ich von den vielen Straßenbahnen. Ich mag Städte mit Straßenbahnen einfach, sie erinnern mich an Prag, an Wien und an San Francisco.  Straßenbahnen lösen bei mir immer einen gewissen Nostalgiemodus aus. Wenn dann auch noch eine Burg über der Stadt schwebt, bin ich sowieso hin und weg.

 

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Ganz wunderbar auch die vielen Jugendstil-Kaffeehäuser mit tollen Lampenschirmen und Lustern. Im Sommer sitzt man ja eher im Gastgarten, darum geht die Inneneinrichtung von Cafes eher unter. Aber auf dem Weg zu den Toiletten habe ich oft gestaunt und manchmal hätte ich am liebsten nach drinnen gewechselt.

 

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Zusammengefasst: Nette und gepflegte Altstadt, tolle architektonische Spannung, sehr schöne weite Plätze, hunderte kleine und große Cafes, wunderbare Gallerien und Museen. Sehr lebendig! Ein schönes Städtchen zum Flanieren.

Abschließend zu einem kleinen Minuspunkt.

Von der österreichischen Grenze bis Bratislava sind es 17 Kilometer. Wir wollten die Autobahn vermeiden, weil wir einfach keine Vignette kaufen wollten wegen eines Tagesausfluges. Es war fast unmöglich den Weg abseits der Autobahn zu finden, nirgends gab es eine Beschilderung die NICHT zur Autobahn führte. Auch bei der Heimfahrt hatten wir die gleichen Schwierigkeiten. Es war klar, wir sollten unbedingt über die Autobahn geführt werden. Sowas nervt. Da bleibt ein Nachgeschmack. Vor allem, wenn man die Stadt echt gut fand.

Fotos: Sonja Schiff, Rochus Gratzfeld

 

Danke für diesen Gastbeitrag von Sonja, die im Blog “VielFalten – FORTGESCHRITTEN LEBEN JENSEITS DER 50” schreibt.

Titelbild:

Photo by LubosHouska (Pixabay)

 

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