Mein Ägypten-Urlaub: Gastunfreundlichkeit, Zahlungserzwingung, Psychospielchen

Beinahe aus dem Transferbus geworfen

Unverständliche und unangekündigte Provision für Visum-Beschaffung

Ein sehr unerfreuliches Erlebnis stand gleich am Anfang unseres Besuchs einer Sehnsuchtsdestination. Zum Schnorcheln in der Coraya-Bucht waren wir gekommen, doch schon im Transfer-Bus auf dem Weg vom Flughafen Marsa Alam zum Hotel wurden wir unter Druck gesetzt – und beinahe nachts aus dem Bus in die Kälte geworfen. Bloß weil ich die Provision auf die Visum-Gebühr unnötig und seltsam fand. Warum ging es das Jahr davor problemlos? Selbe (Uhr-) Zeit, selbes Datum, selber Ort?

An den Bankschalter, Visumgebühr bezahlt, durch die Passkontrolle und fertig.

Warum ist heute der Bank-Schalter zu? Warum muss man das Visum mit Provisionsaufschlag kaufen?

Und dann die Art und Weise, wie diese Gebühr eingetrieben wird: Gastfreundlichkeit (Freundlichkeit dem Gast gegenüber) sieht anders aus.

Wenn ein Urlaub schon so anfängt, kann es ja nur noch besser werden, oder?

Lies selbst:

Ich habe schon immer wissen wollen, ob dieses Verhalten (siehe Reisebericht, Link ganz unten, zur Erläuterung)  immer noch gang und gäbe ist, oder ob man sich eines klügeren Vorgehens befleißigt. Und ich eventuell schon bald in Marsa Alam vorbeischauen kann.

Deshalb habe ich am frühen Nachmittag des 21. Oktober 2016, also ca. 1 Jahr nach dem Vorfall, eine Anfrage (Web-Formular) von der Feedback-Website des Veranstalters FTI losgeschickt.

 

Den Rausschmiss aus dem Bus gerade noch mal so abgewehrt.

 

Der Inhalt meiner Anfrage:

Im letzen Herbst hatte ich einen wunderbaren Urlaub mit FTI in Marsa Alam, Ägypten…

… bis ich bei der Ankunft in Ägypten erstarrte, als man mich zu später Stunde beim Transfer vom Flughafen Marsa Alam zum Hotel in der Coraya – Bucht aus dem Bus – in die Nacht und in die zugige Kälte der Wüste – zu werfen drohte.

Jedenfalls war die Urlaubsstimmung bei allen Touristen gekippt.

So einen abstoßenden Empfang habe ich in den vielen Jahren als Reiseschriftsteller und ReiseBlogger noch nicht erhalten.

Ihre Meinung interessiert sicherlich auch meine Leser. Daher weise ich Sie darauf hin, dass die Kommunikation mit FTI gerne (sinnvoll gekürzt) weitergegeben wird.

Zu Ihrer Information lesen Sie bitte folgende Tatsachenerzählung:
(Anmerkung: Link unten)

Ich bin schon gespannt, ob die Bank im Flughafengebäude von Marsa Alam wieder geschlossen hat und man wieder dieses unwürdige Gezerre um Provisionen abzieht.

Ihr langjähriger Kunde

W. B.

 

Im folgenden kannst Du nachlesen, was FTI (genauer: 5vorflug, eine Tochtergesellschaft von FTI) als Verkäufer der Pauschalreise (Incl. Flug, Transfer und Hotel) dazu meint.

Ich bin schon sehr gespannt, was dabei heraus kommt. Und ob überhaupt etwas dabei herauskommt. Was man bei FTI unter „Kundenbindung“ versteht.

Welchen Weg man in künftig bezüglich der Visa-Prozedur am Flughafen Marsa Alam einschlägt.

 

 

Zeitliche Abfolge

1. Eine Kopie meiner Anfrage (als Bestätigung) erreicht mich schon wenig später als Mail, 14:36

2. Von FTI, „in Kooperation mit erf24 touristic services GmbH“ kommt aus Erfurt kurz darauf die Email-Mitteilung

Aufgrund der hohen Nachfrage kann es zu Verzögerungen in der Bearbeitung kommen.
Dies bitten wir zu Entschuldigen.

Nach Prüfung Ihres Anliegens bzw. Klärung Ihrer Anfrage erhalten Sie von uns schnellstmöglichst eine persönliche Antwort.

