Ostfriesland – ein Reisebericht. Mit dem Wohnmobil entlang der Nordseeküste

Ostfriesland: Neuharlingersiel: Hafen

“Warmer Sommer weckt Reiselust – Deutsche zieht es an die See” stand in unserer Heimatzeitung Ende Juli 2006.
Deutschland profitiere vom heißen Sommer, wird die Sprecherin des Deutschen Reiseverbandes (DRV) zitiert. Und weiter:

“Viele, die nicht schon vor dem Sommer gebucht haben, entscheiden sich kurzfristig für eine Inlandsreise (*)”.
Grund genug für uns, die wir – weit ab von der See – an der Donau in Bayern wohnen, den Sommer an der ostfriesischen Küste kennen zu lernen.

 

 

 

 

Ostfriesland

Mit dem Wohnmobil entlang der Nordseeküste

 

 

Vorwort

 

Warmer Sommer weckt Reiselust – Deutsche zieht es an die See” stand in unserer Heimatzeitung Ende Juli 2006.

Deutschland profitiere vom heißen Sommer, wird die Sprecherin des Deutschen Reiseverbandes (DRV) zitiert. Und weiter: “Viele, die nicht schon vor dem Sommer gebucht haben, entscheiden sich kurzfristig für eine Inlandsreise (*)”.

Grund genug für uns, die wir – weit ab von der See – an der Donau in Bayern wohnen, den Sommer an der ostfriesischen Küste kennen zu lernen.

Dies ist der Bericht unserer Kurzreise an die ostfriesische Nordsee, nicht mehr und nicht weniger. Wer ausführliche Informationen sucht, der sei auf die homepages der vorgestellten Orte verwiesen (ich habe die Links dazu meist hinterlegt) oder auf die später aufgeführte Reiseliteratur .

(*) Laut dem DRV verbringen die Deutschen rund ein Drittel der Reisen ab 5 Tagen im Inland.

Anreise

Unser Hymer-Exsis ist gepackt. Ein paar essentielle Vorräte und die Küchenutensilien, Kleidung für warme und nicht so warme Tage sowie Laptop, Kamera und Musik-CDs verstaut, da kann ja eigentlich gar nichts schief gehen.

Das Wetter hat pünktlich zu Beginn der bayerischen Sommerferien von “herrlich” auf “grauslich” gedreht, mit einem abrupten Temperaturabfall, so dass wir hingehend für einen Urlaub am Watt der deutschen Nordsee gerüstet sind.

Nun liegen nur noch 860 km abwechslungsreicher Strecke mit zunächst nur spärlich, dann heftiger befahrener Autobahn, vor uns. Regen, Baustellen und mitunter abenteuerliche Stadtumfahrungen lassen keine Langeweile aufkommen, bis dann endlich unser Tagesziel Emden (W)erreicht ist.

Und das soll genug sein für heute. Ganz schön anstrengend für die Fahrerin, die seit 10 Jahren nur 5-10 km pro Tag mit einem Kleinwagen unterwegs ist und nun ein mittleres Wohnmobil quer durch Deutschland kutschiert. Eine Aufgabe, die sie bravourös meistert, während der Autor dieser Zeilen, nach einem Unfall schwerbehindert, als Beifahrer seinem nunmehr etwas anderen Job nachkommt. Natürlich trägt auch dasHymer-Wohnmobil dazu bei, dass sich das Fahren nicht zu sehr vom PKW-Fahren unterscheidet. Mit fast 130 PS zieht der Fiat Turbo-Diesel recht flott davon, und da er als PKW zugelassen ist, kann er auch auf der (freien) Autobahn zeigen, wie schnell er die Strecke abspulen kann.

