Finde Dein Zentrum in Portugal: Vom Luxus des Einfachen

Die Seele baumeln lassen im Centro de Portugal

Schon längst haben die Terror-Flüchtlinge die Balearen, die Kanaren, Festland-Spanien und weniger verdächtige Destinationen als die Türkei, Tunesien und Ägypten erreicht.

Nein, ich spreche nicht von den Bürgerkriegs- und Terroranschlag-Flüchtlingen, sondern von den Touristen, die die ewigen Terror-Nachrichten satt haben.

Die Menschen, die ihren wohlverdienten Urlaub ohne Angst um Leib und Leben verbringen möchten. Die Angst im Nacken ist naturgemäß wenig entspannend, um nach dem Urlaub wieder erholt und ausgeruht in die Tretmühle des Berufs zu steigen. Und wenige sind so Thrill-affin, dass sie auch im Urlaub noch (negativen) Stress brauchen.

Leider ist es auch so, dass sich nun alle auf Mallorca und Teneriffa drängen und die Preise und die Touri-Dichte in den Gassen und an den Stränden dort in gewaltige Höhen treiben.

Allein auf Mallorca werden 14 bis 15 Millionen Urlauber erwartet. Eine Pauschalreise dorthin kostet mit Flug und vergleichbarem Hotel doppelt so viel wie an die Türkische Riviera (Jochen Temsch, 08.07.2016, Süddeutsche Zeitung)

Da empfiehlt sich doch ein Gedankenspiel, wie es sein könnte, pro Tag nur 10 (oder weniger) statt 100 (oder 1.000) Touristen zu treffen. Ich spreche nicht unbedingt von der Algarve, die ja schon als Ausweichziel bekannt ist.

Ich denke da eher an den portugiesischen Alentejo, über den ich ja schon berichtet habe. Oder an das Zentrum Portugals:

Centro de Portugal

Die Region fängt etwas nördlich von Lissabon an, zieht sich der Küste entlang bis knapp südlich von Porto und geht dann nach Osten bis zur Grenze nach Spanien. Eingebettet sind UNESCO-Weltkulturerbe-Stätten wie Perlen. Um die geht es heute allerdings nicht, davon habe ich schon in meinem 1988 erschienenen ReiseBuch Portugal – Reise:Ratgeber für Wohnmobil und Caravan  geschrieben. Höchste Zeit aber, neben der in diesem Beitrag vorgestellten Natur auch die Kultur des „Centro“ zu besuchen: Namen wie Batalha, Alcobaca, Tomar und Coimbra, um nur einige Sehenswürdigkeiten zu nennen.

Ende Juni 2016 bekomme ich die Gelegenheit, auf die Schnelle (4 Übernachtungen) den Geist des „Centro“ ein wenig zu touchieren.

Anreise von Terminal 2 des Flughafens in München

Praktisch, wenn Du nichts mehr hasst als in der Schlange zu stehen, ist die Gepäckabgabe per Automat.

 

 

Besser zu früh als zu spät: Im Terminal 2 ist gerade nicht viel los. Der Sicherheitscheck ist freundlich und schnell, so dass ich noch 2 Stunden bis zum Abflug habe.

 

 

Energie für Mensch und Maschine

 

… und natürlich kostenloses WLAN, zeitlich unbegrenzt

 

Heiße Getränke und kühle Wirtschafts- und Tageszeitungen

 

Noch ein wenig ausruhen vor dem Flug, der von MUC nach LIS aber nur knappe 3 Stunden dauert:

 

 

 

 

Auf dem Hinweg eine warme Nudelspeise mit Nachtisch, dazu Saft und Rotwein, auf dem Rückweg deutlich weniger

 

Schon kommt die Küste bei Lissabon in Sicht:

Im Hintergrund siehst Du die Wolkenschicht, die uns noch mindestens 24 Stunden die Sonne vom Hals halten wird

 

Noch eine Drehung um 180 Grad, dann fliegen wir über den Tejo:

 

Anflug dicht über Lissabon

 

 

Meine Reise als Karte

Start und Ende am Flughafen Lissabon (A + G)