3. Das FTI Kundendienst Team (FTI über 30 Jahre | Erfahrung | weltweit) aus München bittet mich um 14:41 um Geduld und schreibt:

Ihr Anliegen ist uns sehr wichtig. Um den geschilderten Sachverhalt klären zu können, benötigen wir etwas Zeit.

Sobald wir alle erforderlichen Informationen eingeholt haben, setzt sich das zuständige Team sofort mit Ihnen in Verbindung.

4. Noch am selben Tag um 17:40 meldet sich das Kundendienst-Team der FTI-Gesellschaft  5vorFlug GmbH aus München per Email (ohne den direkten Ansprechpartner zu nennen) und schreibt:

Ihr Anliegen unterziehen wir einer sorgfältigen Prüfung mit unseren Vertragspartnern. Sobald wir alle entscheidungserheblichen Fakten zusammengetragen haben, melden wir uns unaufgefordert schriftlich bei Ihnen.

Die momentane Hochsaison ist im Kundendienst die aufkommensstärkste Zeit. Daher kann die Bearbeitung aus saisonalen Gründen mehrere Wochen in Anspruch nehmen. Dafür bitten wir um Verständnis. Es entstehen Ihnen dadurch keine Nachteile.

Auskünfte zum Bearbeitungsstand bitten wir nur in ganz dringenden Fällen einzuholen.

Für Ihre Geduld vielen Dank.

Ich stelle fest:

a) mein Name ist in der FTI-Datenbank – daher auch die Email von 5vorflug, der Veranstalter-Marke, die ich in meinem Anschreiben nicht genannt hatte und

b) man hat dort keine Korrespondenz-Partner, sondern nur „ein Team“ und

c) es ist (immer noch) Hochsaison bei 5vorFlug. Ich schätze, wegen der Herbstferien.

5. In der Wartepause, die ja „mehrere Wochen“ dauern dann (siehe unter 4), lese ich, dass Ägypten gerne mehr Touristen hätte. Aber liebe Leute, da muss man doch die Touristen, die schon kommen, anders behandeln, oder?

Zwischenbilanz

Eine Woche ist seit meiner Mail vergangen, und ich habe noch keine Antwort, bis auf ein paar Textbausteine.

In der Zwischenzeit habe ich etwas recherchiert. Beim Portal weg.de*

Dort habe ich nach einem Hotel nahe dem Flughafen Marsa Alam gesucht. Nachdem ich den passenden Zeitraum und einen vernünftigen Preis gefunden habe, konnte ich mir die Hotelbeschreibung des Reiseveranstalters „Schauinsland“ ansehen (Screenshot):

Ganz am Ende der Beschreibung kam der Hinweis zu den Einreisebedingungen/Visumprocedere:

Hier ein Screenshot vom 29.10.2016 (Klick zum Vergrößern):

… Das Einreisevisum für alle bei schauinsland-reisen gebuchten Reiseleistungen ist nicht im Reisepreis enthalten. Gäste haben die Möglichkeit, das Visum selbst zu organisieren oder es bei der Schauinsland Reiseleitung bei Ankunft für 30 € pro Person zu erwerben.

Das ist eine klare Ansage. Jetzt kann der Kunde sich schon mal darauf einstellen und entweder die 25US$ für die Bank oder die 30€ für den Veranstalter bzw. dessen Incoming Agent bereithalten.

Ähnliches schreibt auch Reiseveranstalter „Ferien Touristik“:

… Bitte beachten Sie, dass die Visagebühr in Höhe ca. 28 EUR nicht im Reisepreis enthalten ist. Staatsbürger der Bundesrepublik Deutschland, der Schweiz und Österreich erhalten ihr Einreisevisum direkt von unserer örtlichen Reiseleitung nach Ankunft am Flughafen in Ägypten gegen Bezahlung von ca. 28 EUR pro Person (Barzahlung).

Was finde ich aber – beim selben Portal (weg.de*) bei FTI?

Nichts dergleichen. Alle möglichen anderen Mitteilungen des Reiseveranstalters, aber kein Wort zur Einreise/Visum. Man geht als Kunde in diesem Falle also davon aus, dass die offiziellen Verlautbarungen des deutschen Auswärtigen Amtes bzw. des Einreiselandes zutreffen. In diesem Fall 25 US-$ pro Nase für das Visum.