Im Gegensatz zu den anderen (großen) Wohnmobilen, “Dickschiffe” genannt, die der Autor bisher zur Verfügung hatte, schwankt der Exsis kaum, wenn auch das Überholen von Lastwagen anfangs – durch die starken Luftrömungen – gewöhnungsbedürftig ist. Fast nicht zu glauben, welch gigantischen Luftmassen ein LKW oder Reisebus vor sich her schiebt. Und ebenfalls kaum zu fassen, wie schnell viele LKWs und Reisebusse auf der Autobahn fahren. “Darf der das?” will man da fragen. Doch wo kein Kläger da kein Richter. Nicht jeder hat die Straßenverkehrs-Ordnung (StVO) auswendig parat.

Wenn ich mit 130 Mühe habe, einen LKW zu überholen, denke ich mir meinen Teil. Oder wenn der Bus vor mir mehrere PKWs überholt, weil sie für seine Begriffe zu langsam fahren.
Auf unserem erstem Wohnmobilstellplatz (Parkplatz an der Nordseehalle) angekommen, fragen wir Einheimische, die ihren Hund Gassi führen, nach einem guten, aber preiswerten Restaurant.

Beim Griechen, der nur ein paar Minuten zu Fuß über zwei schmale Wasserläufe entfernt sein Lokal betreibt, haben wir die besten Lammkoteletts seit 10 Jahren gegessen. Dieser schon von weit her ausgezeichnet ausgeschilderte kostenlose, ruhige Stellplatz  an der Nordseehalle, zwischen Schulen und Wohnhäusern gelegen, bekommt daher unsere besondere Empfehlung. Wie es allerdings mit der Ruhe außerhalb der hiesigen Schulferien aussieht, kann ich nicht sagen.

Der Ordnung halber möchte ich auch auf andere Stellplätze in Emden hinweisen.

Rysum
Das platte Land hat uns, die wir eher das Alpenvorland, Mittelgebirge wie die Schwäbische Alb oder zumindest hügelige Landschaft gewohnt sind, seit dem Eintritt in die Norddeutsche Tiefebene fest im Griff. 15 km westlich von Emden liegt Rysum (W) als ein “klassisches” Rundwarfendorf. Wir besichtigen die Rysumer Kirche, die an der höchsten Stelle der Warft steht, wegen der ältesten, noch bespielbaren erhaltenen Orgel Nordeuropas (1457).


Nicht weit weg davon befindet sich diese stattliche Windmühle:

 

 

Greetsiel
Greetsiel empfängt uns mit einem großen Parkplatz in der Ortsmitte, der laut Schild nur für PKWs zugelassen ist und der bis auf ein halbes Dutzend Autos und ein Wohnmobil uns fast gähnend leer erscheint. Da unser Hymer-Wohnmobil nicht nur als PKW angemeldet ist, sondern durch seine alltagsgerechte Bauart auch perfekt in die durch weiße Streifen vorgegebenen Parkbuchten passt, machen wir uns nach Entrichtung eines großzügig bemessenen Obulus an die Parkuhr guten Gewissens auf zu einer ersten Erkundung der malerischen Ortschaft.

Greetsiel steht auf einer Siedlung, die hier schon im Jahr 800 gegründet wurde. Die farbenfrohen Häuser entlang des “schönsten Siel-Hafens an der gesamten deutschen Nordseeküste” machen es leicht, eindrucksvolle Fotos mit nach Hause zu bringen. Die Fußgängerzone trägt durch ihr mittelalterliches Ambiente dazu bei, sich hier wohlzufühlen, vorausgesetzt, es traben nicht hunderte von Mitmenschen gleichzeitig durch die Gassen.

Nach dem Genuss eines Erdbeerpfannkuchens wollen wir zurück zum Parkplatz und eine kurze Pause in Wohnmobil einlegen, bevor es nochmals in die Ortschaft zur weiteren Recherche geht. Am Wohnmobil angekommen erwartet uns ein denkwürdiger Zettel an der Windschutzscheibe. Uns wird auf diesem Dokument ein Fehlverhalten verkehrstechnischer Natur unterstellt (Parken hier für unseren Hymer nicht erlaubt) und ein Brief angekündigt, den wir zu Hause erhalten sollen.

