Peru: Cajamarca, ein Schauplatz der Inka-Geschichte

Paul vom ReiseBlog  adventureluap.de berichtet in diesem Gastbeitrag aus Peru:

Cajamarca ist ein geruhsames Städtchen in Nordperu und ideal für Backpacker. Die 100.000-Einwohner Stadt ist auch als Residenz des letzten Inka-Königs Atahualpa bekannt und zählt mit zu den geschichtsträchtigsten Orten von Peru. Sehenswert sind nicht nur die barocken Kirchen, auch die Ventanillas de Otuzco, die angelegten Kanäle bei Cumbemayo und die Inka-Bäder (Baños del Inca) lohnen einen Besuch.

Das koloniale Städtchen Chachpoyas ist nur eine Tagesreise von Cajamarca entfernt, hier kann das größte Bauwerk von Südamerika besichtigt werden – die Festung Kuélap, das Machu Picchu von Nordperu.

Es ist ruhig an der Plaza de Armas von Cajamarca, ein geruhsames und koloniales Städtchen im Norden von Peru. Ich treffe auf keinen Touristen, nicht ein einziger Backpacker läuft mir über den Weg.

Darüber bin ich etwas erstaunt, denn Cajamarca ist ideal fürs Backpacking: es gibt viel zu entdecken und alles ist sehr billig. Insgesamt halte ich mich für 6 Tage in Cajamarca auf, dabei ist auch ein Ausflug über 3 Tage bis nach Chachapoyas und zur Festung Kuélap geplant.

Ich nehme auf einer Bank gegenüber den Brunnen an der Plaza Platz, um alles auf mich wirken zu lassen und in diesem Moment bietet mir ein junger Mann an, meine Schuhe zu putzen. Er heißt Jorge und lächelt mich freundlich an. Ich werde in dieser Woche schon zum dritten Mal darauf angesprochen, also lasse ich es geschehen.

In Südamerika zählen die Schuhputzer zum Straßenbild. Meistens sind es sehr junge Männer oder gar Kinder, so wie eben Jorge, welche auf diese Weise ihr Geld verdienen. Nach 10 Minuten ist Jorge fertig, ich gebe ihm sein Geld und er zieht mit seinen Putz-Utensilien weiter.

In einer Agentur buche ich eine Tour für den Nachmittag zu den Ventanillas de Otuzco.

 

Ein junger Mann putzt mir an der Plaza de Armas von Cajamarca für 5 Soles die Schuhe
Jorge putzt mir an der Plaza de Armas von Cajamarca für 5 Soles die Schuhe

 

Der Brunnen im Zentralbereich der Plaza de Armas von Cajamarca
Der Brunnen im Zentralbereich der Plaza de Armas von Cajamarca

 

Cajamarca – eine Stadt auf 2.750 m Höhe

Cajamarca liegt auf 2.750 m Höhe, die Stadt ist u.a. für seine Käse- und Milchprodukte bekannt, in der näheren Umgebung befinden sich einige der ergiebigsten Silberminen von Peru. Diese Minen bescheren der Region Arbeit, diese Minen sind der Grund, warum mir viele von einer Reise nach Cajamarca abgeraten haben. Wegen dieser Minen gibt es seit Wochen anhaltende Proteste in der Region um Cajamarca.

Die Proteste finden mittlerweile im Stillen statt. Es ist so ruhig, dass ich mich wundere weshalb Cajamarca einen Flughafen besitzt. Protestiert wird gegen die Politik, gegen die enorm schlechten Arbeitsbedingungen in den Minen. Mir wurde gesagt, dass auch zwölfjährige Kinder in den Minen arbeiten. Ich sehe Menschengruppen hinter den Brunnen vor der Kathedrale, sie halten Schilder in der Luft und verleihen ihrer Empörung Ausdruck.  Ich versuche, die großen Menschenmengen zu meiden.

 

Cajamarca, ein Schauplatz der Inka-Geschichte

Cajamarca ist eine der ältesten Städte des Landes und einer der geschichtsträchtigsten Orte von Peru. Die Plaza de Armas zum Beispiel ist ein Schauplatz der nationalen Geschichte. Hier wurde der letzte Inka-Herrscher Atahualpa nach der Schlacht von Cajamarca durch den Conquistador Francisco Pizarro gefangen genommen.

Das Gefängnis (Cuarto del Rescate) von Atahualpa befindet sich nur einen Block (Cuadres) von der Plaza entfernt, direkt neben der Iglesia San Francisco. Angeblich ließ der Inka-König den Raum einmal mit Gold und zweimal mit Silber füllen, um sich freikaufen zu lassen.  Entgegen der Absprache wurde Atahualpa trotzdem nicht freigelassen und am 26. Juli 1533 an der Plaza de Armas durch den Strick hingerichtet.

