Namibia: Ein fantastischer Wüstentag in Namib-Naukluft und Sossusvlei

Wolfgang von reiseblitz.com ist begeistert von den Formen und Farben der Namib-Wüste in Namibia. Genieß seinen Gastbeitrag:

Erbarmungslos brennt die Sonne auf das Sossusvlei herab. Keine Wolke am Himmel, kein Lüftchen regt sich. Wir erklimmen die letzte Sandkuppe und plötzlich liegt es vor uns: Das Deadvlei. Der abgefahrenste Ort, den ich in meinem Leben bisher gesehen habe.

Ich fühle mich unwillkürlich an das Märchen Schneewittchen erinnert – allerdings leicht abgewandelt: der Boden so weiß wie Lehm, die Dünen so rot vom Rost und die Bäume so schwarz wie Ebenholz. Seit der Tsauchab-Fluss vor über 500 Jahren seinen Lauf geändert hat, bekommen die Kameldornbäume hier keine Wasser mehr und sind komplett vertrocknet. Der Lehm, den der Fluss mitführte, ist zu einer steinharten Schutzschicht erstarrt. Darum versandet die Trockenpfanne nicht.

 

Bäume im Deadvlei
Das Deadvlei – Ein unglaublicher Ort!

 

Das Vlei (Afrikaans für Senke) ist Teil des vermutlich breitesten Sandstrands der Welt. Auf 2.000 Kilometern Länge erstreckt sich die Namibwüste entlang des Atlantischen Ozeans bis zu 160 km weit ins Landesinnere. Mit einer Fläche von rund 95.000 km2 ist sie ein wenig größer als beispielsweise Ungarn oder Portugal. Seit 80 Millionen Jahren ist sie hier, das macht sie zur ältesten Wüste der Welt.

Die Schönheit dieses unglaublichen Meisterwerks der Natur ist nur schwer in Worte zu fassen. Deswegen werde ich in diesem Beitrag hauptsächlich Bilder sprechen lassen.

Der Namib-Naukluft-Nationalpark

Frühmorgens starten wir unsere Tour und machen uns auf den Weg in den Namib-Naukluft-Nationalpark. Sowohl das Sossusvlei als auch das Deadvlei sind Teile davon. Schon in der Morgendämmerung ist die Stimmung faszinierend und der Sonnenaufgang setzt noch einen drauf. Aber seht selbst:

Für das beste Licht brecht ihr am besten schon frühmorgens auf
Für das beste Licht brecht ihr am besten schon frühmorgens auf.
Unterwegs zum Sossusvlei
Auf dem Weg in den Namib-Naukluft-Nationalpark.
Rot leuchtende Dünen
Die aufgehende Sonne färbt die Dünen feuerrot.
Sonnenaufgang über der Namib-Wüste
Der Sonnenaufgang über der Namibwüste ist ein tolles Schauspiel!
Heißluftballons über dem Sossusvlei
Bei Sonnenaufgang mit dem Heißluftballon über die Wüste fliegen – sicher auch ein unvergessliches Erlebnis!
Dünenschatten im Namib-Naukluft-Park
Die tief stehende Sonne erzeugt unglaubliche Licht-/Schattenspiele.

Die Düne 45: Ein Aufstieg mit Peitsche und Zuckerbrot

Wir tauchen immer tiefer ein in diese wundersame Welt. Ziemlich genau 45 km vom Parkeingang entfernt liegt die Düne 45. Sie ist etwa 180 Meter hoch und durch ihre Form relativ gut zu erklimmen. Dennoch ist der Aufstieg unglaublich anstrengend. Bei jedem Schritt sinken die Füße auf dem schmalen Grat in den Sand ein und der lose Untergrund rutscht wieder ein bisschen zurück nach unten. Ihr solltet also unbedingt etwas Wasser dabeihaben, ihr werdet es brauchen. Die Mühe lohnt sich aber, das Zuckerbrot folgt auf dem Gipfel in Form einer unvergleichlichen Aussicht. Sicherlich sogar eine der schönsten, die ich überhaupt jemals genießen durfte!

Deutlich mehr Spaß macht dann der Abstieg. An der steilen Seite der Düne rollen, rutschen und springen wir durch den Sand hinunter – ein Riesenspaß!