Obwohl der Stil bemüht freundlich gehalten und unsere Parkzeit noch lange nicht abgelaufen ist, ziehen wir es vor, dem Ort den Rücken zu kehren und zwar nicht das Weite, aber die Straße nach “Norden” und Norddeich zu suchen.

Schade eigentlich…

 

Norddeich (W)
In Norddeich finden wir einen gut ausgeschilderten und großzügig angelegten gebührenpflichtigenStellplatz direkt am Erlebnis-Bad “Ocean Wave“. Ein ausgeklügeltes Rabatt-System hilft, nicht zu viel zu zahlen, wenn man Erlebnis-Bad und Stellplatz gleichzeitig nutzt.

Wie auf einem Wohnmobil-Stellplatz üblich stehen dicht an dicht in vier Reihen die Reisemobile auf Betonstein-Platten. Am Platz finden sich Stromanschlüsse, wobei auch hier wichtig ist, ein ausreichend langes Stromkabel bei sich zu führen. Die Wasserver- und entsorgung ist gewährleistet. Toiletten können am Eingang entleert werden. In der Frühe kommt der Brötchenservice auf den Platz gefahren.

Norddeich ist Abfahrtstation zu den Inseln Norderney und Juist. Wir erreichen die Fährstation über den Deich hinweg, am künstlichen Sandstrand, einem Wiesenstreifen und am Fischerei-Hafen vorbei. Damit der Sandstrand nicht von den Wellen mitgenommen wird, wenn wieder mal das Wasser höher steht, ist der Sand zum Watt hin durch Steinplatten abgegrenzt, wie man hier sieht. Warnung: Vom Wohnmobil-Stellplatz bis zur Fährstation ist es recht WEIT zu gehen!

Natürlich sind wir auch im Ocean-Wave Meerwasser-Hallenbad gewesen, doch wie es der Kuckuck will, haben wir uns immer im falschen Becken aufgehalten, wenn gerade mal wieder “Wellenbad” angesagt war. Kinder werden jedenfalls eine rechte Gaudi in diesem Hallenbad haben! Erwachsene natürlich auch, vor allem, wenn es draußen windet und regnet!

Noch eine Alternative: Gut essen! Zum Beispiel im “Diekster Köken”, Deichstr. 6: “Grüne Heringe” sind dort delikat!

Sieben Kilometer von Norddeich Richtung Westen liegt als Außenstation der Seehundstation Nationalparkhaus das “Waloseum“, das kurz vor unserer Ankunft eröffnet hat.
Für mich als Technik-Freak höchstinteressant ist die Seehund-Beobachtung im Wattenmeer mit Hilfe einer Kamera, die am Rande der Insel Norderney aufgestellt wurde. Ein Fernsehbild wird in die Cafeteria des Waloseums übertragen. Der Clou am Live-Cam-System ist, dass man alle Funktionen der Kamera am PC fernsteuern kann. Die Live-Kamera wird per Solarstrom versorgt, die Informationen werden WLAN über 14 km (!!) übertragen

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Wolfgang Brugger

Wolfgang Brugger

CEO, Founder
Wolfgang Brugger ist der Webmaster von ReiseFreaks ReiseBlog. Reist (trotz Gehbehinderung) gerne und schreibt ehrlich über seine Reisen und die Möglichkeiten/Hindernisse, die er vorfindet. Lädt auch gerne Gäste zu Beiträgen in diesem Blog ein. Magst Du auch? Einfach Kontakt aufnehmen! http://reisefreak.de/zusammenarbeit/ - - -   PS: Bleib am Ball! Abonnier den kostenlosen ReiseNewsletter "ReiseJournal: ReiseNews und ReiseBerichte" unter http://ReiseNewsletter.ReiseFreak.de oder gleich auf dieser Seite, rechts.
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