Buchstabenfolge gemäß Verlauf der Reise

Eine Stunde nach dem Verlassen Lissabons sind wir schon, leider unter einer dichten Wolkendecke, die sich diagonal nördlich von der Hauptstadt übers Land gelegt hat, wieder an der Küste. In A dos Cunhados  (nördlich von Santa Cruz) liegt das Hotel für eine Übernachtung, das

 

Areias do Seixo


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Das Boutique-Hotel Areias do Seixo (buchbar z.B. bei Olimar*) hat eine gute Aussicht aufs Meer und zeichnet sich durch die kreative Gestaltung mit natürlichen Stoffen wie Stein, Glas und Holz aus. Im Restaurant benutzen die Köche die Produkte aus eigenen Gewächshäusern und dem Garten.

 

 

 

Eingang zum Spa mit Sauna, Hamam und Massageräumen

 

 

Aufforderung: Nimm Dir einen Korb und füll ihn mit den Produkten aus biologischem Anbau!

 

 

 

Zum Sundowner sind wir eingeladen, am Lagerfeuer Platz zu nehmen, um den Gitarrenklängen zuzuhören, oder einen kurzen Spaziergang durch den feinen Sand den Abhang hinunter zum Strand zu machen, den man in 10 Minuten erreichen kann. Ich bleibe dank und wegen meiner Behinderung lieber oben am Hang stehen und lasse mit dem Rotweinglas in der Hand die friedliche Sonnenuntergangsstimmung hoch über dem Meer auf mich einwirken.

 

Durch den Rauch des Lagerfeuers fotografiert: Prächtige Pfadfinderstimmung

 

 

 

 

 

 

Zum Abendessen treffen wir uns wieder an einer Tafel, die wie das ganze Boutique-Hotel mit allem möglichen Krimskrams geschmückt ist. Es gibt heute Abend zur Auswahl:

 

 

 

Zum Olivenöl serviert man uns  frisch gebackenes Brot und auf einem Stein angerichtet eine Trilogie aus Butter von der Kuh, vom Schaf und der Ziege. Die Tiere haben alle einen Namen, damit die Speisen persönlicher herüber kommen. Ein wenig unpraktisch, wenn Du den Stein mit Deinen Tischnachbarn teilen sollst und Dir die Butter regelmäßig vom Stein auf den Tisch kullert 😉

Apropos Namensgebung: Der Tintenfisch, der später auf den Tisch kommt, hat keinen Namen. Egal, er wird namenlos verspeist. Genauso wie die Garnelen.

 

 

 

 

 

Fazit: Nach einer schmackhaften kleinen Vorspeise konnte der dem Kaumuskel Widerstand leistende Tintenfisch auf geschmacksneutralem Risotto mich nicht überzeugen. Bedeutend weicher war die köstliche Nachspeise. Der Vegetarier unter den Gefährten war mit seinem Mahl ganz zufrieden. Da wäre man doch gern mal Vegetarier gewesen  😉

 

Alle Speisen werden übrigens in einer offenen „Show-“ Küche zubereitet. Hier die Ansicht beim Frühstück:

 

 

 

 

 

Die Villen des Hotels. Nicht für Behinderte geeignet, da Treppen zu begehen sind.

 

Im Aufenthaltsraum im Erdgeschoss der Villa hast Du unbegrenztes kostenloses WLAN. Natürlich auch in den anderen Räumen des Hotels im Hauptgebäude.

 

 

Im Treppenhaus der Villa

 

 

Ebenerdiger Dusch-Zugang, allerdings keine Ablage für Shampoo und nichts zum Festhalten. Rutschgefahr!