Wenn meine Recherche stimmt, läuft es also noch Ende Oktober 2016 genau so wie letztes Jahr.

Auch am 31.10.16 höre und sehe ich nichts von FTI/5vorflug. Stattdessen recherchiere ich weiter und finde heute, 31.10., wie schon von Schauinsland und „Ferien Touristik“ in der Hotelbeschreibung von VTOURS:

 

Klick zum Vergrößern

 

Wichtige Hinweise Für die Einreise nach Ägypten ist ein Visum erforderlich. Dieses kann entweder vor Anreise kostenpflichtig (derzeit 22 EUR p. P.) bei ägyptischen Botschaften oder Generalkonsulaten oder bei Einreise nach Ägypten an den dafür vorgesehenen Schaltern an Flughäfen (derzeit 25 USD p. P.) erworben werden. Als besonderen Service für vtours-Gäste bietet unsere örtliche Agentur bei Einreise auch die Möglichkeit das „Welcome to Egypt“- Paket für 32 EUR p. P. zu erwerben, welches neben den Visagebühren zusätzlich weitere Leistungen wie die beschleunigte Abwicklung der Einreiseformalitäten und die persönliche Begrüßung durch die Reiseleitung bietet. Das „Welcome to Egypt“- Paket ist bei Ankunft am Flughafen bei den örtlichen Vertretern in bar zu bezahlen.

 

2. November 2016

Wieder nichts von 5vorflug/fti gehört/gelesen.

Dann gehe ich halt wieder auf Recherche. Beim ReisePortal Holidaycheck* werde ich fündig.

Ein Reiseveranstalter namens ETI schreibt in seine Hotelbeschreibung hinein:

In Ägypten gibt es zwingende Visa-Pflicht. Das Einreisevisum für Ägypten ist nicht im Reisepreis enthalten. Visa-Ausstellung vor Einreise über die ägypt. Botschaft Berlin/Konsulate kostet z.Zt. € 22,- pro Visa. Als deutscher Tourist erhalten Sie das Visum auch bei Anreise am ägyptischen Flughafen (25,- US $ / Visamarke ca. € 22,-). Vor Ort wird ein Visa-Service angeboten, dieser kostet z.Zt. € 28 ,-/Pers. und beinhaltet das Visum inkl. Bearbeiten und Stempeln, das spart Zeit bei der Einreise

Na also, geht doch!

Fazit bisher: Ich warte also weiter auf eine Stellungnahme des Reiseveranstalters 5vorflug/fti.

 

21. November 2016

Schön. Beziehungsweise: Überhaupt nicht schön. Der 1. Monat ist also vorbei.

1 Monat, seit ich eine einfache Frage gestellt habe. Siehe oben. Und immer noch keine Antwort, mit der ich etwas anfangen kann.

Blamabel, so was.

 

1. Dezember 2016

Vor ca. 6 Wochen, am 21. Oktober 2016, habe ich meine Nachricht und mein Anliegen an den Veranstalter geschickt.

Heute kommt eine Email, die ich hier gerne an Dich weiterleiten möchte. Der Einfachheit halber habe ich gleich meine Gedanken zwischen die Textzeilen geschrieben:

Die Dame vom Kundendienst von 5vorflug schreibt, dass sie meine Reklamation nicht mehr entgegennehmen könne. Jegliche Minderungsansprüche des Reisenden müssten, so schreibt sie, laut gängigem Reiserecht unverzüglich binnen eines Monates nach Reiserückkehr beim Veranstalter geltend gemacht werden. Sie schließt diesen Gedankengang damit, dass ein Anspruch auf Erstattung nach Ablauf dieser Frist nicht mehr bestehe. Und:

„Aus den oben genannten Gründen müssen wir daher die Ansprüche zurückweisen.“

Habe ich etwas von „Minderungsansprüchen“ und „Anspruch auf Erstattung“ erwähnt? Hätte ich sollen? Für das nächste Mal werde ich mir das merken. Vielleicht gibt es dann einen Schadensersatz und Schmerzensgeld wegen „entgangener Urlaubsfreude“  😉

Nun nimmt sie Stellung zur Visavergabe vor Ort. Sie lässt mich wissen, dass ihre Reiseleitung alle Gäste am Flughafen empfange. Um einen schnellen, reibungslosen Ablauf zu garantieren, würden die Visa durch ihre Vertretungen vor Ort organisiert.