 

Düne 45 im Namib-Naukluft-Park
Die Düne 45 ist gut zu erreichen und verhältnismäßig leicht zu besteigen. Anstrengend ist es trotzdem!
Farbkontraste im Sossusvlei
Das rostige Rot der Dünen und das tiefe Blau des Himmels ergeben einen unglaublich schönen Kontrast.
Gipfelblick von der Düne 45
Der Blick vom Gipfel der Düne 45 ist einfach fantastisch.
Aussicht von der Düne 45
Von der Düne 45 reicht die Sicht weit in die Wüstenlandschaft.
Bett des Tsauchab-Trockenflusses
In der Namibwüste regnet es etwa alle 20 Jahre. Nur dann führt der Tsauchab-Trockenfluss für kurze Zeit Wasser. Die übrige Zeit ist nur sein trockenes Bett zu sehen.
Abstieg von der Düne 45
Der Abstieg geht deutlich schneller und macht auch mehr Spaß. Fast wie auf Watte springen und kullern wir den Sand hinunter.

Das Deadvlei: So tot und doch so schön

Von der Düne 45 sind es noch knapp 15 km bis wir einen gut gefüllten Parkplatz erreichen. Wer kein Allradfahrzeug hat, kommt ab hier selbst nicht mehr voran. Die Straße endet und weiter geht es einfach über den blanken Sand. Also steigen wir um in einen der Safarijeeps, die hier gegen Gebühr hin- und herfahren. Der Fahrer gibt ordentlich Gas und so holpern und schlingern wir immer tiefer in die Wüste hinein. Im Video könnt ihr auch ein Stück mitfahren (Vorsicht, laut!):

 

Nach weiteren 5 km geht es auch so nicht mehr weiter. Das letzte Stück bis zu unserem Ziel müssen wir zu Fuß gehen. Das lohnt sich aber. Auf allen Seiten ragen die Dünen um uns empor und bilden eine fantastische Kulisse. Etwa 30 Minuten dauert es, bis sich vor uns das bereits eingangs erwähnte Deadvlei ausbreitet. Eine wirklich bizarre, auf eine ganz eigene Art wunderschöne Welt. Es lohnt sich auf jeden Fall, tiefer in die Pfanne hineinzugehen und ein wenig zwischen den fast schon grotesk geformten Bäumen zu spazieren. Trotz widrigster Umstände halten sie hier zum Teil seit einem halben Jahrtausend die Stellung, unglaublich!

 

Sanddünen im Sossusvlei
Sand, soweit das Auge reicht.
Fußweg zum Deadvlei
Der Fußweg zum Deadvlei führt etwa 30 Minuten mitten durch die Wüste.
Baum im Deadvlei
Da es mangels Feuchtigkeit quasi keine Verwesung gibt, sind die Baumreste im Deadvlei teilweise über 500 Jahre alt.
Baum im Deadvlei
Ein alter Baum vor „Big Daddy“, der mit 350 Metern höchsten Sanddüne der Welt.
Blick aufs Deadvlei
Das Deadvlei aus der Ferne.

Das Sossusvlei: Wo selbst der Trockenfluss versiegt

Nach dem mehr als beeindruckenden Deadvlei machen wir uns auf, den letzten Winkel des Tsauchab-Tals zu erkunden. Etwa alle 20 Jahre regnet es in der Gegend. Nur dann führt der Tsauchab-Fluss überhaupt genug Wasser, dass es bis hierhin reicht. Hier im Sossusvlei versickert er dann endgültig im Wüstensand und erreicht den Atlantik nicht. Bis zum Meer sind es von hier allerdings noch gut 50 km. Dazwischen gibt es jedoch nur eins: Sand, Sand und noch mehr Sand.

Entlang des Trockenflussbetts können die Kameldornbäume mit ihren langen Pfahlwurzeln die Zeit bis zum nächsten Regen mit Grundwasser überbrücken. Der Spruch „Die Wüste lebt“ ist im Sossusvlei daher besonders zutreffend. Überall wachsen Kameldornbäume, kleine Sträucher und Gräser. Immer wieder krabbeln uns verschiedene Käfer über den Weg, die sich hier pudelwohl fühlen. Und sogar Springböcke und Oryx-Antilopen leben hier, wenn auch bei weitem nicht so zahlreich wie anderswo im Land.