Die schöne Iglesia San Francisco von Cajamarca
Die schöne Iglesia San Francisco von Cajamarca

 

Der Eingangsbereich zum Cuarto del Rescate
Der Eingangsbereich zum Cuarto del Rescate – hier wurde Atahualpa gefangen gehalten

 

In diesem Raum wurde Atahualpa gefangen gehalten
Die Außenmauern des Cuarto del Rescate

 

Atahualpa ließ den Raum bis hin zu einer angebrachten Markierung zweimal mit Silber und einmal mit Gold füllen. Entgegen der Absprache wurde Atahualpa dennoch ermordet
Atahualpa ließ den Raum bis hin zu einer angebrachten Markierung zweimal mit Silber und einmal mit Gold füllen. Entgegen der Absprache wurde Atahualpa dennoch ermordet

 

Es ist seltsam, durch das Cuarto del Rescate zu schreiten. Die Dramatik der damaligen Ereignisse lassen sich kaum mehr nachempfinden.

Die Iglesia Belén (Bethlehem Kirche) südlich der Iglesia de San Francisco gilt als die älteste und schönste barocke Kirche von Cajamarca, für Experten ist es gar eine der schönsten in Peru.

Die schönste Barock-Kirche von Cajamarca: La Iglesia Belén
Die schönste Barock-Kirche von Cajamarca: La Iglesia Belén

 

Später finde ich mich erneut an der Plaza wieder. Eigentlich wollte ich den Cerro Apalonia herauf um einen schönen Ausblick auf die Stadt zu haben, doch ich wurde eindringlich davor gewarnt. Im Hostel sagte man mir, dass in der letzten Woche auf den Weg dorthin zwei Touristen überfallen worden waren.

Ich sehe Jorge auf der anderen Seite der Plaza, er grinst mir zu. Tauben spazieren gurrend an mir vorbei, auf der Suche nach Brotkrümelchen. Der Himmel ist blau, durchsetzt von weißen Wölkchen. An der Stirnseite der Plaza steht die schöne Kathedrale von Cajamarca, genau auf der gegenüberliegenden Seite der Iglesia de San Francisco.

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Die schöne barocke Kathedrale von Cajamarca

 

Ventanillas de Otuzco – ein einzigartiges archäologisches Zeugnis

Nach dem Mittagessen startet der Bus zu den Ventanillas de Otuzco (Fenster von Otuzco) an der Plaza de Armas. Die Ventanillas de Otuzco befinden sich auf 2.850 m Höhe inmitten einer hügeligen Landschaft, ungefähr 8 km nordöstlich von Cajamarca. Es handelt sich um ein einzigartiges archäologisches Zeugnis, bei den in Stein gehauenen Nischen handelt es sich um Gräber, die ältesten sind Schätzungen zufolge mehr als 3.500 Jahre alt. Teilweise sind diese Grabnischen verziert, die meisten erscheinen jedoch sehr schlicht.

Die ~80 cm x 80 cm großen  Grabnischen haben eine quadratische Form und wurden in mehreren übereinander liegenden Reihen in den Fels gehauen. Archäologen vermuten, dass diese Nischen größtenteils von der Cajamarca-Kultur angelegt worden sind.

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Die Ventanillas de Otuzco liegen inmitten einer hügeligen Landschaft auf 2.850 m Höhe
Die Ventanillas de Otuzco liegen inmitten einer hügeligen Landschaft auf 2.850 m Höhe

 

Reise mit dem Bus nach Chachapoyas über halsbrecherische Schotterpisten

Am nächsten Tag reise ich mit einem Bus der Gesellschaft Moviltours nach Chachapoyas. Die Fahrt gestaltet sich abenteuerlich, der Weg führt über halsbrecherische Schotterpisten und unbefestigte Straßen. Die Fahrt ist nichts für jemanden mit schwachen Magen und Nerven. Mein Nachbar hält schon eine Plastiktüte in den Händen, er hat kaum noch Farbe im Gesicht. Unterwegs halten wir inLeymebamba. Wer hier Zeit hat, der kann die Felsen-Gräber von Revash besichtigen. Nach 12 Stunden Fahrt erreicht der Bus Chachapoyas und am nächsten Tag lerne ich das größte Bauwerk von Südamerika kennen – die Festung Kuelap. Die Festung Kuélap ist für mich das Machu Picchuvon Nordperu, sie steht in ihrer Schönheit jener legendären Inka-Festung nördlich von Cuscowirklich in nichts nach.

Das Schöne dabei ist, dass man fast alles für sich allein hat. Es reisen erstaunlich wenige Touristen in den wunderbaren Norden von Peru.

Die Festung Kuélap bei Chachapoyas ist ein mystischer Ort
Die Festung Kuélap bei Chachapoyas ist ein mystischer Ort

 

Cumbemayo – Kanäle der Cajamarca Kultur auf 3.500 m Höhe

Nach meiner Rückkehr in Cajamarca besuche ich noch Cumbemayo. Bei der Tour bin ich der einzige Teilnehmer aus Europa. Alle anderen Reisenden sind offenbar Peruaner.  Es handelt sich bei Cumbemayo um auf  3.500 m Höhe angelegte Bewässerungskanäle, ungefähr 19 km südöstlich von Cajamarca gelegen.