Nun erklärt sie mir noch die Sache mit dem zu bezahlenden Visum-Betrag: Die vor Ort bei ihren Reiseleitern zu entrichtende Gebühr setze sich aus dem Visum und der Servicegebühr zusammen. Wenn Reisende das notwendige Visum für 25,00 USD kaufen wollten, dann müssten sie sich selbständig an die dafür vorgesehenen Schalter direkt am Flughafen wenden.

Ich hätte mich gefreut, wenn Frau R. den geschlossenen Bankschalter, wo es die Visum-Aufkleber gibt, erwähnt hätte. Mich hätte auch interessiert, warum der Bankschalter geschlossen war und somit der ankommende Ägypten-Besucher gar keine Möglichkeit hatte, zwischen dem teuren, von der Reiseleitung ausgegebenen Aufkleber und dem „normalen“, vom Staat Ägypten vorgesehen Visum-Aufkleber zu wählen.

Warum wurde beim Einkleben des Visums durch den Beauftragen der Reiseleitung nicht erwähnt, dass dieser Vorgang mit einer überproportional hohen Servicegebühr einher geht?

Mich hätte weiterhin interessiert, ob es am Flughafen Marsa Alam nun gang und gäbe ist, den Bankschalter zu schließen, wenn 2 Flieger fast gleichzeitig ankommen. Ich meine gelesen zu haben, dass am Sonntag Abend Flieger aus München und Nürnberg innerhalb kurzer Zeit Marsa Alam erreichen. Genügend Grund also, den Bankschalter geöffnet zu lassen.

Sie endet ihre Email damit, dass sie meine Unzufriedenheit über die Reiseleitung zur Kenntnis genommen habe.

Und:

Sollte das Verhalten Ihnen gegenüber nicht angemessen gewesen sein, entschuldigen wir uns dafür.“

Ich halte fest: Das Verhalten den ankommenden Touristen gegenüber (Bus im Nichts anhalten lassen, um Druck aufzubauen und die Geldzahlung zu erzwingen) war definitiv nicht in Ordnung. Dieses Verhalten hat mich abgestoßen und meine Urlaubsfreude schon am Anfang der Reise auf minus 20 Grad heruntergekühlt.

Entschuldigung – trotz der langen Wartezeit von 6 Wochen – akzeptiert. Wovon ich mir allerdings nichts kaufen kann. Wie sagt doch der Volksmund: „Talk is cheap“.

Ich bin weiterhin gespannt. Beim nächsten Besuch in Ägypten, und sei es Marsa Alam, werde ich ganz besonders das Procedere beachten und gerne in einer Fortsetzungsgeschichte darüber berichten.

 

 

Ägypten. Coraya-Bucht, Marsa Alam: Schnorcheln statt Schmuddelwetter

 

Nachtrag, Dezember 2016

Das Thema hat mich nicht losgelassen. Da ich keine belastbare Antwort auf meine Frage bekommen habe, ob nun im Flughafen Marsa Alam die Möglichkeit der Visumsbeschaffung per Bank funktioniert, habe ich eine Pauschalreise in die Coraya-Bay gebucht.

Und tatsächlich: Es klappte wie am Schnürchen. Obwohl wir (Passagiere aus 2 Flugzeugen) um Mitternacht herum am Flughafen ankamen, konnte man an der Bank das Visum-Pickerl holen. Zum Preis von 25 US$.

Lies mehr darüber in diesem Reisebericht:

Sonnenreich: Kurzurlaub in Ägypten. Schnorcheln in der Coraya-Bucht

 

 

 
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Wolfgang Brugger ist der Webmaster von ReiseFreaks ReiseBlog. Reist (trotz schwerem Unfall und Gehbehinderung) gerne und schreibt ehrlich über seine Reisen und die Möglichkeiten/Hindernisse, die er vorfindet.   PS: Bleib am Ball! Abonnier den kostenlosen ReiseNewsletter "ReiseJournal: ReiseNews und ReiseBerichte" unter http://ReiseNewsletter.ReiseFreak.de oder gleich auf dieser Seite, rechts.
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Eine Antwort auf Mein Ägypten-Urlaub: Gastunfreundlichkeit, Zahlungserzwingung, Psychospielchen

  1. Mika sagt:

    Da hast Du aber eine interessante Ägypten Reise gehabt. Vielen Dank für diesen informativen Artikel und die schöne Bebilderung. Herzliche Grüße

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