 

Kontakt:

Areias do Seixo
Praceta do Atlântico, Mexilhoeira, Povoa de Penafirme
2560-046 A-dos-Cunhados, Portugal
Tel.: +351 261 936 340
E-Mail: info@areiasdoseixo.com
www.areiasdoseixo.com

 

Wir fahren weiter nach Peniche, wo folgendes auf dem Programm steht:

  • Zum Lagerhaus der “Atadeiras” (Fischerfrauen, die die Netze flicken)
  • In die städtische Markthalle, um dort Gemüse und Fisch zu kaufen
  • Ins Fischerviertel Bairro do Visconde, wo wir zusammen mit Einheimischen hoch überm Meer Fische grillen und bei einem rustikalen Picknick verspeisen

 

Peniche


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Peniche ist Treffpunkt der berühmtesten Wellenreiter der Welt. Was die örtliche Tourismusbehörde veranlasst, auf ihre Visitenkarten die „Supertube“ zu drucken. Das wäre nicht gerade sehr bemerkenswert, wenn uns nicht der örtliche Vertreter des Tourismusamtes statt einer Visitenkarte eine Dose Sardinen in die Hand drückte. Mit der „Supertube“, der Superwelle darauf. Weil er damit zeigen kann, was in Peniche wichtig ist, nämlich Tourismus und Sardinenfabrik.

 

 

Die Küste von Portugal ist durch die längsten rechtsbrechenden Wellen Europas in Figuera de Foz bekannt geworden – die Monsterwellen von Nazaré gehören auch dazu, und natürlich die Superröhren von Peniche. In Nazaré gelang es Garret McNamara aus Hawaii, eine fast 24 Meter hohe Riesenwelle zu bewältigen: Der 1. November 2011 wird seitdem unter den Surfern in Portugal in Ehren gehalten.

Wir folgen dem Kleinwagen unseres örtlichen Führers und gelangen nach dem Tor zum Hafen an einen freien Platz, wo sich eine Gruppe von Rentnern über ein 100.000 Euro teures Fischernetz hermacht. Nicht aus Spaß, sondern der Not gehorchend: Das Netz hat Löcher und muss schleunigst geflickt werden, denn so ein Kutter hat nur 1 Netz, und jeder Tag ohne Einsatz im Meer bedeutet einen beträchtlichen Verdienstausfall für die Eigner des Schiffs.

Ein Platz im Hafen musste gefunden werden, der einigermaßen eben, groß genug und Hindernis-frei ist, denn das Netz soll nicht nach gelungener Reparatur irgendwo hängen bleiben und erneut reißen.

Und so sitzen also die Damen und Herren Pensionäre und verdienen sich ein wenig neben der Rente, in dem sie das Netz in den Zehen verankern und mit einer Hand spannen, während die andere, mit einem messerähnlichen Gegenstand bewaffnet, die Löcher zu stopfen sucht. Hier einige Momentaufnahmen, die bei bedecktem Himmel entstanden sind. Doch auch für Sonnenschein ist die Rentnergang gewappnet: Sonnenschirme sind gleich zur Hand.

 

 

 

 

 

Nun aber in die städtische Markthalle, wo wir kräftig einkaufen

 

 

 

 

 

 

 

 

Das Fischerviertel von Peniche liegt nicht etwa auf Meereshöhe, sondern etwas erhöht auf einem Felsen. Von hier kannst Du einem Wanderweg durch Peniche folgen und die Winkel und Gassen des Viertels auskundschaften (wenn Dich nicht gerade ein Hund verbellt). Die Festung ist auf diese Weise leicht erreichbar, Du kannst sie aber auch schon vom Fischerdorf aus gut fotografieren.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Ich weiß nicht, wie es organisiert wurde, aber ich finde es gut: Über 40 Jahre ist unser Chefgriller mit seiner Frau in Deutschland gewesen, nun bereitet er zusammen mit seinen Freunden aus dem Haus gegenüber ein frugales Mahl, das meine Gefährten und ich gar nicht schaffen können. Danke!

 

 

 

 

Die Festung von Peniche

Ein wenig Geschichte will ich mir doch noch abholen, wenn auch der Tenor dieser Reise laut Ausschreibung auf dem „Luxus des Einfachen“ und der Natur, und nicht auf der Geschichte und Kultur des Landes liegt:

 

Ich habe keine Ahnung, was das Bauwerk betrifft, und nähere mich dem Innenhof durch ein Tor. Beim Umdrehen auf dem Aussichtspunkt meine ich, Türme wahrzunehmen, die auf ein Gefängnis hinweisen. Die nächste Entdeckung: Ein Innenhof, auf den eine Mauer mit vergitterten Fenstern sieht, deren Glas wohl schon seit längerem zersplittert ist.