Die Bewässerungskanäle wurden wohl von der Cajamarca-Kultur angelegt und erreichen  mehr als 9 km Länge. Spektakulär sind auch die umgebenden Felsformationen aus Vulkangestein.  Die Formationen werden teilweise auch „Los Frailones“ („Große Mönche“) genannt, denn aus der Ferne betrachtet erscheinen die Fels-Formationen wie eine Gruppe von riesigen Mönchen mit Kapuze.

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Die Formationen werden auch "Los Frailones" genannt, denn aus der Ferne betrachtet erscheinen sie wie eine Gruppe riesiger Mönche mit Kapuze
Die Formationen werden auch „Los Frailones“ genannt, denn aus der Ferne betrachtet erscheinen sie wie eine Gruppe riesiger Mönche mit Kapuze

 

Das Bewässerungssystem auf 3.500 m Höhe wurde höchstwahrscheinlich von der Cajamarca-Kultur geschaffen.
Das Bewässerungssystem auf 3.500 m Höhe wurde höchstwahrscheinlich von der Cajamarca-Kultur geschaffen.

 

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Die Gesteinsformationen erscheinen zylinderförmig und bestehen aus einen trachytischen Tuff, sie zählen zur späten Kreide und zum frühen Tertiär. Im Laufen der Jahrmillionen wurden diese Formationen während des Tertiär durch Wind und Regen modelliert.

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Die Formationen haben einen verblüffenden Formenreichtum und sind sehr fantasieanregend

 

Los Baños del Inca

Den letzten Tag in Cajamarca lasse ich mit einen Besuch der Inka-Bäder (Los Baños del Inca)ausklingen. Diese sind auch über einen 6 km langen Fußmarsch von den Ventanillas de Otuzco aus erreichbar.

Am frühen Morgen nehme ich an der Avenida Sabogal ein Colectivo (1 Soles) und lasse mich vor dem Eingang absetzen. Der Eintritt kostet 2 Soles, ich bezahlre für ein eigenes Bad in einen abgeschlossenen Raum weniger als 10 Soles. Nach dem Bezahlen erhalte ich einen Zettel mit zugehöriger Nummer und Uhrzeit.

Der Eingangsbereich zu den
Der Eingangsbereich zu den Baños del Inca

 

Ich habe noch über eine Stunde Zeit. Auf einen Schild lese ich, dass die thermalen Wässer sehr gering mineralisiert sind und Temperaturen von bis zu 70°C haben. Offenbar haben auch Prä-Inka Völker diese Wässer zur körperlichen Entspannung genutzt.

Angeblich hat sich auch Atahualpa mit seinen Konkubinen hier amüsiert. Auch am letzten Tag vor seiner Festnahme soll Atahualpa hier gebadet haben.

 

Hier hat auch Atahualpa gebadet. In diesen Becken soll sich Atahualpa vor Jahrhunderten mit seinen Konkubinen vergnügt haben
Hier hat auch Atahualpa gebadet. In diesen Becken soll sich Atahualpa vor Jahrhunderten mit seinen Konkubinen vergnügt haben

 

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Auch ich nehme mir später ein privates Bad, es ist einfach wunderbar entspannend:

Ein entspanntes Bad in den
Ein entspanntes Bad in den Baños del Inca von Cajamarca

 

Weitere Informationen

Anreise und Weiterfahrt

Mit dem Bus:

Cajamarca ist von Trujillo oder Chiclayo aus bequem per Bus erreichbar. Der Bus ist das gängigste Reisemittel in Peru, die Busse sind bequem ausgestattet und die Preise sind durchaus erschwinglich.

Die Busfahrt kann in der jeweiligen Stadt am Busterminal vor Ort organisiert werden. Es ist aber auch möglich, die Fahrt über die beiden folgenden Seiten zu buchen:

https://busportal.pe/

http://www.go2peru.com/peru_bus.htm

 

Für die Buchungen an dieser Stelle noch eine kurze Übersetzungshilfe:

  • Ciudad de Origen: Abfahrtsort
  • Ciudad de Destino: Zielort
  • Fecha ida/salida: Tag der Abfahrt
  • Fecha regreso/retorno: Tag der Rückkehr

 

Mit dem Flugzeug:

Cajamarca kann z.B. auch bei knappem Zeitbudget von Lima aus per Flugzeug angesteuert werden. Der Flug dauert dabei ca. 1 h.

Flüge können zum Beispiel bei http://www.traficoperu.com/espanol/index.html gebucht werden.

 

Hostel

Hostal El Cabildo (Junin 1062): sehr zentrale Lage, keine Dormitorios
Hostal Doña Juanita (Jr. Cinco Esquinas 840): unweit der Plaza de Armas
Hostal Turismo (2 de Mayo 817): sehr gute Lage

 

Danke für diesen Gastbeitrag an Paul vom ReiseBlog adventureluap.de!

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