Kapstadt, Südafrika: ENKOSI KAKHULU, KHAYELITSHA!

Khayelitsha, Township bei Kapstadt, Südafrika
copyright Doris vom ReiseBlog Reiserella

Doris berichtet in diesem Gastbeitrag aus dem Süden Afrikas. Normalerweise schreibt Sie für Ihren ReiseBlog Reiserella.

 

Ethisch zu leben ist mir wichtig. Auch beim Reisen. Dabei begegnet nicht nur mir oft die Frage, ob man sich bei Reisen in fremde Länder auch das Leben der sozialen Unterschichten angucken darf, oder ob dieser “Slum-Tourismus” ausnahmslos und absolut verwerflich ist. Ich selbst weiss es einfach nicht. Ich finde es falsch, diese Gruppen aus dem ganzen Tourismus auszuschließen (ja, toll, sie dürfen die Hoteltoiletten putzen, aber sonst..), ihnen die Chance auf ein bißchen Kohle zu verwehren und sie auch als kulturell wichtigen Part der Gesellschaft zu ignorieren.

Deswegen habe ich in Kapstadt einen Ausflug in ein Township gemacht. Khayelitsha ist der drittgrößte Slum Südafrikas und heißt aus dem Xhosa übersetzt “Neue Heimat”. Hier leben unglaubliche 400.000 Leute, fast ausschließlich Schwarze, in Wellblechhütten plusminus eine Wand.

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Es ist Neujahr, als ich Khayelitsha besuche. Der Tag beginnt mit einer Hiobsbotschaft: Die Sylvesterfeiern sind ausgeatet, angezündete Autoreifen haben das Feuer auf nahegelegene Hütten übertragen und einen Großbrand entfacht. Ein ganzes Viertel der provisorischen Kleinstadt ist ausgelöscht, wie viele Tote es gibt, ist noch nicht klar. In der Ferne kann ich den Rauch noch aufsteigen sehen. Ich hab das Gefühl kotzen zu müssen. Wegen mir, die ich dastehe und nichts unternehme, wegen der verzweifelten Gleichgültigkeit der Slumbewohner, wegen der Unfairness der Welt. “It is all about surviving”, sagt unser Guide Nelson.

Er und der Busfahrer stammen beide aus Khayelitsha. Nelson ist nicht sein richtiger Name, aber seine Mutter verehrt Nelson Mandela so sehr, dass sie irgendwann angefangen hat, ihren Sohn so zu nennen. Er lebt inzwischen in der City von Kapstadt. Er hat es aus dem Slum raus geschafft, indem er sich mit den Township-Tours selbstständig gemacht hat. Seine Mutter führt inzwischen ein kleines Bed & Breakfast in Khayelitsha, mit nur einem Gästezimmer. “Ich bin selten ausgebucht”, lacht sie fröhlich. Sie lädt mich, und die drei anderen Tourteilnehmer auf einen Saft ein, erzählt stolz, wie sie Madima (Nelson Mandelas Name auf Xhosa) ein Mal kennenlernen durfte und zeigt uns ein Foto als Beweis.

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Wir besuchen einen Mann, der aus alten Fahrrädern Neue zusammenbaut und sie verkauft. In seiner Werkstadt dürfen Kinder und Jugendliche sich ausprobieren, mithelfen und, wenn sie beim Verkauf eines Rades mithelfen, sogar eine Provision bekommen. Er will sie von der Straße holen, sagt er. “Obwohl für sie, die hier geboren sind, kaum Hoffnung auf ein gutes Leben besteht. Es sei denn, sie spielen unglaublich gut Fußball und einer von den Weißen kriegt das zufällig mit.” Außerdem besuchen wir die Familie Jambase, die zu siebt auf etwa 20 qm leben. Sie erzählen von ihrem Alltag, ihren Problemen und zeigen sich erschüttert, als sie erst von uns von dem großen Feuer hören.

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Wir kaufen Souvenirs, die die Frauen aus alten Cola-Dosen gebastelt haben, besuchen das Gemeindezentrum und eine Art selbstorganisierte Schule. Wir lernen “Hallo” und “Danke” auf Xhosa zu sagen, und unsere Kurzzeitgastgeber freuen sich, dass wir ihre Sprache lernen wollen. Zumindest ein bißchen. Dutzende Menschen kommen auf der Straße auf uns zu, plauschen mit Nelson, dem bunten Hund des Townships und umarmen uns mit guten Wünschen für das neue Jahr. Den Gastgebern drücken wir ein paar Rand in die Hand, Nelson findet das super. Selten hab ich so gerne Geld gelassen wie hier.

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Natürlich weiß ich nicht, wer genau wieviel von unserer Anwesenheit profitiert, aber ich spüre durchgehend ganz viel ehrliche Freude. Ich glaube, dass es gut ist, dass ich da war.


Alle Bilder copyright Doris vom ReiseBlog Reiserella

Doris berichtete in diesem Gastbeitrag aus dem Süden Afrikas. Normalerweise schreibt Sie für Ihren ReiseBlog Reiserella.

Mehr über Südafrika oder das südliche Afrika als Ebooks von Wolfgang Brugger

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Wolfgang Brugger

Wolfgang Brugger

CEO, Founder
Wolfgang Brugger ist der Webmaster von ReiseFreaks ReiseBlog. Reist (trotz Gehbehinderung) gerne und schreibt ehrlich über seine Reisen und die Möglichkeiten/Hindernisse, die er vorfindet. Lädt auch gerne Gäste zu Beiträgen in diesem Blog ein. Magst Du auch? Einfach Kontakt aufnehmen! http://reisefreak.de/zusammenarbeit/ - - -   PS: Bleib am Ball! Abonnier den kostenlosen ReiseNewsletter "ReiseJournal: ReiseNews und ReiseBerichte" unter http://ReiseNewsletter.ReiseFreak.de oder gleich auf dieser Seite, rechts.
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