Kurz vor dem Verlassen der Festung dann die Erkenntnis: Ja, da war einmal ein Gefängnis. Und zwar eines der sinistren Art. Eine Ausstellung im Museu Regional zeugt davon. Schade, dass ich so wenig Zeit habe. Beim nächsten Mal mehr von der Festung von Peniche, die zwischen 1557 und 1570 entstand.

Unter der Salazar-Diktatur wurden darin politische Gefangene von der Allgemeinheit ferngehalten. Zur Berühmtheit wurde die  „Flucht von Peniche“ am 3. Januar 1960, als es dem späteren Generalsekretär der Kommunistischen Partei Portugals Álvaro Cunhal samt Genossen gelang, aus dem Knast zu entkommen.

Wir verlassen nun die Küste von Portugal, um etwa 600 Höhenmeter in die Region von Coimbra zu fahren, wo findige Köpfe die „Schieferdörfer“ wieder-erschaffen haben, eine Attraktion par excellence für Naturliebhaber, Wanderer und Radfahrer.

Hier findest Du Schieferdörfer, Ziegenkäse-Herstellung vom Melken bis zum fertigen Käse, Tropfsteinhöhen und einen Töpfer, der Dir sogar das Abendessen macht.

 

 

Was Du unbedingt in Deinen Reiseplan einbauen solltest

Natur und Sport, schön und gut. Doch vergiss bitte nicht die Juwelen der Geschichte und Architektur, die Portugal Centro Dir zu bieten hat. Hier eine Auswahl:

Diese Reise wurde unterstützt von

TCP/ARPT Centro de Portugal
Casa Amarela — Largo de Sta. Cristina
3500-181 Viseu – Portugal
TEL: +351 232 432 032
FAX: +351 232 432 030
E-MAIL: info@centerofportugal.com
www.centerofportugal.com
www.facebook.com/centro.de.portugal.fans
www.twitter.com/aboutcentro

und

www.flytap.com – Portugals Fluglinie

 


 

(*) Das Produkt oder die Dienstleistung, mit einem Sternchen bezeichnet, hat werblichen Charakter, kann also als „Anzeige“ oder „Werbung“ bezeichnet werden. Mehr zum Thema Angebote auf ReiseFreaks ReiseBlog

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Wolfgang Brugger

CEO, Founder
Wolfgang Brugger ist der Webmaster von ReiseFreaks ReiseBlog. Reist (trotz schwerem Unfall und Gehbehinderung) gerne und schreibt ehrlich über seine Reisen und die Möglichkeiten/Hindernisse, die er vorfindet.   PS: Bleib am Ball! Abonnier den kostenlosen ReiseNewsletter "ReiseJournal: ReiseNews und ReiseBerichte" unter http://ReiseNewsletter.ReiseFreak.de oder gleich auf dieser Seite, rechts.
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2 Antworten auf Finde Dein Zentrum in Portugal: Vom Luxus des Einfachen

  1. Gerald Grahammer sagt:

    Hallo Wolfgang!

    Meine Frau und ich kommen im Abstand von 4 Monaten noch während des laufenden Schuljahres in Pension. Da muss man sich schon ein bisschen um gute Reisetipps umsehen, und was läge näher als bei einem alten Indien-Reisekollegen??? 🙂

    Ich selbst bin zwar mit meinem Schulpartnerprojekt noch bis 2019 mit Reisen versorgt, die nächste geht im April nach Mazedonien und dann gleich darauf im Juli nach Litauen zu einem „Computer-Sommertreffen“.

    Herzlichen Gruß an euch beide

    Gerald

    • Freut mich, Gerald, wieder einen „Fan“ gefunden zu haben.

      Sicher ist der ein oder andere Beitrag für Deinen Geschmack.

      Kommentare unter den Beiträgen helfen, sie besser zu machen oder Unklarheiten zu klären.

      Weiter so – und gute Reise(n)!

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