Rostflecken auf den Dünen im Sossusvlei
Die schwarzen Spuren auf den Dünen entstehen durch die Korrosion des im Sand enthaltenen Eisens. Es sind also schlicht Rostflecken.
Sossusvlei
Das Sossusvlei ist das Ende des Tsauchab-Trockenflusses. Ab hier gibt es 50 km lang nur noch Sand.
Kameldornfrucht im Sossusvlei
Der Kameldornbaum trägt schotenartige Früchte, die den Tieren auch hier Nahrung bieten.

Sesriem Canyon

Leider müssen wir uns nun langsam von diesem großartigen Ort verabschieden und treten den Rückweg zu unserer Lodge an. Kurz hinter dem Ausgang des Namib-Naukluft-Nationalparks halten wir jedoch noch beim Sesriem Canyon. Auch er ist aktuell trocken und so können wir bis hinab auf den Grund steigen, um ein wenig auf den Spuren des Tsauchab zu wandeln.

Sesriem Canyon
Kurz vor dem Namib-Naukluft-Park hat der Tsauchab den Sesriem Canyon in den Boden gegraben.
Sesriem Canyon von unten
Etwa 30 Meter reicht der Canyon hinab.
Sesriem Canyon
Das poröse Sedimentgestein ist für das Wasser ein leichtes Opfer.
Sesriem Canyon
An der schmalsten Stelle ist der Canyon nur 2 Meter breit.

 

Am frühen Abend erreichen wir unsere Unterkunft und genießen einen weiteren traumhaften Sonnenuntergang von der Terrasse unseres Lodge-Häuschens. Ein unbeschreiblich schöner Tag geht zu Ende und ich bin mir absolut sicher: Ich habe ganz klar meinen neuen Platz 1 meiner schönsten bereisten Orte gefunden!

Lodge bei Sesriem
Auch unsere Lodge befindet sich mitten im Nirgendwo.
Blick aus der Lodge
Der Blick aus dem Bett kann voll und ganz überzeugen.
Sonnenuntergang in der Lodge
Sonnenuntergang von der Terrasse unserer Lodge.
  • Strecke: ca. 200 km
  • Gesamtzeit: 1 Tag
  • Fahrzeit: ca. 3 Stunden

Der Parkeingang befindet sich beim kleinen Städtchen Sesriem. Für den Park benötigt ihr ein Permit, das ihr vor Ort für N$ 80 (~€ 5,47**) pro Person kaufen könnt. Der Nationalpark ist von der Morgendämmerung bis zum Sonnenuntergang für Besucher geöffnet. Nur wer innerhalb des Zauns in einer der staatlichen Unterkünfte übernachtet, darf länger im Park bleiben.

** Umrechnung zum tagesaktuellen Kurs mit dem Euro FxRef Currency Converter
 

Danke an diesen Gastbeitrag von Wolfgang. Ein Besuch seines ReiseBlogs reiseblitz.com ist sehr zu empfehlen!

 

Literaturvorschlag

Ebook: Namibia – sprödes Paradies

Ebook: Erlebnis Afrika – Reisen durch Namibia, Südafrika, Zimbabwe (Simbabwe) und Malawi

The following two tabs change content below.

Gastautor

Auf ReiseFreaks ReiseBlog berichten Gastautoren regelmäßig von ihren Reisen weltweit. Willst Du auch Gastautor werden und hast Du schon einen attraktiven Reisebericht im WWW, kann dieser Google-konform mit wenig Aufwand auf ReiseFreaks ReiseBlog einer völlig neuen Leserschaft vorgestellt werden. Schreib einfach an http://ReiseFreak.de/mail zur Kontaktaufnahme.
Kurz-URL für diesen Beitrag:

Kurzlink zum Anklicken: https://goo.gl/lGIS1t

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Time limit is exhausted. Please reload CAPTCHA.

Mehr in ReiseBerichte
Israel (4). Toter geht’s nicht: Abstecher zum Toten Meer

Dead Sea revisited Wir kommen vom See Genezareth her. Der liegt ja schon 212 Meter tief, viel tiefer kann es...

Jordanien: Erlebe den Charme der Wüste im Wadi Rum

Christiane und Aras vom Reiseblog W.E.G. (Worldwide.Elderly.Getaways.) sind begeistert vom Charme der jordanischen Wüste - im Wadi Rum.

Schließen